Die Verwandlung schrieb Franz Kafka im Herbst 1912 nieder; ihre Entstehung ist gut dokumentiert in seinen Briefen an Felice Bauer, seiner damaligen Verlobten. Veröffentlicht wurde sie erstmalig im Herbst 1915 und gehört somit zu jenem geringen Teil von Kafkas Werk, der bereits zu seinen Lebzeiten publiziert wurde.
Schon in der zeitgenössischen Kritik wurde die Erzählung unterschiedlich aufgenommen. Ein zentrales Merkmal, auf das sowohl die negativen als auch die positiven Rezensionen eingingen und das auch später in der Forschung immer wieder diskutiert wurde, war dabei die Tatsache, dass zwar ein übernatürliches Ereignis - die Verwandlung des Handelsreisenden Gregor Samsa in ein Ungeziefer - der Geschichte den Anstoß gibt, der Rest der Erzählung aber „fast krampfhaft auf alles Magische und Phantastische verzichtet“ 1 , wie es schon bei Kasimir Edschmid heißt, in der ältesten Rezension zur Verwandlung. Ganz offensichtlich spielt dabei, zumindest bei den ablehnenden Kritiken, eine traditionelle Literaturauffassung eine Rolle, die noch dem aristotelischen Mimesis-Gebot 2 verpflichtet ist, denn hier wird eine realistische Erzählweise als Wirklichkeitsnachahmung missverstanden und deshalb ein darin eingebettetes surreales Ereignis, weil es „alle biomechanische Wahrscheinlichkeit aufhebt“ 3 , als unpassend abgelehnt. Aber auch da, wo dies nicht der Fall war und die Erzählung in ihrem Kunstcharakter akzeptiert wurde, häuften sich, nicht nur in der Anfangsphase der Kafka-Rezeption, die psychologischen, theologischen, marxistischen und autobiographischen Missdeutungen. Diese gehen weit zurück bis auf Max Brod und sogar auf Kafka selbst. Somit ist die Geschichte der Rezeption der Ver-wandlung nicht von der Entstehungs- und Publikationsgeschichte zu trennen, von der ich im ersten Kapitel einen Abriss geben und auf ihre Folgen für die Forschung eingehen werde, bevor ich mich dem zweiten, zentralen Kapitel zuwende.
Im zweiten Kapitel dagegen wird die Erzählung bewusst von der Biographie des Autors getrennt. Stattdessen sollen ihr Kunstcharakter sowie die historischen und gesellschaftlichen Zusammenhänge untersucht werden. Schon der Titel der Geschichte lässt sich nicht nur auf die Verwandlung Gregors beziehen, sondern auch - dies ist bereits früh bemerkt worden 4 - auf die der Familienmitglieder, was ihre Haltung ihm gegenüber angeht. Hinzu kommt, dass sich die Verwandlung Gregors zum Ungeziefer, wie Heinz Politzer richtig bemerkt, bereits vor dem Beginn der Hand-
1 KasimirEdschmid: Deutsche Erzählungsliteratur. In: Jürgen Born (Hg.): Franz Kafka. Kritik und Rezeption, Bd.1: Zu seinen Lebzeiten, 1912 - 1924, Frankfurt/M 1979, S.61-63, hier S.63.
2 Aristoteles: Poetik. Griechisch/deutsch, übers. u. hg. von Manfred Fuhrmann, Stuttgart 1982 (UB 7828), S.5. 3 Robert Müller: Phantasie. In: NR 27 (1916), S.1421-1426, hier S.1425.
4 Eugen Loewenstein: Die Verwandlung. Ein Buch von Franz Kafka (Kurt Wolff Verlag, Leipzig). In: Born: Kritik und Rezeption. Bd.1 (a.A.o.), S.64-68, hier S.67. (Rezension vom 09.04.1916).
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lung ereignet 5 ; in der Erzählung selbst passiert nichts Unnatürliches, nur ihr Ausgangspunkt ist es. Ihr vordergründiger Inhalt sind somit lediglich die Folgen, die sich ergeben, wenn ein Ereignis aus dem Bereich des Phantastischen in einem Gedankenspiel ins gewohnte Umfeld einer kleinbürgerlichen Familie eingebettet wird. Versteht man das Käferdasein des Protagonisten als Symbol für Andersartigkeit, so ergibt sich hier im Rahmen der Erzählung, dass diese in der kleinbürgerlichen Familie nicht geduldet werden kann. Die Vereinbarkeit beider Welten wird im Laufe der Geschichte ad absurdum geführt. 6 Zwischenmenschliche Hilfe, Unterstützung und Zuneigung sind hier von bestimmten Voraussetzungen abhängig, wie ein vertretbares Bild in der Öffentlichkeit, finanzielle Sicherheit, usw. - selbst innerhalb einer Familie, der kleinsten sozialen Gemeinschaft.
Meiner Arbeit lege ich aus diesen Gründen als Schwerpunkt die Untersuchung der Verwandlung von Gregors Umfeld, seiner Familienmitglieder und deren Beziehung zum Protagonisten und untereinander zugrunde. Dazu gehören bestimmte typische Verhaltensmuster, die sich an jeder der Figuren in der Familie beobachten lassen und die zur Ausgrenzung des zum Außenseiter gewordenen Gregors, sowie zum Erhalt der kleinbürgerlichen Ordnung führen. Damit eng ver-bunden ist der Umgang mit Sprache der einzelnen Figuren, da dieser auch Aufschluss zu geben vermag über ihre Rezeption und ihren Umgang mit der Wirklichkeit.
Der Vater repräsentiert hier die konservative Kraft des Patriarchen, dessen Macht, die er in der eigenen Familie ausübt, die Grundlage, auf der sie einst aufgebaut wurde, schon verloren hat und die nur noch dadurch erhalten wird, dass sie inzwischen zum allgemeingültigen, nicht zu hinterfragenden Gesetz geworden ist. Diese Macht, die er innerhalb der Familie ausübt, ist naturgemäß konterkariert durch eine Unterwürfigkeit gegenüber der Welt außerhalb der Familie. Diese Unterwürfigkeit entwächst seiner tatsächlichen Schwäche, die er in einem Umfeld, in dem er seine Autorität erst noch behaupten muss, nicht mehr zu verbergen imstande ist. Die Mutter dagegen ist diejenige, die sich fügt. Ihrer Schwäche entspricht eine zwischenmenschliche Sensibilität, die sie aber nicht durchzusetzen vermag. Probleme, die sie nicht bewältigen kann, verdrängt sie deshalb. Dies führt bei ihr aber zu einem Mangel an Einsicht in die soziale Realität, weshalb sie letztendlich auch keine Eigeninitiative entwickeln kann, um sich mit ihrem humaneren Willen zu behaupten. Ihre Mittel sind die Mittel der Schwächeren: Sie fügt sich sexuell ihrem Mann und versucht auch auf andere Art, sich dessen Gunst zu erwerben. In Grete sehen wir eine sich heranbildende Macht. Einer ihrer Hauptwesenszüge ist, dass sie stets die Handelnde ist. Ausgehend von ihrer ehemaligen Außenseiterposition erarbeitet sie sich
5 Heinz Politzer: Franz Kafka. Der Künstler, Frankfurt/M 1978, S.109.
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ihre Autorität, verlässt dabei aber nicht die kleinbürgerliche Ordnung, in deren Schutz sie gedeiht. Sie versteht es bestens, die gesellschaftlichen Konstellationen, die sie vorfindet, zu ihrem Vorteil auszunutzen und lenkt das Geschehen. Die Ausgrenzung ihres Bruders inszeniert sie aktiv mit und nutzt sie für den eigenen Aufstieg.
Gregor ist das Gegenbild dazu und zeichnet sich in erster Linie durch seine Passivität aus, verlässt sich auf andere. Sein Hauptfehler ist es, daran zu glauben, dass sich die Welt nach moralischen Grundsätzen richtet. Dementsprechend glaubt er auch, durch das Zurechtdefinieren dessen, was sein sollte, auf die Realität Einfluss üben zu können. Er glaubt an einen direkten Einfluss der Sprache auf die Realität. Dieser Trugschluss zeigt sich aber gerade in seinem Falle so deutlich, weil Sprache bei ihm nur im inneren Monolog vorkommt, also nicht intersubjektiv und deshalb für seinen Zweck unwirksam ist. Seine Ausgrenzung erfolgt durch Verdrängung: Er verdrängt zunächst sein Käferdasein, und die Familie verdrängt, dass er früher ein Mensch gewesen ist. Er wird wie ein Tier gehalten und gegen Ende auch nicht mehr als Familienmitglied betrachtet. Die Schwester spricht es in ihrem Urteil am Ende noch einmal explizit aus: „Du mußt bloß den Gedanken loszuwerden suchen, daß es Gregor ist“ (191). 7 Damit wird die passive Tötung für das eigene Gewissen leichter gemacht. Die Individualität, auf die Gregor bis zum Schluss beharrt, ist wertlos, sobald sie von seinen Mitmenschen für nichtig befunden wird. Zu den Familienmitgliedern kommen noch Nebenfiguren, die bestimmte Eigenschaften der Samsas zutage bringen oder diese karikieren. So können die drei Zimmerherren als Gegenbild zu Gregor verstanden werden und gleichzeitig die Welt zeigen, aus der er kommt. Zudem zeigt sich die unterwürfige Seite der Familie, vor allem des Vaters, im Verhalten ihnen gegenüber. Ähnlich fördert der Prokurist das nach außen hin um Maskierung bemühte Auftreten des Vaters sowie Gregors bisherige Abhängigkeit vom Beruf zutage. Gregors Unfähigkeit zur Veränderung offenbart sich in seinem Verhalten dem Prokuristen gegenüber und widerlegt somit alle zuvor formulierten pseudo-rebellischen Gedanken. Zu guter Letzt ist die Bedienerin, welche die Realität unverblümt darstellt, und deshalb bei den scheinheiligen Samsas auf Entrüstung stößt, ein Spiegel, welcher der Familie vorgehalten wird.
6 Dazu siehe auch Urs Ruf: Franz Kafka. Das Dilemma der Söhne. Das Ringen um die Versöhnung eines unlösbaren Widerspruchs in den drei Werken „Das Urteil“, „Die Verwandlung“ und „Amerika“, Berlin 1974 (Philologische Studien und Quellen 79), S.56f.
7 Seitenangaben in Klammern zitiert nach: Kafka: Die Verwandlung. In: ders.: Schriften Tagebücher Briefe. Kritische Ausgabe, Bd.: Drucke zu Lebzeiten, hg. von Wolf Kittler, Hans-Gerd Koch und Gerhard Neumann, New York 1994, S.113-200.
1. Allgemeine Daten zur Entstehung
Seine Erzählung kündigt Kafka erstmalig am 17.11.1912 in einem Brief an Felice Bauer an. Er teilt ihr mit, dass er „eine kleine Geschichte niederschreiben werde, die [ihm] in dem Jammer im Bett eingefallen“ sei und ihn „innerlichst“ bedränge. 8 Sehr bald stellt sich jedoch heraus, dass sich diese „zu einer größeren Geschichte auszuwachsen beginnt“ 9 , deren Titel jetzt auch erstmalig genannt wird. 10 Er bezeichnet sie zunächst als „ein wenig fürchterlich“ 11 und nur einen Tag später schon als „ausnehmend ekelhafte Geschichte“, mit der er aber „im allgemeinen […] nicht unzufrieden“ 12 sei. Am Vormittag darauf liest er den ersten Teil bei Oskar Baum und Max Brod. 13 Den dritten Teil beginnt er am 01. Dezember 14 und in der Nacht vom 06. auf den 07. schreibt er den Schluss (den Teil nach Gregors Tod) und beendet die Geschichte. 15 Während dieser Zeit beklagt sich Kafka mehrmals, sein Beruf, in erster Linie eine Geschäftsreise 16 , die er in Angriff zu nehmen hatte, habe ihn am Schreiben gehindert. Er meint,
Eine solche Geschichte müßte man höchstens mit einer Unterbrechung in zweimal 10 Stunden niederschreiben, dann hätte sie den natürlichen Zug und Sturm, den sie vorigen Sonntag in meinem Kopf hatte. 17
Auf ähnliche Weise hatte er auch Das Urteil „in der Nacht vom 22. bis 23. von 10 Uhr abends bis 6 Uhr früh in einem Zug geschrieben.“ 18
Seine Beziehung zur Verwandlung ist, wie so oft, zwiespältig: Einerseits schreibt er am 01.03.1913 „Ein schöner Abend bei Max. Ich las mich an meiner Geschichte in Raserei“ 19 , andererseits findet er den Schluss der Erzählung von Anfang an schlecht. 20 Schlecht findet er Die Verwandlung auch später noch, am 20. Oktober, bei erneutem Wiederlesen 21 , und auch am 19.01.1914 notiert er:
8 Franz Kafka: Briefe an Felice und andere Korrespondenz aus der Verlobungszeit, hrsg. von Erich Heller und Jürgen Born, mit einer Einl. von Erich Heller, Frankfurt/M 1967, S.102. 9 Ebd., S.116 (Brief vom 23.11.1912). 10 Allerdings nur „Verwandlung“, ohne Artikel (ebd.). 11 Ebd.
12 Ebd., S.117 (Brief vom 24.11.1912). 13 Ebd., S.122. 14 Ebd., S.145. 15 Ebd., S.163. 16 Ebd., S.125. 17 Ebd.
18 Kafka: Schriften Tagebücher Briefe. Kritische Ausgabe. Bd.: Tagebücher, hg. von Hans-Gerd Koch Michael Müller und Malcolm Pasley, New York 1990, S.460. Er sah darin die einzige für ihn adäquate Schreibweise (ebd., S.461). 19 Kafka: Briefe an Felice, S.320. 20 Ebd., S.163. 21 Kafka: Tagebücher, S.585.
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Großer Widerwillen vor „Verwandlung“. Unlesbares Ende. Es wäre viel besser geworden, wenn ich damals nicht durch die Geschäftsreise gestört worden wäre. 22
Andererseits ist er auch um die Veröffentlichung bemüht, und in einem Testamentschreiben an Brod heißt es:
Von allem, was ich geschrieben habe, gelten nur die Bücher: Urteil, Heizer, Ver-wandlung, Strafkolonie, Landarzt und die Erzählungen: Hungerkünstler. 23
Diese eigenen Einschätzungen Kafkas halte ich jedoch für wenig ergiebig und z.T. sogar für irreführend. Das hängt natürlich einerseits mit der Widersprüchlichkeit der einzelnen Aussagen zusammen, vor allem aber mit ihrem privaten, unwissenschaftlichen Charakter, der sich vor allem in seiner starken Identifikation mit den eigenen Figuren äußert. Bei manchen seiner Aussagen meint man zuweilen, es handle sich um wirkliche Menschen; so z.B.:
Ich bin zu trübe jetzt […]. Dem Helden meiner kleinen Geschichte ist es aber auch heute gar zu schlecht gegangen und dabei ist es nur die letzte Staffel seines jetzt dauernd werdenden Unglücks. Wie soll ich da besonders lustig sein! 24
Oder:
Weine Liebste, weine, jetzt ist die Zeit des Weinens da! Der Held meiner kleinen Geschichte ist vor einer Weile gestorben. Wenn es Dich tröstet, so erfahre, daß er genug friedlich und mit allen ausgesöhnt gestorben ist. 25
Auch das von Politzer benannte, auf Brod zurückgeführte
Ur-Übel aller Kafka-Interpretation […], nämlich die unmittelbare Übersetzung der dichterischen Bilder in die Sprache der Theologie, der Philosophie oder der Psychologie und die damit zwangsläufig verbundene Verflachung ihres dichterischen Werts 26
geht z.T. auf Kafka selbst zurück: Die Verwandlung hat er zwar nie ausführlich interpretiert, dafür ist aber eine Interpretation der Erzählung Das Urteil überliefert, in der er die Namen der Figuren mit seinem und Felices Namen gleichsetzt und somit auch teilweise sein Werk auf ein bloßes Sprachspiel reduziert:
Georg hat soviel Buchstaben wie Franz. In Bendemann ist „mann“ nur eine für alle noch unbekannten Möglichkeiten der Geschichte vorgenommene Verstärkung von „Bende“. Bende aber hat ebensoviel Buchstaben wie Kafka und der Vokal e wiederholt sich an den gleichen Stellen wie der Vokal a in Kafka
22 Ebd., S.624.
23 Allerdings entkräftet er wenige Zeilen später wieder diese Aussage (Kafka, zit. aus: Max Brod: Nachwort. In: Kafka: Der Prozess. Roman, hg. von Max Brod, New York / Berlin 1946, S.317f). 24 Kafka: Briefe an Felice, S.116 (Brief vom 23.11.12). 25 Ebd., S.160 (Brief vom 6./7.11.12).
26 Politzer: Problematik und Probleme der Kafka-Forschung. In: Monatshefte 42 (1950), S.273-280, hier S.274.
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Frieda hat ebensoviel Buchstaben wie Felice und den gleichen Anfangsbuchstaben, Brandenfeld hat den gleichen Anfangsbuchstaben wie Bauer und durch das Wort „Feld“ auch in der Bedeutung eine gewisse Beziehung. 27
Natürlich ist es legitim, dass ein Autor seine Werke in dieser Weise kommentiert, zumal es hier wohl auch um den persönlichen „Wert“ der Erzählung für den Autor geht, und es sich um eine persönliche Eintragung in einem Tagebuch handelt. Das Problem entsteht nur, wenn andere Interpreten die Erzählungen deshalb nur als einen Bewältigungsversuch persönlicher Konflikte lesen und im Hinblick auf Die Verwandlung zu Aussagen kommen wie:
Die Erzählung sagt, daß Kafka, wollte er weiterleben, nicht den Rückzug aufs Schreiben, sondern den ausbalancierenden Kompromiß zwischen Büro, Felice, Familie und Schreiben brauchte 28
2. Zur Publikation
Nachdem ein Jahr zuvor Kafkas Versuch, in der Neuen Rundschau zu publizieren, gescheitert war 29 , erschien die Erzählung erst im Oktober 1915, in den Weißen Blättern 30 , die vom Kurt Wolff Verlag betreut wurden. Der Vorschlag, dort zu publizieren, stammt von Kafka selbst. 31 Vom damaligen Leiter des Kurt Wolff Verlags, Georg Heinrich Meyer, stammt dagegen der Vorschlag zu einer Buchausgabe in der Reihe Der Jüngste Tag. 32 Anlass dafür war die Verleihung des Fontane-Preises an Carl Sternheim, wofür Kafka das damit verbundene Preisgeld für seine 1913 erschienene Erzählung Der Heizer erhalten sollte. 33
27 Kafka: Tagebücher, S.492 (Eintragung vom 11.02.13); vgl. auch Gustav Janouch: Gespräche mit Kafka. Erinnerungen und Aufzeichnungen, Frankfurt/M 1951, S.26: „[Janouch:] ‘Der Held der Erzählung heißt Samsa’, sagte ich. ‘Das klingt wie ein Kryptogramm für Kafka. Fünf Buchstaben hier wie dort. Das S im Worte Samsa hat dieselbe Stellung wie das K im Worte Kafka. Das A -’ “
28 Karlheinz Fingerhut: Die Verwandlung. In: Interpretationen. Franz Kafka. Romane und Erzählungen, hg. von Michael Müller, Stuttgart 1994 (UB 8811), S.42-74, hier S.61.
29 Robert Musil, dem Das Urteil und den Heizer gefallen hatten (Hartmut Binder: Zwei Briefe Robert Musils zur Druckgeschichte von Kafkas „Verwandlung“. In: JbDSG 39 (1995), S.56-79, hier S.62f), setzte sich, in der Zeit - er war seit kurzem in der Redaktion der Neuen Rundschau tätig - für Kafka ein, der übrigens die Zeitschrift schätzte (Binder: Kafka und „Die neue Rundschau“. Mit einem bisher unpublizierten Brief des Dichters zur Druckgeschichte der „Ver-wandlung“. In: JbDSG 12 (1968), S.94-111). Als von ihm aber gefordert wurde, die Erzählung um 1/3 zu kürzen, willigte er allerdings nicht ein (Joachim Unseld: Franz Kafka. Ein Schriftstellerleben. Die Geschichte seiner Veröffentlichungen. Mit einer Bibliographie sämtlicher Drucke und Ausgaben der Dichtungen Franz Kafkas 1908-1924, Frankfurt/M 1984, S.94-98, der Brief ist auch abgedruckt bei: Binder: Kafka und „Die neue Rundschau“, S.103f).
30 Kafka: Die Verwandlung. In: Die Weißen Blätter 2 (1915), S.1177-1230.
31 Kafka: Gesammelte Werke, hg. von Max Brod, Bd.: Briefe 1902-1924, Frankfurt/M 1958, S.132 (Brief an Brod, etwa August 1915).
32 Kafka: Die Verwandlung. Leipzig 1916 [1915] (Der Jüngste Tag 22/23); vgl. auch: Kurt Wolff: Briefwechsel eines Verlegers 1911-1963, hg. von Bernhard Zeller und Ellen Otten, Frankfurt/M 1966, S.34.
33 Dass die Veröffentlichung der Verwandlung damit zusammenfallen sollte, hatte natürlich auch verlagspolitische Gründe (vgl. dazu: Unseld: Franz Kafka, S.103-107).
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Kafka verbessert dafür den Text, und das Buch erscheint noch im selben Jahr. Zu einem von Kafka gewünschten Sammelband mit dem Titel Strafen, der die Erzählungen Das Urteil, Die Ver-wandlung und In der Strafkolonie enthalten sollte 34 , kommt es nicht.
Als Kafka erfuhr, dass Ottmar Starke ein Titelbild für diese Ausgabe zeichnen würde, bat er ausdrücklich, das Insekt nicht zu zeichnen, ja „nicht einmal von der Ferne aus“ 35 zu zeigen, was vor allem für die psychologischen Deutungen weitreichende Folgen hatte.
Eine zweite Auflage erscheint im Jahre 1918 36 mit einigen Änderungen, bei denen es allerdings fraglich ist, inwieweit diese auch auf Kafka zurückgehen. 37 Die Werkausgabe, aus der hier zitiert wird, hat deshalb auch die erste Auflage der Buchausgabe als Grundlage.
3. Zur Form und zur Tradition des Verwandlungsmotivs
Was die Form angeht, so ist die Erzählung äußerlich zunächst in drei Kapitel von annähernd gleicher Länge aufgeteilt. Erzählt wird größtenteils aus der Perspektive des Protagonisten Gregor Samsa, obwohl sich der Erzähler nicht nur darauf beschränkt, wie oft behauptet. 38 Abstand von dieser Perspektive wird häufig dann genommen, wenn die Diskrepanz zwischen einer objektiven Sachlage und Gregors Fehlinterpretation derselben deutlich gemacht werden soll. Eine Ausnahme bildet der Schluss des dritten Kapitels, nach dem Tod des Helden. Hier tritt endgültig der auk-toriale Erzähler hervor - und spätestens dann wird unmissverständlich klar, dass es sich bei der Verwandlung nicht um eine bloße „Wanzenphantasie“ 39 des Protagonisten handelt. Zur veränderten Erzählperspektive kommt eine räumliche Änderung hinzu, denn zum erstenmal begleitet der Erzähler die Familie hinaus aus der Wohnung ins Freie.
34 Kafka: Briefe 1902-1924, S.134 (Brief an den Verlag Kurt Wolff vom 15.10.15). Nur die Erzählungen Das Urteil und In der Strafkolonie in einem Band zu publizieren, lehnt Kafka dagegen ab, da sie „eine abscheuliche Verbindung ergeben würden; ‘Verwandlung’ könnte immerhin zwischen ihnen vermitteln“ (ebd., S.149; Brief an den Verlag Kurt Wolff vom 19.08.16).
35 Ebd., S.136 (Brief an den Kurt Wolff Verlag vom 25.10.15). Ein solches Anliegen war durchaus ungewöhnlich. Starke schreibt dazu: „Keiner der von mir illustrierten Autoren, mit denen ich meistens befreundet war (Kafka kannte ich nicht persönlich!) hat je die Illustrierung betreffende ‘Wünsche’ geäußert.“ (Ottmar Starke: Kafka und die Illustration. In: Neue literarische Welt 2 (1953), H.9, S.3).
36 In dieser Ausgabe steht zwar 1917 als Jahreszahl (Kafka: Die Verwandlung, 2. Aufl., Leipzig 1918 (Der Jüngste Tag 22/23)), wahrscheinlicher ist aber das Jahr 1918 (Ludwig Dietz: Franz Kafka. Drucke zu seinen Lebzeiten. Eine Textkritisch-bibliographische Studie. In: JbDSG 7 (1963), S.416-457, hier S.437f; auch Dietz: Franz Kafka. Die Veröffentlichungen zu seinen Lebzeiten (1908-1924). Eine textkritische und kommentierte Bibliographie. Mit 18 Abbildungen und Faksimiles, Heidelberg 1982 (Repertoria Heidelbergensia 4), S.94-97). Ob Kafka von dieser zweiten Auflage wusste, ist auch fraglich (ebd., S.97).
37 Dietz: Die autorisierten Dichtungen Kafkas. Textkritische Anmerkungen. In: ZfdPh 86 (1967), S.301-317, hier S.307f. 38 Z.B. Friedrich Beißner: Der Erzähler Franz Kafka, Stuttgart 1952, S.35f.
39 Loewenstein: Die Verwandlung, S.67. Eine andere, ähnliche Behauptung ist, dass in der Verwandlung erzählt werde, „wie ein Reisender verrückt wird“ (Franz Herwig: Vom literarischen Expressionismus. In: Hochland 13, Bd.2 (1916), S.232-235, hier S.234).
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Die ersten beiden Kapitel beginnen mit dem Aufwachen und enden mit einem Ausbruch Gregors, der dann vom Vater angegriffen und am Ende des ersten Kapitels in sein Zimmer verbannt wird. Auch im dritten Kapitel bricht Gregor aus, und nach einem verbalen Angriff, diesmal durch die Schwester, zieht er sich, bevor er stirbt, in sein Zimmer zurück. Dadurch bekommt das dritte einen vorläufigen, an die ersten zwei Kapitel anschließenden Abschluss, und der darauffolgende Epilog erhält eine weitere, formale Trennung vom Rest.
Auffällig ist, dass hier eine Tatsache, die an sich erschreckend sein müsste, völlig ohne jede Gefühlsregung geschildert und auch vom Protagonisten so aufgenommen wird. 40 Zudem hatte es, wie bereits erwähnt, viele Kritiker irritiert, dass ein übernatürliches Ereignis in den gewohnten kleinbürgerlichen Alltag eingebettet wird. Dies war auch der Anlass dafür, dass die Erzählung z.B. auch stets vom Märchen differenziert wurde, in dem Verwandlungen in Tiere auch häufig vorkommen, allerdings in einem phantastischen Rahmen. 41
Ein weiterer zentraler Unterschied zu Kafkas Erzählung, der oft betont wurde, ist der, dass im Märchen stets eine Rückverwandlung, eine Erlösung stattfindet, meistens durch ein weibliches Wesen. 42 In diesem Zusammenhang wurde Die Verwandlung auch als „Antimärchen“ 43 verstanden, da hier dieses Motiv in der Szene aufgegriffen wird, in der Gregor, angezogen vom Violinenspiel der Schwester, sein Zimmer verlässt, ohne sich jedoch Anschluss an die Gemeinschaft, geschweige denn eine Rückverwandlung, erhoffen zu können.
40 Günther Anders sieht genau darin das Beunruhigende in Kafkas Texten. (Günther Anders: Franz Kafka - Pro und contra. In: NR 58 (1947), S.119-157; hier S.121). Dieser Aufsatz hat z.T. ziemlich gute Ansätze, wenn es um die Analyse der Techniken geht, die Kafka verwendet; andererseits ist er in vielen Punkten, ganz zu schweigen von der Peinlichkeit, die sich Anders leistet, wenn er dem Helden der Verwandlung den Namen „Georg Sanna“ andichtet (ebd., S.121), vor allem in seinen Schlussfolgerungen, die er zieht, sehr fraglich. So baut er seine Untersuchung wie ein Plädoyer auf, um am Ende die Frage zu beantworten, ob denn Kafka schuldig sei, einen jeglicher Grundlage entbehrenden Moralkodex zu befürworten. Dessen kann man Kafka allerdings nicht für schuldig befinden, nur weil er tief sitzende gesellschaftliche Grausamkeiten beschreibt, die nun mal da sind. Zu behaupten, er nehme ein System von Herrschaft und Knechtschaft an und beuge sich dem, nur weil er es beschreibt, halte ich für sehr gewagt. Günther Anders sieht zwar in der von Kafka in seinem Werk beschriebenen „Kombination von Agnostizismus und Ritualismus“ (ebd., S.148), im Glauben also an die Geltung nicht hinterfragbarer moralischer Prämissen, die sich mangels eines Glaubens an eine höhere Instanz als Moralkodex in ihrer Autorität verselbständigen, zurecht einen Wegbereiter des Faschismus. Allerdings begründet er darauf, wie ich finde fälschlicherweise, seine Bedenken gegenüber der weiten Verbreitung von Kafkas Texten: Fälschlicherweise, weil Kafka diesen Ritualismus ja gerade in seiner Integrität infrage stellt, statt ihn zu verklären.
41 Michael Müller: Kafka: Die Verwandlung. In: Interpretationen. Erzählungen des 20. Jahrhunderts, Bd.1, Stuttgart 1996 (UB 9462), S.139-159, hier S.140f.
42 Beispiele hierfür sind die Märchen der Froschkönig oder der eiserne Heinrich (Brüder Grimm: Kinder und Hausmärchen. Ausgabe aus letzter Hand mit den Originalanmerkungen der Brüder Grimm. Mit einem Anhang sämtlicher, nicht in allen Auflagen veröffentlichter Märchen und Herkunftsnachweisen, hg. von Heinz Rölleke. Bd.1: Märchen Nr.1-86, Stuttgart 1980 (UB 3191 [5]), S.29-33), die sieben Raben (ebd., S.154-156) und das singende, springende Löweneckerchen (Grimm: Kinder und Hausmärchen. (a.A.o.). Bd.2: Märchen Nr.87-200. Kinderlegenden Nr.1-10. Anhang Nr.1-28 (UB 3192 [6]), S.17-24). Ein anderes Märchen, das als besonderer Gegenentwurf zur Verwandlung erscheint, ist La Belle et la Bête, da hier gerade die Liebe einer Frau, die den äußeren Abscheu überwindet, den Verwandelten erlöst (Madame Leprince de Beaumont: La Belle et la Bête. Cointe. Die Schöne und das Tier. Ein Märchen. Französisch / Deutsch. Übersetzung und Nachwort von Ulrich Bossier, Stuttgart 1996 (UB 9608), S.38). 43 Clemens Heselhaus: Kafkas Erzählformen. In. DVjs 26 (1952), S.353-376, hier S.360.
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Eine zweite Traditionslinie, in der Verwandlungen stehen, ist die der Bestrafung, was auch weit reichende Folgen für die Forschung hatte. Hier ist meistens eine höhere Macht am Werk, und das Tier, in das die Bestraften verwandelt werden, steht im semantischen Zusammenhang mit der Tat. Derartige Metamorphosen finden sich beispielsweise bei Ovid 44 , Dante 45 und in der Bibel. 46 Entscheidend ist sicherlich, dass in jedem Fall ein Grund für die Verwandlung genannt und meistens der Verwandlungsvorgang, wenn auch rückwirkend, geschildert wird. 47
44 P. Ovidius Naso: Metamorphosen. Lateinisch/Deutsch, übers. und hg. von Michael von Albrecht, Stuttgart 1994 (UB 1360), Buch IV, 563-603: Cadmus und Harmonia verwandeln sich in Schlangen (er hatte zuvor eine getötet); Buch III, 138-252: Der Jäger Actaeon erblickt die Göttin Diana beim Nacktbaden und wird daraufhin von ihr zur Strafe in einen Hirsch verwandelt, der dann von den eigenen Hunden zerfleischt wird; Buch VI, 1-145: Die Weberin Arachne fordert Pallas Athene zum Wettbewerb im Weben auf und wird von ihr aus Neid und wegen ihres Übermutes in eine Spinne verwandelt; Buch V, 529-550: Ascalaphus verrät, dass Proserpina in der Unterwelt Nahrung zu sich genommen hat, verhindert damit ihre Rückkehr in den Himmel und wird daraufhin in einen Uhu verwandelt. 45 Dante Alighieri: Commedia. Con il commento di Anna Maria Chiavacci Leonardi, Bd.1: Inferno, hg. von Arnoldo Mondadori, Mailand 1991, Canto XXV, V.25-151: In diesem Höllenkreis befinden sich die Diebe, deren Gestalt sich fortwährend verändert in verschiedene Echsen und Schlangen, so wie auch sie zu Lebzeiten andauernd die Besitzverhältnisse unrechtmäßig veränderten (der Verwandlungsvorgang ist übrigens der oben erwähnten Stelle über Cadmus und Harmonia aus Ovids Metamorphosen nachempfunden).
46 1. Mose, 19,26: „Lots Weib sah hinter sich und ward zur Salzsäule“. (Die Bibel. Nach der Übersetzung Martin Luthers. Mit Apokryphen. Bibeltext in der revidierten Fassung von 1984, hg. von der Evangelischen Kirche Deutsch-land und vom Bund der Evangelischen Kirchen in der DDR, Stuttgart 1985).
47 Ein weiteres berühmtes literarisches Beispiel findet sich in der Odyssee. Hier werden Odysseus Gefährten von Kirke in Schweine verwandelt (Homer: Odyssee. Griechisch und deutsch. Übertragung von Anton Weiher. Mit Urtext, Anhang und Registern. Einführung von A. Heubeck, 9. Aufl., München 1990, S.269), später bekommen sie aber auch wieder ihre frühere Gestalt zurück (ebd., S.276).
Charakterisierung und Beziehungen zwischen den einzelnen Figuren
1. Gregor
1.1. Gregors Beziehung zu sich selbst: Der Fremde im eigenen Körper als passiver Beobachter
Gregor nimmt gleich zu Beginn die Rolle des Beobachters ein in Bezug auf sich selbst und seine Umgebung. Schlagartig ist er in einem Körper gefangen, den er nicht kennt. Hierin kann man einen Verweis auf das nach Sigmund Freuds Entdeckungen ins Wanken gebrachte Selbstbild des Menschen sehen, der erkennen musste, dass er auch den eigenen Körper nicht kannte 48 , bzw. von daran gebundenen, ihm unbekannten Trieben dominiert war. Gregor ist also sich selbst entfremdet, was im Kontrast zum unveränderten Zimmer dargestellt wird.
Wir erleben ihn gleich zu Beginn in seiner Beobachter-Rolle als passiv. 49 Er ist sich nicht „ekelhaft“, schon gar nicht gerät er „in Panik“ oder „wehrt sich“, wie Martin Walser behauptet 50 ; aber gerade diese Teilnahmslosigkeit ist das Erschreckende. Man kann sein Verhalten auch nicht als den Versuch deuten, „seine Tendenz zur Panik energisch zu bekämpfen“ 51 , da eine solche Tendenz nirgends zu erkennen ist. Stattdessen macht ihn „das trübe Wetter […] ganz melancholisch“ (116), das ist aber auch schon alles. Seine ganze Taktik besteht darin zu warten, bis etwas passiert, „als erwarte er vielleicht von der völligen Stille die Wiederkehr der wirklichen und selbstverständlichen Verhältnisse.“ (123) Selbst die häufig in der Sekundärliteratur zu findende Frage nach der Ursache seiner Verwandlung 52 stellt sich Gregor nie. Schon gar nicht denke ich, dass bei
48 „Denn so wie K. im Dorf am Schloßberg lebt der heutige Mensch in seinem Körper; er entgleitet ihm, ist ihm feindlich. Es kann geschehen, daß der Mensch eines Morgens erwacht, und er ist in ein Ungeziefer verwandelt.“ (Walter Benjamin: Franz Kafka: Zur zehnten Wiederkehr seines Todestages. In: Ders: Gesammelte Schriften. Unter Mitwirkung von Theodor W. Adorno und Gershom Scholem, hg. von Rolf Tiedemann und Hermann Schweppenhäuser, Bd.II 2: Aufsätze Essays Vorträge, Frankfurt/M 1991 (stw 932), S.409-438, hier S.424). Auch heißt es von Gregor, er habe den „unteren Teil seines Körpers […] noch nicht gesehen“ und könne sich davon „auch keine rechte Vorstellung machen“ (121).
49 Die Passivität Gregors ist bereits in der Formulierung „fand sich“ im ersten Satz angedeutet. (Jürg Schubiger: Franz Kafka. Die Verwandlung. Eine Interpretation, Zürich und Freiburg 1969 (Züricher Beiträge zur deutschen Literatur- und Geistesgeschichte 34), S.28f). Überinterpretiert scheint mir dieser Satz allerdings bei Fingerhut, der von einer Aussage Martin Walsers ausgehend, darin „[g]eringfügige Abweichungen von standardsprachlich erwartbaren Formulierungen“ erkennen will, die aber wohl eher subjektiven Ursprungs zu sein scheinen (Fingerhut: Die Verwandlung, S.45). Walser hatte geschrieben: „Der erste Satz in Kafkas Verwandlung entsteht aus nichts als aus problematisch gewordenem Selbstbewußtsein.“ (Martin Walser: Selbstbewußtsein und Ironie. Frankfurter Vorlesungen, Frankfurt/M 1996, S.155f). Gemeint ist das Selbstbewusstsein des Autors. Walser macht hier den Fehler, Protagonist und Autor zu verwechseln. 50 Ebd., S.158.
51 Walter H. Sokel: Franz Kafka - Tragik und Ironie. Zur Struktur seiner Kunst, München/Wien 1964, S.307. 52 Ein Überblick findet sich bei Peter U. Beicken: Franz Kafka. Eine kritische Einführung in die Forschung, Frank- furt/M 1974, S.262.
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Diego De Filippi, 2005, Die Figuren in Franz Kafkas Erzählung 'Die Verwandlung' und ihre Beziehungen untereinander als Spiegelbild der kleinbürgerlichen Gesellschaft, München, GRIN Verlag GmbH
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