Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 2-3
2. Foucaults Machtanalytik 3
2.1. Foucaults Nominalismus in der Machtanalytik Seiten 3-5
2.2. Die konzeptionelle Ebene des Machtbegriffs Seiten 5-7
2.3. Realanalyse der bürgerlichen Gesellschaft Seiten 7-9
2.4. Macht und Wissen Seiten 9-10
2.5. Zusammenfassung Seiten 10-
11
3. Genealogie der abendländischen Gesellschaften Seiten 11-
12
3.1. Die Pastoralmacht Seiten 12-
14
3.2. Die Staatsräson Seiten 14-
16
3.3. Die Polizey Seiten 16-
17
3.4. Zusammenfassung 18
4. Schluss Seiten 18-
20
5. Bibliographie 20
1
1. Einleitung
Eine mittlerweile unüberschaubare Fülle an Literatur bezüglich der Thematik ‚Macht’ verdeutlicht sehr schnell, dass es sich als äußerst schwierig erweisen wird, eine nahezu einheitliche Definition oder auch nur ein einheitliches Verständnis von ‚Macht’ zu erhalten.
Die Machtanalyse innerhalb der politischen Theorie, welche ‚Macht’ l ediglich und ausschließlich in den Kontext der Person des Souveräns setzt, handelt sich das Problem ein, diese in den damit einhergehenden Kategorien der Souveränität analysieren zu müssen. 1 Macht in Abhängigkeit von etwas zu d efinieren, beispielsweise in Abhängigkeit eines Konstruktes wie des Staates, impliziert immer schon einen bestimmten Charakter der Macht. Folglich stünde die Macht in einem Identitikationsverhältnis mit den Eigenschaften des Staates. In diesem Falle wäre sie lediglich in negativen Kategorien, als repressive Form staatlicher Institutionen zu begreifen. 2 Auch kann Macht, wie beispielsweise in der juridischen Machttheorie, nach Foucault nicht als ein Recht betrachtet werden, über das man wie ein Gut verfügen kann. 3 Diese Bestimmungen greifen nach Foucault zu kurz. Andere Versuche, den Begriff ‚Macht’ ihrer Bedeutung nach zu bestimmen, liefert die moderne Psychologie. Der Behaviorismus beispielsweise setzt Macht in ein kausales Paradigma, was bedeutet, „[…] daß Macht eine Fähigkeit ist, kausale Wirkungen in der Welt hervorzurufen.“ 4 Die Ausübung und somit die Übertragung von Macht wird als eine Kommunikation von Präferenzen gedacht. Darauf folgende Machttheorien, beispielsweise das realistische oder das kommunikative Machtmodell betonten zwar das kausale Paradigma der Macht, distanzieren sich allerdings von den „[…] positivistischen Prämissen behavioristischer Machtbegriffe.“ 5 Die Machttheorie, die eine „[…] erhebliche systematische Affinität zu Foucaults Machtanalytik auf[weist]“ 6 ist das Handlungsumwelt-Modell.
1 Foucault spricht hier von einer „[…] Reduktion auf das Gesetz […]“. Wird die Machtinstanz auf die Gestalt des Herrschers zurückgeführt, so wird damit analog die Verfahrensweise der Macht auf das Gesetz des Verbots reduziert. Foucault, Michel. Dits et Ecrits. Schriften 3. 1976-1979. Suhrkamp Verlag. Frankfurt am Main. 2003. S. 544.
2 Foucault, Michel. Dispositive der Macht. Merve Verlag. Berlin. 1978. S.35-39.
3 Vgl. Foucault, Michel. In Verteidigung der Gesellschaft. Suhrkamp Taschenbuch. Frankfurt am Main. 1999. S. 29. Ebenfalls S. 312.
4 Detel, Wolfgang. Macht, Moral, Wissen. Suhrkamp Taschenbuch. Frankfurt am Main. 1988. S. 19. Vgl. zu diesen Theorien Detel. 1988. S.19-26.
5 Ebd. S. 20.
6 Ebd. S. 26. Einzelheiten dieses Modells aufzuzählen ist wider des Kontextes dieser Arbeit. Die
Aufzählung dieser Machttheorie mit allen Ähnlichkeiten des Foucaultschen Verständnisses von Macht
2
Foucault versucht, eine umfassende Mikrophysik der Macht vorzulegen ohne den Anspruch geltend zu machen, dass diese als ein- und ganzheitliche Theorie verstanden werden soll, welcher ein reales Subjekt zugrunde liege. 7 Ist diese Basis geschaffen worden, werden im Folgenden die Besonderheiten des Machtbegriffs bezüglich der Genealogie 8 abendländischer Gesellschaften dargestellt. Die Besonderheit des Abendlandes besteht nach Foucault in der Tatsache, dass „[…] viele Dinge, viele soziale, politische und ökonomische Praktiken […] in einem geographischen Gebiet entstanden und mit großer Kraft we iterentwickelt worden [sind], das zwischen der Weichsel und Gibraltar, der Nordküste Schottlands und der Südspitze Italiens liegt.“ 9 Zwar leugnet Foucault nicht den Einfluss anderer geographischer Gesellschaften auf das Abendland, doch betont er, dass die „[…] Fäden des Schicksals für den modernen Menschen […]“ 10 seit dem Mittelalter bis in die heutige Zeit eben im Abendland geknüpft worden seien. Der Kolonialismus des 19. Jahrhunderts universalisierte die e uropäischen Praktiken, Formen und Mechanismen und exportierte diese in die Welt; hieraus resultiert nach Foucault die immense Bedeutung der Genealogie abendländischer Gesellschaften.
2. Foucaults Machtanalytik
2.1. Foucaults Nominalismus in der Machtanalytik
Was Foucault unter ‚Macht’ versteht, wird auf den ersten Blick nicht klar. Recht deutlich wird hingegen, was er nicht unter ‚Macht’ versteht, nämlich „[…] nicht die Regierungsmacht, […] die die bürgerliche Ordnung in einem gegebenen Staat garantieren. Ebensowenig verstehe ich [Foucault] darunter eine Unterwe rfungsart, […] schließlich meine ich [Foucault] nicht ein allgemeines Herrschaftssystem.“ 11 Diese negative Bestimmung der ‚Macht’ auf institutioneller Ebene wird erweitert
dient lediglich einer Entkräftung des Vorwurfs, Foucaults Konzeption sei zu abstrakt. Schließlich gilt diese Theorie als wirkungsmächtig und wird folglich unumstritten anerkannt.
7 Vgl. Foucault. 1999. S. 23, 29, 312.
8 Unter ‚Genealogie’ ist eine Methode, eine Taktik zu verstehen. Vgl. Foucault 1999. S. 26. Genealogien sind Anti-Wissenschaften, sie wenden sich „[…] gegen die zentralisierenden Machtwirkungen, die mit der Institution und dem Funktionieren eines im Innern einer Gesellschaft wie der unsrigen organisierten wissenschaftlichen Diskurses verbunden sind.“ Foucault 1999. S. 22,23 „[…] Ihr Ziel ist es, >>die Einmaligkeit der Ereignisse unter Verzicht auf eine monotone Finalität ausfindig zu machen<<.“ Freyfus, Hubert L. / Rabinow, Paul. Michel Foucault. Jenseits von Strukturalismus und Hermeneutik. Beltz Athenäum Verlag. Weinheim 1994. S. 135.
9 Foucault. 2003. S. 479.
10 Ebd. S. 479.
11 Foucault, Michel. Der Wille zum Wissen. Bd.I. Suhrkamp Taschenbuch. Frankfurt am Main. 1977. S.
93 f.
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durch eine weitere negative Bestimmung auf umfassendere Art: „Die Macht ist nicht etwas, was man erwirbt, wegnimmt, teilt, was man bewahrt oder verliert.“ 12 Zwar gibt Foucault auch immer Merkmale der ‚Macht’ an, wird aber nicht müde zu erwähnen, dass sie nur vorläufig sind.
Folgerichtig räumt er schließlich ein, dass erst durch spezifische Wirkungsweisen, das ‚Wie’ der Macht erklärt werden muss, bevor das ‚Was’ der Macht näher betrachtet werden kann. 13 Nicht zu wissen, was etwas ist, und es trotzdem analysieren zu wollen, wird möglich durch Foucaults nominalistische Herangehensweise. So erklärt er,: „[z] we ifellos muss man Nominalist sein. […] Die Macht ist ein Name, den man einer komplexen strategischen Situation in einer Gesellschaft gibt.“ 14 Durch dieses Zitat wird Foucaults nominalistische Vorgehensweise bezüglich der Machtanalytik deutlich. Diese besagt, dass einem Allgemeinbegriff - hier: der Macht - außerhalb des Gedachten nichts Wirkliches entspricht. Macht ist also erst einmal nur ein Name, mit dessen Hilfe die genannten komplexen strategischen Situationen in einer Gesellschaft näher bestimmt werden sollen. So bleibt selbst seine vorläufige positive Bestimmung der Macht abstrakt und undurchsichtig, er spricht von einem„Spiel, das in u naufhörlichen Kämpfen und Auseinandersetzungen […] Kraftverhältnisse verwandelt, verstärkt […]; […] Stützen, die diese Kraftverhältnisse aneinander finden, indem sie sich zu Systemen verketten - […] schließlich […] Strategien, in denen sie zur Wirkung gelangen und […] institutionelle Kristallisierungen [die] sich in den Staatsapparaten […] verkörpern.“ 15 Diese Bestimmung der Macht auf institutioneller Ebene erweitert Foucault durch eine weitere: „[…] Macht ist etwas, was sich von unzähligen Punkten aus und im Spiel ungleicher und beweglicher Beziehungen vollzieht.“ 16 ‚Macht’ als nominale Konstruktion muss nach Foucault durch archäologische 17 Forschungen aufgearbeitet werden. Diese Forschungen müssen einen Prozess
12 Ebd.
13 Foucault. 1999. S. 37-39. Vgl. auch: Dahlmann, Manfred. Das Rätsel der Macht. Über Michel Foucault. S. 85-88. Erschienen in: Kritik der Politik. Johannes Agnoli zum 75. Geburtstag. Hrsg.: Bruhn, Joachim / Dahlmann, Manfred / Nachtmann, Clemens. Verlag ca ira. Freiburg. 2000. S. 83-108.
14 Foucault 1977. S. 94. Vgl. hierzu auch: Detel. 1988. S. 26. […] „Es sollte also klar sein, daß
Foucault den Machtbegriff grundsätzlich individualistisch und nominalistisch anlegt […]“.
15 Foucault. 1977. S. 93.
16 Foucault. 1977. S. 94.
17 Unter Archäologie versteht Foucault eine Methode. „Kurz gesagt wäre die Archäologie die der Analyse der lokalen Diskursivitäten entsprechende Methode […]“. Foucault. 1999. S. 26. Archäologie legt ‚Wahrheitsspiele’ frei. Das bedeutet, es werden die Bedingungen aufgezeigt, welche Aussagen erfüllen müssen, um als wahr akzeptiert werden zu können.
4
rekonstruieren, welcher es erlaubt, die Verbindungsmöglichkeiten einzelner kleiner Mächte zu einer Einheit zu veranschaulichen. Hieraus r esultiert dann die „[…] Mikrophysik der Macht, die deutlich werden lassen soll, daß das, was als Errungenschaften der abendländischen Zivilisation gilt: Individualität, Sozialität, Wahrheit […] nichts weiter ist als das Resultat der Verkettung zu einer einheitlichen […] Strategie der Macht.“ 18
Der foucaultschen Machtanalytik liegen nach Dahlmann zwei Ebenen zugrunde, welche für die weitere Explikation des Machtbegriffs aufgegriffen werden. Die konzeptionelle Ebene auf der einen Seite und die Realanalyse der bürgerlichen Gesellschaft auf der anderen. Diese Dichotomie ermöglicht eine aufeinander folgende Betrachtung des ‚Wie’ und des ‚Was’ der Macht.
2.2. Die konzeptionelle Ebene des Machtbegriffs
Die konzeptionelle Ebene behandelt das ‚Wie’ der Macht, sie findet ihren Zugang zu diesem bestimmten Teil der Machtanalytik folglich in den Wirkungsweisen der Macht. Betrachtet werden die schon angesprochenen Verhältnisse der lokalen Mächte zu einer allgemein sich herauskristallisierenden Macht 19 sowie das Verhältnis „[…] der Mächte zu ihrem außen - den Körpern […]“ 20 als Basis des ‚Wie’ der Macht. Grundlage ist die Erkenntnis, dass es ob der Unterschiedlichkeit diverser Mächte etwas außerhalb der betrachteten Mächte geben muss, damit sie unterschieden werden können. Dies sind nach Foucault die Körper. 21 Die Körper oder die Körperlichkeiten sind das, was nicht zur Macht gehört, sie sind das ‚Außen’ der Macht. Dabei werden sie allerdings nicht als Gegensatzpaar zur Macht verstanden: „Das Individuum ist also nicht das Gegenüber der Macht; es ist eine ihrer ersten Wirkungen“ 22 , sondern als eine Einheit 23 , die die Untersuchung zulässt, in welcher
18 Dahlmann. 2000. S. 86.
19 Foucault 1999. S. 42. „Es geht vielmehr darum, die Macht an ihren Grenzen, […] in ihren
regionalsten und lokalsten Formen und Institutionen zu packen […], besonders dort, […] wo sie sich in die Institutionen eingräbt, in Techniken verkörpert und zu materiellen, vielleicht sogar gewaltsamen Interventionsinstrumenten greift.“
20 Dahlmann. S. 84
21 Dass für Foucault die Körper das ‚Außen der Macht’ bilden, durchzieht sich mit einigen Einschnitten durch sein gesamtes Werk „In Verteidigung der Gesellschaft“. Exemplarisch einige Stellen, an denen dieses Verhältnis besonders deutlich zum Ausdruck kommt: S. 44. S. 294 „[…] die Anpassung der Machtmechanismen an den individuellen Körper […]. S. 295 „Wir haben also zwei Serien […]“. Alles aus: Foucault. 1999.
22 Ebd. 1999. S. 45
23 Foucault. 1978. S.211. „Für mich liegt es […] vielmehr nahe, davon auszugehen: - daß die Macht dem gesellschaftlichen Körper koextensiv ist; […]“. Vgl. ebenfalls: Dahlmann. S.88. „Weder die Macht noch die Körper können unabhängig voneinander untersucht werden.“
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Tim Kirchner, 2005, Michel Foucault. Die Bedeutung des Machtbegriffs für die Genealogie der abendländischen Gesellschaften., München, GRIN Verlag GmbH
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