Inhaltsverzeichnis
1. Einführung 3
2. Begriffsbestimmung „Verrechnungspreis“ 4
3. Funktionen und Ziele von internationalen Verrechnungspreisen 5
4. Formen von Verrechnungspreisen 8
4.1. Marktpreisorientierte Verrechnungspreise 8
4.2. Kostenorientierte Verrechnungspreise 9
4.3. Verhandlungsorientierte Verrechnungspreise 10
5. Internationale Verrechnungspreismethoden und ihre Eignung
für die Erfolgsbeurteilung 11
5.1. Transaktionsbezogene Methoden 11
5.1.1. Preisvergleichsmethode 11
5.1.2. Wiederverkaufspreismethode 13
5.1.3. Kostenaufschlagsmethode 14
5.2. Gewinnbezoge ne Methoden 14
5.2.1. Gewinnaufteilungsmethode 14
5.2.1.1. Comparable Profit Split 15
5.2.1.2. Residual Profit Split 16
5.2.2. Transaktionsbezogene Nettomargenmethode 16
6. Schlussbetrachtung 17
7. Literaturverzeichnis 18
8. Anhang 20
2
1. Einführung
Seit einigen Jahren führen Unternehmen verstärkt dezentrale Strukturen ein um so größere Marktnähe ihrer Unternehmensbereiche zu erzielen 1 . Dabei gibt es durch den gegenseitigen und umfangreichen Austausch von Leistungen Problemfelder, die durch Verrechnungspreise gelöst werden sollen. Die Auseinandersetzung mit diesem Thema hat schon eine sehr lange Tradition in der Betriebswirtschaftslehre. Schon Eugen Schmalenbach habilitierte sich 1903 mit dem Thema „Verrechnungspreise“. Die wachsende Internationalisierung und Globalisierung der Wirtschaft und die damit verbundene Entwicklung multinationaler Unternehmen haben dazu geführt, dass das Thema „Internationale Verrechnungspreise“ weiter in den Vordergrund rückt. Vor allem internationale steuerrechtliche Aspekte der Verrechnungspreisproblematik geraten verstärkt in den Mittelpunkt der Diskussion. Doch die Verrechnungspreise haben nicht nur im Steuerrecht im Sinne der Einkunftsabgrenzung ihre Funktion, sondern dienen auch in
betriebswirtschaftlicher Sicht als Planungs- und Lenkungsinstrument. Somit müssen Verrechnungspreise gleichzeitig interne und externe F unktionen erfüllen, wodurch es zu Zielkonflikten kommen kann 2 . Internationale Konzerne mit zahlreichen Auslandsgesellschaften werden durch begrenzte Kapazitäten von Managern häufig nach ergebnisverantwortlichen Bereichen organisiert. Um effiziente dezentrale Entscheidungen, im Vertrauen auf die Koordinations- und Steuerungsfunktion des Marktes, zu ermöglichen wird mit dem Koordinationsinstrument „Verrechnungspreise“ versucht einen fiktiven Marktmechanismus innerhalb des Unternehmens zu implementieren und somit diese dezentralen Entscheidungen über ein Preissystem zu koordinieren. Verrechnungspreise dienen aber nicht nur als dezentrales
Koordinationsinstrument, sondern zielen auch darauf ab, Handlungen der gesamten Unternehmung aufeinander abzustimmen um das Unternehmensgesamtziel zu erreichen. Leistungen zwischen den
Unternehmensbereichen müssen bewertet, Erfolge gemessen, versteuert und den einzelnen Leistungseinheiten zugerechnet werden. Dieses führt zu einer
1 Vgl. Brühl, R.: „Controlling“, Oldenbourg, S. 329
2 vgl. Weber, J.: „Internationale Verrechnungspreise im Konzern“, Vallendar 2004, Advanced Controlling, S.13
3
stärkeren Beachtung der Erfolgsermittlungsfunktion von Verrechnungspreisen und der Möglichkeit, in bezug auf die Internationalisierung, Auslandsgesellschaften zu beurteilen. Steuerliche, rechtliche und
betriebswirtschaftliche Problemfelder entstehen dadurch im Hinblich auf die richtige Bestimmung der Verrechnungspreise, der einheitlichen und korrekten Gewinnermittlung und somit auch der Erfolgsbeurteilung von
Auslandsgesellschaften. Die Zusammenhänge zwischen der externen, steuerlich motivierten, Notwendigkeit der korrekten Verrechnungspreisbestimmung und den internen betriebswirtschaftlich organisatorischen Funktionen müssen berücksichtigt werden. Dabei ist inzwischen eine undurchsichtige Vielzahl von Ermittlungsfunktionen entstanden. Nach einer einführenden Erläuterung des Begriffs „Verrechnungspreis“ s oll im Rahmen dieser Hausarbeit weiterhin aufgezeigt werden, welche Funktionen sie im Hinblick auf die Erfolgsbeurteilung bei den Unternehmensbereichen erfüllen sollen und wie die Preise bestimmt werden. Erörtert werden die praktischen und theoretischen Probleme die sich bei der Ermittlung von Verrechnungspreisen und der damit einhergehenden Gewinnermittlung und Erfolgszerlegung ergeben. Gleichzeitig erfolgt auch eine Einschätzung der Eignung dieser unterschiedlichen Methoden für eine korrekte Erfolgsbeurteilung. Dabei werden sowohl die traditionellen Typen von Verrechnungspreisen, als auch die transaktions- und gewinnbezogenen Verrechnungspreismethoden betrachtet und beurteilt.
2. Begriffsbestimmung „Verrechnungspreis“
Verrechnungspreise sind in der betriebswirtschaftlichen Literatur
unterschiedlich definiert. Schmalenbach beschreibt sie als die Bewertung von Leistungsbeziehungen zwischen wirtschaftlichen Leistungseinheiten 3 . Als Synonym werden auch die Begriffe Transfer-, Lenk-, Knappheits- oder Bereichsabgabepreise verwendet 4 . Weiterhin ist es möglich die Preise in zwischenbetriebliche Verrechnungspreise oder Konzernverrechnungspreise zu
3 vgl. Schmalenbach, Eugen: „Über Verrechnungspreise. In: Zeitschrift für handelswissenschaftliche Forschung 1908/1909, S. 168
4 vgl. Coenenberg. A. G.: „Kostenrechnung und Kostenanalyse“, 3. Auflage, Landsberg/Lech
1997, Moderne Industrie, S. 524
4
differenzieren 5 . Ewert/Wagenhofer erklären Verrechnungspreise als „Wertansätze für innerbetrieblich erstellte Leistunge n (Produkte,
Zwischenprodukte, Dienstleistungen), die von anderen rechnerisch abgegrenzten Unternehmensbereichen bezogen werden“ 6 . Wie bei Coenenberg soll in dieser Hausarbeit unter dem Begriff „Verrechnungspreis“ ein Wert verstanden werden, der bei der „internen Erfassung für den Transfer von Gütern oder Dienstleistungen bzw. die Nutzung gemeinsamer Ressourcen und Märkte zwischen wirtschaftlich selbständigen Bereichen innerhalb eines Unternehmens angesetzt wird“ 7 . Somit dienen diese durch die Unternehmensbereiche festgelegten Preise der Schaffung von fiktiven Märkten und stellen Substitute für fehlende Marktpreise bzw. für fehlende Märkte im innerbetrieblichen Güter-und Leistungsaustausch dar, wie Osterloh und Frost diese Wirkungsweise der Transferpreise bezeichnen 8 . Preise und Konditionen für bereichsübergreifende Lieferungen und Leistungen sind dabei nicht mehr das Ergebnis von Verhandlungen selbständiger Marktparteien, sondern können im Prinzip autonom durch die Unternehmensleitungen festgelegt werden 9 .
3. Funktionen und Ziele von internationalen Verrechnungspreisen
Als Wertansatz für die konzern- oder unternehmensintern erstellten Leistungen können Verrechnungspreise eine Reihe von internen und externen Funktionen erfüllen. Coenenberg unterscheidet sie in drei Hauptaufgaben, der Abrechnungs-und Planungsfunktion, der Lenkungsfunktion und der
Erfolgszuweisungsfunktion 10 . Obwohl neben der Erfolgszuweisungsfunktion eine Vielzahl anderer Ziele durch Verrechnungspreise erfüllt werden können,
5 vgl. Popkes, J.: „Internationale Prüfung der Angemessenheit steuerlicher Verrechnungspreise“, hrsg. V. W. H. Wacker, Bielefeld 1989, S. 2
6 Ewert, R. / Wagenhofer, A.: „Interne Unternehmensrechnung“, 5. Auflage, Berlin, Heidelberg, New York 2003, S. 585
7 Coenenberg. A. G.: „Kostenrechnung und Kostenanalyse“, 3. Auflage, Landsberg/Lech 1997, Moderne Industrie, S. 524
8 vgl. Osterloh, M. / Frost, J.: „Betriebswirtschaftliche Funktionen der Verrechnungspreise, in: Verrechnungspreissysteme multinationaler Unternehmen in betriebswirtschaftlicher, gesellschafts - und steuerrechtlicher Sicht“, Berlin 1999, S. 34
9 vgl. Pausenberger, E.: „Konzerninterner Leistungsaustausch und Transferpolitik in internationalen Unternehmungen, in: Handbuch der internationalen Unternehmenstätigkeit“, München 1992, S. 770
10 vgl. Coenenberg. A. G.: „Kostenrechnung und Kostenanalyse“, 3. Auflage, Landsberg/Lech
1997, Moderne Industrie, S. 524
5
hat die Erfolgszuweisungsfunktion eine große Bedeutung im Hinblick auf das Thema dieser Hausarbeit. In international operierenden Unternehmungen werden Interessen anderer, d. h. Unternehmensexterner tangiert. Dies kann beispielsweise durch die Interessen von Kapitalgeber, Fiskus oder Öffentlichkeit sein 11 . gegeben Die externe Erfolgszuweisungs-oder auch Erfolgsermittlungsfunktion von Verrechnungspreisen dient der
Ergebnisbestimmung rechtlich selbständiger Tochtergesellschaften in Konzernen und dient der Erfüllung externer Publizitätspflichten nach HGB, US-GAAP 12 . IFRS oder Bei internationalen Konzernen mit
grenzüberschreitenden Zahlungsvorgängen dienen Verrechnungspreise zur Bestimmung der Erfolgshöhe und damit auch der Höhe der Besteuerung für die nationalen Fisci, sowohl bei rechtlich selbständigen Tochtergesellschaften wie auch bei rechtlich unselbständigen Betriebstätten. Es entseht beim liefernden Unternehmen ein Ertrag und ein entsprechender Aufwand beim beziehenden Unternehmen. Dies bedeutet nichts anderes, als das durch die Wahl der Verrechnungspreismodalitäten zwischen den Profit Centern der Gewinnausweis bestimmt wird. Verrechnungspreise beeinflussen die Erfolgsbeiträge vor allem dann erheblich, wenn eine Wirtschaftseinheit einen hohen Prozentsatz interner Austauschbeziehungen unterhält 13 . Der erzielte Bereichserfolg wird somit zur „Grundlage für Entscheidungen des Bereichsmanagements wie auch des Managements des Mutterunternehmens, welches strategische Maßnahmen oder Mittelzuteilungen daran knüpft“ 14 . Durch die Wahl eines geeigneten Transferpreises soll dabei die Erfolgszerlegung des Gesamterfolgs in einzelne Teilergebnisse gewährleistet sein 15 . Die Ergebnisermittlung selbst dient der Schaffung von Transparenz in Unternehmungen, indem somit die Wirtschaftlichkeit kleinerer Organisationseinheiten beurteilt werden kann 16 , sowie Verantwortlichkeiten klar dargestellt und Kostentransparenz und
11 vgl. Weber, J.: „Internationale Verrechnungspreise im Konzern“, Vallendar 2004, Advanced Controlling, S. 15
12 vgl. Weber, J.: „Internationale Verrechnungspreise im Konzern“, Vallendar 2004, Advanced Controlling, S. 15
13 vgl. Meckl, R.: „Controlling im internationalen Unternehmen“, München 2000, S. 41
14 Ewert, R. / Wagenhofer, A.: „Interne Unternehmensrechnung“, 4. Auflage, Berlin, Heidelberg, New York 2000, S. 588
15 vgl. Coenenberg. A. G.: „Kostenrechnung und Kostenanalyse“, 3. Auflage, Landsberg/Lech
1997, Moderne Industrie, S. 525
16 vgl. Kreuter, A.: „Verrechnungspreise in Profit-Center Organisationen“, München, Mehring
1997, S. 25
6
Quote paper:
Holger Bunger, 2005, Verrechnungspreise in internationalen Konzernen, Munich, GRIN Publishing GmbH
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