Universität Konstanz
Studiengang: Deutsch/Englisch (LA)
Seminar: Migration und Mehrsprachigkeit (EPG II)
7. Semester
Die Deutschen in Tschechien
von: Marco Kerlein
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 2
2. Geschichtliche Fakten 2
2.1. Die Deutschen in Tschechien vor Hitler 2
2.2. 1938-1945 3
2.3. Das Ende des Krieges und die Zwangsaussiedlung 4
2.4. Die Situation heute 6
3. Deutsch-tschechische und tschechisch-deutsche Sprachkontakte 7
3.1. Sprachkontakte vor 1938 7
3.2. Sprachkontakte während des Krieges 9
3.3. Sprachkontakte nach 1945 9
4. Schlussbetrachtungen 10
Literaturverzeichnis 11
Internetquellen 13
1. Einleitung
Seit mehr als 800 Jahren leben deutsche Siedler schon auf tschechischem Boden. 7 Jahrhunderte davon friedlich. Folglich haben diese Siedler in dieser Zeit erheblich zum Sprachkontaktgeschehen, zu einer Sprachkoexistenz und auch zum deutsch-tschechischen Bilinguismus beigetragen. Um deutsch-tschechische und tschechisch-deutsche Sprachkontakte vor und nach dem zweiten Weltkrieg geht es im zweiten Teil der Arbeit. Da es sich aber auch um ein EPG Seminar handelt, ist es unerlässlich, dass nicht nur Entstehen und Spezifika der Sprachkontakte in dieser Arbeit untersucht werden, sondern auch geschichtliche Fakten, insbesondere die Vertreibung der Sudetendeutschen nach 1945. Die große und wichtige ethische Frage, ob die Vertreibung gerechtfertigt war oder nicht, wird in diesem Aufsatz nicht geklärt werden können, aber es können Fakten genannt werden, die Diskussionsanreize bieten sollen und es kann der Verlauf der Dinge nachgezeichnet werden die sich damals ereigneten, um bei der Erörterung dieser schwierigen Problematik zu helfen. Mit diesem Thema befasst sich der erste Teil der Arbeit. Beide Teile sind gegliedert in die Beschreibungen der Situation vor dem Krieg, während des Krieges und nach dem Krieg. Der Grund liegt darin, dass der zweite Weltkrieg und das Jahr davor eine entsetzliche Zäsur in der Beziehung der (Sudeten)deutschen mit den Tschechen und auch der beiden Länder Deutschland und Tschechien darstellte. Auf diesen wichtigen geschichtlichen und gesellschaftlichen Wendepunkt soll auch formal hingewiesen werden.
2. Geschichtliche Fakten
2.1. Die Deutschen in Tschechien vor Hitler
Schon im 1. Jahrhundert nach Christus wanderten germanische Gruppen in die Gegend um Prag ein. Ab dem 4.Jahrhundert kam siedelte sich der slawische Stamm der Tschechen im gleichen Gebiet an. Im 12.Jahrhundert kamen Migranten, vor allem aus Bayern, Sachsen und Franken in das tschechische Siedlungsgebiet Böhmen und Mähren (damals Königreich Böhmen). „...es wird geschätzt, dass um 1300 circa ein Sechstel [250.000; 16%; Anm. d. Verf.] der 1,5 Millionen Bewohner der böhmischen Länder deutscher Herkunft waren.“1 Da aber die Herzogtümer Bayern, Sachsen und Franken, ebenso wie das Königreich Böhmen zu dieser Zeit Teil des ‚Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation’ waren2, muss man im vorliegenden Fall korrekterweise von einer internen Migration, also von einer Binnenwanderung sprechen. Die Einwanderer ließen sich hauptsächlich in den Randgebieten Böhmens und Mährens nieder um dort zu arbeiten und zu leben. Die Deutschen in Tschechien sind also zwar eine allochtone, eine nicht-einheimische Minderheit, jedoch eine, die aufgrund der langen Dauer ihrer Ansiedlung stark mit den tschechischen Menschen und ihrer Kultur verbunden war und es teilweise heute noch ist. Es fand während der Zeit der friedlichen Koexistenz ein reger Kulturaustausch zwischen den deutschen Siedlern und Tschechen statt, dessen Auswirkungen auf die Sprache weiter unten erläutert werden.
Mitte des 13. Jahrhunderts erhielt die Altstadt deutsches Stadtrecht und im Jahre 1348 wurde in Prag die erste deutsche Unive rsität gegründet. An diesen Ereignissen ist zu erkennen, dass die Deutschen einen großen Einfluss in und auf die Stadt hatten. Im 15.Jahrhundert führte die Hussitenbewegung zu einer Stärkung des tschechischen Nationalbewusstseins und zur Verdrängung der Deutschen aus Prag und dem Umland. Die Deutschen, die sich in den Grenzgebieten angesiedelt hatten blieben jedoch weiterhin dort sesshaft. Nicht immer verlief das Zusammenleben konfliktfrei. Der Hauptstreitpunkt war die Frage der nationalen Zugehörigkeit der Grenzgebiete. Ab 1933 zum Beispiel, als Hitler an die Macht kam erstrebten die nationalen sudetendeutschen Parteien den Anschluss der tschechoslowakischen Randgebiete an das Deutsche Reich.
2.2. 1938-1945
Mit dem Münchener Abkommen Ende September 1938 änderte sich die Situation in der Tschechoslowakischen Republik. In dem Abkommen stimmten England, Frankreich und Italien einer Besetzung des von deutschen besiedelten Sudetenlandes durch die Wehrmacht zu. Alle Gebiete mit mehr als 50% deutschen Einwohnern wurden dem Deutschen Reich zugesprochen. Die zustimmenden Länder waren noch nicht Kriegsbereit und hofften, durch ihre Erlaubnis den Krieg zu verhindern. Zu dieser Zeit befanden sich ca. 3,5 Millionen Sudetendeutsche in der Tschechoslowakei, also eine beträchtliche deutschsprachige Minderheit (zum Vergleich: es lebten ca. 6 Millionen Tschechen und 3 Millionen Slowaken im Land). Allein 3 der 3.5 Millionen deutschen lebten in den Sudetengebieten (dort war die Minderheit tschechisch: ca. 400.000 Personen).3 Der tschechoslowakische Staatspräsident Edvard Bene(?) trat im Oktober 1938 zurück und bildete eine Exilregierung.
[...]
1 Segert, Dieter: „Entwicklung bis zum Ende der Monarchie“, in: Bundeszentrale für politische Bildung (Hg.): Informationen zur politischen Bildung Nr.276, 3.Quartal 2002. Franzis’ Verlag. München 2002. S.4.
2 Alle historischen Grenzen entnommen aus: Leisering, Walter (Hg.): „Putzger – Historischer Weltatlas.“ Cornelsen-Velhagen. Berlin 1979.
3 Alle Zahlen entnommen aus: Stanek, Tomá(?): „Vertreibung und Aussiedlung der Deutschen aus der Tschechoslowakei 1945-1948“, in: Brandes, Detlef u.a.: Der Weg in die Katastrophe-deutsch tschechische Beziehungen 1938-1947. Klartext Verlag. Essen 1994. S.168. Daten weichen jedoch, abhängig davon, welche Quelle man benutzt, teilweise erheblich voneinander ab.
Arbeit zitieren:
Marco Kerlein, 2005, Die Deutschen in Tschechien, München, GRIN Verlag GmbH
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