Gliederung und Einleitung
Geschichte , MA: Hausarbeit: Proseminar „Hamburgs Wirtschaftsleben im Mittelalter“
„Das Testament der Magd Tybekke - Ein Rekonstruktionsversuch Hamburger Wirtschaftslebens mit Hilfe
von Quellen des 14. Jahrhunderts“
Version 1.0 - September 2004
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Das Testament der Magd Tybbeke - Rekonstruktion Hamburger Wirtschaftslebens
Das Testament der Magd Tybbeke
Ein Rekonstruktionsversuch Hamburger Wirtschaftslebens mit Hilfe von Quellen des 14. Jahrhunderts
I. Frauentestamente im Mittelalter 4
II. Das Testament der Magd Tybbeke 7
III. Die Rekonstrukion des Wirtschaftslebens einer Frau im Hamburg des 14. Jahrhunderts 13
IV. Die Aussagekraft des Testamentes zum Wirtschaftsleben 16
V. Literatur 17
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Gliederung und Einleitung
I. Frauentestamente im Mittelalter
Die Geschichte der Frau ist eine Geschichte voller Missverständnisse. Was im ersten
Moment wie der geschmackfreie Werbetext eines Herstellers von weiblichen
Hygieneartikeln klingt, ist tatsächlich eine zutreffende Beschreibung weiter Zeitphasen
weiblicher Geschichte des Mittelalters.
Einerseits entsteht diese Kontinuität von Missverständnissen durch die
bruchst ückhafte und rare Überlieferung mittelalterlicher Quellen, sicherlich aber auch
durch die Prägung vieler Quellen durch das patriarchalisch-normative Frauenbild 1 ,
welches die meist männlichen Verfasser prägte. Auch nährte bis in das späte 20.
Jahrhundert die Wahl des Blickwinkels oft sehr einseitige Interpretationen, sei es nun
aus dem Winkel der primär rechtshistorisch motivierten Untersuchungen des
ausgehenden 19. Jahrhunderts, als auch aus der Richtung der sozialwissenschaftlich
begr ündeten Arbeiten der jüngeren Jahre 2
Dar über hinaus ist es so gut wie unmöglich, die Rolle der Frau in der Öffentlichkeit
und damit auch dem Wirtschaftsleben aus Quellen verschiedener Regionen
zusammenzusetzen 3 - schließlich muss für Bremen nicht gelten, was für Stralsund
g ültig ist, für Hamburg nicht, was für Köln aus dortigen Quellen ermittelt wurde. Nur
mit allergrößter Vorsicht dürfen für die Zeit des Mittelalters überregional
verallgemeinernde Aussagen getroffen werden, so dass als einzige unspekulative Basis
oft nur Quellen aus dem jeweilig untersuchten Lokalgebiet belastbar bleiben. Damit
f ührt man sich jedoch wieder zum Problem der Bruchstückhaftigkeit zurück, gerade für
Hamburgs archivarische Testamentbestände ist diesbezüglich der große Brand von
1
Theuerkauf , Gerhard: Frauen im Spiegel mittelalterlicher Geschichtsschreibung und
Rechtsaufzeichnung S. 149, in: Barbara Vogel / Ulrike Weckel (Hgg.): Frauen in der
St ändegesellschaft. Leben und Arbeiten in der Stadt vom späten Mittelalter bis zur Neuzeit (
Beitr äge zur deutschen und europäischen Geschichte, hrsg. v. Klaus Arnold / Wolf D. Gruner /
Kersten Krüger, Bd. 4), Hamburg 1991 S. 147-165 oder sehr viel ausführlicher der breite Teil
„Normen und Diskurse“ in: Klapisch-Zuber, Christiane (Hg.): Mittelalter S.25-170, in: Georges
Duby / Michelle Perrot (Hgg.): Geschichte der Frauen, Bd. 2, Frankfurt/Main 1993.
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So zum Beispiel die einseitige Bewertung von Kleiderordnungen des 14. Jahrhunderts für Frauen als
Mittel zur Wahrung des ständischen status quo ante in der Stadt in: Ennen, Edith: Die Frau in der
mittelalterlichen Stadtgesellschaft Mitteleuropas S. 18, in: Hansische Geschichtsblätter (HGBll.),
hrsg. v. Hansischen Geschichtsverein, 98, 1980 S.1-22 und andererseits die unreflektierte
Übernahme der offiziellen, hamburger Ratsposition dieser Zeit, die Eindämmung der Prunksucht bei
Bekleidung diene der Frömmigkeit und der Wahrung der Sittlichkeit in: Schwarten, Julius:
Verordnungen gegen Luxus und Kleiderpracht in Hamburg S.67f., in: Zeitschrift für deutsche
Kulturgeschichte , Neue Folge 4, 6, 1899 S. 67-102.
3 Ennen, Edith: Frauen im Mittelalter, München, überarb. und erw., 1994 5 S.29: „ Das
mittelalterliche Europa hat starke Kulturgefälle, ausgeprägte Innovationszentren und Reliktzonen,
die Rechtszersplitterung ist enorm, die Wirtschaftsräume decken sich keineswegs mit den
Herrschaftssph ären , keine große Stadt, auch wenn sie einem bestimmten Wirtschaftsraum
zuzuweisen ist, entbehrt der individuellen Züge. Nur Fallstudien zur Lage der Frauen in einer
bestimmten Stadt oder ländlichen Herrschaft usw. ergeben ein wirkliches Bild. “
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Das Testament der Magd Tybbeke - Rekonstruktion Hamburger Wirtschaftslebens
1842 ein katastrophaler Kahlschlag im Bestand weiter zurückliegender Quellen gewesen 4 . Aus der oben erwähnten Rechtszersplitterung muss dennoch folgen, dass überregionale Darstellungen nur einen Einblick in das Spektrum des Möglichen, nicht jedoch in das für Hamburg konkret Zutreffende erlauben 5 . Daher wird sich für diese Arbeit auf Literatur über Testamente gestützt, die Hamburg direkt betrifft, auch wenn zum Beispiel bezüglich Frömmigkeit und Religiosität den Menschen der Hansestädte eine ähnliche Geisteshaltung unterstellt wird, so dass zum Beispiel auch ein Aufsatz über Stralsund 6 Eingang in die Betrachtungen finden darf.
Nach den frühen Arbeiten von Kalckmann und Koppmann 7 , statistischer und bestandserfassender bzw. erster rechtswissenschaftlicher Natur, über die im hamburgischen Staatsarchiv nach dem Brand noch vorliegenden Testamente ist eine gründliche Edition der Testamente von 1351-1400 durch Loose in den 70er Jahren hervorzuheben 8 . Seine Auswertung der Testamente bezüglich der Erwerbstätigkeit von Frauen im 14. Jahrhundert 9 entstammt den achtziger Jahren und bildet das Fundament für die wirtschaftshistorischen Arbeiten späterer Zeit. Anfang der neunziger Jahre versucht Arnold 10 die Realität der Frauen in den mittelalterlichen Hansestädten anzunähern, bevor Riethmüller 11 sich 1994 mit ihrer Arbeit über Frömmigkeit, basierend auf den Hamburger Testamenten (1310-1400), dem Thema testierender Frauen von einer sittlich-religiösen Sicht her nähert. Die zwei jüngsten Schriften von
4 Kalckmann, Ludolph: Zur Geschichte der hamburgischen Testamente; S. 193, in: Zeitschrift des Vereins für Hamburgische Geschichte (ZfHG), hrsg. v. Verein für Hamburgische Geschichte, Bd. 7, Hamburg 1883, S. 193-202.
5 Dennoch als einführende Aufsätze über die mittelalterliche Lage der Frau im norddeutschen Raum mit Literaturangaben zu empfehlen: Militzer, Klaus: Die soziale Struktur in den Hansestädten, in: Jörgen Bracker / Volker Henn / Rainer Postel (Hgg.): Die Hanse - Lebenswirklichkeit und Mythos. Textband zur Hamburger Hanse-Ausstellung von 1989, Lübeck 1999 3 ; S.411-445; Hammel-Kiesow, Rolf: Stadtherrschaft und Herrschaft in der Stadt, in: Bracker: Hanse; S. 446-478; Graßmann, Antjekahtrin: Die städtische Verwaltung, in: Bracker: Hanse; S.479-496; Theuerkauf, Gerhard: Recht, Rechtsaufzeichnung, Gerichtsbarkeit; in: Bracker: Hanse; S. 497-504; Jaacks, Gisela: Bekleidung in den Hansestädten, in: Bracker: Hanse; S. 543-547; Postel, Rainer: Kirche und religiöses Leben, in: Bracker: Hanse; S.575-580.
6 Schildhauer, Johannes: Hansestädtischer Alltag. Untersuchungen auf der Grundlage der Stralsunder Bügertestamente vom Anfang des 14. bis zum Ausgang des 16. Jahrhunderts (=Abhandlungen zur Handels- und Sozialgeschichte, hrsg. v. Hansischen Geschichtsverein, Bd. 28), Weimar 1992.
7 Kalckmann: Geschichte, und Koppmann, Karl: Aus Hamburgischen Testamenten, in: ZfHG, 7, Hamburg 1883; S. 202-222
8 Loose, Hans-Dieter (Hg.): Hamburger Testamente 1351 bis 1400 (=Veröffentlichungen aus dem Staatsarchiv Hamburg, Bd. XI), Hamburg 1970.
9 Loose, Hans-Dieter: Erwerbstätigkeit der Frau im Spiegel Lübecker und Hamburger Testamente des 14. Jahrhunderts, in: Zeitschrift des Vereins für Lübeckische Geschichte und Altertumskunde (ZLGAk), 60, 1980; S. 9-20.
10 Arnold, Klaus: Frauen in den mittelalterlichen Hansestädten - eine Annäherung an die Realität, in: HGBll., 108, Köln 1990; S.13-29.
11 Riethmüller, Marianne: „to troste miner sele“. Aspekte spätmittelalterlicher Frömmigkeit im Spiegel Hamburger Testamente (1310-1400) (=Beiträge zur Geschichte Hamburgs, hrsg. v. Verein für Hamburgische Geschichte, Bd. 47), Hamburg 1994.
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Gliederung und Einleitung
Relevanz für die Untersuchung der Frauengeschichte bezüglich der hamburgischen
Testamente des 14. Jahrhunderts stammen beide von Rogge (1998,2000) Die Autorin
untersucht die Bezüge zwischen Sittlichkeit und den weiblichen
Handlungsm öglichkeiten im hamburgischen Stadtrecht (1998) 12 , sowie das
Spannungsfeld „zwischen Arbeit, Kirche und Moral“ für ein Frauenleben des Mittelalters
(2000) 13
Diese Arbeiten sollen als Grundlagen verwendet werden, um das Testament der
Magd Tybekke 14 in seinen zeitlichen, sozialen und wirtschaftlichen Kontext einzubetten
und nicht nur anhand von weiteren Quellen Einblick in das mögliche Leben dieser
Magd und der anderen im Testament erwähnten Personen zu erlangen, sondern auch
Aussagen über das hamburgische Gesinde allgemein zu treffen. Es wird sich zeigen, ob
das vorliegende Testament ausreichend ist, um dies fundiert zu gewährleisten. Der
Titel dieser Arbeit macht daher auch keinen Hehl daraus, dass es sich mit Hilfe des
Testamentes nur um eine Rekonstruktion mittelalterlichen Lebens handeln kann,
schlie ßt doch eine Rekonstruktion gedanklich ein, dass etwas wieder und vor allem
interpretativ konstruiert werden soll. Somit kann ein vollständiges, naturgetreues
Abbild der Realität für diese Zeit nicht einmal annähernd gewährleistet werden. Um die
Teile zu einem Ganzen zusammenzufügen, bedarf es der Spekulation, die aber,
solange deutlich gekennzeichnet, legitimes Mittel historischer Forschung sein darf.
12
Rogge , Roswitha: Zwischen Moral und Handelsgeist. Weibliche Handlungsräume und
Geschlechterbeziehungen im Spiegel des hamburgischen Stadtrechtes vom 13. bis zum 16.
Jahrhundert ( IUS COMMUNE. Veröffentlichungen des Max-Planck-Instituts Frankfurt/Main -
Sonderhefte : Studien zur Europäischen Rechtsgeschichte, Bd. 109), Frankfurt/Main 1998.
13
Rogge , Roswitha: Zwischen Arbeit, Kirche und Moral. Hamburger Frauenleben während des
Sp ätmittelalters und der Frühen Neuzeit, Hamburg 2000.
14
„Testament der Tybbeke, ehemalige Magd des Johann Rode (Rufus)“, datiert auf 1328-1345 , in:
Hamburgisches Urkundenbuch (HUB), hrsg. v. Staatsarchiv der Freien und Hansestadt Hamburg,
Bd. II, Hamburg 1933 Nr. 755 - oder auch in Übersetzung bei Theuerkauf, Gerhard: Quellen zur
Geschichte Hamburgs, in: Geschichte und Politik in der Schule (GPS), hrsg. v. Verband der Lehrer
f ür Geschichte und Politik, 24, 1988 S.26/27.
6
Arbeit zitieren:
Nico Nolden, 2004, Das Testament der Magd Tybekke - Ein Rekonstruktionsversuch Hamburger Wirtschaftslebens mit Hilfe von Quellen des 14. Jahrhunderts, München, GRIN Verlag GmbH
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