2
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung und Überblick
Seite : 3
2 Theorie
Theorien des Journalismus
2.1 Definition des Begriffs „Journalismus“
Seite : 4
2.2 Die Anfänge der Forschung
Seite : 5
2.3 Forschung in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts
Seite : 5
2.4 Forschung in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts
Seite : 7
3 Empirie
Das Rollenverständnis der Journalisten
3.1 Vorwort
Seite : 15
3.2 Entwicklungen
Seite : 15
3.3 Die Studie „Journalismus in Deutschland
Seite : 16
3.4 Einstellung deutscher Journalisten
Seite : 16
3.5 Einstellung deutscher Journalisten
Seite : 17
im internationalen Vergleich
4 Ausblick
Seite : 21
5 Literaturverzeichnis
Seite : 23
3
1. Einleitung und Überblick
,,Der geschickte Journalist hat eine Waffe: das Totschweigen - und von dieser Waffe macht er oft genug Gebrauch.“ 1 So stand es bereits 1921 in einem Essay der ,,Weltbühne“. Dem Autoren, Kurt Tucholsky, ging es um die Frage nach Wahrhaftigkeit in den Medien, darum, ob Journalisten die Welt darstellen wie sie ist oder ob sie die Realität verändern - nach Belieben oder sogar ohne es zu wissen. Fragen, die sich Wissenschaftler tatsächlich schon seit Beginn des 20. Jahrhunderts stellen. Zahlreiche normative und auch empirische Studien beschäftigen sich seitdem mit der Rolle des Journalisten im journalistischen System und der Wahrhaftigkeit von Medien. Tucholsky kam übrigens zu folgendem Schluss: ,,Was da steht, das ist nicht die Welt. (...) Man sollte sich lieber an das Original halten.“ 2
Die vorliegende Hausarbeit wird die Entwicklung der Journalismusforschung aufzeigen. Ausgangspunkt dabei sind drei Grundebenen, die sich mehr oder weniger parallel zueinander entwickelt haben: Die Mesoebene, die eine eher untergeordnete Rolle spielt, die Mikroebene, zu der alle Handlungs- und Akteurstheorien zählen und die ihren Blick in erster Linie auf die Journalisten richtet sowie die Makroebene, die Ebene der Institutionen, die der Mikroebene die Systemtheorie entgegensetzt, welche sich zum zweifellos wichtigsten Ansatz in der Journalismusforschung entwickelt hat.
Wichtige Forschungskonzepte und -strömungen werden in dieser Arbeit, im Rahmen des Möglichen, genauer beschrieben. Zu ihnen gehören: die „Gatekeeper“-Forschung, das Konzept der Professionalisierung, die Autopoiesis, das Zwiebelmodell, die Distinktionstheorie sowie die News-Bias-Forschung. Aus Platzgründen ist es jedoch weder möglich, alle nennenswerten Theorien und Ansätze in der Journalismusforschung zu erwähnen oder gar zu beschreiben, noch die beiden großen, äußerst komplexen Forschungsströmungen, System- und Akteurstheorie, bis ins Detail zu beleuchten. Unberücksichtigt müssen in dieser Arbeit auch Forschungen bleiben, die sich mit besonderen Problemfeldern beschäftigen, Journalismus im Zusammenhang mit Ethik oder Qualität zum Beispiel.
1
Wrobel, Ignaz (Kurt Tucholsky): „Presse und Realität“ in „Die Weltbühne“, XVII. JG., Nr.41
vom 13.Oktober 1921, S.373ff zitiert in Weischenberg, Siegfried: „Journalistik 2“, Opladen 1995
2 ebd.
4
Wichtig ist, zu erwähnen, dass alle angeführten Konzepte und Richtungen der Journalistenforschung mehr oder weniger parallel zueinander existieren, wobei es durchaus Bemühungen gibt, einzelne untereinander zu koppeln. Betrachten sollte man sie, um einen Überblick zu gewinnen, am besten als Bausteine von Theorie-Gebäuden, deren Baupläne unterschiedlichen Prämissen folgen. 3 Der zweite Teil dieser Arbeit wird sich dann mit dem Rollenverständnis von Journalisten beschäftigen. Forschungen und Ergebnisse deutscher Studien werden dabei mit denen internationaler, vor allem aber britischer und amerikanischer Studien, verglichen. Besondere Beachtung verdient hier die bisher umfassendste deutsche Studie zum Rollenverständnis von Journalisten, die Studie „Journalismus in Deutschland“ der Wissenschaftler Martin Löffelholz, Armin Scholl und Siegfried Weischenberg.
2 Theorie
Theorien des Journalismus
2.1 Definition des Begriffs „Journalismus“
Journalismus ist, was Journalisten machen. So kurz könnte man die Definition des Begriffs auf den Punkt bringen, zumal diese Vorstellung durchaus mit Definitionsversuchen korrespondiert, die in unterschiedlichsten Lexika angeboten werden. Tatsächlich handelt es sich hierbei um den wohl kleinsten Nenner, auf den sich der Begriff Journalismus reduzieren lässt. Aus Sicht der Wissenschaft ist diese Definition daher auch mehr als unvollkommen. Hier gab es schon früh ganz andere Ansätze. Der Literaturhistoriker Robert Eduard Prutz, der vor etwa 150 Jahren die „Geschichte des deutschen Journalismus“ veröffentlichte, beschrieb Journalismus als „das Selbstgespräch, das die Zeit mit sich selbst führt.“ 4 Eine Definition, die Journalismus als sozialen Prozess und Journalisten lediglich als dessen Moderatoren begreift und die Martin Löffelholz zu den Vorläufern eines modernen Verständnisses von Journalismus zählt. 5
3
vgl. Löffelholz, Martin (Hrsg.): „Theorien des Journalismus“, Wiesbaden 2000, S.33
4 Prutz, Robert Eduard: „Geschichte des deutschen Journalismus“, Vandenhoeck & Ruprecht; Göttingen 1971
in Löffelholz, Martin (Hrsg.): „Theorien des Journalismus“, Wiesbaden 2000, S.34
5 vgl. Löffelholz, Martin (Hrsg.): „Theorien des Journalismus“, Wiesbaden 2000, S.34
5
Trotzdem entfernte sich die Wissenschaft von dieser Definition wieder, nicht zuletzt aufgrund ihrer medienzentrierten Perspektive. Der Gründer der Berliner Journalistenschule, Richard Wrede, reduziert den Begriff Journalismus schlicht wieder auf „das, was Journalisten tun“. „Einen Journalismus an sich gibt es nicht“, resümiert schließlich Martin Löffelholz. 6 Was dazu führe, dass Journalismustheorien auch nie die Realität abbilden könnten, sie könnten sich dieser höchstens nähern.
Letztlich gibt es in der Journalismusforschung aus heutiger Sicht drei verschiedene Ansätze für eine Definition, abgeleitet von einem unterschiedlichen Verständnis von Journalismus: „Journalismus als Addition von Personen, als Addition von Berufsrollen und als Ergebnis von Kommunikationsprozessen“. 7
2.2 Die Anfänge der Forschung
Bereits im 17. Jahrhundert, mit Erscheinen der ersten regelmäßig gedruckten Medien, stellten Gelehrte die Frage nach Nutzen und Moral von Publikationen. Schon sie versuchten, Medien zu typologisieren und arbeiteten publizistische Merkmale wie Aktualität, Periodizität und Universalität heraus. Hundert Jahre später, Mitte des 18. Jahrhunderts, gewannen dazu Fragen des Presserechts an Bedeutung, auch wurde der Einfluss wirtschaftlicher Zwänge diskutiert, denen die Nachrichtenbeschaffung unterworfen ist. Es entwickelten sich erste wissenschaftlich soziologische Denkansätze. 8
Zu den Pionieren eines modernen Verständnisses des Forschungsgegenstandes Journalismus gehörte, entsprechend seiner modernen Definition des Begriffes, Eduard Prutz. Er erkannte früh die Beziehung zwischen Journalismus und anderen gesellschaftlichen Bereichen - sozialen, politischen und ökonomischen etwa.
2.3 Forschung in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts
Parallel zur Kehrtwende bei der Definition von Journalismus, folgte allerdings auch dem Forschungsfortschritt a´la Prutz ein großer Schritt zurück. Mehr als ein halbes Jahrhundert nach Entdeckung des soziologischen Zusammenhangs, in dem Journalismus steht, wird dieser erneut darauf reduziert, Werk einzelner Personen
6 ebd. S.23
7 Scholl, Armin/Weischenberg, Siegfried: „Journalismus in der Gesellschaft“ u.a. Opladen 1998, S.27
8 vgl. Pürer, Heinz: „Einführung in die Publizistikwissenschaft“, 6. Auflage Konstanz 1998, S. 138
6
zu sein. Bekanntester Vertreter dieser idealistischen Sichtweise war der Zeitungsverleger Emil Dovifat. Journalismus war in seinen Augen das Handeln scheinbar autonomer Individuen. Diese heute als normativ-ontologisch bezeichnete Wissenschaft beschäftigt sich mit den Eigenschaften dominanter Persönlichkeiten der Presse. Der Kommunikationswissenschaftler Manfred Rühl kritisiert daher auch: „Diese publizistische Sichtweise ist nicht sonderlich an der Normalität (...) interessiert. Ihr geht es vielmehr um (...) die Handhabung des Kuriosums“ 9 , ohne dass „moralische und rechtliche Grundsätze sowie Normen, die das Handeln der Journalisten nachvollziehbar machen“ 10 , hinterfragt würden. Armin Scholl und Siegfried Weischenberg stimmen der Kritik zu. Dovifats Ansatz, der aus ihrer Sicht kaum wissenschaftsfähig ist, beachte weder politische, noch soziale oder ökonomische Bedingungen, die aber festlegten, „was Journalismus ist und welche Folgen Journalismus hat“. 11 Nichts desto trotz hat der normativ-ontologische Ansatz die Forschung stark beeinflusst 12 und beeinflusste sie sogar noch, als ab den siebziger Jahren sowohl die Strukturtheorie, als auch empirisch-analytische Forschungen im deutschen Sprachraum erheblich an Relevanz“ 13 gewannen.
Exemplarisch für die ersten Schritte hin zu einer Erforschung des Journalismus´ innerhalb eines sozialen Systems sind die Ausführungen des Publizisten Walter Hagemann. In „Die Zeitung als Organismus“ 14 vergleicht er eine Redaktion mit einem biologischen Organismus. Leider führt auch er den Journalismus dabei am Ende wieder auf die Leistung einer schöpferischen Persönlichkeit zurück. Ähnlich inkonsequent ist die Journalistiktheorie von Otto Groth in „Die Zeitung“. Zwar versteht auch Groth die Redaktion als System, doch lässt auch er dieses von außen unbeeinflusst. Weder der „Journalist“ noch das System „Redaktion“ setzen sich bei Groth mit ihrer Umwelt auseinander. Hagemann und Groth enden in ihren Betrachtungen damit zu früh und vernachlässigen die grundlegenden Eigenschaften von Organismen, nämlich „daß (sic!) sie nicht ziellos ,innere Kräfte` entwickeln, sondern sich ganz gezielt ihrer Umwelt anpassen“. 15
9
Rühl, Manfred in Löffelholz, Martin (Hrsg.): „Theorien des Journalismus“, Wiesbaden 2000, S.41
10 Rühl, Manfred: „Journalismus und Gesellschaft“, Mainz 1980, S.25ff
11 Scholl, Armin/Weischenberg, Siegfried: „Journalismus in der Gesellschaft“, u.a. Opladen 1998, S.30f
12 ebd.
13 Löffelholz, Martin (Hrsg.): „Theorien des Journalismus“, Wiesbaden 2000, S.41
14 u.a. Hagemann, Walter: „Die Zeitung als Organismus“, 1950, S.33f in Scholl, Armin/Weischenberg, Siegfried:
„Journalismus in der Gesellschaft“ u.a. Opladen 1998, S.34
15 Scholl, Armin/Weischenberg, Siegfried: „Journalismus in der Gesellschaft“, u.a. Opladen, 1998, S.34
Arbeit zitieren:
Ulrike Kassem, 2003, Journalismusforschung, München, GRIN Verlag GmbH
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