Inhalt
1. Einleitung: Die Unwahrscheinlichkeit der Kommunikation 3
2. Was sind symbolisch generalisierte Kommunikationsmedien? 6
3.1. symbolisch generalisierte Kommunikationsmedien bei Parsons und Luhmann 6
3.2. Kriterien 8
3.3. Welche symbolisch generalisierte Kommunikationsmedien gibt es? 10
3. Emotionen und ihre soziologische Bedeutung 10
4. Sind Emotionen symbolisch generalisierte Kommunikationsmedien? 14
5. Schlussteil 21
6. Literatur 22
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1. Einleitung: Die Unwahrscheinlichkeit der Kommunikation
Die Systemtheorie Luhmanns betrachtet Kommunikation als basale Einheit aller sozialen Phänomene. Die Leitfrage seiner Systemtheorie lautet: Wie ist Kommunikation möglich? Er „[...] erklärt die Kommunikation für unwahrscheinlich, um gerade die Vorraussetzungen zu klären, die dafür verantwortlich sind, dass diese Unwahrscheinlichkeit in eine gewisse Wahrscheinlichkeit verwandelt wird.“ (Schützeichel 2004, 243f.). Dabei richtete sich sein Augenmerk nicht auf individuelle Bedingungen für das Entstehen von Kommunikation, sondern einzig auf Bedingungen sozialer Natur, die Kommunikation ermöglichen. Luhmanns Ziel war es, eine allgemeine Kommunikationstheorie zu entwickeln, die sich mit diesen sozialen Bedingungen beschäftigt.
Für Luhmann besteht Kommunikation aus einer dreifachen Synthese: der Synthese von Information, Mitteilung und Verstehen. Durch die Vereinigung dieser Elemente entsteht ein neues Ganzes - die Kommunikation. Hier liegt bereits das erste Problem. Bei diesen drei Elementen handelt es sich um Selektionen, die je de für sich bereits kontingent sind, also auch anders möglich wären. Wenn jedes dieser Elemente bereits anders möglich wäre, verstärkt sich das Problem noch bei der Synthese dieser drei Elemente. Wieso sollte eine Information als Mitteilung wahrgenommen und auch noch verstanden werden? Und wieso sollte es danach noch zu einer Anschlusskommunikation kommen? Aus dieser Problematik heraus ergeben sich für Luhmann „[...] drei grundsätzliche Unwahrscheinlichkeitsschwellen, die überwunden werden müssen, damit
Kommunikation entstehen und sich reproduzieren kann.“ (Schützeichel 2004, 270). Als diese Schwellen bezeichnet er das Verstehen von Mitteilungen, das Erreichen von Adressaten und der Erfolg der Kommunikation. Jede dieser Unwahrscheinlichkeitsschwellen kann zu Kommunikationsproblemen führen, die sich gegenseitig verstärken. Trotz dieser Probleme funktioniert Kommunikation in der Realität offensichtlich doch. Die Lösung des Problems der Unwahrscheinlichkeitsschwellen sieht Luhmann in der Existenz verschiedener Medien, die die Unwahrscheinlichkeit der Kommunikation in all ihren Punkten bearbeiten. Hierbei handelt es sich um funktional definierte Medien, die auf die Unwahrscheinlichkeitsschwellen der Kommunikation bezogen sind. Dementsprechend unterscheidet Luhmann drei Medienformen. Zur Steigerung der Wahrscheinlichkeit des Verstehens von Mitteilungen führt Luhmann das Medium Sprache an. Zur Steigerung der Wahrscheinlichkeit des Erreichens von Adressaten sieht
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er die Verbreitungsmedien, wie z.B. Buchdruck, Schrift und Massenmedien. Schließlich führt er noch die symbolisch generalisierte Kommunikationsmedien auf, die die Wahrscheinlichkeit des Erfolgs von Kommunikation sichern sollen. Luhmann unterscheidet sieben symbolisch generalisierte Kommunikationsmedien: Geld, Macht, Liebe, Wahrheit und Glaube, Moral und Kunst.
Um die Steigerungen der Wahrscheinlichkeiten bewirken zu können, besitzt jedes dieser Medien spezielle Codes. Die Medien funktionieren durch eine je verschiedene binäre Codestruktur, durch die sie auf Se lektionsmöglichkeiten Einfluss nehmen können, in dem sie diese eingrenzen. Auf der Sprachebene existiert der Code ja/nein. Auf der Ebene der Verbreitungsmedien „[...] findet sich eine Duplikationsregel von der Sprache zu den jeweiligen Medien, vornehmlich dem der Schrift, in der Form vor, dass sich eine Zuordnung von den Lauten zu den jeweiligen Medienelementen ergibt.“ (Schützeichel 2004, 271). So kann man bspw. sagen, dass über Schrift theoretisch jedes gesprochene Wort beliebig verbreitet werden kann, ohne dass die Anwesenheit des Urhebers beim Adressaten notwendig wäre. Bei den symbolisch generalisierte Kommunikationsmedien schließlich gibt es „binäre Schematismen“ (Schützeichel 2004, 271), also binäre Codierungen, die entweder den einen oder den anderen Wert präferieren. Bei Geld bspw. ist der Code zahlen/nicht zahlen.
Durch diese Medien und ihre Codestruktur wird nach Luhmann die angenommene Unwahrscheinlichkeit der Kommunikation in eine Wahrscheinlichkeit verwandelt. Doch der „blinde Fleck“ in Luhmanns Theorie sind nach neuern Meinungen die Emotionen, da er diesen in seiner Theorie lediglich eine Randrolle zuspricht. In den letzten 20 Jahren gab es einen regelrechten „Boom“ der Emotionen, da viele Soziologen der Meinung sind, dass Emotionen (gerade in der modernen Gesellschaft) eine wichtige Rolle spielen. Fritz B. Simon geht sogar soweit, zu behaupten, dass Emotionen ebenfalls als symbolisch generalisierte Kommunikationsmedien zu betrachten sind. Dieser Frage nachzugehen soll das Ziel dieses Textes sein.
Doch werden zum besseren Verständnis der Thematik die „alten“ symbolisch generalisierten Kommunikationsmedien beschrieben. Dabei soll zunächst erörtert werden, wie die Idee dieser Medien bei Parsons und Luhmann entstand. Danach werden sogenannte „Kriterien“ aufgestellt, die alle symbolisch generalisierten
Kommunikationsmedien gemeinsam haben. Mit Hilfe dieser Kriterien soll im letzten Abschnitt des Textes differenziert untersucht werden, ob Emotionen ebenfalls diese
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Kriterien besitzen und somit rein formal als symbolisch generalisierte Kommunikationsmedien bezeichnet werden können.
Doch zunächst wird der soziologischen Bedeutung von Emotionen ein Abschnitt gewidmet sein, um zu zeigen, dass in den letzten Jahren die Stimmen immer lauter geworden sind, die behaupten, dass Emotionen eine viele bedeutendere Rolle zukommt, als zunächst angenommen.
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2. Was sind symbolisch generalisierte Kommunikationsmedien?
2.1. symbolisch generalisierte Kommunikationsmedien bei Parsons und Luhmann
Das Phänomen der symbolisch generalisierten Kommunikationsmedien wurde erstmals von T. Parsons untersucht (vgl. Dallmann 1994, 68). Parsons wollte die Austauschprozesse in komplexen sozialen Systemen beschreiben. Dazu begann er mit der Entwicklung theoretischer Konzepte „[...] für die Frage der Integration von Handlungen in differenzierten Strukturen.“ (Staubmann 1995, 224). In einer wirtschaftswissenschaftlichen Studie wurde Parsons zunächst auf das Phänomen Geld, „[...] das Austauschbeziehungen im ökonomischen Bereich regelt.“ (Dallmann 1994, 68), aufmerksam. Daraufhin begann er mit der Ausarbeitung einer Theorie der Kommunikations- bzw. Interaktionsmedien, in der er eine ganze Reihe von Medien ausarbeitete, die seiner Meinung nach den „[...] Austausch in komplexen sozialen Systemen möglich machen.“ (Staubmann 19995, 225). Er verallgemeinerte so das Geld als ein Interaktionsmedium (oder auch Austausch- bzw. Kommunikationsmedium). Sein Hauptinteresse richtete sich darauf, wie es dazu kommt, dass Handlungen zweier oder mehrerer Personen in der Interaktion miteinander koordiniert werden können, also „[...] warum Alter entsprechend den Intentionen von Ego handelt.“ (Staubmann 19995, 225). Da die Vermittlung von Intentionen an Kommunikation gebunden ist, muss ein gemeinsamer Symbolismus existieren, also Kommunikationsmedien, die diese Übernahme von Intentionen ermöglichen. Zusätzlich sind Motivierungen erforderlich, durch die eine Anschlussselektion im Handeln stattfinden kann. Zunächst untersuchte Parsons die Begriffe Macht, Einfluss und Wertbindung, erweiterte sie später um die Begriffe Intelligenz, Leistungsfähigkeit, Affekt (!) und Interpretation. Luhmann knüpfte an Parsons Theorie an, um eine eigene Kommunikationstheorie zu entwickeln. Anfangs führte er in seiner Theorie nur vier Medien als sogenannte “Übertragungsmedien“ auf: Wahrheit, Macht, Liebe und Geld. Später erweiterte er sie um Glaube, Moral und Kunst. Er verallgemeinerte diese Übertragungsmedien und bezog sie auf Kommunikation. Er verstand diese Kommunikationsmedien als eine Zusatzeinrichtung zur Sprache. Für Luhmann beziehen sich symbolisch generalisierte Kommunikationsmedien „[...] funktional auf das Problem der Unwahrscheinlichkeit der Kommunikation [...]“(Staubmann 19995, 226). Sie sollen also die Wahrscheinlichkeit gelingender Kommunikation erhöhen oder Unwahrscheinliches in Wahrscheinliches
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Arbeit zitieren:
Jana Eccarius, 2005, Emotionen als symbolisch generalisierte Kommunikationsmedien, München, GRIN Verlag GmbH
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