Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung Seite 2
2. Die Entwicklung des Automatenmotivs
2.1 Geschichte des Automaten in Literatur und Technik Seite 3
2.2 Entwicklung des Automatenmotivs aus dem Marionettenstil
und seine Bedeutung für die Romantik Seite 4
3. Das Automatenmotiv im „Sandmann“
3.1 Nathanael als Automat. Seite 6
3.2 Nathanael und Olimpia. Seite 7
3.2.1 Die Belebung Olimpias Seite 8
3.2.2 Vergleich Clara - Olimpia Seite 9
3.2.3 Der Automat als Reflektor Seite 10
3.2.4 Olimpias Zerstörung Seite 11
3.3 Die Automatenbauer. Seite 12
4. Gesellschaftskritik im Automatenmotiv. Seite 13
5. Schluß Seite 16
6. Literaturverzeichnis Seite 18
6.1 Primärliteratur
6.2 Sekundärliteratur
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1. Einleitung
Was ist ein Automat?
Das Wort „Automat“ kommt aus dem Griechischen und bedeutet „Selbstbeweger“. In der Industrie sind Automaten Maschinen, die selbsttätig bestimmte Arbeitsvorgänge durchführen. Im Alltag verstehen wir darunter meist solche Geräte wie Getränkeautomaten, Fahrkartenautomaten, Geldautomaten und Spielautomaten, Geräte, die nach Geldeinwurf oder dem Einführen einer Karte eine Ware verkaufen oder eine Dienstleistung anbieten. In der heutigen Zeit sind also Maschinen, die selbständig arbeiten und uns dadurch das Leben vereinfachen, allgegenwärtig.
In früheren Jahrhunderten wurden hingegen zweckfreie Automaten gebaut, bei denen es darum ging, die Natur so gut wie möglich nachzuahmen, zumal die Idee einer eigenen Schöpfung den Menschen seit jeher beschäftigt hat. Dies wurde in der Literatur u.a. als Automatenmotiv aufgenommen. Dabei geht es also um selbstbewegliche Kunstwerke, im engeren Sinne um künstliche Menschen.
In E.T.A. Hoffmanns Gesamtwerk kommen künstliche Menschen in vielfacher Ausführung vor, wobei sich die Novelle „Der Sandmann“ sehr gut zur Darstellung der seelischen Auswirkungen des Automaten auf den Menschen eignet. Weiterhin ist das Verhältnis von Mensch und Gesellschaft in Hinblick auf das Schicksal von zentraler Bedeutung.
Um die Erzählung in einen größeren Kontext einzuordnen, soll zunächst kurz die Geschichte des Motivs des künstlichen Menschen in der Literatur dargestellt werden - parallel dazu der reale technische Fortschritt. Die Entwicklung des Automatenmotivs aus der literarischen Be-handlung der Marionette macht eine Betrachtung der Bedeutung der Marionette notwendig. In diesem Zusammenhang wird auch der Frage nachgegangen, weshalb gerade in der Romantik ein besonders großes Interesse an künstlichen Menschen herrscht und welche zentralen Probleme das Automatenmotiv anspricht.
Als Schwerpunkt folgt eine eingehende Textanalyse, bei der verschiedene Facetten des Automatenmotivs beleuchtet werden sollen. Hauptaspekte sind hier u.a. Nathanaels Unfreiheit im Hinblick auf das Schicksal, seine Beziehung zum Automaten Olimpia und dessen Funktion. Ein zweiter wesentlicher Punkt der Analyse ist die Kritik Hoffmanns an einer automatisierten Gesellschaft.
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2. Entwicklung des Automatenmotivs
2.1 Geschichte des Automaten in Literatur und Technik
Das Motiv des künstlichen Menschen taucht bereits in der antiken Mythologie auf. Bei Hesiod erfahren wir vom Mythos der Pandora. Weil Prometheus den Göttern das Feuer gestohlen hatte, gab der griechische Göttervater Zeus Hephaistos den Auftrag, eine Frau zu bauen, um die damals nur aus Männern bestehende Menschheit zu bestrafen. Epimetheus verliebte sich in die künstliche Frau Pandora trotz der Warnung seines Bruders Prometheus. Als er sie zu sich nahm, öffnete sie ihre Büchse, aus der heraus sich Krankheit und Übel auf der Welt verbreiteten.
In Ovids Metamorphosen findet sich die Erzählung über den Bildhauer Pygmalion. Aus Ärger über die echten Frauen schuf dieser sich eine Statue. Diese war aber von solcher Schönheit und Perfektion, daß er sich in sie verliebte. Die Göttin Aphrodite erfüllte ihm schließlich seinen größten Wunsch und schenkte der Statue das Leben.
Zu dieser Zeit war es technisch bereits möglich, selbstbewegliche mechanische Kunstwerke zu bauen. Spitzenleistungen brachte die Schule von Alexandria hervor. Byzanz wurde später ein weiteres Zentrum des Automatenbaus, in dem prunkvolle Automaten zu Repräsentationszwecken entstanden.
In der Literatur des Mittelalters kommen wiederholt Automaten vor, u.a. bewegliche Statuen und mechanische Vögel, wobei der damalige Stand der Technik den Bau letzterer durchaus erlaubte. In den Bereich der Sage gehören dagegen der mechanische Türsteher des Albertus Magnus und der sprechende Kopf des Papstes Sylvester II., der den Papst bei schwierigen Fragen beraten haben soll.
Mit Aufblühen der Uhrmacherkunst im 14. Jahrhundert konnten immer kompliziertere Automaten gebaut werden. Das Uhrwerk selbst galt seit dem 18. Jahrhundert als Symbol der Ordnung und der Harmonie und des von Gott geschaffenen, regelmäßig funktionierenden Universums. Im 16. Jahrhundert avancierten die Automaten zum Repräsentationsobjekt des Adels, der sich als einziger die teuren beweglichen Weihnachtskrippen, Wasserspiele und Tierautomaten leisten konnte.
Die technische Entwicklung ermöglichte im 18. Jahrhundert schließlich den Bau von immer naturähnlicheren Automaten. Eine herausragende Stellung als Automatenbauer erreichte der Mechaniker Jacques de Vaucanson mit seinem fast lebensgroßen Flötenspieler und seiner fressenden und verdauenden Ente. Es entstanden Maschinen, die die menschliche Sprache imitierten und Automaten mit einem Höchstmaß an Menschenähnlichkeit. Die drei Androiden der beiden Schweizer Jacquet-Droz erregten so großes Aufsehen, daß ihren Erbauern ein
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Pakt mit dem Teufel nachgesagt wurde und eine Verurteilung durch die Inquisition drohte. Es kam danach tatsächlich immer mehr zu Betrügereien durch Scheinautomaten, also durch Menschen die sich als Automaten ausgaben. Die Technik widmete sich schließlich hauptsächlich der Entwicklung von Nutzmaschinen. 1
Bereits dieser kurze Abriß der Geschichte des Automaten verdeutlicht das ewige Streben des Menschen, genau wie die Götter Lebewesen zu erschaffen. Der Drang zur Perfektion macht die Technik zum Ersatz für die Natur. In den Automaten präsentiert sich vermeintlich die Ordnung der Schöpfung, des Lebens und der Gesellschaft. Dies macht die Kunstwerke für die Menschen attraktiv, aber auch unheimlich und verbindet sie mit Elementen des Dämonischen.
2.2 Entwicklung des Automatenmotivs aus dem Marionettenstil und seine Bedeutung für die Romantik
Hoffmann selbst zeigt früh Interesse an Automaten. Er informiert sich über Automatenbauer seiner Zeit und besucht im Oktober 1813 eine Automatensammlung in Dresden. Auch soll er selbst kleine Automaten angefertigt haben. Überhaupt herrscht ein großes Interesse an mechanischen Kunstwerken in der Romantik. Die obengenannten Androiden sind Sensationen. Ebenfalls großer Beliebtheit erfreuen sich Puppenspieler, einige Puppentheater können sich etablieren. 2
In der Literatur schlägt sich dieses Interesse nieder, seit die perfekten Automaten mit Menschen verwechselbar sind. 3 Dort entwickelt sich das Automatenmotiv aus der dichterischen Behandlung der Marionette.
Die Marionette als eine an Fäden gebundene Puppe zeichnet sich durch eine von einem über sie stehenden Lenker erzeugte Beweglichkeit aus. Einerseits erscheint sie somit lebendig, andererseits ist sie von der Willkür des Lenkers abhängig. Die Marionette verkörpert also die „Zwitterhaftigkeit menschlicher Existenz“ 4 und die Lenkung des Menschen durch das Schicksal oder eine höhere Macht. Diese Bedeutung der Marionette macht sie zu einem ausdrucksstarken Stilmittel in der deutschen Dichtung. In der Epoche des Sturm und Drang symbolisiert sie Resignation oder Auflehnung gegen das unabwendbare Schicksal, welches das nach Freiheit und Unabhängigkeit strebende Genie behindert. Die satirische und parodistische Seite der Marionette wird im Rationalismus hervorgehoben. Die Romantik vereint diese Elemente, bringt
1 Vgl. zur Geschichte des Automaten Lieselotte Sauer: Marionetten, Maschinen, Automaten. Der künstliche Mensch in der deutschen und englischen Romantik, Bonn 1983, S. 12-24. ² Vgl. Dietrich Kreplin: Das Automatenmotiv bei E.T.A. Hoffmann, Bonn 1957, S. 11ff. 3 Vgl. Ulrich Hohoff: E.T.A. Hoffmann. Der Sandmann. Textkritik, Edition, Kommentar, Berlin und New York 1988, S. 335. 4 Kreplin, S. 1.
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Arbeit zitieren:
Eleni Stefanidou, 1999, Das Automatenmotiv in E.T.A. Hoffmanns "Der Sandmann", München, GRIN Verlag GmbH
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