Es ist mir persönlich ein besonderes Anliegen in meiner Bakkalaureatsarbeit über die Tsunami-Katastrophe im Indischen Ozean zu schreiben. Ich bin selbst ein Opfer dieser Katastrophe, da ich zum Unglückszeitpunkt meinen Weihnachtsurlaub auf Sri Lanka verbracht habe. Am 26. Dezember 2004 habe ich am eigenen Leib verspürt, was „Naturgewalt“ eigentlich bedeutet und welch wunderbares Geschenk es ist am „Leben“ zu sein. Ich möchte mich hier für die aufopfernden Hilfestellungen der Einheimischen bedanken, die ihr letztes Hemd gegeben haben, um Menschen zu retten, im Gegensatz zu den meisten Touristen, über die anderes zu berichten wäre. Meiner Familie gebührt ein riesiges Dankeschön, denn ohne deren tatkräftige Unterstützung hätte ich wohl nach meiner Rückkehr nicht so schnell wieder ins normale Leben zurückgefunden.
Des Weiteren ist für mich sehr interessant, wie die österreichischen Medien über die Katastrophe berichtet haben. Da wurde mit Wörtern wie Schicksalsflut und Rekordbeben nicht gegeizt und die Medien wurden auch nicht müde immer wieder darauf hinzuweisen, welch schreckliche Dinge den Touristen widerfahren sind.
Man sollte dabei aber nicht außer Acht lassen, dass die wirklichen Leidtragenden die Einheimischen der jeweils betroffenen Regionen sind, denn diese Menschen können nicht das nächste Flugzeug besteigen, um dem Grauen zu entkommen!
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INHALTSVERZEICHNIS
I. EINLEITUNG 5
II. THEORETISCHER TEIL. 7
1.) Die Tsunami-Katastrophe im Indischen Ozean 7
1.1.) Definition Tsunami. 8
2.) Medienrealität. 9
2.1.) Verzerrte Medienrealität 11
3.) Definition Nachricht 12
3.1.) Nachrichtenwert 13
3.2.) Entwicklung der Nachrichtenwert-Theorie. 14
3.3.) Ansätze der Nachrichtenwert-Theorie. 16
4.) Nachrichtenauswahl und Nachrichtenfaktoren 17
4.1) Nachrichtenfaktoren nach Schulz 18
4.2.) Nachrichtenfaktoren nach Galtung und Ruge 19
III. EMPIRISCHER TEIL 22
5.) Forschungsleitende Fragestellung 22
6.) Hypothesen 22
7.) Ziel der Untersuchung 23
7.1.) Untersuchungsmethode 24
7.2.) Untersuchungsmaterial 24
7.3.) Untersuchungszeitraum 25
7.4.) Bildung der Kategorien 25
8.) Darstellung der Ergebnisse 27
IV. CONCLUSIO 44
V. LITERATUR- UND ABBILDUNGSVERZEICHNIS. 48
VI. ANHANG 50
5
I. EINLEITUNG
In der vorliegenden Arbeit geht es um die Berichterstattung der Tsunami-Katastrophe im Indischen Ozean. Als Fallbeispiele wurden die beiden österreichischen Tageszeitungen „Kronen Zeitung“ und „Die Presse“ herangezogen.
Es soll der Frage nachgegangen werden, inwiefern sich die Berichterstattung über die Katastrophe in den beiden ausgewählten Tageszeitungen voneinander unterscheidet. Vor allem welche Nachrichtenfaktoren nehmen dabei eine zentrale Rolle ein?
Da es sich bei der Kronen Zeitung um ein Boulevardblatt und bei der Presse um eine Qualitätszeitung handelt, liegt die Vermutung nahe, dass es einen Unterschied in der Berichterstattung über die Tsunami-Katastrophe gibt, da ein unterschiedliches Publikum angesprochen werden soll.
Um einen Überblick zu bekommen erfolgt eine kurze Schilderung der Tsunmai-Katastrophe vom 26.12.2004 in Kapitel 1. Da das Wort Tsunami in der Berichterstattung eine wesentliche Rolle spielt, wird in Kapitel 1.1 eine Definition des Wortes geliefert.
Wenn wir nicht direkt am Ort des Geschehens sind, sind wir auf Medienberichte angewiesen, um mehr über ein Ereignis zu erfahren. Es stellt sich allerdings die Frage, ob Medien in der Lage sind Wirklichkeit zu repräsentieren. Dieser Frage wird in Kapitel 2 der Arbeit nachgegangen. Da Journalisten sozusagen aus einem großen „Topf“ an Ereignissen auswählen kommt eine sogenannte „verzerrte Medienrealität“ zustande. Diese Verzerrung wird in Kapitel 2.1 näher beleuchtet.
Nach einer kurzen Definition des Wortes „Nachricht“ (Kapitel 3) wird in Kapitel 3.1 der Begriff Nachrichtenwert abgeklärt. Der Nachrichtenwert spielt insofern eine große Rolle, weil er mehr oder weniger die
Publikationswürdigkeit eines Ereignisses bestimmt. In Kapitel 3.2 wird die Entwicklung der Nachrichtenwert-Theorie beschrieben und eine
6
Begriffsabklärung des realistischen- und konstruktivistischen Ansatzes, sowie des re-konstruktiven Ansatzes wird in Kapitel 3.3 geliefert.
Welche Selektionskriterien sind für die Nachrichtenauswahl entscheidend? Eine Auseinandersetzung mit dem Thema Nachrichtenauswahl und Nachrichtenfaktoren wird dazu in Kapitel 4 geboten. Auf die
Nachrichtenfaktoren nach Schulz wird in Kapitel 4.1 näher eingegangen und eine Darstellung der Nachrichtenfaktoren nach Galtung und Ruge folgt in Kapitel 4.2.
Den empirischen Teil der Arbeit leitet das Kapitel 5 ein, in dem die forschungsleitende Fragestellung vorgestellt wird.
In Kapitel 6 werden die Hypothesen beschrieben, die für die Untersuchung formuliert wurden.
Nach diversen Anmerkungen zum Ziel der Untersuchung (Kapitel 7), zur Untersuchungsmethode (Kapitel 7.1), zum Untersuchungsmaterial (Kapitel 7.2) und zum Untersuchungszeitraum (Kapitel 7.3) wird in Kapitel 7.4 schließlich die Bildung der Kategorien ausführlich beschrieben.
Abschließend folgt das Kapitel 8, in dem die Ergebnisse der Untersuchung dargestellt werden und die Hypothesen verifiziert und falsifiziert werden.
7
II. THEORETISCHER TEIL
1.) Die Tsunami-Katastrophe im Indischen Ozean
Am 26. Dezember 2004 ereignete sich vor der Nordwestküste Sumatras um 7:58 Ortszeit ein Erdbeben, das mit der Stärke 9,3 auf der Richterskala 1 registriert wurde.
Bei dem Beben kam es zu einer Verschiebung der Indisch-Australischen Platte unter die Eurasische Platte. 2 Dadurch wurde der Meeresboden angehoben und somit eine gigantische Flutwelle, in der Fachsprache Tsunami genannt, ausgelöst.
Zu Tsunami-Wellen kommt es aber nur dann „wenn in senkrechter Richtungalso in- oder entgegen der Erdanziehung Massen in Bewegung geraten sind. Bei einem Erdbeben […] wo sich die Platten horizontal gegeneinander verschieben […] wäre es nicht zu diesen Auswirkungen gekommen.“ 3 Binnen weniger Stunden erreichten die Wellen die Küsten angrenzender Länder wie Indonesien, Indien, Sri Lanka, Thailand, Myanmar, Malaysia, Bangladesch und die Malediven.
Dörfer wurden überflutet und ganze Landstriche versanken im Meer. Die wirkliche Zerstörungswucht bekam man aber erst zu sehen, nachdem sich die Wassermassen wieder zurückgezogen hatten. Fast stündlich wurden die Zahlen der Opfer nach oben korrigiert.
Eine genaue Aussage darüber, wie viele Menschen bei dieser Weltkatastrophe ihr Leben lassen mussten, wird man wohl nie eindeutig treffen können. Mitte Februar 2005 hat das Internationale Rote Kreuz von ungefähr 230 000 Toten in Indonesien, 31 000 in Sri Lanka, 16 400 in Indien und 5400 Toten in Thailand gesprochen. 4
1 URL: http://www.northwestern.edu/univ-relations/media_relations/releases/2005/02/sumatra.html 2 URL: http://www.wissenschaft-online.de/artikel/776534 3 URL: http://www.zamg.ac.at/dyn/geophys/seis2004122700.htm
4 vgl. SCHWELIEN, Michael: Tsunami. Die Schicksalsflut. Eine Katastrophe und die Folgen für die Welt. Fischer Taschenbuch Verlag. Frankfurt am Main 2005, S.15.
8
Sogar in Somalia, Kenia und Tansania gab es Tote zu beklagen, obwohl diese Länder der Ost-Küste Afrikas immerhin über mehr als 5000 Kilometer vom Epizentrum entfernt liegen. 5
„Die Reaktionen auf die Flutkatastrophe […] waren weltweit von Bestürzung geprägt“ 6 und es folgten internationale Spenden- und Hilfsaktionen für die betroffenen Gebiete. Der Wiederaufbau der einstigen Touristen-Hochburgen könnte allerdings noch Jahre andauern.
1.1.) Definition Tsunami
„Tsunamis unterscheiden sich massiv von anderen Wellen.“ 7 Das Wort kommt aus dem Japanischen und bedeutet so viel wie „Hafenwelle“. 8 Wahrscheinlich stammt die Namensgebung von japanischen Fischern, die während sie am Meer waren, keine größeren Wellen bemerkten. Bei der Rückkehr zum Hafen fanden sie allerdings zerstörte Dörfer vor, die von einem Tsunami heimgesucht wurden. 9
Ein Tsunami wird „plötzlich durch Seebeben oder - viel seltener - durch Vulkanausbrüche, Meteoriteneinschläge oder Unterwasserlawinen“
verursacht. Es werden dabei Strömungen hervorgerufen, „die bis zum Ozeanboden hinabreichen.“ 10
Die Welle „breitet sich mit hoher Geschwindigkeit (bis zu 800 km/h) über Entfernungen von bis zu 20.000 km aus und kann in Ufernähe […] auf eine Höhe von etwa 50 Meter ansteigen.“ 11
5 vgl. SCHWELIEN, Michael: Tsunami. Die Schicksalsflut. Eine Katastrophe und die Folgen für die Welt. Fischer Taschenbuch Verlag. Frankfurt am Main 2005, S.24.
6 ebenda, S.15.
7 GONZÁLEZ, Frank I.: “Tsunami“. In: Spektrum der Wissenschaft Dossier 2/2001. S.42. 8 ebenda, S.43.
9 vgl. SCHWELIEN, Michael: Tsunami. Die Schicksalsflut. Eine Katastrophe und die Folgen für die Welt. Fischer Taschenbuch Verlag. Frankfurt am Main 2005, S.40f.
10 ebenda, S.43.
11 URL: http://de.wikipedia.org/wiki/Tsunami
9
Die Geschwindigkeit eines Tsunamis richtet sich nach der Meerestiefe, denn „je tiefer das Meer, desto schneller und je flacher, desto langsamer.“ 12
2.) Medienrealität
Es soll nun der Frage nachgegangen werden, wie Medien Realität transportieren. Der Rezipient hat sozusagen die Qual der Wahl, welcher Berichterstattung er letztlich Glauben schenken möchte, denn schon Walter Lippmann erkannte: „Der Mensch ist kein aristotelischer Gott, der die gesamte Existenz mit einem Blick umfasst.“ 13 Das bedeutet, dass wir nun mal nicht in der Lage sind die ganze Welt von oben betrachten und einen Blick auf jedes Geschehen, das sich auf diesem Erdball ereignet, werfen zu können. Wenn wir wissen wollen, was sich in dieser Welt ereignet, sind wir gewissermaßen auf die Medien angewiesen.
Wie aber werden Geschehnisse von den Medien an Rezipienten weitergegeben? Bekommt der Mediennutzer ein genaues Abbild der Wirklichkeit geliefert? Winfried Schulz meint dazu, dass „Nachrichten ´Realität´ eigentlich konstruieren.“ 14 „Denn was ´wirklich´ geschah, welches das ´richtige´ Bild von Realität ist, das ist eine letztlich metaphysische Frage. Niemand ist in der Lage, darüber eine intersubjektiv verbindliche Auskunft zu geben.“ 15 Schulz zufolge können die Medien niemals als genaues Abbild der Wirklichkeit gesehen werden.
Ein weiteres Problem ist, dass es sein kann, dass Ereignisse von verschiedenen Personen verschiedenartig aufgefasst werden. Jeder Mensch macht sich über ein Ereignis eigene Gedanken. Dabei spielen Faktoren, wie die Tagesverfassung eines Menschen oder der Zugang zum Thema eine große
12 URL: http://de.wikipedia.org/wiki/Tsunami
13 LIPPMANN, Walter: Die öffentliche Meinung. Aus dem Amerikanischen von Hermann Reidt. Rütten + Loening Verlag GmbH. München 1964, S.27.
14 SCHULZ, Winfried: Die Konstruktion von Realität in den Nachrichtenmedien. Analyse in der aktuellen Berichterstattung. Verlag Karl Alber Freiburg/München 1976, S.28.
15 ebenda, S.27.
10
Rolle. Man kann nicht automatisch davon ausgehen, dass jeder Satz für jeden Menschen die gleiche Bedeutung hat.
Lippmann schreibt sehr passend: „Es gibt keinerlei Gewissheit darüber, ob dasselbe Wort im Kopf des Lesers genau denselben Gedanken beschwören wird wie im Kopf des Reporters. Wenn jede Tatsache und jede Beziehung eine einmalige Bezeichnung trüge und wenn jedermann dasselbe darunter verstünde, wäre es theoretisch möglich, sich ohne Missverständnisse miteinander zu verständigen.“ 16
Für Lippmann ist auch die Sprache keineswegs ein „vollkommenes Transportmittel für Sinngehalte. Wörter werden wie Münzen hin und her gewendet, um heute diese Bilderfolge, morgen jene hervorzurufen.“ 17
Man kann auch noch einen Schritt weiter gehen und sich wie Werner Früh einmal die Frage stellen: „[…] ob der Mensch mit seinen
Erkenntnismöglichkeiten überhaupt einen direkten Zugang zur Welt außerhalb seiner selbst hat und damit eine gesicherte Aussage über deren Existenz und Aussehen machen kann […].“ 18 Früh beantwortet diese Frage folgendermaßen: „[…] es gibt eine Welt außerhalb unser eigenen Person […] eine völlig sichere, objektive Aussage über deren genaues Aussehen, die Modalität ihres Seins und ihren Umfang ist nicht möglich.“ 19
Seinen Aussagen zufolgen kann man also gar nicht erwarten und voraussetzen, dass Medien Realität objektiv wiederspiegeln. Man muss letztlich gewissermaßen hinnehmen, was in den Medien transportiert wird. Aber man muss nicht jeglicher Information „blind“ Glauben schenken.
16 LIPPMANN, Walter: Die öffentliche Meinung. Aus dem Amerikanischen von Hermann Reidt. Rütten + Loening Verlag GmbH. München 1964, S.51.
17 ebenda.
18 FRÜH, Werner: Realitätsvermittlung durch Massenmedien. Die permanente Transformation der Wirklichkeit. Westdeutscher Verlag. Opladen 1994. S.21.
19 ebenda, S.22
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2.1.) Verzerrte Medienrealität
Da, wie schon einmal erwähnt, verschiedene Personen verschiedenartige Realitätsauffassungen haben können, kommt auch eine gewisse Verzerrung zustande. So ist es möglich, dass zwei Journalisten über ein und dasselbe Ereignis etwas Unterschiedliches schreiben.
Die Realität wird schon allein dadurch verzerrt, wenn der Journalist beginnt Nachrichten zu selektieren. Es kommt bestimmten Meldungen mehr Aufmerksamkeit zu, als anderen und das entscheidet schließlich der Journalist.
Burkart schreibt dazu: „Die in den Medien dargebotene Wirklichkeit repräsentiert in erster Linie Stereotype und Vorurteile der Journalisten […].“ 20 Burkart meint weiters, dass wir es mit einer „verzerrten Medienrealität“ 21 zu tun haben und stellt folgende Thesen auf: 22
1.) Die verzerrte Medienrealität entspricht der objektiven Wirklichkeit bestenfalls in Ansätzen.
2.) Medien können als Weltbildapparate gesehen werden, mit denen Wirklichkeit von Journalisten konstruiert wird. 3.) Die Wirklichkeitskonstruktionen entsprechen sogenannten Nachrichtenfaktoren.
4.) Unter Nachrichtenfaktoren versteht man eher die Interpretation der Journalisten und nicht objektive Eigenschaften der Wirklichkeit. 5.) Nachrichten sind in der Regel Mittel zum Zweck. 6.) Der Zweck wird oft nicht von den Journalisten bestimmt, sondern wird durch außermediale Instanzen festgelegt. 7.) Außermediale Wirklichkeitskonstrukteure (Öffentlichkeitsarbeiter)
kontrollieren bis zu einem gewissen Grad die journalistische Berichterstattung.
20 BURKART, Roland: Kommunikationswissenschaft. Grundlagen und Problemfelder. Umrisse einer interdisziplinären Sozialwissenschaft. 4. überarbeitete und aktualisierte Auflage. Böhlau Verlag. Wien 2002, S. 272.
21 ebenda, S. 272. 22 vgl. ebenda, S. 303.
Arbeit zitieren:
Eva Steinbauer, 2005, Tsunami-Katastrophe im Indischen Ozean, München, GRIN Verlag GmbH
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