Einleitung
Gegenstand dieser Arbeit ist Kreativität und kreatives Schreiben und deren Bedeutung für die heutige (literarische) Gesellschaft.
In dieser Arbeit werde ich versuchen, Erkenntnisse über das klassische kreative Schreiben auf Beispiele für Schreibprojekte zu übertragen.
Daher möchte ich zunächst die Geschichte des kreativen Schreibens kurz und in groben Zügen vorstellen, um zu zeigen, dass dies nicht erst eine Schreibbewegung unserer Zeit ist, es seine Ursprünge sogar in der Antike findet.
Zur weiteren Entwicklung des kreativen Schreiben in unserer Zeit war auch die Schreibbewegung, die um 1900 entstand sehr wichtig, daher möchte ich auch darauf kurz verweisen.
Anschließend möchte ich versuchen, den Kreativitätsbegriff an sich kurz vorzustellen, bevor ich auf Merkmale, Konzepte und Methoden des kreativen Schreibens eingehe um diese schließlich an Hand von Beispielen zu erläutern.
Dazu wird auch ein Beispiel aus den neuen Medien gehören. Denn auch im Internet gibt es Gruppen, die gemeinsam an einer Geschichte oder gar an einem Roman schreiben. Da dieses Kommunikationsmittel in unserer Zeit immer größerer Bedeutung zugemessen wird, möchte ich auch eine solche Arbeit kurz vorstellen.
Anschließend möchte ich noch eine kurze Stellungnahme zu diesem Thema abgeben.
1. Die Geschichte des kreativen Schreibens
Ingrid Böttcher definiert kreatives Schreiben als „ eine besondere Form des allgemeinen Schreibens“ und folgert daraus, dass der „ kreativ-experimentelle Umgang mit Sprache Teil einer langen Tradition ist.“ (vgl. Mattenklott 1979; Mosler/Herholz 1991; von Werder 1992) Schriftsteller haben entweder überlieferte kreative Methoden ausprobiert und diese genutzt oder aber selbst neue erfunden.
So gehen die Anfänge des Kreativen Schreibens bis in die Antike zurück. Zu der Zeit wurden Sprachspiele wie das Akrostichon oder das Akrothelenon erfunden, die noch im 18./19. Jahrhundert sowohl von der höfisch-aristokratischen Gesprächskultur des Barock als auch von den literarischen Salons der deutschen Romantik gepflegt wurden.
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„Die Geschichte des kreativen Schreibens wird durch das Jahr 1900 in zwei Teile geteilt. Die Zeit vor der Veröffentlichung von Freuds Traumdeutung und die Zeit nach der Veröffentlichung von Freuds Traumdeutung.“ (vgl. von Werder, 1996, 24) Vor 1900 diente Schreiben der Darstellung von Gefühlen und Erfahrungen. Mit dem Beginn des Expressionismus wurden Techniken erschaffen, die „über die freie Assoziation hinausgingen“ und die Deutung von Texten in den Hintergrund treten ließ. Dadurch wurde der Weg für Sprachspiele und Sprachexperimente geebnet.
Diese literarische Geselligkeit wird in unserer heutigen Zeit mehr denn je zum Gesprächsthema. Nicht nur, dass nahe zu jede Volkshochschule Kurse zum Kreativen Schreiben anbietet, dieses Thema wird auch in den modernen Medien aufgegriffen. So gibt es auch im Internet einige Diskussionsforen, in denen an Geschichte und gar Romanen weitergeschrieben wird.
1.1 Die Amerikanische Schreibbewegung
Schon in den 20er Jahren wurden an der Universität von Iowa, USA, erste Kurse für kreatives Schreiben angeboten.
Zwar wurde 1911 schon das Naional Council of Teachers of English (NCTE) gegründet, die Einführung von Schreibcurricula an den Universitäten wurde jedoch erst 1949 mit der Gründung der „Conference of College Composition and Communication“ durchgesetzt. Heute ist „Kreatives Schreiben“ in den USA ein eigener Studiengang und wird von 7000 Studenten an 279 Universitäten studiert.
2. Der Kreativitätsbegriff und kreatives Schreiben
In diesem Kapitel sollen die Begriffe Kreativität und kreatives Schreiben definiert werden, nicht zuletzt um damit festzulegen, in welchem Sinn dieser Ausdruck im Rahmen dieser Arbeit Verwendung findet.
Die Begriffe Kreativität und kreatives Schreiben werden in vielen verschiedenen Ausrichtungen und mit den unterschiedlichsten Zielsetzungen beschrieben, die ein sehr weites Spektrum abdecken und hier nicht alle vorgestellt werden können.
Einige grundlegende Merkmale werden jedoch von verschiedenen Autoren übereinstimmend als charakteristisch für Kreativität und kreatives Schreiben beschrieben.
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2.1 Kreativität
Die moderne Kreativitätsforschung hat den Begriff „Kreativität“ von zwei Seiten her beleuchtet. Ein Individuum stellt für sich oder für einen Kulturkreis oder die Menschheit etwas neues, bedeutendes her. Dieser Vorgang wird als Kreativität bezeichnet. Somit ist kreatives Schreiben eine Möglichkeit sich durch die Kommunikationsform „Schreiben“ neu auszudrücken, seine Gefühle zu beschreiben und schließlich zur Selbsterkenntnis gelangen.
Um zu gewährleisten, dass das Schreiben nicht nur einen individuellen sondern auch einen gesellschaftlichen Fortschritt beinhaltet, muss das kreative Schreiben „die produktive Auseinandersetzung mit dem Experiment fortführen, die seit der Romantik die Literatur prägen.“ (vgl. von Werder, 1996, 23)
Die Gesellschaft und Wirtschaft fordert vom Individuum Kreativität. Nur wer kreativ ist, kann in der Gesellschaft auch innovativ sein und bestehen.
Das Schaubild von Otto Kruse (1997, 31) soll zusätzlich zum vorangegangenen Definitionsversuch einen Überblick geben und Begriffe aufzeigen, die untrennbar mit „Kreativität“ verbunden sind.
Jeder dieser Begriffe wird benutzt um einen „kreativen Menschen“ zu beschreiben, der
- ein neuartiges und wertvolles Produkt entwickelt hat;
- einen neuartigen Weg entwickelt hat, der zu diesem Produkt führt;
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- oder etwas erfunden hat, das wir auf neuartige Weise wahrnehmen, fühlen, erkennen oder denken.
2.2 Kreatives Schreiben
Ohne Anspruch auf Vollständigkeit, also keinesfalls im Sinne einer Definition , sollen einige grundlegende Merkmale des kreativen Schreibens erfasst werden.
Kreatives Schreiben fasse ich als eine methodische Form des Schreibens auf, die das Schreiben erleichtern und verbessern, die Möglichkeiten des Schreibenden erweitern, ihm als „Stützung des Ausdrucksbedürfnisses“ dienen und Schreibblockaden lösen, wenn nicht gar verhindern soll.
Häufig wird gesagt, dass beim kreativen Schreiben nicht der fertige Text im Vordergrund stehen soll, sondern „die Teilhandlungen des Schreibens in den Blick kommen müssen“. Für die einzelnen Schritte auf diesem Weg zum fertigen Text, vom Sammeln der Ideen über den Entwurf und die erste Niederschrift bis zur Überarbeitung, stellt das kreative Schreiben eine große Zahl von Gehhilfen bereit. Eine davon ist die Anregung der Phantasie durch die Arbeit mit Regeln und Hindernissen. Die Schreibhürden werden beispielsweise in Form von zunächst unharmonischem oder widersprüchlichem Material aufgestellt und bilden auf diese Weise starke Reize, mit deren Hilfe der Einstieg in das Schreiben oder die Überwindung von Schreibblockaden erleichtert werden soll. Diese Beschränkungen in Form von Vorgaben und Regeln engen die Phantasie nicht ein sondern aktivieren sie. Brenner spricht hier von der „Spannung zwischen Spontaneität und Beschränkungen“.
Das vorgegebene Regelwerk soll dabei durchaus flexibel gehandhabt werden, wie in den Beispielen auch zu erkennen sein wird.
Ein weiteres Charakteristikum des kreativen Schreibens sieht Spinner in der bewussten Nutzung literarischer Techniken, die das kreative Schreiben durch die Vermittlung hand werklicher Fähigkeiten und Einsichten auch für den Literaturunterricht in der Schule brauchbar macht. Vielleicht ist jede Art zu schreiben kreativ im Sinne von schöpferisch. Das, was hier unter dem Terminus kreatives Schreiben als Verfahren verstanden wird, zeichnet sich aber durch die bewusste Nutzung und vor allem die Vermittlung von Techniken aus, die die unterschiedlichsten Phasen des Schreibprozesses unterstützen und fördern.
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Arbeit zitieren:
Monja Wessel, 2001, Kreativität und kreatives Schreiben und deren Bedeutung für die heutige (literarische) Gesellschaft, München, GRIN Verlag GmbH
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