"Kann denn Lernen Spaß machen?" - das ist die Frage, die sich jeder Lehrer stellt, wenn er der Langeweile seines Unterrichts auf die Fersen gehen will. Für die meisten Schüler jedoch, wenn nicht gar für alle, ist das sicher keine echte Frage, denn die Antwort ist klar: "Nein, Lernen macht keinen Spaß!" Und wenn wir ehrlich sind und an unsere eigene Schulzeit zurückdenken, so hat sich der Spaß auch bei unserem Lernen durchaus in Grenzen gehalten. Ist das Lernen demnach also der mühselige, aber notwendige Preis für gute Ergebnisse in der Schule und im Beruf?
Dass man diese Schlussfolgerung so nicht stehen lassen kann, zeigen gerade diejenigen, die sich am allermeisten über diese Situation beklagen: die Kinder und Schüler selbst. Durch ihre zum Teil unermüdlichen Fragen ,,Wie geht das? Warum ist das so?", deren Beantwortung oft Geduld erfordert, kommt ihr durch die eigene Neugierde angeregtes Bedürfnis zum Ausdruck, sich über Unbekanntes Klarheit zu verschaffen. Dieses Erforschen und Aneignen von neuem Wissen, was durchaus mit Freude und Spaß verbunden sein kann, ist nichts anderes - auch wenn Schüler gelegentlich ganz anderer Meinung sind - als Lernen.
Inhaltsverzeichnis
1. Kann Lernen Spaß machen
2. Motivation und Motiv
2.1. Alltägliches Verständnis von „Motivation“ und „Motiv“
2.2. Wissenschaftliche Definitionen
3. Merkmale eines leistungsmotivierten Verhaltens
3.1. Temporale Komponente (überdauernde vs. aktualisierte Motivation
3.2. Kausale Komponente (Grund – Selbstbewertung eigener Tüchtigkeit
3.3. Affektive Komponente (affektähnliches Stolzgefühl
3.4. Modale Komponente (Anforderungscharakter der Situation
3.5. Konsekutive Komponente (Ergebnis als Folge: Attribuierung
4. Ein Weg zum Spaß beim Lernen
Zielsetzung und Themenfelder
Die vorliegende Arbeit untersucht den Entstehungsprozess leistungsmotivierten Verhaltens vor dem Hintergrund der Motivationspsychologie. Das primäre Ziel ist es, die Faktoren zu identifizieren, die darüber entscheiden, ob eine Person eine Herausforderung mit Freude annimmt oder mit Angst reagiert, und dabei den Einfluss auf den Lernerfolg im schulischen Kontext zu beleuchten.
- Grundlagen der Motivation und ihre Abgrenzung zu alltäglichen Vorverständnissen
- Klassifizierung der Merkmale leistungsmotivierten Verhaltens
- Analyse der Rolle von Selbstbewertung und Stolz bei Leistungsanforderungen
- Bedeutung des Anforderungscharakters von Situationen (Risiko-Wahl-Modell)
- Attributionsprozesse bei Erfolg und Misserfolg
Auszug aus dem Buch
3.4. Modale Komponente
Es ist jedoch ein anderer Aspekt von Bedeutung, damit die Freude zur Bestimmung des leistungsmotivierten Verhaltens einbezogen werden kann. Von der bloßen Freude über einen positiven Effekt ist die leistungsthematische Selbstbewertung u. a. dadurch unterscheidbar, dass sie sich nur unter bestimmten Umständen einstellt, u. z. wenn der Handelnde sich für das Ergebnis anstrengen muss. Eine Aufgabe, die er „sowieso mit Links“ geschafft hätte, wäre nicht würdig genug, um darauf stolz zu sein. Allerdings darf die Anforderung nicht zu hoch sein, denn in diesem Falle würde das Bedürfnis zur Selbstbewertung nachlassen. Eine leistungsmotivierte Person kennt eigene Stärken und Schwächen gut genug, um einzusehen, dass ihr für die Lösung einer zu schweren Aufgabe schon das Glück zur Seite stehen müsste; somit verliert eine zu schwere, subjektiv mit dem Einsatz eigener Kräfte nicht lösbare, Aufgabe ihren Anreiz.
Die Modalität des leistungsmotivierten Verhaltens ergibt sich also aus der Situation bzw. aus der Aufgabe. Sie muss, um ein engagiertes Verhalten hervorzurufen, einen bestimmten Anforderungsgrad beinhalten, der subjektiv als ‚mittelschwer’ eingeschätzt wird. „Schon die Pioniere der heutigen Motivationspsychologie, McClelland und Atkinson, machten sich Lewins Sichtweise zu eigen, dass Verhalten stets eine Funktion der Situation und der Person ist (vgl. Lewin, 1969). Situationsseitig ist für leistungsthematische Selbstbewertung entscheidend, dass die Situation Anforderungscharakter hat.“ (Rheinberg & Krug 1999, S. 15)
Zusammenfassung der Kapitel
1. Kann Lernen Spaß machen: Dieses Kapitel hinterfragt, warum Lernen oft als mühsam empfunden wird und stellt die These auf, dass intrinsische Neugier und die Bewältigung von Herausforderungen die Basis für Freude am Lernen bilden.
2. Motivation und Motiv: Hier werden alltägliche und wissenschaftliche Definitionen der Begriffe Motivation und Motiv gegenübergestellt, wobei Motivation als dynamisches Gedankenkonstrukt für Zielstrebigkeit und Intensität definiert wird.
3. Merkmale eines leistungsmotivierten Verhaltens: Das Hauptkapitel systematisiert die verschiedenen Komponenten – von der zeitlichen Dauer über die kausale Selbstbewertung bis hin zur affektiven und konsekutiven Einordnung – die ein leistungsmotiviertes Handeln ausmachen.
4. Ein Weg zum Spaß beim Lernen: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und betont die Bedeutung der Motivationsforschung für die pädagogische Praxis, um Schülern den Weg zu einer positiven Einstellung gegenüber Leistungsanforderungen zu ebnen.
Schlüsselwörter
Leistungsmotivation, Motivationspsychologie, Lernmotivation, Attribution, Selbstbewertung, Gütemaßstab, Erfolgsanreiz, Anforderungscharakter, intrinsische Motivation, Leistungsstreben, Risiko-Wahl-Modell, Schulerfolg, Lernfreude
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit den psychologischen Grundlagen der Leistungsmotivation und untersucht, wie Freude am Lernen trotz Leistungsanforderungen entstehen kann.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die wissenschaftliche Definition von Motivation, die Systematisierung leistungsmotivierten Verhaltens und die Rolle der Attribution bei Erfolg und Misserfolg.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist die Beantwortung der Frage, warum manche Menschen leistungssituationen strebsam angehen, während andere eher mit Angst oder Hilflosigkeit reagieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine theoretische Analyse psychologischer Fachliteratur (u.a. von Heckhausen, Atkinson, Weiner und Wasna), um ein Modell des leistungsmotivierten Verhaltens zu erarbeiten.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in fünf Komponenten des leistungsmotivierten Verhaltens: temporale, kausale, affektive, modale und konsekutive Aspekte.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Leistungsmotivation, Attribution, Gütemaßstab und der Anforderungscharakter von Aufgaben.
Warum spielt das Risiko-Wahl-Modell nach Atkinson eine Rolle?
Es erklärt, warum Aufgaben "mittelschwer" sein müssen, um als Herausforderung erlebt zu werden und eine maximale Selbstbewertung zu ermöglichen.
Welche Rolle spielt die Attribution für leistungsmotivierte Personen?
Leistungsmotivierte Personen führen Erfolge primär auf eigene Fähigkeiten und Anstrengung zurück, was ihr Leistungsstreben weiter verstärkt.
- Quote paper
- Natalia Schlichter (Author), 2002, Modelle des leistungsmotivierten Handelns , Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/4496