Inhaltsverzeichnis Seite
1. Einleitung 03
2. Geschichte bis zum ersten Weltkrieg 04 05
3. Karl Schmidt der Werkbund 06 07
4. Ideologische Aspekte zu Hellerau Werkbund 07 09
4.1. Ganzheitlichkeit 09 14
4.2. Nachhaltigkeit 15 16
4.3. Freude an der Arbeit 16 18
4.4. Versöhnung Mensch und Industrie 18 19
4.5. Form ohne Ornament 19 20
4.6. Die Welt als Garten 20 22
5. Eine vergleichbare englische Bewegung: Arts Crafts 22 24
6. Umsetzung der Hellerauidee 25 25
6.1. Möbelproduktion und Einrichtungsgegenstände 25 27
6.2. Mode 27 28
6.3. Architektur 28 30
6.4. Das Festspielhaus und Tanztheater 30 30
7. Rückbezug zum Seminar Synästhesie und Medienkunst 31 32
8. Hellerau nach dem Krieg und heute 32 33
9. Ausblick 34 34
Bilderverzeichnis 35 37
Literatur 37 38
Internetquellen 39
Verfasserin: Evelyn Schubert
Verfasser: Enrico Kloth
1. Einleitung
Hellerau ist die erste Gartenstadt Deutschlands. Der Tischlermeister Karl Schmidt befand 1908 das Areal um den Ortschaften Klotsche und Rähmnitz für geeignet, um seine neue Fabrik zu bauen. Er baute aber nicht nur eine Fabrik, sondern seinen Arbeitern gleich eine Stadt dazu. 1910 lebten 60 Familien in Hellerau. Drei Jahre später war die Siedlung mit fast 2000 Einwohnern lebensfähig. 1 Schmidt verfolgte bei seinem revolutionären Projekt die Idee eine Einheit zwischen Wohnen, Arbeiten und Kultur zu schaffen.
Doch Hellerau war mehr als ein sozialreformerisches Experiment im Grünen: Hellerau bildete ein exemplarisches Beispiel dafür, wie aus den Geistesströmungen des deutschen Werkbund eine Lebensform umgesetzt wurde.
Diese Schrift entstand auf der Grundlage eines Referats mit dem Titel „Hellerau“. Es wurde am 08.11.2004 von den Studierenden der Fachrichtung Kommunikationswissenschaft Evelyn Schubert und Enrico Kloth an der Universität Erfurt im Seminar „Synästhesie und Medienkunst“ vorgetragen.
Ziel dieser Arbeit ist es die Geschichte eines in Vergessenheit geratenen Ortes bei Dresden zu rekonstruieren. Weiter sollen ideologische Facetten Helleraus aufgedeckt werden, d ie hierzu in d en Geistestraditionen des D eutschen Werkbundes gesehen w erden. Nach der Präsentation der vergleichbaren englischen Arts & Crafts Bewegung sollen die Ergebnisse der ideologischen Betrachtung am Beispiel von ausgewählten Künsten und (Kunst- oder Alltags-) Gegenständen aus dem Umfeld Helleraus verdeutlicht werden. Abschließend steht das heutige Hellerau im Mittelpunkt des Interesses. Hierzu wird nach einer „Bestandsaufnahme“ die Frage diskutiert, in wie weit die Traditionen Helleraus bzw. des Werkbundes einer zeitgenössischen Anwendung genügen.
3. Karl Schmidt und der Werkbund
Da die ideologische Erschließung der Hellerau- Idee mit Hilfe des Programms des deutschen Werkbundes vorgenommen werden soll, muss im Vorfeld die Frage geklärt werden: Was verbindet Hellerau mit dem deutschen Werkbund? Den Schlüssel zur Beantwortung dieser Frage bildet die Person Karl Schmidts selbst.
Karl Schmidt muss neben anderen Personen als treibende Kraft bei der Schaffung der Institution des Werkbundes gesehen werden. Schon 1906 spürte er wie auch Friedrich Naumann, dass eine nationale Organisation nötig sei, die im Stande wäre, die freigesetzten Reformkräfte zu nähren, wenn die durch die Dresdener Werkstätten erzielten Erfolge sich nicht verflüchtigen sollten. Deshalb entwickelten beide im Umfeld der Dresdener Kunstgewerbeausstellung den Plan für die organisatorische Gestalt des Werkbundes. 8 Den Hintergrund Schmidts Streben bildete neben Bündelung von Reformströmungen vor allem seine Sehnsucht nach einer kraftvollen, beständigen und harmonischen Gesellschaft. 9 Sein Tischlerbetrieb und die Pläne zur Ausgestaltung des neuen Gemeinwesens Hellerau war demnach nur ein lokales Muster, das er im Idealfall auf eine ganze Gesellschaft anzuwenden versuchte.
Auch nach der Gründung des Werkbundes behauptete Schmidt einen starken Einfluss auf dessen Entwicklung. So scheint es auch seinen Initiativen gedankt zu sein, dass der erste Sitz des Werkbundes bis 1912 in Hellerau errichtet wurde. Nun war das Schicksal der Siedlung zumindest geographisch mit dem der Organisation verknüpft. Neben lokaler Nähe zum Werkbundsitz unterhielt Schmidt enge persönliche Beziehungen zur administrativen Spitze der Institution. Herausragend blieb Zeit seines Lebens die Bindung an Naumann, der zum „literarischen Verfechter“ 10 der Reformideen Schmidts in der Öffentlichkeit wurde. Eine ähnliche Freundschaft verband Schmidt mit Wolf Dorn dem ersten Geschäftsführer des Werkbundes. Er absolvierte nach der Gründung des Werkbundes eine Schreinerlehre in den Dresdener Werkstätten unter Anleitung
8 Vgl. Fehr, Michael; Röder, Sabine; Storck, Gerhard: „Das schöne und der Alltag: Die Anfänge modernen
Designs 1900 - 1914 “, Köln: Wienand Verlag, 1997; S.21
9 Vgl. Campbell, Joan: „Der Deutsche Werkbund : 1907 - 1934“, München : Klett-Cotta im Dt. Taschenbuch
Verl., 1989; S. 27.
10 Junghanns, Kurt: „Der Deutsche Werkbund: Sein erstes Jahrzehnt“, Henschelverlag, Berlin 1982; S.15
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von Schmidt. 11 Dorn zählte zu einen er „entscheidendsten Antriebskräfte“ 12 bei der Ausgestaltung des Hellerau- Projekts. Eine weitere wichtige Person im Leben Schmidts war Hermann Muthesius der zweite Vorsitzende des Werkbundes, dessen gegenseitige geistige Befruchtung Schmidt stets betonte. 13 Auch Muthesius war wesentlich an der Entwicklung der Gartenstadt beteiligt. 14 Der Kontakt zu diesen und anderen Personen gewährleistete Schmidts Einflussnahme auf die geistige Formung des Werkbundes besonders in der ersten Zeit seines Bestehens. Im Umkehrschluss ist zu bemerken, dass die Einflussnahme Schmidts nie einseitig, sondern als „Geben und Nehmen“ verstanden werden muss. Schmidts Arrangement für den Werkbund verringerte sich nach Ausbruch des ersten Weltkrieges kontinuierlich. Die Korrespondenz mit ihm lässt sich bis in die Zwanziger Jahre verfolgen.
4. Ideologische Aspekte zu Hellerau & Werkbund
Schon lange vor Gründung der Organisation waren die später wichtigen Werkbundmitglieder wie Peter Behrens, Henry van de Velde, Richard Riemerschmidt (Künstler und Architekten), Josef August Lux (Kritiker), Karl Schmidt (Unternehmer) und Friedrich Naumann (Politiker) in einem losen Verbund, der sich selbst als Kunstgewerbebewegung verstand. Ziel dieses Verbundes war nicht nur die Förderung innovativer Arbeiten, sondern die „umfassende Reform der künstlerischen und wirtschaftlichen Praktiken.“ 15 Als Ausdruck dessen forderten sie die Einbindung künstlerischer Arbeit in die Fertigung von Alltagsgegenständen. Diese sollten dann mittels industrieller Produktion für einen entsprechend großen Markt zur Verfügung stehen. 16 Als Ergebnis eines offenen Konflikts mit traditionellen Produzenten wurde am 5. Oktober 1907 die Kunstgewerbevereinigung als Deutscher Werkbund gegründet. 17 Schon kurz nach der Gründung des Werkbundes erweiterten sich
11 Vgl. Campbell, Joan Der Deutsche Werkbund : 1907 - 1934, München : Klett-Cotta im Dt. Taschenbuch Verl., 1989; S. 28 12 Vgl. Wichmann, Hans: „Deutsche Werkstätten und WK- Verband 1898- 1990 – Aufbruch zum neuen Wohnen“, München: Prestel- Verlag, 1992; S. 90 13 Vgl. Junghanns, Kurt: „Der Deutsche Werkbund: Sein erstes Jahrzehnt“, Henschelverlag, Berlin 1982; S.15 14 Vgl. Wichmann, Hans: „Deutsche Werkstätten und WK- Verband 1898- 1990 – Aufbruch zum neuen Wohnen“, / München: Prestel- Verlag, 1992; S. 83 15 Schwartz, Frederic : „Der Werkbund : Ware und Zeichen 1900-1914“, Hrsg. vom Museum der Dinge Werkbundarchiv, Berlin, und dem Karl Ernst Osthaus-Museum, Hagen. Aus dem Engl. von Brigitte Kalthoff Dresden : Verl. der Kunst, 1999; S. 26 16 Vgl. Ebd.; S. 26 17 Vgl. Ebd.; S. 27
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die Zielsetzungen. In der Satzung des Deutschen Werkbundes vom 12. Juli 1908 heißt es: „Der Zweck des Bundes ist die Veredelung der gewerblichen Arbeit im Zusammenwirken von Kunst, Industrie und Handwerk durch Erziehung, Propaganda und geschlossene Stellungnahme zu einschlägigen Fragen.“ 18 Neben der Versöhnung von Kunst und Industrie bedeutete dies vor allem die Notwendigkeit einer kunsterzieherischen Reform. 19 Trotz dieser vorgegebenen Stossrichtung gestaltete sich die Akzentuierung der ideologischen Inhalte der Bewegung in den drei Wirkungsphasen des Werkbundes sehr unterschiedlich. In der Pionierphase zwischen 1908 und dem ersten Weltkrieg beschäftigte sich der Werkbund hauptsächlich mit „der Einflussnahme der Kunst auf die Produktion des Handwerks und der Industrie“ innerhalb des damals gesetzten nationalen Rahmens. 20 Zeugnis darüber geben die Jahrbücher 1912-1916 mit einer nicht „abreißenden Diskussion zwischen dem Verhältnis des schöpferischen Menschen und den Produzenten industrieller Güter“. 21 In der Folgephase wurde die Notwendigkeit der Einflussnahme „über das Ästhetische hinaus“ gefordert. 22 Angesichts gesellschaftlicher Probleme sollte der Werkbund sich auch sozialer und pädagogischer Aufgaben widmen. „Die Neuordnung der Arbeits-, Lebens- und Wohnformen ist Werkbundaufgabe.“ heißt es in einer Jahresschrift. 23 Als Ergebnis internationaler Veranstaltungen gestaltete sich in den Jahren der zweiten Phase zunehmend der „Wille zu weltweiter Zusammenarbeit“.
In den Nachkriegsjahren, der dritten Phase entwickelten sich auf Länderebene unterschiedliche Handlungsschwerpunkte. Der Werkbundaktivist und Bauhaus-Architekt Mies van de Rohe drückte diese Erwatung schon 1927 in der Januarausgabe der Werkbundschrift „Die Form“ so aus: „ […] ich würde wünschen, wir marschieren ohne Fahne“. 24 Gemeint ist damit der Wunsch das Prinzip der Zentralisierung zugunsten einer Politik des Föderalismus und autonomer Zielstetzungen innerhalb des Werkbundes zu ersetzen. Seine Vision
18 Schwarz, Felix; Gloor, Frank (Hrsg): „Die Form : Stimme des Deutschen Werkbundes 1925 - 1934“, Gütersloh : Bertelsmann-Fachverl., 1969; S.9 19 Vgl. Campbell, Joan: „Der Deutsche Werkbund : 1907 - 1934“, München : Klett-Cotta im Dt. Taschenbuch Verl., 1989; S. 63 20 Ebd.; S.9 21 Ebd.; S.9 22 Schwarz, Felix; Gloor, Frank (Hrsg): „Die Form : Stimme des Deutschen Werkbundes 1925 - 1934“, Gütersloh : Bertelsmann-Fachverl., 1969; S.9 23 Ebd.; S.10 24 Van de Rohe, Mies: „Offener Brief“, in: Die Form. Monatsschrift für gestaltende Arbeit, Jg. 1/1927 H.1-5, München; S. 34
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Quote paper:
Enrico Kloth, Evelyne Schubert, 2005, Hellerau, Munich, GRIN Publishing GmbH
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DOI
Die Gartenstadtbewegung (Ebenezer Howard)
Sociology - Habitation, Urban Sociology
Scholary Paper (Seminar), 18 Pages
Geography / Earth Science - Demographics, Urban Management, Planning
Scholary Paper (Seminar), 8 Pages
Art - Architecture / History of Construction
Scholary Paper (Seminar), 34 Pages
Enrico Kloth has published the text Hellerau
Enrico Kloth has uploaded a new text
Gartenstadt Hellerau. Garden City of Hellerau
Einhundert Jahre erste deutsch...
Clemens Galonska, Frank Elstner
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Claudia Beger, Andreas Seeliger, Christopher Wynne
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