-Innovative Vermittlungsstrategien zur effizienten Steigerung von interkultureller Kompetenz
Fremdsprachen nehmen in unserer Gesellschaft nur einen relativ geringen Platz auf der Prioritätsskala ein, wenn es um die Vermittlung interkultureller Kompetenz geht. Dabei ist Sprache doch die Grundvoraussetzung, welche als Fundament dient, wenn es um die darauf folgenden Aspekte der interkulturellen Qualifizierung geht. Folglich bildet sie gerade deshalb einen wichtigen Ansatzpunkt für Maßnahmen zur Gestaltung der Effizienz und Effektivität interkulturellen Trainings. Aufgrund dieser Erkenntnis möchte ich die nachfolgende Arbeit darauf ausrichten, dem Leser darzustellen, welche Ansätze es in der aktuellen Wirtschaftslinguistik gibt und welche Möglichkeiten sich dadurch eröffnen. Zunächst einmal werde ich die Begrifflichkeiten bezüglich interkultureller Kompetenz klären, um dann auf die Mehrsprachigkeitsdidaktik als „Helfer“ zur effizienteren Vermittlung der „technischen“ Seite interkultureller Kompetenz eingehen zu können. Innovative Vermittlungsstrategien werden im Anschluss aufgezeigt um anschließend auf die Interkomprehensionsforschung und ihre Methodik näher eingehen zu können. Ein Anriss der Frequenzanalyse soll hier nicht fehlen - dem Leser soll vor Augen geführt werden, wie schwierig eine fachgemäße Erforschung mit dem Ziel der Entwicklung einer Fachsprachendidaktik eigentlich ist. Die Beschreibung aktueller Projekte der Eurocomprehensionsforschung soll den Leser von allzu theoretischen Ansatzbeschreibungen wegführen und ihm zeigen, wie weit die Wissenschaft in dieser Disziplin bereits fortgeschritten ist. Abschließend folgt eine Analyse der Ist
- Situation in Europa. Dabei geht es um die Frage, in welchem Maße die wissenschaftlichen Konzepte auf Zuspruch stoßen und was noch getan werden kann. Darüber hinaus sollen Tendenzen und Folgerungen einer Europäischen Sprachenpolitik sowie die Möglichkeiten und Grenzen der Anwendung effizienter Wirtschaftslinguistik den Status Quo unterstreichen und zukünftige Perspektiven aufzeigen.
David Nowak Seite 2 6. Januar 2003
- Innovative Vermittlungsstrategien zur effizienten Steigerung von interkultureller Kompetenz
Inhaltsverzeichnis
Abstract 2
Inhaltsverzeichnis 3
Abk ürzungsverzeichnis 4
Abbildungsverzeichnis 5
1. Problemstellung 6
1.1. Mehrdimensionalität interkultureller Kompetenz 6
1.2. Interkulturelle Kompetenz und Fremdsprachenerwerb 7
2. Mehrsprachigkeitsdidaktik als zukunftsorientierte
Vermittlungsstrategie und Fundament zur Entwicklung interkultureller
Kompetenz 8
2.1. Zur Unterscheidung von Fremdsprachendidaktik und
Mehrsprachigkeitsdidaktik 8
2.2. Sukzessives Lernen und Transferfaktoren als innovative
Vermittlungsstrategien der Mehrsprachigkeitsdidaktik 9
2.3. Interkomprehensionsforschung und die Möglichkeiten rezeptiver
Mehrsprachigkeitsdidaktik 11
3. Methodische Aspekte eines effizienten, simultanen Spracherwerbs 12
3.1. Gezielte Unvollständigkeit 12
3.2. Progression 13
3.3. Modularisierung 13
3.4. Einsatz neuer Medien 14
4. Kommunikative Häufigkeit und Wortbildungsmodelle am Beispiel
probabilistischer Unternehmenskommunikation 15
5. Vorherrschende Konzepte der Eurocomprehensionsforschung 17
5.1. Definition, Notwendigkeit und Ziel 17
5.2. Hagener Projekte 17
5.3. Intercomunicabilité Romane 18
5.4. EuRom4 18
5.5. Galatea 19
5.6. EuroComRom (Germ/Slav) und die sieben Siebe 19
6. Ausblick 22
6.1. Ist Europa Mehrsprachig? 22
6.2. Entwicklungstendenzen und Folgerungen für eine europäische
Sprachenbildungspolitik 23
6.3. Möglichkeiten und Grenzen der Anwendung effizienter
Wirtschaftslinguistik 24
Anhang 28
Literaturverzeichnis 31
David Nowak Seite 3 6 Januar 2003
-Innovative Vermittlungsstrategien zur effizienten Steigerung von interkultureller Kompetenz
Aufl. Auflage
Bsp. Beispiel
bzw. beziehungsweise
ca. zirka
d. h. das heißt
ebd. ebenda
etc. et cetera
FDD Fremdsprachendidaktik
frz. französisch
ggf. gegebenenfalls
IGLO Intercomprehension in Germanic Languages Online
it. italienisch
korr. korrigierte
MDD Mehrsprachigkeitsdidaktik
o. A. ohne Autor
o. g. oben genannte/n
o. J. ohne Jahr
sp. spanisch
sprachl. sprachliches
u. a. unter anderem
üb. überarbeitete
Uni Universität
Verl. Verlag
Wiss. Wissenschaft
z. B. zum Beispiel
David Nowak Seite 4 6. Januar 2003
-Innovative Vermittlungsstrategien zur effizienten Steigerung von interkultureller Kompetenz
Abbildung 1: Gemeinsamkeiten von Wortformen _______________________ 28
Abbildung 2: Komponenten der Mehrsprachigkeitsdidaktik nach Meißner ____ 28
Abbildung 3: Organisationsbeispiel eines Moduls nach Mondahl im IGLO -
Projekt ______________________________________________ 29
Abbildung 4: Auszug aus der von Eberhardt und Horst erstellten Häufigkeitslisten
___________________________________________________________ 30
David Nowak Seite 5 6. Januar 2003
-Innovative Vermittlungsstrategien zur effizienten Steigerung von interkultureller Kompetenz
1. Problemstellung 1.1. Mehrdimensionalität interkultureller Kompetenz
Die momentane Fase der Internationalisierung des Wirtschaftslebens, besonders gekennzeichnet durch Unternehmenszusammenschlüsse, Joint - Ventures, Strategic Alliances, Partnerschaften, etc., gepaart mit einer globalen, multikulturellen „workforce“, macht eine direkte Kommunikation und Kooperation zwischen Angehörigen verschiedener Kulturen in einem noch nie dagewesenen Umfang erforderlich. Jedoch ist ein reibungsloser kommunikativer Ablauf momentan eher Wunschdenken als Realität. Durchsetzt von Missverständnissen und Konflikten kommt es zu Fehlschlägen von Projekten, Kooperationen und Verhandlungen. Knapp begründet dies mit einem Zusammenprall verschiedener Kommunikationsweisen, Handlungs- und Deutungsvoraussetzungen, welche jeweils kulturindividuell geprägt sind und somit als Konfliktpotenzial in Frage kommen. 1 Ein möglichst konfliktarmer Umgang ist jedoch wünschenswert, da in einer Zeit des wachsenden internationalen Wettbewerbs ausländischen, ethnisch und kulturell fremden Kunden, Mitarbeitern und Kooperationspartnern eine unerlässliche Bedeutung zuteil wird. Diesen Umgang erhofft man sich durch die Entwicklung einer interkulturellen Kompetenz. Knapp problematisiert in seinen Ausführungen die Uneinigkeit, welche in der Literatur über die Kernelemente interkultureller Kompetenz herrscht. Nach Arnold, Meder, Schröder und Walters kennzeichnet sich interkulturelle Kompetenz durch die Fähigkeit, „ ... kulturelle Einflüsse auf eigenes und fremdes Erleben und Verhalten erkennen [zu vermögen], kulturelle Unterschiede verstehen, anerkennen und tolerieren [zu] können und außerdem kulturell bestimmte Faktoren im eigenen Verhalten so berücksichtigen [zu wissen], dass die eigenen Ziele und die Ziele des anderen erreichbar werden.“ 2 Sie gehen in ihren Ausführungen sogar noch einen Schritt weiter, indem sie interkulturelle Kompetenz zu einer Schlüsselqualifikation erheben, die den Schlüssel für den Eintritt in eine erfolgreiche Kooperation in internationalen Netzwerken darstellt. Tenberg hingegen 3 sieht interkulturelle Kompetenz nicht als singulären Baustein an, sondern spricht von mehreren interkulturellen Kompetenzen - internationale Kooperationsfähigkeit, der Fähigkeit der
1 Vgl. Knapp (1999), S. 9
2 http://www.na-bibb.de/leonardo/Forum4.pdf (2002), S. 1 f.
3 Vgl. Tenberg in Bezug auf Coleman (1999), S. 66 f. David Nowak Seite 6 6. Januar 2003
-Innovative Vermittlungsstrategien zur effizienten Steigerung von interkultureller Kompetenz
Abstimmung globaler Unternehmensziele auf die lokalen Gegebenheiten sowie der Fähigkeit, interkulturelles Synergiepotenzial zu erkennen und zu nutzen. 4 Interkulturelle Kompetenz kann aufbauend auf mindestens vier Ebenen dimensionalisiert werden, so die Aussage von Kramer. 5 Eine exemplarische Vermittlung von Sachwissen stellt die erste Stufe dar, gefolgt von der Vermittlung kommunikativer Strategien, welche helfen sollen, selbständig Sachwissen zu erwerben sowie mit ungeklärten Situationen zurechtzukommen. Die ersten beiden Ebenen dienen als Bausteine zur Entwicklung bestimmter Fähigkeiten / Einstellungen, welche als Motivationsfaktor für ein zunehmend fundiertes Interesse an der fremden Kultur unerlässlich sind (dritte Ebene). Die vierte und letzte Ebene beschreibt die Erfahrungen, welche vor Ort gemacht werden - hier stellt sich heraus, ob sich die o.g. geschulten Elemente bewähren. Ein kontinuierlicher Lernprozess sollte durch gezielte Vorbereitung, komplexe Reflexion und sorgfältige Evaluation der Erfahrungen eine ständige Korrektur und Weiterentwicklung der interkulturelle Kompetenz ermöglichen. 6 Eine weitaus pragmatischere Ausführung hierzu liefert Knapp. Er erkennt die Entwicklung von den eher undifferenzierten Überlegungen einer globalen interkulturellen Kompetenz hin zu einer konkreter auf interkulturelle Interaktionen bezogene „Interkulturelle Kommunikationskompetenz“, die er in drei
Fähigkeitsdimensionen unterteilt, auf welchen ich meine weiteren Ausführungen aufbauen möchte: 7
1. Fähigkeiten zum Umgang mit psychischem Stress 2. Fähigkeiten zum Aufbau interpersonaler Beziehungen 3. praktische Kommunikationsfähigkeiten
1.2. Interkulturelle Kompetenz und Fremdsprachenerwerb
Geht es um die Vermittlung von interkultureller Kompetenz, so herrscht hierzu in der Literatur Einigkeit. Wo früher noch der „Sprung ins kalte Wasser“, also die unvorbereitete Konfrontation mit der/den anderen Kultur/en die einzige Möglichkeit darstellte, sich interkulturell zu qualifizieren, findet in heutiger Unternehmenspraxis meist ein systematisch qualifizierendes Training in Kombination mit strategisch sinnvollen Einsätzen „vor Ort“ statt. 8 Dennoch kritisiert Bolten, dass es kaum interkulturelle Trainings gibt, welche dem o.g.
4 weitere Auslegungen hierzu in Bolten (1997), S. 491f.; Weber, Wolfgang et. al (1998), S. 172
5 Vgl. Kramer (1999a), S. 60
6 Vgl. ebd., S. 60
7 Vgl. Knapp (1999), S. 10 f.
8 Vgl. http://www.na-bibb.de/leonardo/Forum4.pdf (2002), S. 1 f. David Nowak Seite 7 6. Januar 2003
-Innovative Vermittlungsstrategien zur effizienten Steigerung von interkultureller Kompetenz
Wirtschaftskommunikationsforschung steht noch am Anfang der Entwicklung theoretischer und praktischer Konzeptionen, die für entsprechende Beratungs- und Trainingsprogramme genutzt werden können. 10 Ihre Wichtigkeit wächst stetig, weil sich Kommunikation in vielen Bereichen als einziges
Differenzierungskriterium herauskristallisiert - Unterschiede hinsichtlich Preis, Sortiment und Qualität werden immer geringer. 11
Im Folgenden Verlauf meiner Arbeit werde ich speziell auf die Dimension der praktischen Kommunikationsfähigkeiten, welche Knapp als 3.
Fähigkeitsdimension anführt, eingehen, da sie als zentrale Komponente der interkulturellen Kompetenz betrachtet wird. 12 Auch Tenberg (in Bezug auf Kealy) macht sie als „core criteria“ u.a. dafür verantwortlich, ob eine Auslandsentsendung von Erfolg oder Misserfolg gekrönt wird. 13 Weiterhin eingrenzend werde ich auf die Mehrsprachigkeitsdidaktik (MDD) eingehen, welche das Fundament für interkulturelle Kommunikation bildet. 14 In jüngster Vergangenheit sind in diesem Bereich bahnbrechende Fortschritte zu verzeichnen.
2. Mehrsprachigkeitsdidaktik als zukunftsorientierte
Vermittlungsstrategie und Fundament zur Entwicklung interkultureller Kompetenz
„Alle Sprachen sind wie Blumen, die nebeneinander blühen und nur zusammen einen bunten Garten bilden. Die Sonne, die sie wachsen lässt ist der Gebrauch.“ 15 Treffend, wenn auch etwas poetisch angehaucht, beschreibt Wolff in Übereinstimmung mit Meißner und Reinfried 16 die Notwendigkeit einer Mehrsprachigkeit im zusammenwachsenden „Garten“ der Globalisierung. Die effiziente Vermittlung von Mehrsprachigkeit ist zunächst von der eindimensionalen Fremdsprachendidaktik (FDD) abzugrenzen.
Erweitert man Sloanes Definition von „Didaktik“, so bezeichnet MDD die Lehre vom Lehren und Lernen mehrerer, der Muttersprache fremden Sprachen, die eine dauerhafte Verhaltensänderung in Form von neuem Wissen, veränderten
9 Vgl. Bolten (1997), S. 492
10 Vgl. Bolten (2000), S. 10
11 Vgl. ebd., S. 11
12 Vgl. Knapp (1999), S. 10 f.
13 Vgl. Tenberg (1999), S. 69
14 Vgl. Kischel (1999), S. 154
15 Wolff (2002), S. 175
16 Vgl. Meißner / Reinfried (1998a), S. 9 David Nowak Seite 8 6. Januar 2003
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David Nowak, 2003, Innovative Vermittlungsstrategien zur effizienten Steigerung von interkultureller Kompetenz, München, GRIN Verlag GmbH
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