1. Einleitung
Wer war Barbara McClintock? Mit diesem Namen kann kaum jemand etwas anfangen. Diese Biographie verschafft einen Einblick in das Leben einer der bedeutendsten Biologinnen aller Zeiten 1 , die nach Marie Curie die zweite Frau überhaupt war, die einen ungeteilten Nobelpreis erhielt. Ihr Forschungsobjekt war der Mais. Sie bestimmte unter anderem, welche Gene zu den einzelnen Maischromosomen gehören und entdeckte die „springenden Gene“, die jetzt als wichtige Bestandteile der Genetik angesehen werden.
Auf die biologischen Details wird in dieser Biographie nicht sehr detailliert eingegangen, da dies zu tief in die Materie einführen würde, schwer zu verstehen wäre und im wesentlichen auch nicht wichtig für die Schilderung ihres Lebens in der Männerdomäne Forschung wäre.
2. Weg zum Studium
2.1 Kindheit
Barbara McClintock wurde am 16. Juni 1902 in Hartford im Bundesstaat Connecticut in den USA geboren. Sie war nach Marjorie (1898) und Mignon (1900) die dritte Tochter von Sara Handy McClintock und Thomas McClintock. Ihre Mutter Sara kam aus einer Adelsfamilie von der Ostküste und heiratete Thomas gegen den Willen ihrer Eltern. Dieser war ein Nachfahre schottischer Einwanderer und angehender Arzt. Für ihre Tochter war er deshalb nicht standesgemäß. Sara finanzierte mit ihrem Erbteil das Studium von Thomas und hielt auch danach noch mit Klavierunterricht ihre Familie über Wasser, da ihr Mann zunächst keine Anstellung fand. 1904 kam Barbaras jüngerer Bruder Malcolm zur Welt. Aufgrund der bedrängten Wohnsituation wurde Barbara von 1904 bis 1908 zu ihrer Tante und ihrem Onkel, dem Bruder ihres Vaters, nach Massachusetts aufs Land geschickt. Als es ihrer Familie 1908 wieder besser ging, durfte sie wieder zu ihnen zurück. Sie zogen in einen ländlichen Bezirk in
1 Vgl. Keller, Evelyn Fox: Barbara McClintock. Die Entdeckerin der springenden Gene. 1995.
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Brooklyn in New York. Barbaras Verhältnis zu ihrer Mutter war schon immer sehr distanziert. Nachdem sie nun wieder bei ihrer Familie wohnte, nahmen die Spannungen zwischen den beiden noch mehr zu und Barbara war sehr oft allein.
2.2 Jugendzeit
Von 1908 bis 1918 besuchte Barbara die Erasmus Hall High School in Brooklyn. Sie las gerne, saß oft einfach nur da und dachte über irgendetwas nach. Sie spielte Klavier und besaß die Fähigkeit, sich in eine Sache so sehr hineinzusteigern, daß andere sich um sie Sorgen machten. Die Eltern unterstützten die Interessen ihrer Kinder und nahmen sie auch gelegentlich aus dem Schulunterricht, wenn sie nicht zur Schule gehen wollten. Sie sahen die Schule nicht als besonders wichtig an und ließen ihre Kinder auch von den Hausaufgaben befreien. Barbara spielte damals leidenschaftlich Baseball, Football, Volleyball und desgleichen und war nur mit Jungen befreundet. Sie trug keine Kleider, denn damit konnte man ebenso wenig Fußball spielen wie auf Bäume klettern.
An der Erasmus Hall High School erwachte schließlich auch ihr Interesse für die Naturwissenschaften. Sie liebte es, Lösungen für Probleme zu finden. 1918 machte Barbara vorzeitig ihren High-School-Abschluß. Sie hatte ihre Schulzeit um ein Jahr verkürzt und arbeitete anschließend mit nur sechzehn Jahren in einem Stellenvermittlungsbüro. Sie war fest dazu entschlossen, zu studieren. Doch ihre Mutter war dagege n. Sie befürchtete, daß Barbaras Heiratschancen durch ein Studium verringert würden. Ihr Vater, zu dem sie ein besonders enges Verhältnis hatte, war zu dieser Zeit als Militärarzt in Europa im ersten Weltkrieg. Als er 1919 zurückkehrte, unterstützte er seine Tochter in ihrem Wunsch.
3. Wissenschaftliche Karriere
3.1 Studium in Cornell
Kurz nach der Zustimmung ihrer Eltern begann Barbara das Studium der Botanik an der landwirtschaftlichen Fakultät der Cornell- Universität in Ithaca. Die
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Universität in Cornell galt als für das Frauenstudium besonders aufgeschlossen (25% der Studenten waren zu diesem Zeitpunkt Frauen). Als Erstfach wählte McClintock Zytologie (mit dem Schwerpunkt Chromosomenforschung) und als Nebenfächer Genetik und Zoologie. Ursprünglich wo llte sie Pflanzenzucht studieren, aber Frauen waren von diesem Fach ausgeschlossen. In Cornell blühte Barbara McClintock zunächst regelrecht auf. Sie knüpfte viele Freundschaften, insbesondere zu jüdischen Studentinnen. Sie wurde oft eingeladen und wurde sogar zur Jahrgangssprecherin gewählt. Doch nach und nach zog sie sich wieder zurück, da sie mit der zunehmenden Diskriminierung der Juden nicht zurecht kam. Sie selbst wurde wegen ihrer Beziehungen zu jüdischen Studentinnen ständig kritisiert und wurde z.B. zu einigen Veranstaltungen nur noch alleine eingeladen. Diese Gesellschaften, an denen nicht jeder teilnehmen konnte, waren ihr zuwider. Sie sorgte zur gleichen Zeit auch mit ihrer Eigenwilligkeit hinsichtlich ihres äußeren Erscheinungsbildes für Gesprächsstoff. Sie ließ sich ihre Haare kurz schneiden und weigerte sich, Röcke und Kleider zu tragen. Sie tat, was sie tun wollte. Dazu gehörte keine Beziehung mit einem Mann. Sie wollte sich an keinen Menschen eng binden.
Während des Studiums war sie wissenschaftliche Hilfskraft bei Lowell Randolph, der die Chromosomen im Kern von Maiszellen untersuchte. Sie beschäftigte sich mit der Identifizierung und Charakterisierung von Maischromosomen und wollte die einzelnen Chromosomen der Maispflanze so genau beschreiben, daß man sie exakt von einander unterscheiden konnte. Dabei fand sie in drei Tagen eine neue Methode hierfür; eine neue Färbemethode, mit deren Hilfe sie die Maischromosomen genau charakterisieren und sogar durchnummerieren konnte. Dadurch wurde sie schlagartig bekannt. Nun war es zum ersten mal möglich, Zusammenhänge zwischen den äußeren Merkmalen eines Maiskorns (phänotypische Merkmale), wie z.B. Form, Länge und Farbe, und den strukturellen Veränderungen an den Chromosomen zu erkennen. Ihr Professor war nicht gerade begeistert, daß sie das Problem in so kurzer Zeit gelöst hatte, was er jahrelang nicht geschafft hatte. Außerdem beneidete er sie um den wissenschaftlichen Ruhm, den sie dafür erhielt. Kurz danach beendeten die beiden ihre Zusammenarbeit.
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Arbeit zitieren:
Sabrina Arndt, 2004, Barbara McClintock, München, GRIN Verlag GmbH
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