Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung -3-
2. Hauptteil -5-
2.1. Der Begriff der Epistel -5-
2.2. Urheberrecht und Verlagskonzepte im 18. Jahrhundert -6-
2.3. Lichtenbergs Beweggründe der Niederschrift der Epistel -7-
2.4. Lichtenbergs Argumentationsstrategie -9-
3. Fazit -16-
4. Literaturverzeichnis -17-
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1. Einleitung
Das 18. Jahrhundert ist gekennzeichnet durch die Wesenszüge der Epoche „Aufklärung“. Eine Antwort darauf, was Aufklärung bedeutet, hat 1784 der Philosoph Immanuel Kant in einem gleichnamigen Aufsatz gegeben:
Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Vermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines andern zu bedienen. Selb stverschuldet ist diese Unmündigkeit, wenn die Ursache derselben nicht am Mangel des Verstandes, sondern der Entschließung und des Mutes liegt, sich seiner ohne Leitung eines andern zu bedienen. Sapere aude! Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen! ist also der Wahlspruch der Aufklärung... Zu dieser Aufklärung aber wird nichts erfordert als Freiheit, und zwar die unschädlichste unter allen, was nur Freiheit heißen mag. Nämlich die: von seiner Vernunft in allen Stücken öffentlich Gebrauch zu machen. 1
Neben Gotthold Ephraim Lessing (1729- 1781) und Johann Christoph Gottsched (1700-1766) gehört auch Georg Christoph Lichtenberg (1742- 1799) zu den bedeutenden Literaten dieser Zeit. Vorwiegend wurde G. C. Lichtenberg durch seine zahlreichen Aphoris men in den Sudelbüchern bekannt, die nach seinem Tod veröffentlicht wurden. Neben diesen Einträgen verfasste er jedoch auch eine Vielzahl von Briefen, welche er der Öffentlichkeit zugänglich machte. Einer dieser Briefe stellt die Epistel an Tobias Göbhard 2 dar, die zunächst an den Adressaten gesendet werden sollte, dann aber nur einigen Freunden G. C. Lichtenbergs vorgelesen wurde. 3 Einer dieser Freunde war der spätere Herausgeber des Briefes Friedrich Eckhard, bei welchem sich herausstellte, dass dies der Pseudonymname G. C. Lichtenbergs war, den er auch in der Zweiten und
1 Rötzer, Hans Gerd: Geschichte der deutschen Literatur. Bamberg: Buchners Verlag 1992, S. 66.
2 Unter einer Epistel wird eine Strafpredigt verstanden, die sich mit Begebenheiten des allgemeinen
Lebens beschäftigt. Näheres unter 2.1.
3 Lichtenberg, Georg Christoph: Epistel an Tobias Göbhard. In: Georg Christoph Lichtenberg. Band III:
Schriften und Briefe. Hrsg. von Wolfgang Promies. 4. Auflage. München 2001 (=Georg Christoph
Lichtenberg), vgl. S. 237.
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Dritten Epistel an T. Göbhard verwendete. 4 Grund zu dem Anlass der Epistel war eine von T. Göbhard auf den Verleger Johann Christian Dieterich bekannt gemachte Schmähschrift.
Im Folgende n wird die Epistel G. C. Lichtenbergs unter dem Gesichtspunkt seiner Argumentationsstrategie 5 untersucht. Welche Art und Weise der Argumentation führt G. C. Lichtenberg in der Epistel an, und wie baut er diese auf? Bekannt war G. C. Lichtenberg für seine satirischen Äußerungen, und so schrieb Bürger im II Stück des Deutschen Museums „die beiden Briefe an Göbhard seien `Fliegende Blätter, die keinem unbekannt seyn sollten, der echten Witz, Satyre und Laune zu fühlen weiß`.“ 6
4 Lichtenberg, Georg Christoph: Epistel an Tobias Göbhard. In: Georg Christoph Lichtenberg. Schriften
und Briefe. Kommentar zu Band III. Hrsg. von Wolfgang Promies. 4. Auflage. München 2001 (=Georg
Christoph Lichtenberg), vgl. S. 95.
5 Nach W. Rehm (1979) lassen sich vier Argumentationen unterscheiden:
http://www.teachsam.de/deutsch/d_rhetorik/argu/arg_strat.htm (Stand vom: 17.03.2005)
6 Lichtenberg, Georg Christoph: Epistel an Tobias Göbhard. Kommentar zu Band III, S. 96.
4
2. Hauptteil
2.1. Der Begriff der Epistel
Der Begriff „Epistel“ stammt von dem lateinischen epistula ab und bedeutet veraltet „Strafpredigt“. 7 Im 17. und frühen 18. Jahrhundert trat die Epistel in Form einer „poetischen Epistel“ oder „Briefgedicht“ auf. 8 Obwohl die Ep istel von Lichtenberg an Göbhard keine poetische Epistel darstellt, erfüllt sie dennoch die Wesensmerkmale und Forderungen, die sie an ihren Verfasser stellen sollte. Die Auffassung von der Aufgabe einer Epistel beruht auf dem „docere et delectare“ 9 des Horaz. Johann Caspar Friedrich Manso umschreibt es in seiner Abhandlung „Über das Wesen der horazischen Epistel“:
Die [...] Epistel ist eine schriftliche, an eine bestimmte Person gerichtete Mitteilung der Gedanken über Gegenstände, Auftritte, Begebenheiten, Verhältnisse des gemeinen Lebens sowohl als über andere aufs Leben anwendbare, oder sonst wissenswerthe Wahrheiten, [...]. 10
Außerdem wurde betont, dass die Epistel sich vorwiegend mit Angelegenheiten von allgemeinem Interesse zu befassen habe, und dass die Person, an die sie sich wende, „als Stellvertreter einer Klasse von Menschen oder der Menschheit überhaupt erscheinen“ 11 müsse. Lichtenberg schreibt die Epistel, in der er sich mit dem aktuellen Thema des Nachdrucks beschäftigt, zwar direkt an Göbhard, verdeutlicht aber dennoch selbst, dass „ [...] der Göbharde, [...] mehr sind, als man glauben sollte, und dieser Brief einige derbe Wahrheiten gerade in dem Ton gesagt enthält, den dieses Gesindel allein versteht“. 12 Demzufolge ist die Epistel zunächst direkt an Göbhard gerichtet, beinhaltet aber Äußerungen zu allgemeinen Anlässen. Somit nutzt Lichtenberg Göbhard als „Stellvertreter“ aller, die ebenfalls der Tätigkeit nachgehen, um ihr Vorgehen zu kritisieren.
7 Bertelsmann: Wörterbuch der deutschen Sprache. Gütersloh/ München: Wissen Media Verlag 2004,
S. 424.
8 Motsch, Markus: Die poetische Epistel. Bern und Frankfurt/ M.: Herbert Lang Verlag 1974, vgl. S. 9.
9 Ebenda: vgl. S. 9 „belehren und unterhalten“ (eig. Übersetzung nach Pons: Wörterbuch Latein- Deutsch).
10 Manso, Johann Caspar Friedrich: Über das Wesen der horazischen Epistel. Nachträge zu Sulzers
allgemeiner Theorie der schönen Künste. Band VI. Leipzig 1802, S. 398.
11 Motsch, Markus: Die poetische Epistel, S. 10.
12 Lichtenberg, Georg Christoph: Epistel an Tobias Göbhard. In: Georg Christoph Lichtenberg. Band III:
Schriften und Briefe. Hrsg. von Wolfgang Promies. 4. Auflage. München 2001 (=Georg Christoph
Lichtenberg), S. 237.
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Rebecca Stabbert, 2005, Georg Christoph Lichtenbergs Argumentationsstrategie in der Epistel an Tobias Göbhard, München, GRIN Verlag GmbH
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