Inhaltsangabe
1. Einführung S 3
2. Ansätze S 3
3. Definition und Funktion von Schemata S 4
4. Forschungen auf dem Gebiet und Kritiken S 8
Bilder S 13
Literaturverzeichnis S 14
2
Schema – Theorie der Rezeption
1. Einführung
Die Frage, wie Massenmedien auf das Publikum wirken und wie oder ob sie Einstellungen und dann schließlich Verhalten beeinflussen und nach den eigenen Zielen verändern können, stellt sich, seit dem es Massenkommunikationsmittel gibt. Die Laswell Formel kann man den Anhängern der
starken Medienwirkung zuordnen. Laut dieser Theorie spielt nur die eigentliche Information, die vermittelt wird, eine Rolle, „Rezipientenvariablen und die Frage, wie Informationen aufgenommen
und verarbeitet werden, waren (...) kaum von Bedeutung." 1 Die Opinionleaders Theorie von Lazarsfeld, Berelson und Gauder bildet den entgegengesetzten Pol und meint, Medien „könnten keineswegs die Meinungen der Bevölkerung beeinflussen, sondern lediglich bereits bestehende
Einstellungen verstärken." 2 Laut dieser Auffassung können die Medien die Rezipienten gar nicht direkt erreichen und eine zweischichtige Kommunikation fände statt: direkt zwischen dem Medium und den
Opinionleaders und dann eine face-to-face Kommunikation zwischen den Opinionleaders und dem Publikum. Die Medieninhalte und die Art ihrer Präsentation „verloren an Bedeutung,
Rezipientenvariablen rückten in den Vordergrund." 3 Die Theorie der Rezeption Schema ist unter der
Kategorie der „selektiven Medienwirkungen" 4 zu unterbringen.
2. Ansätze
Ausgegangen wird bei dieser Theorie vom Standpunkt, dass der Mensch keine Tabula rasa ist; also, dass Informationen nicht auf ein hohles Fass treffen, sondern auf schon vorher bestehende
Erinnerungen, Erlebnisse usw.
An der Laswell Formel 5 sind die Prozesse der Dekodierung und Enkodierung für die Schemata von Bedeutung. In Zusammenhang mit der Kommunikation sind vor allem zwei Fragen wichtig: a. „Welche kognitiven Prozesse, welche Vorgänge des Wahrnehmens, Denkens, Erkennens
laufen im Einzelnen beim Kommunikator und Rezipienten ab, wenn Signale interpretiert werden?" 6 und
1 Brosius, Hans-Bernd (1991), S. 285
2 Ebda.
3 Ebd.
4 Ebd.
5 Siehe Bild 1.
6 Noelle-Neumann, Elisabeth, Schulz, Winfried (1999), S. 154
3
b. „Wie kommt es zu den Gemeinsamkeiten, Interpretationsübereinstimmungen zwischen
Kommunikator und Rezipient, was eine Voraussetzung für erfolgreiche Kommunikation ist?" 7 Es ist schwer, sich Kommunikation ohne diese Übereinstimmung vorzustellen. Vor allem da
von einer vollkommenen Übereinstimmung fast gar nicht die Rede sein kann. Auch in der eigenen Sprache verbinden verschiedene Menschen mit der gleichen Benennung manchmal verschiedene Konzepte. Es wäre dann eher angebracht, von Gemeinsamkeiten zu sprechen, die die interpersonelle
Kommunikation erleichtern.
In der Forschung werden „Signalerkennung und - interpretation aus der Perspektive des
Rezipienten" 8 betrachtet. Es gibt nur Ausnahmefälle, in denen der Kommunikator selber nicht weiß, was er vermitteln will. Schwierig wird es erst herauszufinden, ob der Rezipient, an den die Nachricht übermittelt wurde, diese auch richtig aufgenommen hat. Dieser Vorgang wird als
„Informationsverarbeitung ( information processing)" 9 bezeichnet. Aus der Perspektive eines informationsverarbeitenden Systems funktioniert der Kommunikator nach denselben Gesetzen wie der
Rezipient. Im Fall einer erfolgreichen Kommunikation gilt alles, was für die Empfängerseite ausgesagt wird, analog auch für die Senderseite. Also sind die Prozesse beim Kommunikator spiegelbildlich zu
dem des Rezipienten. Würde man eine Achse in der Mitte des Bildes 10 ziehen, würde ein geometrisches Bild entstehen und die linke Seite, die des Kommunikators, wäre symmetrisch zu der des Rezipienten. Diese Prozesse laufen aber nicht nur spiegelbildlich, sondern auch kongruent zu
denen des Rezipienten, denn der Kommunikator dekodiert „seine eigenen Mitteilungen zur Kontrolle
laufend selbst" 11 . Deshalb kommt auch bei Missverständnissen oft die Antwort schneller als die betreffende Frage, weil der Kommunikator die Schwierigkeit schon im Voraus geahnt und für die
Missverständnisse schon eine Antwort parat hat. Es sollte aber in Erinnerung bleiben, dass der Vergleich mit einem informationsverarbeitenden System nur bis zu einer gewissen Grenze möglich ist;
der Mensch ist kein Computer und arbeitet auch nicht als solcher.
Die grundlegende Annahme, auf die sich der Begriff des Schemas stützt, ist ein axiomatischer, universell anerkannter: der Mensch kann nicht alle Informationen, die ihn in der Welt umgeben,
bearbeiten und speichern. Er würde dann kein Teil dieser mehr sein, er würde viel mehr davon überwältigt und verschlungen werden. „Er konstruiert vielmehr als aktives Individuum die Welt um
sich herum." 12 , also wird ihm „eine aktive Rolle bei der Informationsverarbeitung zugeschrieben" 13 .
7 Ebda.
8 Ebd.
9 Ebd.
10 Siehe Bild 1, S. 13 11 Noelle-Neumann, Elisabeth, Schulz, Winfried (1991), S. 154 12 Brosius, Hans-Bernd (1991), S. 285 13 Noelle-Neumann, Elisabeth, Schulz, Winfried (1991), S. 155
4
3. Definition und Funktion von Schemata
„In der wissenschaftlichen Literatur gibt es eine Reihe von Begriffen, (...) die dem Schema
ähnlich sind, beispielweise: Rahmen (frame), Prototyp, (...) Konstrukt, belief, (...) Stereotyp.“ 14 Gerade aus dieser Vielfältigkeit von Benennungen und Definitionsmöglichkeiten werden s ich weitere Probleme und Lücken dieser Theorie ergeben. Hier erscheint auch der erste Widerspruch: Brosius
meint, dass der Mensch auf der einen Seite zwar eine aktive Rolle bei der Verarbeitung hat, (siehe 10 ), aber auf der anderen Seite auch, dass diese Selektion „weitgehend automatisch“ 15 geschieht und sich
der „bewussten Kontrolle“ 16 des Verarbeitenden entzieht.
Schema kann unter den Begriffen der „Selektionskriterien und Verarbeitungsrichtlinien" 17 zusammengefasst werden. Laut Graber (1984) ist ein Schema „a cognitive structure consisting of
organized knowledge about situations and individuals that has been abstracted from prior experiences.
It is used for processing new information and retrieving stored information" 18 . Die Ausbildung und Benutzung von Sche mata basiert sich auf der „Fähigkeit, gemeinsame Attribute bei Objekten,
Ereignissen und Personen zu entdecken." 19 Die Objekte, die vollkommen zu einem Schema passen, werden Prototypen genannt. „Objekte unterscheiden sich zudem darin, wie gut sie zum Schema
passen". 20 So passiert es auch, dass, wenn wir Klassen von Objekten nennen, wir an ein bestimmtes Objekt eher als an andere denken. So sind zum Beispiel Rosen typischer für das Schema „Blume" als
Azaleen oder der Duden gehört eher zum Schema „Wörterbuch" als Pons; manchmal sind diese Protypen so stark verankert, dass sie anstatt der eigentlichen Klasse verwendet werden (z. B. Tempo für „Papiertaschentuch“). Es sind also nur wenige Attribute notwendig, um ein Schema zu aktivieren.
Die logische Schlussfolgerung, die Brosius daraus zieht, ist aber zu weit generalisiert und abstrahiert. Er meint, diese schematische Verarbeitung liefe Gefahr, „voreingenommen und stereotyp zu sein. (...)
Gehört beispielsweise das Attribut ‚korrupt' zum Politiker-Schema eines Rezipienten, wird er die Information, ein einzelner Politiker habe aufrichtig gehandelt, (...) nicht zur Kenntnis nehmen. Gleichermaßen wird beim Fehlen von entsprechenden Informationen die Korruptheit hinzuaddiert.
Stereotypen von Minoritäten oder anderen Gruppen kann man in gleicher Weise als fest gefügte
Schemata bezeichnen, die sich schon durch wenige Attribute aktivieren lassen." 21 Wenn wir den logischen Faden dieser Aussage zurückverfolgen, ist es eindeutig, dass es einen Bruch und eine viel zu große Spalte zwischen der ursprünglichen Absicht, die Welt nur zu vereinfachen, um der
14 Ebda.
15 Brosius, Hans-Bernd (1991), S. 286 16 Ebda.
17 Ebd.
18 Graber, Doris (1984), S. 23 19 Brosius, Hans-Bernd (1991), S. 286 20 Ebda.
21 Brosius, Hans-Bernd (1991), S. 287
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Arbeit zitieren:
Anca Klein, 2003, Schema-Theorie der Rezeption, München, GRIN Verlag GmbH
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