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Institut für Kommunikationswissenschaft (ZW)
Hauptseminar im SoSe 2000:
Deutschsprachige Publizisten im Exil
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Vorgelegt am 16. Oktober 2000
Von Jessica Schallock
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Einleitung S. 2 1. Die humanistische Basis S. 3 1.1. Sozialistische Jugend S. 3 - 4 2. WWII und der Weg ins Exil S. 4 - 5 2.1. Pariser Exil S. 5 - 6 2.2. Das Schweizer Exil S. 6 - 7 2.2.1. Die Weltwoche S. 8 - 10 2.3. Zwischenfazit S. 10 3. Wissenschaftsjournalist und Chronist der Friedensbewegung S. 11 3.1. Hiroshima und die Bombe S. 12 - 14 3.2. Kritischer Journalismus S. 14
3.3. Datentechnik, Biotechnik, Atomtechnik und gesellschaftliche Folgen S. 15
3.3.1. Reportagereise durch die USA S. 15 - 17 3.3.2. Alternative Technik S. 18 - 19 4. Zukunftsforschung S. 19 - 21 4.1. Zukunftswerkstätten S. 21 - 22
4.2. Ein Institut für Zukunftsforschung S. 22 Schlusswort S. 22 - 23
Literatur S. 24 - 25
Anhang
Vita Robert Jungk
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Die vorliegende Arbeit wird das journalistische und schriftstellerische Werk Robert Jungks unter publizistikwissenschaftlichen Gesichtspunkten beleuchten. Die zu stellenden Fragen lauten, was hat Jungk zur deutschen Publizistik beigetragen, in welchem Feld hat er sich betätigt, welche Medien waren prägend für ihn und welchen Medien war er prägend sowie schließlich, was waren seine vornehmlichen Themen? Stilistisch bleibt er bei seiner kritischen und mahnenden Art der humanistischen Reportage, doch erst die Dokumentation des amerikanischen Fortschritts auf allen Bereichen der Forschung, hauptsächlich Militärforschung, bringt ihn zu dem Bereich, in dem er international bekannt werden sollte: der Wissenschaftspublizistik, der die Zukunftsforschung erwachsen sollte. Der Unterschied zum herkömmlichen Wissenschaftsjournalismus und der Schwerpunkt Jungks Themen sollen im Weiteren wie folgt untersucht werden. Zuerst wird sich dem Weg zum Journalismus gewidmet, da sich die Erziehung und Bildung Robert Jungks in seinen späteren publizistischen Aussagen und Themen widerspiegeln. Die Darstellung der Exilzeit soll seine Politisierung und die besondere Erfahrung des Vertriebenseins und des Aussenseitertums nachzeichnen, um Einblick in die Beweggründe für seine spätere Publizistik zu geben, deren Inhalte durch die Zeit im Exil geprägt sind. Diese Inhalte werden exemplarisch an ausgewählten Artikeln für die Züricher „Weltwoche”, dem, Reportagen für die „Weltwoche” entsprungenem, Buch, „Die Zukunft hat schon begonnen”, Artikeln der Kolumne „Politik und Wissenschaft” in der Zeitschrift „Bild der Wissenschaft”, sowie in zwei Vorträgen, seiner liebsten, da direkten Kommunikation, beleuchtet werden.
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Vermutlich haben Jungks Eltern die Erziehung zum Mahner der westlichen Wohlstandsgesellschaft nie beabsichtigt, aber das Schauspielerpaar hat ihr Interesse am Zeitgeschehen durch ihre Vorliebe für die Produkte der vielfältigen Weimarer Presselandschaft weitergegeben, vornehmlich lasen sie als liberal und seriös geltende Zeitungen 1 , deren Lektüre der Sohn mit heimlich vom Taschengeld gekauften kommunistischen Blättern 2 , aber zur Information über den „Gegner” 3 auch mit deutsch-nationaler Lektüre und Naziorganen 4 , vervollständigte. Jungk beschreibt es so, Ä=HLWXQJHQZDUHQEHLXQVIDVWVRZLFKWLJZLH/HEHQVPLWWHO´ 3 Die Eltern ermöglichten ihrem Sohn eine Ausbildung am humanistischen Mommsen-Gymnasium in Berlin, die ihn zu einem guten Bürger erziehen sollte, Jungk aber zog anti-bürgerliche Kreise vor, den „Sozialistischen Schülerbund”, die „Internationale Arbeiterhilfe” und der „Deutsch-jüdische Wanderbund Kameraden”.
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Mit seinen Jugendfreunden des „Deutsch-jüdischen Wanderbunds Kameraden” diskutierte er leidenschaftlich „QHXPRGLVFKH /LWHUDWHQ´ 5 wie Rilke, George, Hesse und expressionistische Lyrik, aktuelle Politik und marxistische Ideen. Der Leiter Ernst Stillmann machte regelmäßig Wochenendtouren auf das Land, um am Busen der Natur über seine Überzeugungen betreffend der Neuordnung der Gesellschaft zu sprechen. Das unmittelbare Naturerlebnis war dabei so zentral wie der Weg in die Ideenwelt politischer Visionen.
Den Glauben an eine bessere Zukunft verdankt Robert Jungk nicht zuletzt dem Einfluß Martin Bubers. Buber, den Jungk im jüdischen Jugendbund kennenlernte, pflegte den Messianismus im Judentum. Sein chassidisches Judentum erwartet den Messias nicht erst im Jenseits, sondern im Diesseits. Ä,FKELQDOVRVHKUIUKPLWHLQHP
1 z.b. „BZ am Mittag”, „Tempo”, „Prager Tagblatt”
2 „Rote Fahne”, “Welt am Abend”
3 Jungk, Trotzdem, 36 f.
4 „Berliner Lokalanzeiger”, „Nachtausgabe”, „Völkischer Beobachter”, „Angriff”
5 Jungk, Trotzdem, S. 47
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Bücher wie: „Der Mensch ist gut” von Leonhard Frank und Rainer Maria Remarques „Im Westen nichts Neues” bestärken seine pazifistischen, optimistischen Überzeugungen. Politisch engagiert kam er zum „Gegner-Kreis“, wo er mit Adrien Turel und Harro Schulze-Boysen engen Kontakt fand. Bereits dort wird seine pazifistische Einstellung und sein Glaube an das Herz der Menschen als Naivität belächelt. 7
In früher Jugend hat Jungk Erfahrungen mit der linken Intelligenzia gemacht, mit deren Zielen er sich wohl weitgehend identifizieren konnte. Trotzdem tritt er zeitlebens für die Demokratie als wünschenswerte Gesellschafts- und Staatsform ein 8 , im Unterschied zur amerikanischen Demokratie jedoch für die Variante mit sozialistischen Tendenzen, einer gemeinsamen Verantwortung füreinander, der Sozialdemokratie. Jungk schlägt sich dabei nicht in bestimmte politische Lager.
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Wie viele andere, die Deutschland in den 1920ern und 30ern in einer Art „Exodus der Kultur” 9 verlassen mussten, war auch Robert Jungk nicht vornehmlich an politischer Publizistik interessiert. Obwohl seine politische Einstellung stark durch die Jugend im sozialistischen Wanderbund und späterem Kontakt mit dem Gegner-Kreis geprägt war, lag seine Mitteilungsabsicht in künstlerischen Themen, wie sein erster Veröffentlichungsversuch - von Reportagen in der Schülerzeitung abgesehen - zeigt. Bereits seinem Traumberuf, Regisseur, verfallen, bot er 1932 der „Weltbühne“ unter Carl Ossietzky den Artikel über „Die neue Sprache” an, ein Essay über das aufkommende Medium Film. 10 Als er schließlich 1933 in der Ludwig-Maximilians-Universität Plakate mit der Titelseite des „Völkischen Beobachters” abreißt, scheint es ihm, als könnte er nicht anders, als seine Sozialisation zu leben, ohne sich dabei besonders politisch aktiv zu fühlen. Jungk selbst schreibt zu dieser Tat,
6 Klaus Burmeister, Robert Jungk und die Zukunftsforschung, in Die Triebkraft Hoffnung, S. 241
7 Jungk, Trotzdem, S. 85ff.
8 Jungk, Deutschland von außen, S. 243ff.
9 Übernahme des Buchtitels: Möller, Horst, Exodus der Kultur
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Durch Beziehungen wird er freigelassen, muss aber - seine „Gegner-Freunde“ sind schon verhaftet und er sicherlich gesucht - sofort ausreisen. Jungk schmuggelt sich über einen Kollektivpass einer Skireisegruppe nach Tirol aus, um wie so viele andere die Situation in Paris abzuwarten.
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Wie in dem kurzen Zitat geschildert schlägt sich Jungk in Paris mit journalistischen Gelegenheitsarbeiten durch, um Leben und das Psychologie- und Soziologiestudium an der Sorbonne zu finanzieren. Seine Kurzgeschichten spiegeln zumeist das politische Geschehen in Deutschland wie sie zugleich mit geschichtlichen Zitaten spielen, wie die Geschichte „Hitler in Sankt Helena”, in der Jungk dem )KUHU das Schicksal Napoleons andichtet 11 . 1936 reist er auf normalem Weg nach Deutschland ein, nicht, um sich politisch zu engagieren, sondern um ganz profan sein Magenleiden
10 Referatsfestschrift: Jungk, Glaubhafte Ermutigung, Oldenburger Universitätsreden, 1988
11 Jungk, Trotzdem. Mein Leben für die Zukunft, S. 90
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zu kurieren, dass ihn halb lebensuntüchtig macht. Durch Schulze-Boysen wird er für die Widerstandsgruppe „Neu Beginnen” eingesetzt, von der „Schwarzen Hand” weiß er zu dem Zeitpunkt jedoch noch nichts. In dieser Zeit schrieb er für einen nicht gleichgeschalteten Artikeldienst und musste wieder fliehen, als dieser aufflog, diesmal Richtung Prag. Unter der liberalen Gesetzlage gründet Jungk einen eigenen Pressedienst „heute aktuell”, den seine Mutter in Paris unter dem Namen „Mondial Press” weiterführt. 13
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Jungks aktivste publizistische Phase im Exil ist durch die strenge Gesetzgebung des Gastlandes zur Beschäftigung der Exilanten, der Schweiz, zugleich die schwierigste. Er umgeht das Arbeitsverbot, indem er seine Artikel vor allem unter dem Pseudonym F. Lefèvre über die private Presseagentur Dukas vermitteln lässt. Hier schreibt er über die Entwicklungen in Deutschland und beweist bereits erstaunliche Weitsicht, wie sich an der Zusammensstellung einiger seiner Artikel in „Deutschland von außen. Beobachtungen eins illegalen Zeitzeugen” nachvollziehen läßt. Bereits 1940 seziert er mit psychologischen Blick in seinem Artikel die deutsche Blitzkriegstrategie - und ihre möglichen Schwachstellen, um die unumschränkte Überlegenheit der deutschen Streitmacht anzuzweifeln.
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12 Jungk, Trotzdem, S. 111
13 vgl. Jungk, Trotzdem, Kap. 3 -7
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Arbeit zitieren:
Jessica Schallock, 2000, Robert Jungk als Begründer der Wissenschaftspublizistik, München, GRIN Verlag GmbH
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BWL - Marketing, Unternehmenskommunikation, CRM, Marktforschung
Hausarbeit, 14 Seiten
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