Inhaltsverzeichnis
1 Abstract 3
2 Einleitung 4
2.1 ERP 4
2.2 ERP und Open Source 5
2.3 Compiere - Eine Open Source ERP/CRM Software 7
3 Das Projekt Compiere 8
4 Architektur und verwendete Technologien 11
4.1 Prozess- und modellgetriebene Softwarearchitektur in Compiere 11
4.2 Benutzerinteraktion 14
4.2.1 Compiere Mobil 17
4.3 Application Service Provider 18
4.4 Das Service Center Konzept 19
4.5 Active Data Dictionary 19
4.6 Benutzeroberfl ache 20
4.7 Informationsstruktur 21
4.7.1 Automatic Data Collection 23
4.7.2 Die Kombination von Informationen 24
4.8 Die Multies“ - Ans atze f ur internationale Unternehmen 24
4.9 Anwendungsintegration 25
4.9.1 Compiere Schnittstellen 25
4.9.2 Compiere Reporting 27
4.9.3 EDI - Electronic Data Interchange 28
4.9.4 E-Commerce uber XML 28
4.10 Safe Fail 29
4.11 Sicherheitskonzept 30
4.12 Datenbank 31
1
5 CRM in Compiere 34
5.1 Voraussetzungen f ur eine CRM L osung in Compiere 34
5.2 Operatives CRM 35
5.3 Analytisches CRM 36
5.4 Kollaboratives CRM 37
5.4.1 Self-Service in Compiere 38
5.5 Compiere im Vergleich zu anderen Systemen 39
6 Compiere im Einsatz 54
6.1 Die Installation 54
6.2 Start und Anmeldung 56
6.3 Initiale Konfiguration 56
6.4 Fachliche Konfiguration 57
6.5 Arbeit mit dem Webstore 59
6.6 Kostenlose Hilfe und Einflussnahme 60
7 Res umee 61
8 Ausblick 64
9 Glossar 66
9.1 Terminologien in Compiere 66
9.2 Abk urzungen und Begriffe 66
2
1 Abstract
Der Einsatz von integrierter Unternehmenssoftware wird mit der fortschreitenden Technisierung auch f¨ ur kleine und mittelst¨ andische Unternehmen immer wichtiger. Jedoch schrecken viele Unternehmen vor hohen Lizenzkosten etablierter Softwarehersteller zur¨ uck und f¨ ur umfangreichere Individuall¨ osungen ist meist kein ausreichendes Budget vorhanden. Mit Compiere existiert eine ERP/CRM Software, die als Open Source Projekt entwickelt und somit ohne Lizenzkosten genutzt werden kann. Compiere richtet sich an kleine und mittelst¨ andische Unternehmen in der Vertriebs- und Dienstleistungsbranche. Mit einer prozessorientierten Architektur bietet Compiere eine sehr flexible L¨ osung, die jederzeit an Ver¨ anderungen angepasst werden kann. Diese Arbeit er¨ ortert die Konzepte in Compiere und geht auf die Frage ein, ob einem Open Source Projekt ¨ uberhaupt die Verantwortung f¨ ur die Gesch¨ aftsprozesse eines Unternehmens ¨ ubertragen werden kann. Ein besonderes Augenmerk soll auf die versprochene CRM Komponente in Compiere gelegt werden. Diese ist zwar vollst¨ andig integriert, bietet aber l¨ angst nicht alle Funktionalit¨ aten, die man von einer CRM-L¨ osung erwarten k¨ onnte. Die Evaluierung von Compiere basiert in dieser Arbeit auf den Erfahrungen, welche bei der Realisierung eines Compiere-Systems in einem vordefinierten Szenario gemacht wurden.
Diese Erfahrung hat gezeigt, dass Compiere einen sehr guten Ansatz f¨ ur ein ERP System darstellt, die CRM-Komponente allerdings noch sehr unterentwickelt ist. Die Architektur der Software aber bietet eine solide Grundlage f¨ ur die Erweiterung des Funktionsumfangs der Software, so dass Compiere eine ernst zu nehmende Konkurrenz zu Business One von SAP, Oracle’s Small Business Suite oder Navision von Microsoft wird oder in einigen Bereichen schon ist.
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2 Einleitung
Die rasanten Entwicklungen der Informationstechnologie haben innerhalb der letzten Jahre dazu gef¨ uhrt, dass heute kaum ein Unternehmen ohne den Einsatz von IT wettbewerbsf¨ ahig bleiben kann. Immer komplexere und schneller ablaufende Prozesse bed¨ urfen spezieller Software. Hier gibt es unterschiedliche Ans¨ atze. Zu Beginn des IT-Einsatzes gaben vornehmlich Großunternhemen Individuall¨ osungen in Auftrag. Diese sehr teure Variante hat den Vorteil, dass die Software genau auf die Prozesse und Eigenheiten des Unternehmens abgestimmt werden konnte. Eine weitere M¨ oglichkeit war die Nutzung unterschiedlichster Standardsoftwareprodukte f¨ ur den jeweiligen Anwendungszweck. Fehlende Schnittstellen und somit fehlende Integration der einzelnen Softwareprodukte f¨ uhren jedoch oft zu redundanter und inkonsistenter Datenhaltung oder zu Medienbr¨ uchen. Um die Kosten f¨ ur Individualsoftware zu senken, trotzdem aber die Vorteile einer hohen Integration und Individualisierbarkeit zu nutzen begann man mit der Entwicklung von standardisierter aber flexibel konfigurierbarer Unternehmenssoftware. Beispielsweise der Pionier und heutige Marktf¨ uhrer auf diesem Gebiet, SAP 1 , bietet ein modularisiertes Softwaresystem, welches alle Bereiche eines Unternehmens unterst¨ utzt und durch die Integration der einzelnen Komponenten vernetzt. Eine solche Standardsoftware, welche die Kernfunktionalit¨ aten eines Unternehmens abbildet, nennt man Enterprise Ressource Planning System (ERP)
2.1 ERP
Enterprise Ressource Planning (ERP) entstand am Anfang der 90er Jahre. Das
”
neue Genre der Unternehemenssoftware optimierte Produktionsprozesse, in Deutsch-land zuvor bekannt als so genannte Produktionsplanungssysteme (PPS). ERP-Systeme f¨ ugten zu diesem produktionszentrierten Ansatz eine Verbindung zum Finanz und Rechnungswesen hinzu. Damit waren sie st¨ arker bezogen auf Warenumsatz, Kosten und Leistungsrechnung sowie auf Gewinnermittlung. Hinzu kamen weitere
1 SAP - gr¨ oßter Hersteller von ERP-Software (http://www.sap.de)
4
Unternehmenselemente wie Personalwesen und Logistik.“[3] Da nicht nur interne, sondern auch unternehmens¨ ubergreifende Prozesse mit IT-Unterst¨ utzung abgewickelt werden, spricht [3] von erweitertem ERP, das Funktionen wie Customer Relationship Management, Supply Chain Management oder Supplier Relationship Management integriert.
Eine große Herausforderung an ERP Systeme ist die Konfigurierbarkeit und Anpassbarkeit an die im Unternehmen herrschenden Bedingungen und Anforderungen. Zudem sollten allumfassende Systeme modularisiert, aber dennoch hoch integriert aufgebaut sein, was kein Widerspruch sein darf, sondern eine entscheidende Herausforderung f¨ ur die Entwickler von ERP Software. Obwohl die meisten Hersteller von ERP Systemen diesen Anforderungen Rechnung getragen haben, schrecken gerade die kleinen und mittelst¨ andischen Unternehmen vor der Anschaffung eines solch komplexen Systems zur¨ uck. Große Unternehmen mit entsprechend hohem Umsatz k¨ onnen eine Amortisierung der Lizenz-, Customizing-Kosten und Supportkosten der Software wesentlich schneller erreichen.
2.2 ERP und Open Source
Laut einer ERP-Studie durch das Magazin Infoworld [4] w¨ urden 53 Prozent der hier Befragten eine Open Source ERP-L¨ osung in Erw¨ agung ziehen, wenn sie dadurch den hohen Lizenzkosten entkommen k¨ onnten. Die Studie jedoch behauptet, dass kein Open Source ERP-System existiere. Eingehende Recherchen h¨ atten jeuber Source Forge 2 verf¨ ugbar ist. doch zum Projekt Compiere gef¨ uhrt, welches ¨
Open Source L¨ osungen waren bisher weit verbreitet in den Bereichen der Betriebssysteme (z.B. Linux), Server-Systeme (Apache-Projekt) oder Entwicklungsumgebungen (Eclipse). Diese Bereiche liegen meist auch fachlich in der Kompetenz und im Interesse von Entwicklern, die ihre Arbeitsleistung freiwillig f¨ ur ein Open Source Projekt zur Verf¨ ugung stellen. Zum Teil bietet die so entwickelte Soft- 2 SourceForge ist eines der gr¨ oßten Open Source Entwicklungsportale mit einem sehr umfangreichen Open Source Code Repository und frei verf¨ ugbaren Anwendungen
(http://www.sourceforge.net)
5
ware ggf. auch einen privaten Nutzen f¨ ur den Entwickler. Handelt es sich aber um Unternehmenssoftware, so ist der Kreis derer, die sowohl die F¨ ahigkeiten im Bereich der Softwareentwicklung als auch den notwendigen betriebswirtschaftlichen Hintergrund haben und beides zudem kostenfrei zur Verf¨ ugung stellen, wesentlich kleiner [15]. Erschwerend kommt hinzu, dass ein ERP-System gesetzlichen Bestimmungen gen¨ ugen muss, da es auch f¨ ur bilanzrechtlich relevante Buchungen verwendet wird. Somit haben Fehlimplementationen wesentlich weiter reichende Auswirkungen als beispielsweise ein abgest¨ urztes Betriebssystem. Zudem m¨ ussen im Gegensatz zu den oben genannten Software-Genres bei der Entwicklung von Unternehmenssoftware zahlreiche nationale Kriterien ber¨ ucksichtigt werden, was sich ebenfalls negativ auf die Zahl der potentiellen Entwickler auswirkt. Eine Open Source L¨ osung bietet aber auch große Vorteile, welche nach und nach in der ERP-Welt zu sch¨ atzen gelernt werden. ” Das Hauptargument f¨ ur Open
Source-Software ist das sehr flexible Customizing. Closed Source Software ist in aller Regel eine Black Box“[15] Somit ist der Anwender von den eingebauten Customizing Funktionalit¨ aten abh¨ angig oder muss in vielen F¨ allen auf eine Anpassung vom Softwarehersteller selbst warten. Open Source Software hingegen erm¨ oglicht es, Anpassungen direkt am Code vorzunehmen. Solche ¨ Anderungen
aber sollten dokumentierbar sein und sich bei einem allgemeinen Update oder Releasewechsel der Software ¨ ubernehmen lassen. Da die Open Source Welt jedoch vorsieht, ¨ Anderungen am Code allen Usern zur Verf¨ ugung zu stellen, wird auf diese Weise die Software st¨ andig erweitert und basiert auf den Erfahrungen unterschiedlichster Unternehmen. Sofern jeweils die beste L¨ osung f¨ ur ein Problem in die Software aufgenommen wird, kann dies letztlich zur Abbildung einer ” Best
Practice-L¨ osung“ f¨ uhren. [15]
Der Einsatz von Open Source im Bereich der Unternehmenssoftware ist also ein zweischneidiges Schwert. Eine Entscheidung f¨ ur oder gegen eine solche L¨ osung liegt sehr individuell beim jeweiligen Unternehmen begr¨ undet. Auch der Vorteil der Lizenzkostenfreiheit relativiert sich sehr schnell, wenn die notwendigen Anpassungen zu umfangreich werden. ” Denn Open Source ist nur eine andere Art
6
zu zahlen, und bedeutet nicht, gar nicht zu bezahlen“[16]
2.3 Compiere - Eine Open Source ERP/CRM Software
Mit der Entwicklung von Compiere begann dessen Urheber, J¨ org Janke [8] im Januar 1999. Er richtete sich mit dem Projekt an die Zielgruppe der kleinen und mittelst¨ andischen Unternehmen vor allem in den Bereichen Vertrieb und Dienstleistung. Compiere soll diesen Unternehmen eine lizenzkostenfreie ERP-Software mit integriertem Customer Relationship Management bieten. Die Orientierung an Vertriebs- und Dienstleistungsunternehmen f¨ uhrt jedoch dazu, dass in Compiere die produktionszentrierten Bereiche fehlen, welche die Urspr¨ unge von ERP ausmachen. Jedoch gibt es bereits weiterf¨ uhrende Projekt, die Compiere auch in diese Richtung erweitern m¨ ochten (siehe Ausblick). Dies gilt auch f¨ ur den Bereich der Personalverwaltung, welcher bis dato nur rudiment¨ ar von Compiere unterst¨ utzt wird.
Im Verlauf dieser Arbeit soll nun erl¨ autert werden, welches Potenzial Compiere als Alternative zu kommerziellen ERP-L¨ osungen wirklich bietet. Neben der Vorstellung der Architektur und der technischen Konzepte sowie der Analyse des Funktiosumfangs wird besonders der Installations- und Konfigurationsaufwand betrachtet. Diese Analyse soll auf den Erfahrungen basieren, die bei der Realisierung von Compiere in einem virtuellen Unternehmen gemacht wurden. Grundlage des Einsatzszenarios soll ein Wellness-Center sein, dessen Warenwirtschaft und Ressourcenplanung f¨ ur Dienstleistungsangebote mittels Compiere verwaltet werden sollen. Zus¨ atzlich soll ein Vertrieb vom Wellnessprodukten in das Center integriert sein. Somit kann Compiere anhand beider Adressaten, Dienstleistungs-und Vertriebsunternehmen, untersucht werden. Besonderes Augenmerk aber soll auf den Funktionsbereich ” Customer Relationship Management“ in Compiere gelegt werden, um zu bewerten, ob diese Software den eigenen Anspr¨ uchen an ein vollst¨ andig integriertes CRM-System“[1] gerecht wird.
”
7
3 Das Projekt Compiere
Im Vorfeld der Analyse und Bewertung der Software sollen das Projekt und dessen Initiator vorgestellt werden. Das Projekt wurde von J¨ org Janke ins Leben gerufen. Er hat viele Jahre f¨ ur Hersteller von Unternehmenssoftware gearbeitet [8]. Mit dem Vorsatz, einiges besser zu machen, hat er sich im Januar 1999 entschlossen eine eigene Unternehmenssoftware zu entwickeln. Unterst¨ utzung dabei holte er sich von freiwilligen Entwicklern und machte Compiere somit zu einem Open Source Projekt.
Er wollte den Nutzern von integrierter Unternehmenssoftware die M¨ oglichkeit geben, von den Vorteilen quelloffener Software zu profitieren. Dies sind beispielsweise eine m¨ oglichst niedrige finanzielle Eintrittsschwelle in die Nutzung einer ERP-Software und eine gr¨ oßere Kontrolle ¨ uber die Entwicklung (siehe 2.2 auf Sei-
te 5). Durch die Verf¨ ugbarkeit des Quelltextes hat der Nutzer die M¨ oglichkeit, die Software nach seinen Bed¨ urfnissen anzupassen und zu erweitern. Somit erh¨ alt der Anwender den Vorteil der individuellen Anpassungsm¨ oglichkeit von Individualsoftware, hat aber geringere Entwicklungskosten, da ein Basissystem bereits vor-handen ist und nur einzelne Komponenten individualisiert werden m¨ ussen. Weiterhin kann man bereits auf die Integration der einzelnen Komponenten zur¨ uckgreifen. Compiere wird seit 2001 ¨ uber die Open Source Plattform Sourceforge verwal-
tet. Dort z¨ ahlt zu den Projekten mit der h¨ ochsten Entwickleraktivit¨ at und wurde im Projekt des Monats“ gek¨ urt 3 . Februar 2004 zum ”
Im Gegensatz zu anderen Opensource-Projekten wird die Entwicklung von
”
Compiere jedoch zentral gesteuert“ [7]. Diese zentrale Steuerung geschieht aus Gr¨ unden der Qualit¨ ats- und Stabilit¨ atssicherung. So werden alle frei programmierten Erweiterungen zun¨ achst von Janke und seinem Entwicklerteam kontrolliert, bevor sie in das ” Core“ von Compiere ¨ ubernommen werden. Ein solches zentrales
Qualit¨ atsmanagement ist gerade f¨ ur Unternehmenssoftware unerl¨ asslich, da dieser Software die Verantwortung f¨ ur die Unternehmensdaten ¨ ubertragen wird. Ein Aus- 3 https://sourceforge.net/potm/potm-2004-02.php
8
fall der Unternehmenssoftware oder gravierende Fehler bei bilanzrechtlich relevanten Buchungen k¨ onnen ein Unternehmen ggf. innerhalb weniger Tage existentiell bedrohen.
Allgemein birgt die Nutzung von Open Source Software im Gegensatz zu kommerziellen Produkten zudem die Gefahr f¨ ur den Anwender, dass die Weiterentwicklung zum einen jederzeit eingestellt werden kann und zum anderen, dass der Anwender unzureichende Unterst¨ utzung bei Problemen mit der Software erh¨ alt. Diesem Nachteil entgegnet der Compiere Initiator J¨ org Janke mit einem umfangreichen Supportangebot, dass von seinem Unternehmen Compiere Inc. ausgeht. Diese kostenpflichtigen Angebote unterst¨ utzen den Anwender in der Einf¨ uhrung, dem Betrieb und der Wartung eines Compiere Systems. Des Weiteren soll dieses Gesch¨ aftsmodell ein Garant daf¨ ur sein, dass die Entwicklung von Compiere vorangetrieben werden kann, da sich auf diese Weise eine Geldquelle f¨ ur die Hauptentwickler bietet. Um den Support und Service fl¨ achendeckend anbieten zu k¨ onnen, bem¨ uht sich Compiere Inc. bereits, ein weltweites Partnernetzwerk aufzubauen 4 . Neben Support und Customizing bieten die Compiere Partner Schulungen an. Dies sind entweder Pr¨ asenzschulungen oder auch Webseminare bis hin zu individuell nutzbarer Schulungssoftware.
Der Einsatz von Compiere in einem realen Unternehmen begann mit der Erstinstallation bei Goodyear Deutschland. Auf der Website des Projektes[1] wird die Vision der Entwickler beschrieben. Compiere soll demnach kein ERP/CRM f¨ ur einen Nischenmarkt sein, sondern eine prim¨ are horizontale, also einen breiten Funktionsbereich abdeckende ERP und CRM L¨ osung f¨ ur SMEs 5 sein. Weiterhin befindet sich Compiere beispielsweise bei dem franz¨ osischen Textilhersteller Pierre de Loye et Cie“ im Einsatz. Dort wurde ein System von Nixdorf durch
”
Compiere ersetzt. Sogar in einem belgischen Krankenhauszentrum mit 1000 Mitarbeitern und 120 ¨ Arzten wird Compiere eingesetzt.[17]
Wie im Verlauf der Arbeit beschrieben wird, hat Compiere eine sehr solide Architektur aber Schw¨ achen im Funktionsumfang. Diesen Umstand nutzt das Soft-
4 siehehttp://www.compiere.org/aboutus/index.html
5 SME - Small an Medium Sized Enterprises
9
wareunternehmen Wilken mit seiner L¨ osung ” Openshop“ aus, die auf die Basis
von Compiere aufsetzt und zahlreiche Erweiterungen bietet. Ein Blick auf die Referenzliste von Openshop 6 zeigt, dass auch große Unternehmen wie Schlecker, Veltins oder Neckermann von der Compiere Entwicklung profitieren.
6 http://www.openshop.de/impressionen/referenzen.html
10
4 Architektur und verwendete Technologien
Dieser Abschnitt beschreibt die von Compiere verwendeten Konzepte aus technischer Sicht. Neben der Architektur wird besonderes Augenmerk auf die Datenspeicherung gelegt, da gerade die Entwicklungen im Bereich der Datenbankmanagementsysteme einen wichtigen Aspekt f¨ ur einen potentiellen Compiere Nutzer darstellen d¨ urfte. Grundlage des Kapitels sind die Ausf¨ uhrungen des technologischen ¨ Uberblicks auf der Webseite von Compiere [1].
Compiere wurde vollst¨ andig in der Programmiersprache Java entwickelt. Diese bietet den Vorteil der Plattformunabh¨ angikeit und macht Compiere somit ohne weiteres in heterogenen Systemlandschaften nutzbar. Als Server wird neben dem Anwendungsserver JBoss 7 ein Tomcat-Webserver 8 eingesetzt, der es erlaubt, mittels Java Server Pages (JSP) 9 auch ¨ uber einen Webbrowser auf Compiere zuzugreiuber JDBC 10 . F¨ ur die Speifen. Der Java-Client verbindet sich mit dem Server ¨ cherung der Daten ist eine Relationales Datenbankmanagementsystem (RDBMS) zust¨ andig.
4.1 Prozess- und modellgetriebene Softwarearchitektur in Compiere
Im Gegensatz zu Software, die, abgestimmt auf den jeweiligen Funktionsbereich bzw. die Organisationsstruktur eines Unternehmens, modular aufgebaut ist, wird in Compiere eine Architektur angestrebt, die sich am Workflow eines Gesch¨ aftsprozesses orientiert. Somit wird eine Integration der Daten- und Anwendungsmodule entlang der Wertsch¨ opfungskette geboten.
Die interne Logik ist streng an Gesch¨ aftsprozessen ausgerichtet. Es krempelt da-”
bei die traditionelle Logik und Begriffswelt modularer Business-Software um. Wer das System einsetzt, muss sich also unter Umst¨ anden auch vom gewohnten Organisationsmodell seines Unternehmens verabschieden.“ [10] Dies kann zum einen ein
7 siehe 9.2 auf Seite 67
8 siehe 9.2 auf Seite 66
9 siehe 9.2 auf Seite 67
10 siehe 9.2 auf Seite 68
11
Nachteil sein, wenn die bisherige Organisationsstruktur des Unternehmens das Ergebnis eines langen, durchdachten und vielleicht auch teuren Entwicklungsprozesses war. Jedoch k¨ onnte gerade eine Anpassung der Organisationsstruktur an eine Software zu einem eher positiven Ergebnis f¨ uhren. Da mittelst¨ andische Unternehmen h¨ aufig mehr mit dem Tagesgesch¨ aft besch¨ aftigt sind, als Ressourcen in organi-satorische Fragestellungen zu investieren, kann die Erfahrung, die im Rahmen der Entwicklunggeschichte“ in eine Unternehmenssoftware geflossen ist, dem einset-”
zenden Unternehmen zu Gute kommen. Das obige Zitat steht unter der ¨ Uberschrift ” Ein professioneller Ansatz“ und
untermauert somit die Aussage der Compiere-Entwickler hinsichtlich der Fortschrittlichkeit ihres Architekturansatzes. Die Ausrichtung auf Prozesse entspricht dem Gedanken daran, dass gerade in SMEs, also der Compiere-Zielgruppe, ein Mitarbeiter f¨ ur einen gesamten Prozesszyklus verantwortlich ist. Dies wirkt sich auch als Vorteil auf die Pflege der Kundenbeziehung aus, da ein Mitarbeiter f¨ ur alle Aspekte einer einzelnen Gesch¨ aftsbeziehung entlang der prim¨ aren Aktivit¨ aten der gesamten Wertsch¨ opfungskette zust¨ andig ist. So kann ein einzelner Mitarbeiter einen Kunden von der Erstellung des Angebots bis hin zur Rechnungsstellung und daran anschließenden Serviceaktivit¨ aten betreuen. Die Entscheidung f¨ ur eine prozesszentrierte Architektur legt somit den Grundstein f¨ ur ein CRM-Konzept.
Die Wertekette wird in Compiere in zwei Hauptprozesse, ” von der Angebotserstellung bis zum Zahlungseingang, und ” also vom Bedarf zur Bezahlung, aufgeteilt. ”
den entgegen gerichteter Prozess in engem Zusammenhang mit dem CRM Ansatz. Requisition to Pay“ hingegen steht ganz im Zeichen des Supply Chain Manage-”
ments.
Die Prozessorientierung in Compiere spiegelt sich teilweise auch in der Men¨ ustruktur wieder, die hierarchisch aufgebaut ist und auf deren oberster Stufe die genannten Hauptprozesse angeordnet sind. Allerdings ist die prozessorientierte Ausrichtung der Men¨ ustruktur nicht direkt nachvollziehbar. W¨ ahrend sich die Rechnungserstellung noch im ” Quote to cash“ Men¨ u befindet, sucht man z.B. die Zahlungsein-
12
gangskontrolle oder das Mahnwesen dort vergebens, diese finden sich in anderen Men¨ us wieder, obwohl sie eigentlich zum Prozess einer vollst¨ andigen Auftragsabwicklung dazu geh¨ oren sollten.
Um auf unterschiedliche Belange der Compiere-Nutzer reagieren zu k¨ onnen, gibt es die M¨ oglichkeit, existierende Workflows zu editieren oder auch neue zu erstellen. Workflows geben dem Anwender Hilfestellung beim Ablauf eines bestimmten Prozesses und f¨ uhren ihn durch die einzelnen Schritte. Weiterhin gibt es automatisierte Prozesse, die manuell oder zeitgesteuert angestoßen werden. Neben dem prozessorientierten Ansatz basiert Compiere auf einer Model Driven Architecture (MDA). Diese beiden Architekturans¨ atze schließen sich nicht aus, sondern erg¨ anzen sich. Die Model Driven Architecture wird ebenfalls von der Object Management Group (OMG) vorangetrieben und forciert die Trennung der Business und Anwendungslogik von der darunter liegenden Plattformtechnologie. Auf lange Sicht hin soll es mit der MDA m¨ oglich sein, Software vollst¨ andig aus Modellen zu generieren, was den Vorteil erh¨ ohter Flexibilit¨ at und stark vereinfachter Wartbarkeit mit sich bringt. Vertiefende Informationen zum MDA-Konzept finden sich bei der OMG 11 Die Erkenntnis, dass Compiere auf einer MDA basiert, stammt aus einer ¨ Uberblickspr¨ asentation zu Compiere [12], die von J¨ org Janke selbst erstellt wurde. Hier finden sich einige Abbildungen zur modellgetriebenen Entwicklung und der Hinweis, dass diese sich an den Vorgaben der bereits erw¨ ahnten Object Modelling Group orientieren.
Auch bei der Betrachtung der Prozesskonfiguration in Compiere k¨ onnen die MDA-Ans¨ atze erkannt werden. Hier soll der Anwender ein Prozessmodell bzw. das Modell eines Workflows im Workfloweditor erstellen und den Prozess ¨ ubernehmen, ohne selbst am Code zu arbeiten. Somit wird aus einem Modell ein ausf¨ uhrbarer Anwendungsprozess.
Die Konfiguration von Workflows und automatisierten Prozessen bzw. deren Erstellung ist allerdings schwer zu durchschauen und ben¨ otigt viel Einarbeitungszeit. Ein reines Vorgehen nach der Trial-and-Error Methode ist jedoch wenig Erfolg
11 http://www.omg.org
13
versprechend, so dass der Anwender f¨ ur solche Aufgaben beinahe gezwungen ist, sich um kostenpflichtige Hilfe zu bem¨ uhen oder eine Schulung zu besuchen. Denn auch die kommerzielle Anwenderdokumentation hilft in diesem Punkt nicht weiter.
Es bleibt also sehr zu hoffen, dass zuk¨ unftige Versionen der Dokumentation die Vorgehensweise zur Workflowerstellung anwenderfreundlich beschreiben und dass die Entwicklung von Compiere sich gerade diesem Bereich st¨ arker widmet und dem Anwender im Idealfall einen grafischen Workflow-Editor zu Verf¨ ugung stellt. Denn nur auf diese Weise k¨ onnen die Vorteile der Prozesszentriertheit und die der Modellgetriebenheit wirklich ausgenutzt werden.
Ein großer Fortschritt in diesem Bereich ist die Aussage der Compiere-Entwickler OMG Workflow Management facility“ 12 zu halsich laut [11] in Zukunft an die ”
ten. Dabei handelt es sich um ein Framework der Object Modelling Group (OMG), das die Workflowbeschreibungen vereinheitlichen soll, um diese zwischen unterschiedlichen Softwareprodukten austauschbar zu machen. Das Ganze geschieht unter der Regie der Workflow Management Group (WfMC). Die Abbildung zeigt die Struktur des Workflowmanagements. Allerdings sind die beiden Input-Schnittstellen Scanner/Digital Sender und E-Mail voraussgegriffen. Vor allem eintreffende E-Mails k¨ onnen nicht von Compiere verarbeitet werden. Zwar kann ein Mail-Konto im Setup angegeben werden, aber der Import von Mails aus dem angegebenen IMAP-Konto wurde nicht durchgef¨ uhrt. Somit ist es notwendig eine externe E-Mail L¨ osung zu verwenden, was gearde im Hinblick auf ein CRM-Konzept ein großes Defizit darstellt.
4.2 Benutzerinteraktion
Compiere bietet dem Endanwender zwei unterschiedliche M¨ oglichkeiten auf das System zuzugreifen. Einerseits einen Java Client und andererseits den Zugriff ¨ uber
ein Web-GUI welches mit einem Webserver kommuniziert. Durch die direkte An- 12 http://www.omg.org/docs/formal/00-05-02.pdf
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Arbeit zitieren:
Dipl. Informatiker Jörg Bäumer, 2005, Evaluierung der Open Source ERP und CRM Software Compiere, München, GRIN Verlag GmbH
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