Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Themen der Gedichte 4
2.1 Ist es die Nacht, die angesprochen wird? Theorien 5
3. „Alianza (Sonata)“ 6
3.1 Die Nacht und der Vertrag 6
3.2 Der Zustand des Ichs 11
4. „Tiranía“ 12
4.1 Der Hilferuf 12
4.2 Das Leiden 13
5. „Serenata“ 14
5.1 Die Wiedervereinigung 15
5.2 Die Wende und das Verlangen 17
6. Schlussfolgerung 18
7. Bibliographie 19
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1. Einleitung
Pablo Nerudas „Residencia en la Tierra“ ist zweifelsohne einer der wichtigsten Meilensteine seines Schaffens. Die drei Gedichte „Alianza(Sonata)“, „Tiranía“ und „Serenata“ von dem ersten Teil dieser Gedichtsammlung, die hier behandelt werden, eröffnen uns, wenn man sie zu einer gemeinsamen Analyse bezieht, eine zusätzliche Perspektive zum Einblick in der momentanen Welt der Gefühle des Dichters. Einzeln betrachtet liefern sie natürlich auch Informationen über den Zustand des Poeten, doch wenn man sie in Verbindung miteinander bringt, wird eine Gefühlskette sichtbar, die ihren Anfang in „Alianza“ und ihr Ende in „Serenata“ findet. Das „Ich“ erleidet eine innerliche Metamorphose der Gefühle, die von einer bis zur anderen Extreme schwankt: von der totalen Verwirrung und Ausweglosigkeit, über den tiefen Schmerz, bis hin zur Selbstfindung, ja man könnte fast sagen „Erlösung“. Diese zwei Extreme der Gefühle könnte man mit den Begriffen „Macht“ und „Ohnmacht“ bezeichnen. Das Ziel dieser Arbeit ist diese Momente in allen drei Gedichten zu bestimmen und, anhand von Beispielen im Text, auszulegen. Da man diese Gedichte wie gesagt als eine Art Kette von Gefühlen betrachten kann, wird hier jedes von ihnen als einzelnes Glied analysiert und einem der oben genannten Begriffen zugeordnet.
Der biografische Hintergrund zu diesen und zu allen anderen Gedichten von „Residencia en la tierra“ (Ersterscheinung 1933) liefert der längere Aufenthalt von Neruda in vielen Ländern Südostasiens, wo er ab 1927 die Tätigkeit eines Konsuls ausübte. Zuerst in Rangoon (Birma), dann in Colombo (Ceylon), danach in Batavia auf Java und zuletzt in
Singapur 1 hatte er eine schwierige Zeit erlebt, dessen Widerspiegelung in dieser Sammlung Ausdruck findet.
In allen drei Gedichten hat man als Leitpfad die Interaktion zwischen dem lyrischen Ich und der Figur, die angesprochen wird. Die Frage nach dessen Bestimmtheit liefert reichlich Stoff für Diskussionen. Vor allem in „Alianza (Sonata)“ ist sehr umstritten, wer die angesprochene Person ist, ob es sich überhaupt um eine Person handelt oder es ist die Nacht, an die sich das Ich wendet. Dieses Objekt, dieses „Du“ in allen drei
1 Vgl. Pablo Neruda, „Confieso que he vivido. Memorias“, Barcelona 1974, S. 81-153
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Gedichten, ist auch das Hauptmotiv, das sie miteinander in Verbindung bringt und ein Verhältnis zwischen ihnen herausfiltert.
In dieser Arbeit wird die Version von der Nacht als lyrisches Objekt in den drei Gedichten vertreten. Dies wird geschehen, indem Stellen im Text interpretiert werden, wobei das nur in den ersten zwei Gedichten „Alianza“ und „Tiranía“ nötig sein wird, denn in „Serenata“ kein Zweifel über diese Frage bestehen sollte, denn das lyrische Ich wendet sich an die Nacht direkt.
2.Themen der Gedichte
In allen drei Gedichten gibt es zwei Parteien: das Ich und die Person (oder Personifikation) an die es sich wendet. Das erste Gedicht „Alianza“, das mit „Serenata“ von allen drei Gedichten am meisten in der Literatur zitiert und analysiert worden ist, handelt von der Abschließung eines Vertrages, eines Paktes zwischen dem poetischen Ich und der Nacht. Der Sprecher im Gedicht braucht diesen Vertrag, denn er ist machtlos und braucht einen Verbündeten in seinem Kampf gegen die Zeit. Das angesprochene Objekt wird von ihm als einzige Rettung von der hässlichen Realität - eine die ihn ans Dichten hindert - angesehen.
In „Tiranía“ will das lyrische Ich von diesem Vertrag Gebrauch machen, es ersucht die Nacht um ihre Hilfe, die ihm aber verweigert wird. Der Vertrag wird gebrochen. Der größte Teil des Gedichts beschreibt den Zustand des Ichs, der sich in Depression, Einsamkeit, vor allem Ausweglosigkeit und Ungewissheit ausdrückt. Der Sprecher fühlt sich im Stich gelassen. Hier verfällt der Dichter der Ohnmacht noch stärker als in „Alianza“.
In „Serenata“ ist der Leser Zeuge eines Gefühlswandels. Es herrscht positive Stimmung, der Dichter ist wieder seines Ichs, seines Zweckes mächtig. Die Nacht, die wie oben gesagt direkt angesprochen wird, ist wieder jemand, mit dem er Freundschaft schließen kann. Diese Wende des seelischen Zustandes kommt durch die Erinnerung, die bei der späteren Analyse ein Stichwort sein wird, und durch die er seine verlorene Welt wieder bekommt.
Wenn man die Hauptmomente der drei Gedichte so aneinander koppelt, scheinen sie einem wirklich als die drei Teile ein und demselben Geschichte zu sein. Genau aus
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diesem Grund sollte man nach tieferen Verbindungen suchen. In der Themendarstellung oben wurde jedoch die offensichtliche Verbindung gezeigt, diese „Schnur“ so zu sagen, die die Kette zusammenhält. Es geht um die Figur, mit der der Dichter in diesen Gedichten kommuniziert.
2.1. Ist es die Nacht, die angesprochen wird? Theorien.
In den Analysen von „Alianza“ ist die Figur, an die sich das Ich wendet am meisten umstritten. Was „Tiranía“ und „Serenata“ angeht, sind sich die Kritiker einig, das es um die Nacht geht, obwohl das im ersten von den beiden Gedichten nicht sofort sichtbar wird. Die am meisten verbreiteten Meinungen zu „Alianza“ liefern Amado Alonso, der in dieser Figur die Geliebte sieht, Alfredo Lozada, der darin die verstorbene Frau sieht,
und Jaime Concha, der als einer der Vertreter der „Nacht- These“ gilt. 2 Einer der Ausgangspunkte von Alonso bei seinen Überlegungen ist der Titel des Gedichts. Er betrachtet diese „Alianz“ als eine zwischen zwei reellen Personen: der
Dichter zweifelsohne als die eine und die von ihm geliebte Frau als die andere 3 . E.M. Santí sieht das genauso, nur er geht noch ein bisschen weiter in seiner Behauptung, dass es sich um eine Frau handelt, mit der Begründung, dass das Wort „alianza“ im
Spanischen auch „Trauring“ bedeutet 4 . Gallagher, der von Cortínez auch öfter zitiert wird, ist auch der Überzeugung, dass eine Frau adressiert wird. Wie Cortínez uns in seinem umfangreichen Kommentar zu „Alianza“ zeigt, kann jede von diesen verschiedenen Meinungen (auch nicht zuletzt die Verschiedenheiten verbunden mit der These vom reellen Objekt: ist das eine lebendige oder verstorbene Frau) mit Stellen im Text belegt werden. Sucht der Dichter in seiner Ausweglosigkeit die Hilfe einer wirklichen Person, oder verlässt er sich auf etwas Übernatürliches, auf
2 “Aquí surgen las mayores interrogantes que plantea el poema? ¿Quien es ese „tú“ con que se abre la estrofa?¿La amada, la mujer muerta, la noche, - como creen Alonso, Lozada y Concha, respectivamente?“ (Carlos Cortínez “Comentario crítico de “Residencia en la tierra” (Poemas I-X)” 1975, S.57
3 „…Alonso la toma en su acepción amorosa, como unión da la pareja humana.” (Carlos Cortínez “Comentario crítico...”, S. 52).
4 “The point of contact is the punning title, which, besides heralding an alliance between two people, transforms the earlier “ring of summer” into an explicity matrimonial symbol (in Spanish “alianza” also means wedding ring). (Enrico Mario Santí in “Pablo Neruda - The poetics of Prophecy” Cornell University Press 1982, S. 50).
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etwas Kosmisches? Wo sind die Quellen seiner Ohnmacht und Macht? Die Aufgabe der folgenden Analyse ist es, einen besseren Überblick über diese Fragen zu verschaffen.
3. „Alianza(Sonata)“
Das Gedicht „Alianza(Sonata)“ wurde in der ersten Ausgabe der Sammlung „Residencia en la tierra“ veröffentlicht. Es besteht aus fünf Strophen, die keine gleichversige oder gleichsilbige Konstruktion aufweisen. Die Verslängen variieren zwischen elf und neunzehn Silben. Es ist das zweite Gedicht dieser Sammlung; dessen Datierung ist nicht genau. Man nimmt an, es ist 1926 entstanden, kurz vor, oder nach „Galope muerto“. Die erste Kenntnis von ihm ist jedoch ein Recital von Neruda in Santiago de Chile am
11. Mai 1932. 5 Das Gedicht kann man in drei Abschnitte einteilen. Die erste Strophe bildet den ersten Abschnitt, der eine negative Beschreibung der Welt darstellt, oder eine
Beschreibung des Objekts 6 . Es ist schwer, dies zu bestimmen. Im zweiten Abschnitt wird der Bezug zur angesprochenen Figur sichtbar, die Nacht wird verkörpert und der Vertrag zwischen ihr und dem Ich wird abgeschlossen. Im dritten Teil, aus der letzten Strophe bestehend, sehen wir eine Selbstdarstellung des Sprechers, die von negativer Stimmung geprägt ist. Hier wird auch klar, dass der Dichter der Ohnmacht verfallen ist.
3.1 Die Nacht und der Vertrag
Bei der ersten Strophe fällt es auf, dass kein Subjekt da ist. Keiner führt eine Handlung aus, es ist eine reine Beschreibung, deren Lauf zu keiner Quelle führt. Dies erinnert an „Galope muerto“, wo die erste Strophe auf die gleiche syntaktische Weise konstruiert
ist. Nicht zufällig werden beide Gedichte oft in Verbindung miteinander gebracht. 7 Die Präposition „de“ in seiner Funktion als Anzeige des Ursprungs wird mehrmals benutzt:
5 Vgl. Carlos Cortínez “Comentario crítico de “Residencia en la tierra” (Poemas I-X)” 1975, S. 52
6 Vgl. Carlos Cortínez “Comentario crítico de “Residencia en la tierra” (Poemas I-X)” 1975, S. 49
7 “ ...“Alianza (Sonata)”, the poem that follows “Galope muerto” takes up the same inquiry and refashions it by conceiving the subject-object relationship as intersubjective.”(Enrico Mario Santí in “Pablo Neruda -The poetics of Prophecy” Cornell University Press 1982, S. 50 ) und Vgl. Carlos Cortínez “Comentario crítico..” 1975, S. 52, 54.
Arbeit zitieren:
Vasil Nikolov, 2005, Macht und Ohnmacht des Dichters in P. Nerudas 'Alianza', 'Tiranía' und 'Serenata', München, GRIN Verlag GmbH
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