1 EINLEITUNG:
In dieser Arbeit werden zwei Möglichkeiten zum Einstieg in die Systematische Pädagogik vorgestellt, diese sind „Systematische Pädagogik I“ von Karl-Heinz Dickopp und „Erziehungs- und Bildungstheorien“ von Franzjörg Baumgart. Der Einstieg in diese Thematik erweist sich für viele StudienanfängerInnen als nicht einfach und bringt Schwierigkeiten mit sich. Durch die richtige Literaturwahl, also den geeigneten Einstiegskurs, kann er entsprechend erleichtert werden. Ein Vergleich hilft bei der Entscheidung, welcher Kurs sich für den Einstieg in dieses Gebiet der Erziehungswissenschaften eignet und diesen besser ermöglicht.
Die Autoren, deren Einstiegskurse in dieser Arbeit rezensiert werden, führen auf unterschiedliche Weise in die Systematische Pädagogik ein. Dickopp konstruiert im Studienkurs seinen Ansatz der Systematischen Pädagogik, die Personal-transzendentale Pädagogik. Baumgart hingegen betrachtet die Pädagogik in historischem Kontext und druckt zahlreiche Textausschnitte zu einzelnen zeitlichen Epochen ab.
Im Folgenden werden die beiden Einstiegsmöglichkeiten vorgestellt, näher betrachtet und anschließend ein Vergleich versucht. Es soll herausgestellt werden, welcher Einstiegskurs verständlicher einführt, bzw. in wieweit beide Werke diese Aufgabe erfüllen.
2 DICKOPP, KARL-HEINZ: SYSTEMATISCHE PÄDAGOGIK I
2.1 Aufbau des Kurses
Dickopp´s Systematische Pädagogik I ist der erste von zwei einführenden Kursen in die anthropologischen und wissenschaftstheoretischen Grundlagen der Pädagogik und als Vierfachkurseinheit für StudienanfängerInnen der Fernuniversität - Gesamthochschule in Hagen konzipiert. Dickopp favorisiert einen Personal-transzendental Ansatz, der im Folgenden anhand wesentlicher Stichworte und Begriffe veranschaulicht und dargestellt werden soll. Zuerst wird auf die Universalistische Anthropologie und die Methode der transzendentalen Reflexion eingegangen, danach wird der Personenbegriff bei Dickopp näher beleuchtet und der Zusammenhang von
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Bildung und Erziehung herausgestellt. Anschließend wird die transzendentale Hermeneutik beschrieben und abschließend seine Personal -transzendentale Pädagogik skizziert.
2.2 Begriffsbestimmung, Aussagen und Stellenwert der Universalistischen Anthropologie nach Dickopp:
Dickopp schreibt, „die traditionelle Pädagogik erörtert ihre theoretischen Grundlagen vorwiegend im Kontext einer universalistischen Anthropologie (1997, S. 125).“ Universalistische Anthropologie befasst sich mit dem Wesen des Menschen, dem „Abstraktum Mensch“. Sie geht davon aus, dass für die Pädagogik und die Erziehung im Wesen des Menschen etwas vom „wahren“ und „ganzen“ Menschen sichtbar und bedeutsam wird. Festzuhalten ist an dieser Stelle, dass es in unserer tatsächlichen, konkreten Erziehungsrealität allerdings kein solches Abstraktum Mensch gibt (vgl. 1997, S. 125). Für die Universalistische Anthropologie ist das Allgemeine die Begründung des Menschlichen, jenseits aller menschlichen Unterschiedlichkeiten existiert etwas für alle Menschen in gleicher Weise Zutreffendes und Geltendes. Dickopp stellt die These auf, dass diese allgemeinen Denkstrukturen für alle Menschen die selbe Gültigkeit besitzen, er geht noch weiter und hält fest, dass „dieses anthropologische Abstraktum der begründende Grund des konkret-individuell Menschlichen ist. Wer solches erfasst, weiß nicht nur, was der Mensch 'eigentlich' in seinem Wesen also, 'ist', sondern zugleich auch schon, was er 'soll'" (1997, S. 126).“ In der Pädagogik wird Anthropologie vorrangig für die Klärung der Sollensfrage für pädagogisches Denken und Handeln verwendet. Im Hinblick auf das Sollen wird ihr dabei eine große Bedeutung zugeschrieben. Für die Universalistische Anthropologie ist die Einsicht in das Abstraktum Mensch maßgebend im Hinblick auf das Sollen im Konkreten ( vgl. Dickopp 1997, S. 126).
Dickopp beschreibt Universalistische Pädagogik innerhalb der Pädagogik als „grundlegende Erörterung“. Sie arbeitet die inhaltliche Gestaltung von Erziehung, das allgemein Verbindliche, das Prinzipielle heraus, welches Kriterium und Orientierung darstellt und Voraussetzung für ein verantwortungsvolles Denken und Handeln ist (vgl. 1997, S. 129).
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Dieser universalanthropologische Ansatz wird in der Pädagogik auch als personaler Ansatz bezeichnet. Dabei wird in der Erziehungstheorie nach dem „Stehen des Ich vor dem Gesollten“ (Dickopp 1997, S 129) gefragt. Unter dem „Ich“ versteht man das in die jeweilige Situation eingebundene Individuum. Das „Gesollte“ stellt das dar, was im Kontext des Allgemeinen Geltung hat, sozusagen zur Orientierung dienende Kriterien (vgl. Dickopp 1997, S. 129).
2.2.1 Methode der transzendentalen Reflexion
Um auf die Methode der transzendentalen Reflexion eingehen z u können, wird vorweg das Wort Transzendenz näher beleucht. „Transcedere“ kommt aus dem Lateinischen und bedeutet auf Deutsch: überschreiten. (vgl. Dickopp 1997, S. 100). In diesem Zusammenhang ist transzendieren ein Begriff aus der Philosophie, er beinhaltet die aktive Grenzüberschreitung zu etwas jenseits dieser Grenze Liegendem hin, dem Transzendenten, also das Verlassen des Beobachtbaren und Gegenständlichen. „Transzendieren führt somit zu Transzendentem (Dickopp 1997, S. 100).“ „Das Transzendentale ist ein Etwas, das als Bedingung der Möglichkeit als Datum vorausgesetzt werden muß. Nur im Rückgriff darauf sind Freiheit, Verantwortung, Autonomie, Gerechtigkeit, Mitmenschlichkeit, Allgemeinverbindlichkeit und Allgemeingültigkeit... möglich (Dickopp 1997, S. 154f).“ Die Methode der transzendentalen Reflexion ist notwendig, um dem Abstraktum Mensch näher zu kommen und dieses darstellen zu können. Voraussetzend wird angenommen, dass der Mensch ein vernunftbegabtes, freies Wesen ist und deshalb Verantwortung für sein Denken und Handeln übernehmen kann und zur Reflexion fähig ist (vgl. Dickopp 1997, S. 127). „Freiheit ist etwas, daß wir allen Subjekten als Menschen prinzipiell unterstellen, denn nur dann sind wir in der Lage, ihnen Verantwortung zuzusprechen. Jemand, der keine Freiheit in seinem Handeln hat, kann für dieses Handeln auch nicht verantwortlich gemacht werden (Dickopp 1997, S. 173).“ Die transzendentale Reflexion geht über das konkret Menschliche hinaus und kommt zu einer allgemeinen Vorstellung des Menschen. Dickopp stellt fest, „das Allgemeine ist die Bedingung für die Möglichkeit des Vollzugs im Konkreten (1997, S. 127).“ Dieses grundlegende Allgemeine muss dabei bereits vor aller Erfahrung, von Kant als Apriori bezeichnet, vorhanden und
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gültig sein, um den Vollzug im Konkreten zu ermöglichen (vgl. Dickopp 1997, S. 127). Dadurch wird beispielsweise ausgesagt, dass der Mensch schon vor aller Erfahrung eine Vorstellung bzw. Idee von richtigem oder falschem Handeln, von Gerechtigkeit oder Ungerechtigkeit hat. „Dieses transzendentale Abstraktum führt eine Erscheinungsweise auf die Bedingung ihrer Möglichkeit zurück, und zwar als die Voraussetzung dafür, daß das Konkrete überhaupt wirklich werden kann (Dickopp 1997, S. 128).“
2.3 Der Begriff der Person bei Dickopp
Es muss von der Unterscheidung des „Ich“ und des „Gesollten“ ausgegangen werden, um den Begriff der Person zu bestimmen, siehe auch Kapitel 2.2. Kriterien, die das „Gesollte“ angeben dienen der Orientierung, sind aber alleine nicht bestimmend. Das Individuum muss letztlich selbst bestimmen und vollziehen, was gelten soll. „Person ist letztlich immer beides, das konkrete individuelle Ich sowie das das konkrete, individuelle Ich begründete Allgemeine (Dickopp 1997, S.130).“ In der Pädagogik sollte jedem Einsicht in diese Bildungszusammenhänge gewährt, seine eigene Identität und sein Status durch die in der Reflexion herausgestellten allgemeingültigen Qualitäten ermittelt werden (vgl. Dickopp 1997, S. 130). Das „Stehen des Ich vor dem Gesollten (Dickopp 1997, S. 150)“ wird als Person bezeichnet. Das Ich verkörpert dabei das Konkrete, das Gesollte hingegen das Allgemeine. Das Gesollte wird durch das transzendentale Verfahren erhoben.
Damit bildet eine Universalistische Pädagogik einen sinnvollen Konstruktionsrahmen für jede Pädagogische Erörterung. Dem Einzelnen sollte Einsicht in diese Begründungszusammenhänge gewährt werden. Die Pädagogik sollte darauf hinwirken, dass der Mensch aufgrund allgemeingültiger Kriterien seinen eigenen Status und seine Identität findet (vgl. Dickopp 1997, S. 130).
2.3.1 Pädagogische Personalität bei Dickopp
Dickopp hält fest: „Pädagogische Personalität ist ein Relationsgefüge von Empirischem und Transzendentalem, von Endlich-zeitlichem und Überzeitlichabstraktem, von Seiendem und Sein (1997, S. 147).“ Dies hat Konsequenzen für das pädagogische Personenverständnis, „Personalität ist Individuelles und
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Allgemeines, [...] als Prozess (Dickopp 1997, S. 147).“ Aufgrund dieser Gesamt-heit geschieht im Personalen eine wertmäßige Zentrierung des spezifisch Menschlichen in seiner Aufgegebenheit, der Bildung, sowie in seiner handlungsbezogenen Gestaltbarkeit, der Erziehung (vgl. Dickopp 1997, S. 147).
Dickopp fasst das „lebendige, konkrete, in Entwicklungs- und Wachstumsprozesse eingebundene Sein eines jeden Menschen als integrativen Prozeß unter dem Begriff "Genese"(1997, S. 147)“ zusammen und spricht in diesem Zusammenhang vom Begriff der Personagenese. Diese beinhaltet nach ihm „ein Einheitsgefüge von empirischem und transzendentalem Sein, von konkret Materialem und abstrakt Geistigem [...] (1997, S. 147).“ Nach Dickopp handelt es sich bezüglich des empirischen Parts um Konstruktionsprozesse und bezüglich des geistig-abstrakten Parts um Konstitutionsprozesse. Unterschiede werden ersichtlich, da das Konstitutive „einen
Begründungszusammenhang, dagegen das Konstruktive immer eine Wechselbeziehung von Ursache und Wirkung, also Kausalbestimmtheit, beinhaltet (1997, S. 147).“
Personalität bedeutet bei Dickopp einerseits Autonomie und Autarkie und andererseits die Einbindung in eine Wertestruktur, die für alle Menschen verbindend ist (vgl. Dickopp 1997, S. 149f). Der Pädagogische Personenbegriff ist nach Dickopp „ein praktischer und handlungsbezogener Begriff, er ist als Denkmodell auf erzieherisches Handeln bezogen (1997, S. 150).“
Anthropologisch betrachtet kann darunter ein endlich, räumlich und zeitlich verhaftetes geschichtliches Wesen sowie überschreitendes Wesen verstanden werden. Dieses kann Gutes von Bösem unterscheiden, vergewissert sich d er Verbindlichkeit seines Denkens und Handelns übersituativ und übernimmt Verantwortung in seinem allgemeinen Verbindlichkeitsanspruch (vgl. Dickopp 1997, S. 205). Nach Dickopp ist das pädagogische Personenverständnis nicht nur an das Praktische und Handlungsbezogene gebunden, sondern in gleicher Weise auch an das Transzendentale (vgl. 1997, S. 151). Die Einheit von Denken und Handeln, von Bildung und Erziehung ist nach Dickopp „in der personalen Verfasstheit des Menschen transzendental verankert (1997, S. 73).“
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Quote paper:
Eva Wittmann, 2004, Vergleichende Rezension von Dickopp "SYSTEMATISCHE PÄDAGOGIK" und Baumgard "ERZIEHUNGS- UND BILDUNGSTHEORIEN", Munich, GRIN Publishing GmbH
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