Kathrin Loer: Bevölkerungsentwicklung Deutschlands nach dem Zweiten Weltkrieg
Einleitung
Besonders im Rahmen aktueller Diskussionen um soziale Sicherungen und um eine Reform des Rentensystems gewinnen Bevölkerungsfragen immer stärker an Bedeutung. Obwohl das Bevölkerungswachs im weltweiten Maßstab - auch in Zukunft
- positiv verläuft, vollzieht sich in Europa eine negative Bevölkerungsentwicklung. Dieser Trend schafft auch für Deutschland erhebliche Probleme. Nach den aktuellen Prognosen bis 2050 wird die Bevölkerung in Deutschland kontinuierlich abnehmen. Berechtigte Angst vor einem „(aus-) sterbenden Volk“ herrscht nicht, eine erhebliche Veränderung der Bevölkerungs- und besonders der Altersstruktur ist unvermeidlich.
Im ersten Kapitel geht es zunächst um die allgemeine, nachfolgend um die nationale Bevölkerungsentwicklung in Deutschland. Welche Entwicklungen fanden in der Bundesrepublik Deutschland, welche in der Deutschen Demokratischen Republik statt und wie setzte sich die Bevölkerungsentwicklung nach der Wiedervereinigung bis in die späten 1990er Jahre fort?
Nachdem eine allgemeine Definition des Begriffes „Bevölkerung“, Hinweise zur Erfassung von Bevölkerungszahlen sowie eine Typologie der
Bevölkerungsentwicklung in das Thema einführen, werden die maßgeblichen Einflussfaktoren dargestellt. Im Anschluss daran erfolgt eine Darstellung der deutschen Bevölkerungsentwicklung nach dem Zweiten Weltkrieg unter Berücksichtigung der Faktoren
• Entwicklung der Geburtenzahlen,
• Wandel ehelicher und familiärer Lebensformen,
• Migration und
• Lebenserwartung.
Neben einem kurzen Ausblick auf die zukünftige Bevölkerungsentwicklung anhand von Prognosen bis zum Jahr 2050 beleuchtet das zweite Kapitel eine mögliche Alternative zur Lösung der Bevölkerungsproblematik in Form von Zuwanderung. Könnte Zuwanderung die Probleme abmildern, ausgleichen oder sogar beheben? Welche Aspekte müssen im Kontext einer erfolgreichen Zuwanderungspolitik beachtet werden?
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Kathrin Loer: Bevölkerungsentwicklung Deutschlands nach dem Zweiten Weltkrieg
Obwohl das Thema „Bevölkerungsentwicklung“ in vielen Aspekten eng mit Auswirkungen (möglicherweise gezielter) Bevölkerungspolitik verknüpft ist,
vernachlässige ich im ersten Kapitel im Zusammenhang mit den Einflussfaktoren (bevölkerungs-)politische Maßnahmen der BRD-, DDR- und gesamtdeutscher Regierungen. Im Vordergrund stehen ausschließlich die Entwicklungsprozesse und ihre Auswirkungen. Das zweite Kapitel hingegen erweitert diese Perspektive um die gesellschafts- und bevölkerungspolitische Diskussion über Zuwanderung, ihre Probleme und Folgewirkungen.
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Kathrin Loer: Bevölkerungsentwicklung Deutschlands nach dem Zweiten Weltkrieg
1. Bevölkerungsentwicklung in Deutschland nach 1945
Unter Bevölkerung ist in Deutschland die Gesamtheit der Einwohner eines nach bestimmten Gesichtspunkten abgegrenzten Gebietes (Staat, Bundesland, Region, Gemeinde u.a.) zu verstehen. Seit der Volkszählung 1950 liegt in der Bundesrepublik Deutschland ein an das Verwaltungsrecht gebundenes Konzept zugrunde: Zur Bevölkerung einer territorialen Einheit gehören alle Personen, die ihren ständigen Wohnsitz in einer bestimmten Gemeinde o.ä. haben o der dort wohnberechtigt sind. Somit werden auch Ausländer bei der Berechnung der Bevölkerungszahlen mit einbezogen. Nicht zur Bevölkerung zählen die Angehörigen ausländischer Stationierungsstreitkräfte sowie ausländischer diplomatischer und konsularischer Vertretungen sowie deren Familienangehörige (vgl. Statistisches Bundesamt 1995: S.43f.). Das Melderechtsrahmengesetz (1980) und die Änderung dieses Gesetzes (1994) definieren den ständigen Wohnsitz bzw. die Hauptwohnung (Hauptwohnsitz) als die vorwiegend genutzte Wohnung des Einwohners.
Als Grundlagen der bundesrepublikanischen Bevölkerungsstatistik dienen
Volkszählungen, wie sie in den Jahren 1950, 1961 und 1987 durchgeführt wurden, die laufend fortgeschrieben werden und somit eine ununterbrochene Betrachtung der Bevölkerungsentwicklung ermöglichen (vgl. Bähr 1992: S. 24f.). Diese Fortschreibung stützt sich auf die Statistiken der natürlichen Bevölkerungsbewegung sowie der wanderungsbedingten Bevölkerungsentwicklung.
1.1 Typen der Bevölkerungsentwicklung
Um Typen der Bevölkerungsentwicklung unter Berücksichtigung der natürlichen Bevölkerungsbewegung / des generativen Verhaltens und der Migration zu erfassen, bieten kartesianische Koordinaten eine differenzierte Mess- und Orientierungshilfe (vgl. Kuls/ K emper 2000: S.259f.). Diese veranschaulichende Darstellung (Abbildung 1) erfasst unterschiedliche Entwicklungen der Bevölkerungszahlen und zeigt dabei auf, wodurch die Bevölkerungszahlen positiv bzw. negativ beeinflusst werden. Auf der waagerechten (x-Achse) sind die Wanderungsbilanzen (Wanderungsverlust WV,
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Wanderungsgewinne WG), auf der senkrechten (y-Achse) die Geburten- (G) bzw. Sterbeüberschüsse (St) abgetragen. So lassen sich acht unterschiedliche Typen der Bevölkerungsentwicklung feststellen - in den Varianten A, B, C, D wächst die Bevölkerungszahl an, da zum einen die Geburtenüberschüsse Wanderungsdefizite ausgleichen bzw. übertreffen (A ) oder da Wanderungsgewinne einen Sterbefallüberschuss nivellieren (D) 1 . Negative Wanderungsbilanzen, die größer a ls der Geburtenüberschuss sind, (H) sowie Sterbefallüberschüssen, die durch
Wanderungsgewinne nicht ausgeglichen werden können (E), wirken sich negativ auf die Bevölkerungszahl aus.
Abbildung 1: Kartesianische Faktoren - modellhafte Erfassung der Bevölkerungsentwicklung
Welche Faktoren sich auf die Bevölkerungsentwicklung der Bundesrepublik Deutschland und die der Deutschen Demokratischen Republik nach dem Zweiten Weltkrieg sowie auf das wiedervereinigte Deutschland nach 1990 auswirkten und bis heute auswirken, gilt es im Folgenden darzustellen. Im Anschluss an die Betrachtung
1 Die Bevölkerungszahl wächst auch dann, wenn zwei „positive“ Bilanzen auftreten: Wanderungsgewinn
+ Geburtenüberschuss (Felder BC).
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der Entwicklung sowie die Prognosen für die Zeit bis 2050 stellt sich die Frage, durch welche „Gegenmaßnahmen“ ein u.U. anzunehmender starker Bevölkerungsrückgang ausgeglichen oder zumindest abgemildert werden könnte.
1.2 Einflussfaktoren auf die Bevölkerungsentwicklung
Zur Beschreibung und Analyse der Bevölkerungsentwicklung hilft es, einzelne Entwicklungen zu betrachten, die auf ein positives wie negatives
Bevölkerungswachstum einwirken. Zum einen bestimmen die Nettoreproduktionsraten (TFR) bzw. die Geburtenziffern je Frau in entscheidender Weise mit, wie sich die Bevölkerungszahlen entwickeln. Zum anderen werden weitere Aspekte, wie die Formen des (partnerschaftlichen) Zusammenlebens (z.B. Heiratshäufigkeit,
Scheidungen,...) in einer Gesellschaft, Migration und auch die Lebenserwartung Berücksichtigung finden. Da in industrialisierten Gesellschaften ein
Bevölkerungsrückgang besonders im Hinblick auf soziale Sicherungssysteme als problematisch und destabilisierend anzusehen ist, können Migration,
Nettoreproduktionsrate, Lebensformen und Lebenserwartung in ihrer jeweiligen, für das Wachstum negativen Ausprägung als „Indikatoren einer Krise“ bezeichnet werden (vgl. Mayer 1999: S.75ff.).
Abbildung 2:Einflussfaktoren auf die Bevölkerungsentwicklung
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Arbeit zitieren:
Kathrin Woltering, 2001, Bevölkerungsentwicklung in Deutschland, München, GRIN Verlag GmbH
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