I. INHALTSVERZEICHNIS
I. Inhaltsverzeichnis 2
II. Daten zum Film 3
III. Textteil 4
1. Themenabgrenzung und Methodik 4
2. Die Besonderheit von Nicks Film - Dokumentation oder
Fiktion ? 4
3. Wenders und die Medien 7
4. Video versus Film - eine kurze Differenzierung 9
5. Analyse des Filmprotokolls 13
5.1. Zur Methodik des Filmprotokolls 13
5.2. Die Besonderheit der chinesischen Dschunke 13
5.3. Zur Häufigkeit des Einsatzes von Videoaufnahmen 14
5.4. Zur Ästhetik der Videobilder 15
5.5. Der Einsatz der Videobilder - Dokumentation oder Fiktion? 16
6. Die Videobilder und die Krebsgeschwürtheorie 19
IV. Anhang / Filmprotokoll 21
V. Literaturverzeichnis 43
2
II. DATEN ZUM FILM
„Nick’s Film - Lightning over water“, BRD / Schweden 1980 1
Regie Wim Wenders Nicholas Ray
Produktion Road Movies Filmproduktion GmbH, Berlin Wim Wenders Produktion, Berlin
In Zusammenarbeit mit: Viking Film Stockholm
Format 35 mm Film und Video, Farbe
Länge 91 Minuten (2. Fassung)
Dreharbeiten März - August 1979 in New York City und
Poughkeepsie, NY
Kamera Edward Lachmann
Martin Schäfer
Schnitt 1.Fassung Peter Przygodda Wim Wenders und Chris Sievernich 2 Schnitt 2. Fassung
Herstellungsleitung Renée Gundelach
Produktionsleitung Chris Sievernich Pierre Cottrell
Musik Ronee Blakeley
Video Tom Farrell
1 Alle Angaben zum Film vgl.: Wenders, Wim /Sievernich, Chris: Nick’s Film / Lightning over water -Drehbuch / Screenplay, Frankfurt a. M. 1981, S. 8 - 9.
2 Vgl.: Jansen, Peter W. / Schütte, Wolfram (Hrsg.): Wim Wenders - Reihe Film 44, München 1992., S. 325.
3
III. TEXTTEIL
1. Themenabgrenzung und Methodik
Die Arbeit „Video versus Film“ widmet sich der Betrachtung des Einsatzes von Videosequenzen in Nick’s Film - Lightning over water von Wim Wenders (Anm.: im Folgenden nur noch Nick’s Film genannt). Es soll sich hierbei nicht um einen allgemeingültigen Vergleich von Video und Film handeln, sondern der Vergleich bezieht sich ausschließlich auf Nick’s Film.
Die Arbeit gliedert sich in zwei große Teile: In Kapitel zwei bis vier soll allgemein auf die Aspekte Dokumentation versus Fiktion, auf Wenders’ Umgang mit dem Medien und auf die allgemeine Differenzierung von Video und Film eingegangen werden. Der zweite Teil der Arbeit in Kapitel fünf stützt sich auf die Ergebnisse des Filmprotokolls zu Nick’s Film, siehe Anhang.
Das Filmprotokoll ist zweckgemäß kein genaues Einstellungsprotokoll sondern eher ein Sequenzprotokoll, das vor allem den Einsatz von Video und Film deutlich hervorheben und voneinander abgrenzen soll.
Die Frage, der sich diese Arbeit widmet lautet: Welche Rolle spielen die eingeschnittenen Videoaufnahmen in Nick’s Film? Und was grenzt die Filmaufnahmen von den Videoaufnahmen ab; worin liegt ihre unterschiedliche Bedeutung?
2. Die Besonderheit von Nick’s Film - Dokumentation oder Fiktion?
Nick’s Film ist Wenders erster so genannter ‚Tagebuchfilm’, so wie später auch Tokyo-Ga oder Aufzeichnungen zu Kleidern und Städten 3 . Nicht nur dies ist eine Gegebenheit, die Nick’s Film zu einem besonderen Film in Wenders Werk macht. Auch sticht der Film hervor, weil Wenders zum ersten Mal selbst als Protagonist in einer Hauptrolle zu sehen ist. Im Film ist zu sehen, w ie Wenders Ray vorschlägt, doch seine eigene Rolle zu spielen. Ray ist einverstanden, doch unter der Bedingung, dass Wenders auch spielt. „You have to expose yourself, too.“ 4 . Wenders hatte mit dem Schauspielern einige Probleme und fühlte sich dabei nicht wohl 5 , er wurde jedoch trotzdem so zu einer der Figuren des Films. Obwohl er sich selbst spielt, sind alle Szenen fiktiv und inszeniert, haben jedoch einen dokumentarischen Hintergrund. Die Personen spielen sich selbst, die Krankheit und der Tod Rays waren Wirklichkeit (er starb nach sieben Wochen Dreharbeiten an Krebs) und die Kamera zeigt
3 Vgl. Baier, Martin: Film, Video und HDTV: Die Audiovisionen des Wim Wenders. Berlin 1996, S. 10.
4 Vgl. Wenders, Wim: Die Logik der Bilder - Essays und Gespräche. Frankfurt a. M. 1988, S. 125.
5 Vgl. ebenda, S. 125.
4
nicht nur die inszenierten Szenen sondern auch die Vorbereitungen des Filmteams, das Team bei der Arbeit, Tom Farrel beim Schneiden seiner Videoaufnahmen und viele andere dokumentarische Aspekte des Films. „Diese Stellen thematisieren das Semifiktionale des Films und eröffnen über das Dokumentarische hinaus eine andere Ebene“ 6 . „Der Film ist real und fiktiv zugleich“ 7 . Der Film wird so zu einem halbdokumentarischen Film ü ber das Sterben eines Freundes, „ein Film, in den das wirkliche Sterben eines Menschen inszenatorisch eingebaut ist“ 8 und gleichzeitig zu einem Film über das Filmdrehen selbst. Wenders selbst reiht Nick’s Film auf seiner Internetseite bei den Dokumentarfilmen ein 9 , obwohl der Film viele fiktionale Elemente enthält. Im Ursprung sollte der Film keineswegs ein Dokumentarfilm, sondern ein Spielfilm werden 10 . Ray hatte schon Drehbücher geschrieben, die in Angriff genommen werden sollten, aber aufgrund seiner fortgeschrittenen Krankheit jedoch nicht realisiert werden konnten. Daraufhin begann Ray - ausgehend von seiner Rolle in Wenders Der amerikanische Freund - ein Treatment zu schreiben, in dem er selbst einen an Krebs erkrankten Maler spielen soll. Im Film selbst sieht der Zuschauer wie Wenders und Ray darüber diskutieren und Wenders vorschlägt, dass sie doch einfach diesen Film weitermachen sollten 11 und so das Treatment vergessen wird. Außer dem Motiv der chinesischen Dschunke am Ende des Films werden das Treatment und die Idee Rays im Film nicht mehr aufgegriffen.
Ebenfalls zum ersten Mal experimentiert Wenders in Nick’s Film mit Video; die Aufnahmen im Film stammen von Tom Farrel, den man desöfteren beim Drehen mit Video im Film sehen kann. Die Vermischung vo n Film und Videoaufnahmen wird er später immer wieder benutzen (z.B. in Tokyo-Ga (1985), Aufzeichnungen zu Kleidern und Städten (1989), Bis ans Ende der Welt (1991), oder The Million Dollar Hotel (2001)), wenn auch mit teilweise anderen Zielsetzungen.
Nick’s Film passt auch mit seinen Motiven und Drehorten nicht unbedingt in die Reihe vorangegangener und folgender Wenders Filme. Dieser Film spielt zum größten Teil in Innenräumen, meistens in Nicks Appartement oder im Krankenhaus, und es gibt kaum Fahrt-oder Reisemotive. Als Fahrt oder Reise können im Grunde nur die Fahrt nach Vassar zu Nicks Vortrag und das Motiv der Dschunke am Anfang und am Ende des Films gezählt werden. Wenders selbst sagt aber noch 1982 über sich: „Ich drehe lieber im Freien, weil ich
6 Kolditz, Stefan: Kommentierte Filmografie. In: Jansen, Peter W. / Schütte, Wolfram (Hrsg.): Wim Wenders -Reihe Film 44. München 1992, S. 206.
7 Grob, Norbert: Wenders. Berlin 1991, S. 218.
8 Rauh, Reinhold: Wim Wenders und seine Filme. München 1990, S. 75.
9 Vgl.: http://www.wim-wenders.com/movies/credits.htm, letzter Abruf 27.09.2003
10 Vgl. Rauh, Reinhold: Wim Wenders und seine Filme. München 1990, S. 74.
11 Vgl. Wenders, Wim: Die Logik der Bilder - Essays und Gespräche. Frankfurt a. M. 1988, S. 125.
5
mich zu Innenaufnahmen nicht sonderlich befähigt fühle. 12 “ Und: „Der Zustand der Bewegung, das ist wichtig für mich. Wenn ich zu lange an einem Ort bleibe, fühle ich mich irgendwie unbehaglich; ich will nicht sagen, dass ich mich langweile, aber ich habe das Gefühl, nicht mehr so offen zu sein wie unterwegs. Die beste Art für mich, einen Film zu machen, liegt in der Fortbewegung -meine Phantasie arbeitet dann besser. Sobald ich zu lange an einem Ort bleibe, kann ich mir keine neuen Bilder mehr vorstellen, i ch fühle mich nicht frei.“ 13 So muss sich Wenders im Grunde sehr unbehaglich oder sogar ‚unfrei’ gefühlt haben bei den Dreharbeiten zu Nick’s Film, da er seine bevorzugten Motive nicht wie sonst verfolgen konnte und außerdem noch persönlich betroffen war von Rays Krankheit und Tod.
Da Wenders nach den Dreharbeiten von Nick’s Film wieder sehr bei Hammett eingebunden war, schnitt Peter Przygodda Nick’s Film in einer ersten Fassung alleine, die dann in Cannes uraufgeführt wurde 14 . Diese erste Fassung war zwei Stunden lang und eher ein „distanzierter, kühler Dokumentarfilm über einen sterbenden Mann“ 15 . Von dieser Fassung distanzierte sich Wenders und schnitt eine zweite Fassung selbst, in der er das Inszenierte und die Freundschaft zwischen ihm und Ray stärker hervorhob 16 .
Wenders selbst beschreibt Nick’s Film 1988 als seinen persönlichsten Film 17 , hebt ihn aber 1982 in einem Vortrag auch hervor, indem er sagt: „Was für Geschichten erzählen meine Filme? Sie teilen sich in zwei verschiedene Gruppen; ich ziehe eine scharfe Trennungslinie, […]. In der ersten Gruppe (A) sind alle Schwarzweiß-Filme, außer Nick’s Film, der zu keiner der beiden Traditionen gehört (ich weiß nicht einmal, ob es überhaupt ein Film ist, und deshalb klammere ich ihn aus). In einer zweiten Gruppe (B) sind alle Farbfilme, […]“ 18 . Auch wenn im Rahmen dieser Arbeit nicht weiter auf die zwei Gruppen eingegangen werden soll, so wird doch der besondere Stellenwert von Nick’s Film auch von Wenders selbst in dieser Aussage verdeutlicht.
Nick’s Film ist d aher in einigen Punkten ein ‚außergewöhnlicher’ Film (nämlich im wörtlichen Sinne: ‚nicht so wie gewohnt’) wenn man sich mit dem Werk Wenders’ auseinandersetzt, auch wenn er vor allem in Deutschland kein besonders großer
12 Wenders, Wim: Die Logik der Bilder - Essays und Gespräche. Frankfurt a. M. 1988, S. 49.
13 ebenda, S. 49.
14 Vgl.: Buchka, Peter: Augen kann man nicht kaufen - Wim Wenders und seine Filme. Frankfurt a. M. 1985, S. 23.
15 Kolditz, Stefan: Kommentierte Filmografie. In: Jansen, Peter W. / Schütte, Wolfram (Hrsg.): Wim Wenders -Reihe Film 44. München 1992, S. 204.
16 Vgl. Kolditz, Stefan: Kommentierte Filmografie. In: Jansen, Peter W. / Schütte, Wolfram (Hrsg.): Wim Wenders - Reihe Film 44. München 1992, S. 204.
17 Vgl.: Wenders, Wim: The act of seeing - Texte und Gespräche. Frankfurt a. M. 1992, S. 64.
18 Wenders, Wim: Die Logik der Bilder - Essays und Gespräche. Frankfurt a. M. 1988, S. 72.
6
Publikumserfolg war (obwohl er den Deutschen Filmpreis / Filmband in Silber 1980 erhielt). „Nick’s Movie ist die experimentierfreudigste, auch fremdeste Arbeit in Wenders’ und Ray’s Werk. Weder Dokument noch Spiel, weder Drama noch Experiment; und doch zugleich von allem etwas“ 19 .
3. Wenders und die Medien
Die im vorigen Abschnitt angesprochene Besonderheit von der gleichzeitigen Verwendung von Film und Video führt im Vorfeld auch zu einigen Bemerkungen zu Wenders Verhältnis zu den unterschiedlichen Medien und ihrer Verwendung. Bringt man d en Aspekt der Verwendung von Film und Video zu Wenders’ allgemeiner besonderen Behandlung des Themas ‚Medien’ in Zusammenhang, so ist nicht mehr so verwunderlich, dass Wenders mit Nick’s Film einer der Vorreiter war, die Video im Film integrierten. Wenders hatte in allen seinen Filmen ein besonderes Augenmerk auf die Medien und ihre Darstellung. In seinen Filmen sind die Helden oder Protagonisten meistens Menschen, die mit Medien zu tun haben. Immer wieder sind es Fotografen (z.B. Philip Winter in Alice in den Städten), Schriftsteller (z. B. Wilhelm Meister in Falsche Bewegung) oder Regisseure, Kameramänner, Kinotechniker etc. 20 . Nicholas Ray ist Regisseur, hier sogar nicht fiktiv sondern auch in Realität.
In Wenders’ Filmen spielen zusätzlich auch die Medien an sich eine zentrale Rolle; „das Medium selbst - das Buch, der Film, das Bild, die Musik - wird zum Nebendarsteller, manchmal sogar zum Hauptdarsteller, d. h. bestimmte Medien-objekte treten aus ihrer sonstigen Kulissenhaftigkeit heraus“ 21 . Immer wieder drängen sich Fernseher, Bücher, Radios, Jukeboxen, Fotoapparate oder andere Medienobjekte (zum Beispiel auch technische Details wie das Malteserkreuz in Im Lauf der Zeit) dem Zuschauer als Motiv auf. Diese zu übersehen ist im Grunde nicht möglich.
Zusätzlich finden sich in Wenders’ Filmen auch viele verborgene Verweise auf ein bestimmtes Medium: dem Film. Immer wieder verwendet Wenders filmische Zitate, d. h. Fingerzeige auf andere Filme. So ist zum Beispiel eine Szene aus Im Lauf der Zeit der Heimkehr-Szene aus The Lusty Men von Nicholas Ray (die sogar im Original in Nick’s Film zu sehen ist) nachempfunden. Oder die Anfangsszene von Nick’s Film, in der Wenders mit
19 Grob, Norbert: Wenders. Berlin 1991, S. 220.
20 Vgl.: Rauh, Reinhold: Wim Wenders und seine Filme. München 1990, S. 207.
21 Rauh, Reinhold: Wim Wenders und seine Filme. München 1990, S. 207.
7
einem gelben Taxi vor dem Haus von Nicholas Ray ankommt, ist dieselbe Szene wie vom Anfang von Der amerikanische Freund von Wenders, in dem auch Ray mitgespielt hat 22 . So wird in Wenders’ Filmen aus allen erdenklichen Richtungen immer wieder auf das Thema ‚Medien’ hingewiesen. So auch durch die gleichzeitige Verwendung von Video und Film in Nick’s Film oder späteren Filmen von Wenders. Hinzu kommt bei Nick’s Film, dass immer wieder das Filmteam oder Tom Farrel beim Videodrehen zu sehen sind. So sind nicht nur die Medien und Medienschaffende, sondern konkret auch der Vorgang des Filmschaffens (inbegriffen auch das Videoschaffen) Thema und Gegenstand von Nick’s Film. Über der inhaltlichen Ebene der Freundschaft zweier Männer, Krankheit und Tod wird so eine zweite Ebene im Film eröffnet. Rauh beschreibt diese Ebene allgemein folgendermaßen: „Die Zitate indizieren, dass Wenders’ Filme nicht direkt auf die alltägliche Wirklichkeit zielen, sondern auch auf die vorgelieferten Bilder von dieser Wirklichkeit. Die vornehmlich künstlerisch tätigen Haupthelden seiner Filme erlauben es noch, der Wirklichkeit aus zweiter Hand dramatische Konflikte abzulocken. Die immer wieder auftauchenden Medienobjekte, die plötzlich ein Eigenleben führen, konfrontieren den dramatischen und Wirklichkeit vortäuschenden Handlungsablauf mit den Möglichkeiten seiner medialen Abbildung und somit auch mit den Möglichkeiten der Beeinflussung der Wirklichkeit“ 23 . Rauh geht im nächsten Abschnitt auch weiter und sagt, die Thematisierung der vielen Medien sei „eine Auseinandersetzung mit den vielen Grundlagen des Films selbst“ 24 . Bei Wenders geht also im Grunde jeder Film auch zu gewissen Teilen um das Wesen des Films / des Kinos selbst und auch um seine Entwicklungsgeschichte und Aussichten in der Zukunft. Man könnte auch sagen, dass Wenders in Nick’s Film erstmals das Medium Video prüft, ob es als Nachläufer des Films auch in die Zukunftsgeschichte des Films passen könnte; es ist „Wenders’ filmische Auseinandersetzung mit der Zukunftsfrage des Kinos, wie sich die elektronischen Bilder auf den Film auswirken und, als Weiterführung, wie die elektronischen Bilder für den Autorenfilm nutzbar gemacht werden können“ 25 .
In einem Fernsehinterview 1991 berichtet Wenders von seiner Arbeit mit Video 26 . Es wird deutlich, dass er bei seinem ersten Versuch in Nick’s Film diesem Medium sehr skeptisch und im Grunde negativ gegenüber stand. Er definiert die Videosequenzen als „Krebs im Film“ und beschreibt die Unhandlichkeit des Mediums in dieser Zeit. Er sagt in diesem Interview jedoch
22 Abschnitt vgl. Rauh, Reinhold: Wim Wenders und seine Filme. München 1990, S. 208 - 209.
23 Rauh, Reinhold: Wim Wenders und seine Filme. München 1990, S. 209 - 210.
24 Vgl.: Rauh, Reinhold: Wim Wenders und seine Filme. München 1990, S. 210.
25 Baier, Martin: Film, Video und HDTV: Die Audiovisionen des Wim Wenders. Berlin 1996, S. 12.
26 Abgedruckt in: Jansen, Peter W. / Schütte, Wolfram (Hrsg.): Wim Wenders - Reihe Film 44. München 1992, S. 81 - 102.
8
auch, dass sich sein Verhältnis zu Video durch die neuere Technik verbessert hat: „Man kann viel leichter mit diesem Video umgehen, das ist handlicher geworden, es ist demokratischer geworden, es kann eigentlich jeder damit machen, was er will; und das sind alles Aspekte, die mir gut gefallen. Das heißt: die man nutzen kann …“. Im nächsten Satz sagt er jedoch auch, dass seine Wertschätzung trotzdem nur dem Film dient: „All dieses Video kommt bei mir auch vor auf Film; es wird ja sozusagen gerettet, hinübergerettet über den Film. Nur so als Video fände ich es - wenn es dann nicht zu Film würde - …würde ich mich damit vielleicht gar nicht abgeben“.
Aber egal wie das Urteil von Wenders über ein jeweiliges Medium ausfällt und ob er vielleicht durch seine Darstellung auch seine eventuell negative Meinung darstellt, alle Medien bekommen immer wieder einen speziellen Platz in Wenders’ Filmen. Ob die unterschiedlichen Medien ihm gefallen oder nicht, ob sie ihm nutzen oder nicht, er beschäftigt sich immer und immer wieder - mal mehr mal weniger - mit ihnen; so auch mit Video und später mit HDTV.
4. Video versus Film - eine kurze Differenzierung
Um Aussagen und Interpretationen zu den Videosequenzen in Nick’s Film formulieren zu können, sollen in diesem Abschnitt vorab Film und Video voneinander differenziert werden. Nur eine Unterscheidung dieser beiden Medien kann auch Begründungen zulassen, warum in Nick’s Film der parallele Gebrauch eine andere Wirkung auf den Zuschauer hat als wenn zum Beispiel der Film komplett mit Film gedreht worden wäre.
Die genaue technische Komponente soll hier nicht vollständig behandelt werden, aber es ist festzuhalten, dass die technischen Verfahren grundlegend unterschiedlich funktionieren. Film ist ein fotografisches Verfahren, „aufgenommen werden in viele Einzelbilder zerlegte Bewegungsvorgänge, deren rascher Ablauf, bedingt durch die Trägheit des Auges, bei der Wiedergabe kontinuierliche Bewegung vortäuscht“ 27 . Eine Filmkamera nimmt so pro Sekunde 24 Bilder auf ein lichtempfindliches Filmband auf, dass dann entwickelt werden muss. Nach dem Entwickeln wird das Filmband mit dem Tonstreifen kombiniert 28 . Es gibt verschiedene Filmbandformate wie 35 mm oder 70 mm, sowie die Schmalfilme mit 8 oder 16 mm Breite. Nick’s Film ist auf dem gängigen 35 mm Kinofilmformat gedreht.
27 Bertelsmann Universal Lexikon, aktualisierte und neu gestaltete Ausgabe 2001, S. 268.
28 Bertelsmann Universal Lexikon, aktualisierte und neu gestaltete Ausgabe 2001, S. 268.
9
Arbeit zitieren:
Sandrine Mattes, 2003, Film versus Video - Über die Verwendung von Videosequenzen in "Nicks Film" von Wim Wenders, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Formate der Geschichtsdarstellung im Fernsehen: Historische Dokumentat...
Medien / Kommunikation - Film und Fernsehen
Seminararbeit, 14 Seiten
Osmanen- und Ständepolitik im Reich als Reformationsfördernde Faktoren
Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit
Hausarbeit (Hauptseminar), 22 Seiten
Sean O'Casey's Dublin Trilogy: A closer look on how social set...
Seminararbeit, 18 Seiten
Sandrine Mattes hat den Text Film versus Video - Über die Verwendung von Videosequenzen in "Nicks Film" von Wim Wenders veröffentlicht
Sandrine Mattes hat einen neuen Text hochgeladen
Captured: A Film/Video History of the Lower East Side
Clayton Patterson, Paul Bartlett, Urania Mylonas
0 Kommentare