Universität Erfurt
Kommunikationswissenschaft
Seminar: Journalistische Besonderheiten eines Regionalmedienmarktes
Sommersemester: 2001
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Kai Oppel
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Die Suche nach dem Begriff der publizistischen Vielfalt gestaltet sich als nicht einfach. "Für die einen bedeutet er nichts anderes als ein umfangreiches Medienangebot. Andere fragen, ob publizistische Vielfalt nicht auch Vielfalt von Meinungen und Information bedeutet (...)." 1 In dieser Hausarbeit möchte ich aufzeigen, welche Publizistische Vielfalt es auf dem Markt der Thüringer Lokalzeitungen gibt. Der Begriff der publizistischen Vielfalt wird sich dabei aus beiden eben genannten Faktoren speisen, die - wo möglich - am Beispiel Thüringen erläutert und vertieft werden. Gleichzeitig möchte ich erläutern, wie die Faktoren Quantität (Anzahl der Tageszeitungen) und Qualität ( Stil, Umfang, und Inhalt) durch Ökonomie und Lokalität beeinflusst werden. Um die quantitative Vielfalt zu erläutern, wird diese Arbeit eine Bestandsaufnahme der Thüringer Regionalzeitungen geben. Die qualitative Vielfalt in Thüringen wird anhand von Literatur zum Thema Inhaltsanalyse durchleuchtet. Die Frage nach der publizistischen Vielfalt des Thüringer Lokalzeitungsmarktes ist heute, mehr als zehn Jahre nach der Wende, höchstinteressant. "Als Folge eines rasanten Konzentrationsprozesses hat sich das Zeitungsangebot in den neuen Ländern dramatisch verringert." 2 , heißt es in der Wissenschaft zum Thema Lokalzeitungsangebot Ost. Eben diese Konzentration wiederum könnte direkte Auswirkungen auf den Faktor Qualität haben, indem Zeitungsmonopolisten ihre Leser mit weniger Zeitungsseiten, seichteren Inhalten und insgesamt journalistisch minderwertigerer Arbeit abspeisen als in Gebieten, in denen Leser zwischen mehr als einer Lokalzeitung wählen können.
Interessant sind diese möglichen Auswirkungen, deren eventuelle Existenz in dieser Arbeit aufgezeigt werden soll, mit Blick auf die Aufgaben, die der Presse zugeschrieben werden. Tageszeitungen sollen Bürger einerseits objektiv informieren, andererseits meinungsstiftend sein und zuguterletzt Orientierung geben. 3 4 Natürlich sollen Tageszeitungen den Leser auch unterhalten - und dem kann eine lebhafte Reportage oder bissige Glosse natürlich nur förderlich sein. All diese Aufgaben können helfen, den Bürger mündig und überhaupt erst demokratiefähig zu machen. 5 Abschließend seien noch zwei Befunde der Wissenschaft zu
1 RAGER Günther, WEBER Bernd, Publizistische Vielfalt zwischen Markt und Politik, In: Publizistische Vielfalt zwischen Markt und Politik, 1992, Düsseldorf, Seite 7
2 SCHNEIDER Beate, MÖHRING Wiebke, STÜRZEBECHER, Dieter Ortsbestimmung, 2000, Konstanz, Seite 18
3 vgl. MAURER Gerhard, Meinung in der Zeitung, In: Praktischer Journalismus in Zeitung, Radio und Fernsehen, 2. Auflage, 1996, Konstanz, Seite 178
4 SCHNEIDER Beate, MÖHRING Wiebke, STÜRZEBECHER Dieter; Ortsbestimmung, 2000, Konstanz, Seite 15
5 Gleichzeitig darf jedoch diese Aufgabe nicht überbewertet werden. Massenmedien in Deutschland sind nicht zur Ausübung der vierten Gewalt im Staat legitimiert. Auch scheint fraglich, inwieweit mitunter schlecht ausgebildete Journalisten dieser Aufgabe überhaupt nachkommen können und ob sie mit ihrem Wissensstand der
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dieser hehren Aufgabe der Presse angebracht: Der Wissenschaftler Robert M. Entmann 6 hat in einer Studie festgestellt, dass der Informationsstand der Bürger nicht Schritt gehalten habe mit der Vielzahl neuer Druck- und elektronischen Medien. Und der Zukunftsforscher Matthias Horx betont vor dem Hintergrund der zunehmenden Informationsvielfalt (also Quantität) in einem Essay in der Tageszeitung "Die Welt", wie wichtig es ist, dass die Leser überhaupt wissen wollen. 7 Doch dies nur am Rande.
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Egal, ob Zeitungsleser ein großes Zeitungsangebot zu nutzen wissen oder nicht: Viele Titel erhöhen automatisch die publizistische Vielfalt. Auswahl kann jedoch nur dann Vielfalt schaffen, wenn sich die vielen Produkte genügend voneinander unterscheiden. So beispielsweise kann im südthüringischen Meiningen der Möglichkeit der Zeitungswahl zwischen "Freies Wort" und "Meininger Tageblatt" seit dem 1. Juni 2001 nicht mehr als publizistische Vielfalt bezeichnet werden - zumindest nicht, wenn das Augenmerk auf der Lokalberichterstattung liegt. Durch die Gründung der Meininger Mediengesellschaft, die zu gleichen Teilen der Suhler Verlagsgesellschaft (Freies Wort) und der Meininger WPV-Gesellschaft (Meininger Tageblatt) gehört, sind die einst jahrelangen Konkurrenten sowohl in Design als auch in Berichterstattung miteinander bis auf wenige Feinheiten verschmolzen. "So sollen Kräfte gebündelt und Kosten eingespart werden. (...) Ziel ist es, dem Leser weiterhin ein anspruchsvolles Blatt mit noch mehr lokaler Berichterstattung anzubieten" 8 heißt es zu Beginn der Kooperation im Meininger Tageblatt. Diese Zeilen jedoch dürfen nicht darüber hinwegtäuschen, dass es eigentlich zu einer Verringerung des publizistischen Angebots gekommen ist.
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Eine Bestandsaufnahme der Thüringer Lokalzeitungen im Juli 2001 zeigt, von der kurzfristigen publizistischen Vielfalt aus der unmittelbaren Nachwendezeit ist wenig übrig. 17 Verlage hatten damals allein in Thüringen mit 34 verschiedenen Titeln bis zum 1. September 1990 publizistische Vielfalt in Hochkultur geschaffen. 9 Zu der Vielfalt kam es dabei nicht nur
Aufgabe überhaupt nachkommen sollten. (vgl. Pürer, Praktischer Journalismus in Zeitung, Radio und Fernsehen, 1996, Seite 356 und 363)
6 vgl. dazu BOVENTER Hermann, Wächter und Bewachte, In: Redaktion 1996, 1996, Salzburg, Seite 119 ff
7 siehe dazu HORX Matthias, Der kurze Sommer der @narchie, In: Die Welt, 24. März 2001
8 BECHSTEIN Dieter, Hand in Hand unter einem Dach; In: Meininger Tageblatt, 1. Juni 2001
9 SCHÜTZ Walter J., Der Zeitungsmarkt in den neuen Ländern, In: Zeitungen ´90, 1990, Bonn, Seiten 37 bis 48
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Arbeit zitieren:
Kai Oppel, 2001, Publizistische Vielfalt in Thüringen, München, GRIN Verlag GmbH
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