Bergische Universität Wuppertal
Integrierter Studiengang Wirtschaftswissenschaft
Prüfungsgebiet: BWL in Planung und Organisation
Vertrauen in der Telearbeit
von: Paulina Schneider
INHALTSVERZEICHNIS
EINLEITUNG 1
1 VERTRAUEN 3
1.1 Wert des Vertrauens für die menschliche Gesellschaft 3
1.2 Vertrauen in sozialen Systemen 4
1.3 Vertrauen in zwischenmenschlichen Beziehungen 5
1.4 Vertrauensbeziehungen in (Klein-)Gruppen 5
1.5 Vertrauen zur Erlangung von komparativen Wettbewerbsvorteilen 6
1.6 Vertrauen zur Motivation, Führung und Zeilerreichung von Organisationen 7
1.7 Vertrauensspezifische Konzeption / Konfiguration / Implementierung elektronischer Netzwerke 8
2 TELEARBEIT 10
2.1 Zum Begriff der Telearbeit 10
2.2 Formen der Telearbeit 12
2.2.1 Isolierte / Alternierende Telearbeit 12
2.2.2 Satellitenbüro 13
2.2.3 Nachbarschaftsbüro 13
2.2.4 Mobile Telearbeit 14
2.2.5 Mischformen der Telearbeit 14
3 DIE DETERMINANTE VERTRAUEN IN DER TELEARBEIT 15
3.1 Funktionen des Vertrauens 15
3.1.1 Reduktion der Handlungskomplexität 15
3.1.2 Kommunikations- und Kooperationswirkungen 17
3.1.2.1 Vertrauen und Kommunikation 17
3.1.2.2 Vertrauen und Kooperation 18
3.2 Akzeptanz der Telearbeit 20
3.2.1 Akzeptanz der Telearbeit aus der Sicht des Telearbeiters 20
3.2.2 Akzeptanz der Telearbeit aus der Sicht des Unternehmens 21
3.2.3 Akzeptanz der Telearbeit aus der Sicht der Mitarbeiter 22
3.3 Vertrauen als Management-Aufgabe in Organisationen 23
3.4 Vertrauen und interkulturelles Management im Blickwinkel der Telearbeit 24
3.5 Kontrolle, Vertrauen und Produktivität im Führungsprozess der Telearbeit 25
3.5.1 Rational-Choice-Theorie 25
3.5.2 Kontrolle 26
3.5.3 Vertrauen 27
3.5.4 Vertrauen und Produktivität 29
FAZIT 31
LITERATURVERZEICHNIS 33
EINLEITUNG
Im Zeitalter der Globalisierung müssen sich Unternehmen, Manager und Mitarbeiter neuen Herausforderungen stellen. Mit der Globalisierung stehen nicht nur Unternehmenskonzepte auf dem Prüfstand, es müssen sich auch die traditionellen Arbeitsformen einem Wandel unterziehen. Gerade Form und Ablauf von Arbeitsprozessen unterliegen ständiger Kontrolle und Verbesserung. Als bisher beispielloses Konzept innerhalb der Arbeitsorganisation hat sich die Telearbeit entwickelt. Mit dem Konzept der Telearbeit sollen Arbeitstätigkeiten im Bereich von Computer- und Dienstleistungsarbeitsplätzen außerhalb der Unternehmung durchgeführt werden. Anlass zur Idee der Telearbeit gab die Einsicht, dass es meist kostengünstiger ist, die Information mittels geeigneter technologischer Infrastruktur zwischen Mitarbeiter und der Organisation auszutauschen, als dass der Arbeitnehmer ständig zwischen Wohn- und Arbeitsstätte hin und her pendelt.1 „Mit Hilfe der Telearbeit wird der Mensch nicht mehr zu seiner Tätigkeit transportiert, sondern die Arbeit zum Menschen.“2 Dies stellt für Telearbeiter und Unternehmung gleichermaßen Chancen dar. Es wird dem Telearbeiter beispielsweise in der alternierenden Telearbeit ermöglicht, sich seinen Arbeitsplatz zu Hause einzurichten. Dadurch kann er Beruf und Familie besser in Einklang bringen. Dieses Konzept stellt weiterhin die Kostenvorteile in Aussicht, die entstehen, indem der Telearbeiter Pendel- und Zeitkosten einspart. Die Unternehmung wiederum kann Kosten in den Bereichen von Büro- bzw. Mietkosten sparen.
Dieses Konzept der Arbeitsorganisation lässt Kostenvorteile erwarten und ist daher unter betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten zu befürworten. Dennoch birgt das Konzept der Telearbeit ein grundlegendes Problem. Wie sollen Arbeitsabläufe, die ehemals in der Unternehmung unter Kontrolle und Koordination durchgeführt wurden, künftig eigenständig vom Telearbeiter erbracht werden? Da der Telearbeiter nicht mehr in den Betriebsstätten arbeitet, kann er auch nicht mehr von dem Vorgesetzten beim Arbeitsprozess beobachtet werden. Dies wird gerade von vielen Vorgesetzten als negativ empfunden, die noch alte Führungsmuster verfolgen, welche auf beobachtbarem Kontrollieren beruhen. Da der Telearbeiter Arbeitsabläufe meist jedoch selbständig gestaltet soll, ist diese Form der Kontrolle nicht mehr durchzuführen. In diesem Zusammenhang rückt der Begriff Vertrauen immer mehr in den Mittelpunkt der Betrachtung. Diesem Themenkomplex möchte ich mich in meiner Hausarbeit widmen. Es soll mir gelingen, die Bedeutung des Vertrauens innerhalb der Telearbeit zu untersuchen. Ausgangspunkt meiner Hausarbeit soll die Einführung in den Begriff Vertrauen sein. Anschließend folgt eine Darstellung der Telearbeit. Im Hauptteil soll dann die Determinante Vertrauen in der Telearbeit untersucht werden. Dazu soll Vertrauen im Zusammenhang mit Kontrolle und Effektivität innerhalb der Telearbeit beleuchtet werden. Diesem Teilbereich der Telearbeit widme ich mich aus dem Grund, da ich herausfinden möchte, in welchem Ausmaß Vertrauen die Telearbeit determiniert und Anstelle von Kontrolle rückt. Eine Zusammenfassung der gesamten Erkenntnisse soll abschließen im Fazit dargestellt werden.
1 VERTRAUEN
Das Wort Vertrauen findet im alltäglichen Sprachgebrauch derart häufig Anwendung, dass man annehmen könnte, „dass eine genaue Begriffsbestimmung eigentlich nicht erforderlich sein sollte.“3 Doch gerade die häufige Anwendung in oftmals unterschiedlichen Situationen lässt für das Wort Vertrauen keinesfalls eine einheitliche Begriffserklärung zu.4 Wird man z.B. gefragt, „was Vertrauen genau ist, welche Merkmale und Bedingungen es kennzeichnen, fällt es schwer, eindeutig zu antworten.“5 Auch unter wissenschaftlichen Gesichtspunkten lässt sich eine einheitliche Definition für den Begriff Vertrauen nicht erkennen. Trotz großer Anzahl von Veröffentlichungen über Vertrauen, ist die Suche nach einer einheitlichen Definition bisher erfolglos geblieben.6 Dies „hängt vor allem mit den unterschiedlichen Forschungsrichtungen zusammen, die sich mit Vertrauen beschäftigen und welche die Definition bewusst in den Kontext ihrer Forschungsrichtung stellen“7. Im Folgenden soll nun eine kurze Beschreibung ausgewählter Grundlagendefinitionen zu dem Begriff Vertrauen dargestellt werden.
1.1 Wert des Vertrauens für die menschliche Gesellschaft
Schon innerhalb der Philosophie wird die oben beschriebene Komplexität bei der Definitionsbestimmung deutlich. Während Diesel zwischen Vertrauen und dem „rationalem Verlass“8 auf technische Dinge oder äußere Umstände unterscheidet, unterscheidet Schottlaender zwischen dem Verlass und der auf „Korrelation zweier Freiheiten basierenden Vertrauen.“9 Vertrauen ist für Schottlaender somit zum einen die Freiheit, Vertrauen zu schenken und zum anderen die Freiheit einen Vertrauensbruch begehen zu können. Vertrauen resultiert nach Schottlaender „aus bisheriger Erfahrung und der Hoffnung auf das Gute im Menschen.“10
1.2 Vertrauen in sozialen Systemen
Vertrauen ist nach Luhmann ein Mechanismus der Reduktion sozialer Komplexität11. Vertrauen ist jedoch „keine Folgerung aus der Vergangenheit, sondern es überzieht die Informationen, die es aus der Vergangenheit besitzt und riskiert eine Bestimmung der Zukunft.“12 Dabei handelt es sich um „eine Mischung aus Wissen und Nichtwissen“13, „d.h. wer weiß, der braucht nicht zu vertrauen, wer gar nichts weiß, der kann nicht oder nur blind vertrauen.“14 In Luhmanns Werk wird im Wesentlichen „die funktionale Einbettung von Vertrauen“15 in sozialen Systemen veranschaulicht und herausgearbeitet. Das Konzept des sozialen Austausches ist bei Coleman der theoretische Bezugsrahmen des Vertrauens, der mit Hilfe der Begriffe Interesse und Kontrolle konkretisiert wird.16 Ein Handelnder gibt mit seinem Interesse an Gütern seine Präferenzen und Bedürfnisse an. Der Grad der Verfügbarkeit von Gütern wird mit Kontrolle bezeichnet. Entsteht nun eine Situation, in der Interesse und Kontrolle sich gegenüberstehen, so definiert Coleman Vertrauen als „einseitigen Tausch von Kontrolle über Ressourcen, Handlungen oder Ereignisse vom Vertrauenden an die Vertrauensperson.“17 Die Vertrauensentscheidung ist durch zeitliche Vorleistung charakterisiert und orientiert sich an drei Faktoren.18 „Erstens dem Betrag, der im Falle es Vertrauensbruches verloren geht, zweitens dem Betrag, der im Falle des nicht enttäuschten Vertrauens gewonnen wird, und abschließend an der Wahrscheinlichkeit, dass die Vertrauensperson sich als zuverlässig erweist.“19
1.3 Vertrauen in zwischenmenschlichen Beziehungen
Obwohl in der Psychologie die Vertrauensforschungsgebiete vielseitig sind, liegt die Gemeinsamkeit in der „Verwendung eines auf Personenvertrauen beschränkten Vertrauensbegriffes“20. Dies bedeutet, dass Institutionen- und Systemvertrauen nicht betrachtet wird.21 Rotter definiert Vertrauen als eine „generalisierte Erwartung“22 eines Individuums oder einer Gruppe, sich auf das Wort, das Versprechen, die verbalen oder schriftlichen Aussagen eines anderen Individuums oder einer anderen Gruppe verlassen zu können23. Danach wird Vertrauen lediglich auf ein Persönlichkeitsmerkmal reduziert und geht auf situative und beziehungsrelevante Faktoren ungenügend ein.24 Stack revidiert diese ursprüngliche Sichtweise in dem er den Begriff des zwischenmenschlichen Vertrauens erweitert und zwischen generalisiertem und situationsspezifischem Vertrauen unterscheidet.25 Durch empirische Befunde der psychologischen Forschung erweitert Petermann die Unterscheidung in die Bereiche Vertrauen als Persönlichkeitsvariable, Vertrauen als Situationsvariable und Vertrauen als Beziehungsvariable.26
1.4 Vertrauensbeziehungen in (Klein-)Gruppen
[...]
1 Vgl. Voß 1998, S. 33
2 Matthies 1997, S. 16
3 Licharz 2002, S. 11
4 Vgl. Licharz 2002, S. 11
5 Nieder 1997, S.24
6 Vgl. Licharz 2002, S. 11-12
7 Licharz 2002, S. 12
8 Licharz 2002, S. 16 zitiert nach Diesel 1946
9 Licharz 2002, S. 16 zitiert nach Schottlaender 1957
10 Petermann 1985, S.12 zitiert nach Schottlaender 1957
11 Vgl. dazu Kapitel 3.1.1 Reduktion der Handlungskomplexität
12 Luhmann 2000, S. 23-24
13 Luhmann 2000, S. 31 zitiert nach Simmel 1922, S. 263f.
14 Licharz 2002, S. 17
15 Vgl. Koller in Schweer 1997, Absatz 2.5 Der funktionalistische Ansatz von Luhmann, S. 19-20
16 Vgl. Coleman 1982, S. 277-299
17 Colemann 1982, S. 282
18 Vgl. Colemann 1982, S. 282
19 Licharz 2002, S. 17
20 Licharz 2002, S. 19
21 Vgl. Licharz 2002, S. 19
22 Rotter, 1981, S. 23
23 Vgl. Rotter, S. 23
24 Vgl. Licharz 2002, S. 19
25 Vgl. Licharz 2002, S. 19 zitiert nach Stack 1978, S. 561-599
26 Vgl. Petermann 1985, S. 52-73
Arbeit zitieren:
Paulina Schneider, 2003, Vertrauen in der Telearbeit, München, GRIN Verlag GmbH
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