Gliederung
1. Einleitung (Striegler, Matthiesen) S.1
2. Begriffsbestimmungen (Matthiesen) S.2
2.1 Suizid und Suizidversuch. S.2
2.2 Weitere Begriffe. S.4
3. Allgemeines (Striegler) S.4
4. Warum sind Jugendliche so stark gefährdet? (Matthiesen) S.6
5. Entstehungstheorien (Matthiesen) S.7
5.1 Die soziologische Suizidtheorie nach DURKHEIM (1897) S.7
5.2 Die psychoanalytische Suizidtheorie nach FREUD (1917) S.8
5.3 Die psychodynamische Suizidtheorie nach RINGEL (1949) S.9
5.4 Exkurs: Die Frage der Vererbung. S.11
6. Auslöser und Ursachen (Striegler) S.11
7. Depressionen im Zusammenhang mit Suizid (Striegler) S.15
8. Entwicklungsstadien d. Suizidhandlung nach Pöldinger (Matthiesen)S.16
9. Methoden (Striegler) S.17
10. Abschiedsbriefe (Matthiesen) S.18
11. Suizid und Familie (Striegler) S.20
12. Suizidprävention in der Schule (Striegler) S.21
13. Suizidforen- Gefahr oder Hilfe für Betroffene? (Matthiesen) S.23
14. Literaturverzeichnis. S.24
II
1. Einleitung
Das Thema Suizid ist im Zusammenhang mit „Risikoverhalten im Jugendal ter“ ein wichtiger Punkt, denn laut SWIENTEK (1990) soll es sogar keinen einzigen Menschen geben, der nicht selber mindestens einmal in seinem Leben an Suizid gedacht hat. (Mall, Vera: Das Internet als Kommunikationsforum für
suizidgefährdete Adoleszenten. - http://edocs.tu-berlin.de/diss/2003/mall_vera.pdf (18.02.2005)).
Die Hausarbeit ist wie folgt gegliedert: Da die Fülle an verschiedenen Begriffen, die sich mit Suizid in Verbindung bringen lassen, relativ groß ist, gehen wir zunächst auf die verschiedenen Begriffsbestimmungen ein. Diesen Teil halten wir einführend für durchaus wichtig um dem Leser einen direkten Überblick über bedeutende begriffliche Unterschiede zu geben.
Im darauffolgenden Teil werden kurz einige allgemeine Aussagen angefügt. Hierbei handelt es sich um Richtigstellungen von Aussagen, die verbreitet sind, aber dennoch wissenschaftlich widerlegt wurden.
Der vierte Teil der Arbeit soll einen Einblick geben, warum gerade Jugendliche so stark gefährdet sind. Dieses Kapitel bringt den direkten Bezug zu dem Thema des Seminars „Risikoverhalten im Jugendalter“ mit sich.
Teil 5 weist auf die verschiedenen Entstehungstheorien hin, die im Laufe der Zeit von Wissenschaftlern aufgestellt wurden und immer noch als wichtige Anhaltspunkte in der Forschung dienen.
Der Unterschied zwischen Auslösern und Ursachen für Suizid wird in Kapitel 6 beschrieben, während unter Punkt 7 der direkte Zusammenhang mit Depressionen und Suizid geklärt werden soll.
Punkt 8 setzt sich mit den Entwicklungsstadien der Suizidhandlung nach Pöldinger auseinander. Hierbei werden die unterschiedlichen Phasen des Suizidgefährdeten verdeutlicht, während dem Leser gleichzeitig eine bessere Erkennungsgabe vermittelt wird.
Punkt 9 soll einen Einblick in die angewandten Methoden geben, während sich der zehnte Teil mit Abschiedbriefen beschäftigt.
Unter Punkt 11 wird der Zusammenhang zwischen Suizid und der familiären Situation geschildert. Dieser Punkt ist deshalb wichtig, da viele Ursachen in der Familie liegen.
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Das Kapitel 12 beschäftigt sich mit Suizidprävention in der Schule. Hier soll deutlich werden, was Lehrer im Unterricht diesbezüglich behandeln können, welche Schwierigkeiten auftreten und wie diese behoben werden. Dieser Punkt war uns als angehende Lehrkräfte besonders wichtig.
Den Abschluss bildet die Diskussion über Suizidforen. Hierbei wird in einer Gegenüberstellung der Argumente pro und contra dieser Chats dargestellt, ob das Internet im Zusammenhang mit Suizid eine Gefahr oder eine Hilfe für Betroffene ist.
2. Begriffsbestimmungen
2.1 Suizid und Suizidversuch
Der Begriff «Suizid» kommt aus dem Lateinischen von «sui caedere» und heißt wörtlich übersetzt «sich töten» (vgl. Schütz 1994, S.11). Synonym werden oft in der Literatur und im Sprachgebrauch die Begriffe «Selbstmord» oder auch «Freitod» (vgl. Améry 1994, S.13) verwendet, von denen die meisten Autoren jedoch Abstand nehmen, da der Begriff des Selbstmords „[…] die Vorstellung des «Sich- Mordens» und damit eine ethisch zu verurteilende Handlung[…]“ (vgl. Bründel 1993, S. 24) suggeriert und der Begriff „Freitod“ „[…] eine Entscheidung aus freiem Willen assoziiert[…]“ (vgl. Noob 1998, S.12), die es jedoch, wie sich im weiteren Verlauf der Arbeit zeigen wird, bei keinem Suizidanten gibt.
Ein Suizidant ist derjenige, der eine Suizidhandlung unternimmt und Suizidalität beschreibt eine latent vorhandene Neigung sich das Leben zu nehmen (vgl. Bronisch 1995, S. 9).
Suizid ist laut Brockhaus die „[…] absichtliche aktive Beendigung des eigenen Lebens[…]“ (vgl. Bibliographisches Institut & F. A. Brockhaus AG); dabei spielt es keine Rolle, ob der Tod beabsichtigt wurde oder nicht. Der Suizid ist eine „[…] extreme Form der Problembewältigung[…]“ (vgl. Bründel 1993, S. 23), die der Suizidant dann in Erwägung zieht, wenn seine augenblickliche Lage so unerträglich geworden ist, dass er mit ihr nicht mehr zurecht kommt und „[…] andere Lösungsmechanismen keinen Erfolg mehr versprechen[…]“ (vgl. Bründel 1993, S. 23).
Im Gegensatz zum Suizid steht der Suizidversuch oder auch «Parasuizid» (nach KREITMAN) genannt. Beim Suizidversuch bleibt es, wie das Wort vermuten lässt, nur bei dem Versuch sein Leben zu beenden. Ringel definiert den Suizidversuch wie folgt: „[…] Der Selbstmordversuch ist eine absichtliche Selbstschädigung, die mit
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mehr oder minder klarer Selbsttötungstendenz durchgeführt wird, aber keinen tödlichen Ausgang hat […]“ (vgl. Ringel 1987, S. 27). Hier muss man jedoch deutlich zwischen einem missglückten Suizid und einem bewussten Suizidversuch unterscheiden:
Bei einem missglückten Suizid hat der Betroffene meistens wirklich die Intention zu sterben, wird jedoch noch rechtzeitig gefunden und gerettet. Der Betroffene wählt hier den Ort für die Ausführung, die Methode u.ä. so aus, dass die Möglichkeit noch rechtzeitig gerettet zu werden recht klein bleibt. Bei einem bewusst geplanten Suizidversuch jedoch wählt der Betroffene Ort, Methode, Zeitpunkt u.ä. so aus, dass die Möglichkeit gerettet zu werden kaum auszuschließen ist (vgl. Bründel 1993, S. 42). So werden Suizidversuche von Jugendlichen häufig in der Nähe von Familienangehörigen unternommen, z.B. im eigenen Zimmer, im Garten, im Keller u.ä. (vgl. Heuer 1979, S. 25). Problematisch ist hierbei jedoch, dass der Ausgang einer Suizidhandlung oft nur vom Zufall abhängig ist; so kann es passieren, dass aus einem nicht ernst gemeintem Suizidversuch ein dennoch gelungener Suizid wird, zum Beispiel, wenn der Betroffene trotz all seiner Absicherung nicht rechtzeitig gefunden wird. Von ernsthaften oder nicht ernsthaften Absichten eines Suizidanten kann also keine Rede sein (vgl. Bründel 1993, S. 43; vgl. Noob 1998, S. 66), denn dem Betroffenen ist die ganze Zeit über bewusst, dass es trotz all seiner Bemühungen auf den geplanten Suizidversuch aufmerksam zu machen möglich sein kann, dass er nicht mehr rechtzeitig gefunden wird (vgl. Bronisch 1995, S. 11). Ein bewusst geplanter Suizidversuch hat eine starke Appellfunktion. Der Betroffene möchte seine Umwelt auf seine aus seiner Sicht unerträgliche Situation aufmerksam machen und jemand anderen aus seiner Umwelt zum Handeln auffordern. Hier steht nicht der Todeswunsch des Betroffenen im Vordergrund, sondern sein Bestreben Hilfe zu erhalte n.
Ein Suizidversuch löst oftmals in der Umwelt des Suizidanten die erwünschte Wirkung aus: Bei seinen Mitmenschen entstehen Schuldgefühle, sich nicht genug um ihn gekümmert zu haben, die in der Bereitschaft zur Verhaltensänderung enden. Meist hält diese Wirkung jedoch nur kurz an, so dass der Betroffene wieder in die Gefahr gerät, einen weiteren Suizidversuch zu unternehmen (vgl. Bründel 1993, S. 42).
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2.2 Weitere Begriffe
Neben den Begriffen «Suizid» und «Suizidversuch» gibt es noch eine Vielzahl von Begriffen, die mit dem Thema zu tun haben, um die es in dieser Arbeit jedoch nicht gehen soll, da sich hinter ihnen teilweise andere Beweggründe verbergen, z.B. beim Opfertod oder beim Suizid auf Raten, bei dem sich der Betroffene über einen längeren Zeitraum hinweg zum Beispiel durch Drogen- oder Medikamentensucht selbst schädigt (vgl. Bronisch 1995, S. 12).
Jedoch treten in der Literatur noch andere Begriffe auf, die hier noch kurz erläutert werden sollen, z.B. der Begriff des «maskierten» oder auch «verdeckten» Suizids. Dazu gehören, so vermutet man, viele Verkehrstote, die aus einem Todeswunsch heraus einen Unfall provozieren und dabei umkommen und Drogentote, die sich mit Absicht den «Goldenen Schuss» verpassen (vgl. Oerter/ Dreher 1998, S. 359). Es ist verständlicherweise kaum möglich, solche Opfer als Suizidanten auszumachen, es sei denn es liegt ein Abschiedsbrief o.ä. vor.
Weiterhin wird in der Literatur noch die «Panikhandlung aus nichtigen Anlässen» genannt. Sie wird häufig bei Jugendlichen festgestellt, die Autounfälle verursacht oder kleine Diebstähle begangen haben. Die Betroffenen schämen sich derartig für diese Tat, „[…] dass sich einige von ihnen in einer Kurzschlusshandlung das Leben nehmen[…]“ (vgl. Schütz 1994, S. 26).
Eine weitere Form, die hier nur kurz Erwähnung finden soll, ist der «Bilanzsuizid». Er wird in der Regel gründlich geplant und lange vorbereitet und wird oft „[…] bei schweren, als unheilbar diagnostizierten Krankheiten verübt, um dem erwarteten eigenen Leiden zu entgehen oder das empfundene Leiden abzukürzen[…]“ (vgl. Fritz).
3. Allgemeines
Im Laufe der Jahre haben sich einige Aussagen im Zusammenhang mit Suizid verfestigt, obwohl diese mittlerweile wissenschaftlich widerlegt wurden. An dieser Stelle sollen diese Vorurteile und Meinungen zum Selbstmord angeführt werden, damit Missverständnisse und Falschaussagen eindeutig aufgeklärt werden. Die erste der zu widerlegenden Aussagen stammt von dem amerikanischen Psychiater Szasz und lautet:
„Die es sagen, springen nicht und die springen, sagen es nicht.“ (vgl. Ringel 1995, S. 64)
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Im Gegensatz dazu steht die erwiesene Tatsache, dass von zehn Selbstmördern acht ihre Absichten unmissverständlich im Voraus ausgesprochen haben. Es wird deutlich, dass es sowohl Suizidgefährdete gibt, die ihren Selbstmord ankündigen, als auch solche, die dieses Verhalten nicht aufweisen (vgl. Knapp 1995, S.63).
Die zweite Falschaussage lautet:
„Selbstmord geschieht ohne Vorzeichen.“ (vgl. Knapp 1995, S.63) Diese Aussage wird durch Beobachtungen widerlegt, die deutlich werden ließen, dass Menschen, die Selbstmord begingen, dies in den meisten Fällen durch unmissverständliche Zeichen oder Handlungen auch ankündigten. Was genau in diesen Fällen als unmissverständlich bezeichnet wird, bleibt offen, jedoch gilt bereits an dieser Stelle der Appell an die Mitmenschen, aufeinander zu achten und einzugehen (vgl. Knapp 1995, S.63). Die dritte der als falsch einzustufenden Aussagen lautet: „Wer Selbstmord begeht, will sich unbedingt das Leben nehmen.“ (vgl. Knapp 1995, S.63)
Richtig in diesem Zusammenhang ist eher die Aussage, dass Selbstmörder mit dem Tod spielen. Sie überlassen es den Mitmenschen, ob sie gerettet werden oder nicht. Dieses Verhalten entsteht durch ein ständiges Schwanken zwischen Todeswunsch und Lebenswillen. Betroffene versuchen die Entscheidung von sich zu schieben, indem sie den Ausgang eines Suizidversuches nicht nur den Mitmenschen sondern im weiteren Sinne dem Schicksal überlassen (vgl. Knapp 1995, S.63). Ergänzend hierzu sind weitverbreitete Vorurteile wie „Wer zum Selbstmord entschlossen ist, verrät sich nicht und gibt niemandem die Gelegenheit, helfend einzugreifen.“ (vgl. Ringel 1995, S.64) ebenfalls an dieser Stelle zu widerlegen. Eine weitere richtigzustellende Aussage ist:
„Wer einmal zum Selbstmord neigt, wird es immer wieder tun.“ (vgl. Knapp 1995, S.63)
Im Gegenzug zu dieser Aussage ist bewiesen, dass Lebensmüde nur während einer begrenzten Zeit ihres Lebens den Wunsch haben sich selbst zu töten. (vgl. Knapp 1995, S.63). Hierbei ist allerdings zu ergänzen, dass diese „begrenzte Zeit“ unverhältnismäßig lang aber auch kurz sein kann.
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Arbeit zitieren:
Anne Matthiesen, Kathrin Striegler, 2005, Suizid bei Jugendlichen, München, GRIN Verlag GmbH
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