Pädagogische Hochschule Karlsruhe Wissenschaftliche Hausarbeit
Fach: Sport
"Alle Sinne in Bewegung“ - Bewegung und Wahrnehmung im Sportunterricht in der Grundschule
von Janine Bräunig
2005
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung ... 1
2. Entwicklungstheoretische Grundlagen ... 4
2.1. Die kognitive Entwicklungstheorie ... 6
2.2. Die Gestaltkreistheorie ... 9
3. Die Bedeutung von Wahrnehmung und Bewegung für die Persönlichkeitsentwicklung ... 12
3.1. Kognitive Entwicklung ... 12
3.2 Soziale Entwicklung ... 13
3.3. Entwicklung des Selbst ... 14
3.4. Körperlich- gesundheitliche Entwicklung ... 15
4. Psychomotorische Grundlagen ... 17
4.1. Begriffsdefinition ... 17
4.2. Historie und Entwicklung in der Psychomotorik ... 18
4.3. Wahrnehmung und Bewegung als Grundkategorien in der Psychomotorik ... 20
4.4. Ziele und Inhalte in der Psychomotorik ... 22
5. Konzeptionelle Ansätze in der Psychomotorik ... 23
5.1. Die sensorische Integrationsbehandlung nach Jean Ayres ... 25
5.1.1. Die sensorische Integration ... .26
5.1.2. Neurophysiologische Grundlagen ... ..28
5.1.3. Störungen der sensorischen Integration ... .34
5.1.4. Möglichkeiten zur Verbesserung der sensorischen Integration – Die sensorische Integrationsbehandlung ... ...38
5.2. Die kindzentrierte psychomotorische Entwicklungsförderung nach Zimmer und Volkamer ... 40
5.2.1. Das Selbstkonzept ... .40
5.2.1.1. Die Entwicklung des Selbst ... 42
5.2.1.2. Selbstwirksamkeit ... 44
5.2.1.3. Erlernte Hilflosigkeit ... 45
5.2.1.4. Kausalattribuierung von Erfolg und Misserfolg ... 45
5.2.2. Möglichkeiten zur Veränderung eines negativen Selbstkonzepts ... 47
5.2.3. Die Bedeutung des Spiels ... .48
5.2.4. Allgemeine Prinzipien der kindzentrierten psychomotorischen Förderung ... 50
5.3. Vergleichende Auswertung der Ansätze ... .51
6. Wahrnehmungs- und Bewegungsförderung im Sportunterricht in der Grundschule ... 54
7. Schluss ... 58
8. Literaturverzeichnis ... 59
1. Einleitung
„Veränderungen der sozialen und ökologischen Umwelt haben dazu geführt, dass Kindern der aktive Umgang mit ihrer Lebenswelt immer mehr verwehrt wird.“
In der sportwissenschaftlichen Literatur finden sich viele Beiträge zu einer „veränderten Kindheit“. Hier stellt sich also die Frage, wie sieht eine solche veränderte Kindheit aus, und welche Auswirkungen hat sie auf das Kind?
Charakteristisch für eine veränderte Kindheit ist der Rückgang der Straßenspielkultur. „Straßenkindheit“ scheint nach Zinnecker nicht mehr existent zu sein. „Die ehemals auf der Strasse spielenden Kinder sind weg, weg in verschiedenen, nach offizieller Planung verorteten, speziellen Räumen.“ Dieser Verlust natürlicher Spiel- und Bewegungsgelegenheiten und der Ersatz durch künstlich geschaffene Plätze zum Spielen ist ein typisches Merkmal unserer Zeit. Oft grenzen diese Plätze an eine verkehrsreiche Strasse an, die für das Kind eine mögliche Gefährdung durch Abgase, oder durch den Verkehr selbst, darstellt. Deshalb entscheiden viele Eltern ihre Kinder lieber zuhause Spielen zu lassen. Dies ist jedoch nur ein Grund für die zunehmende „Verhäuslichung“. Durch den Konsum der Medien werden viele für die Entwicklung des Kindes wichtige Aktivitäten verdrängt. Betrachtet man die Alltagsgestaltung von Kindern, so fällt auf, dass diese meist im Sitzen vorm Fernseher oder PC verbracht wird. Ihre Sinnestätigkeit wird auf die akustische und visuelle Wahrnehmung beschränkt. Die körpernahen Sinne, die für die Erkenntnisgewinnung wichtig sind, werden nicht beansprucht.
Ein weiteres Charakteristikum für die heutige Kindheit ist die „Verinselung“ kindlicher Lebensräume, indem Kinder von einem Freizeitangebot zum nächsten chauffiert werden. Sie können keinen Zusammenhang zwischen den einzelnen Inseln erkennen und erleben ihren Alltag nicht als selbstbestimmbaren Freiraum, sondern als „Termingeschäft“.
Auch die Monofunktionalität des Spielmaterials, das meist nur für einen bestimmten Zweck vorgesehen ist, lässt den Kindern wenige Möglichkeiten selbst etwas zu verändern und eigene Spielideen zu entwickeln.
Doch warum werden diese veränderten Bedingungen so negativ dargestellt? Wie wirken sie sich auf die Kinder aus? Auch hierzu gibt es zahlreiche Beiträge. Scherer zeigt deutlich auf, dass aus dem vermehrten Medienkonsum eine zurückgehende körperliche Fitness resultiert. In einer Studie zum Bewegungsstatus von Kindern und Jugendlichen in Deutschland („WIAD- Studie“) wurde eine Verschlechterung der motorischen Fähigkeiten, im Vergleich zu Erhebungen aus den Jahren 1985 und 1995, festgestellt. Auch zwischen Bewegungsmangel und Übergewicht bestehen enge Beziehungen. Die in muskulärer Aktivität verbrachten Stunden haben sich von 1986 bis 1995 in Deutschland um 36% vermindert. 17% der Brandenburger Grundschulkinder haben bereits Fettstoffwechselstörungen, 8-12% zeigten erhöhte Blutdruckwerte, dominierend als Folge von Übergewicht. Durch den Bewegungsmangel verschlechterten sich auch die Leistungen im Sportunterricht. Ein Vergleich der Ergebnisse der Bundesjugendspiele der Jahre 1995 und 1999 macht das deutlich. Während 1995 noch 6% der Schüler eine Urkunde erhielten waren es im Jahre 1999 nur noch 4%. Neben den körperlich- gesundheitlichen Defiziten wirkt sich die Bewegungsarmut auch auf psychosomatische Persönlichkeitsbereiche des Kindes aus, so dass mehr als 60% über Kopfschmerzen klagen, mehr als 50% Konzentrationsschwierigkeiten und mehr als 40% Rückenschmerzen haben. Es liegt also auf der Hand, dass sich die veränderten Entwicklungsbedingungen und der damit einhergehende Verlust von vielfältigen aktiven Erfahrungen auf die Gesamtpersönlichkeit des Kindes auswirken. Dieser Bedingungskomplex wird in der vorliegenden Arbeit näher beleuchtet und der Frage nachgegangen, welche Bedeutung Wahrnehmungs- und Bewegungserfahrungen für die kindliche Persönlichkeitsentwicklung haben. Um diese Fragestellung in einen Gesamtrahmen einzuordnen und somit verständlicher darzustellen, werden in Kapitel 2 gängige Entwicklungstheorien dargestellt. Dabei soll gezeigt werde, wie sich das Kind seine Welt aneignet und ein Teil ihrer wird. Die Psychomotorik versucht über vielfältige Bewegungs- und Wahrnehmungserfahrungen zur Stabilisierung der Gesamtpersönlichkeit beizutragen und motorische Schwächen und Störungen zu bearbeiten. Deshalb werden ihre Grundlagen in Kapitel 4 beschrieben. In Kapitel 5 sollen verschiedene konzeptionelle Ansätze der Psychomotorik dargestellt werden, wobei der sensorischen Integrationsbehandlung nach Jean Ayres und der kindzentrierten psychomotorische Förderung nach Zimmer und Volkamer besondere Beachtung geschenkt werden soll. Schließlich werden unter Punkt 6 die gewonnenen Erkenntnisse auf den Sportunterricht in der Grundschule übertragen.
[...]
1 Zimmer, R. 1993 (S. 19)
2 Landau, G. 1992 (S.54)
3 vgl. Zimmer, R. 1993 (S.19)
4 vgl. Scheel, D. 1978 (S.31)
5 vgl. Landau, G. 1992 (S.54)
6 vgl. Zimmer, R. 1993 (S. 18)
7 vgl. Zimmer, R. 1993 (S.18)
8 vgl. Scherer, H.G. 2004 (S. 67)
9 vgl. Hollmann, W. 2004 (S. 40/41)
10 vgl. Grundschule Nordstetten: „ Schule mit sport- und bewegungserzieherischem Schwerpunkt“. URL: http://www.grundschule-nordstetten.de/projekte/sport.htm [Stand 1. Oktober 2005]
Quote paper:
Janine Krebs, 2005, "Alle Sinne in Bewegung" - Bewegung und Wahrnehmung im Sportunterricht in der Grundschule, Munich, GRIN Publishing GmbH
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