Inhaltsverzeichnis
Abbildungsverzeichnis IV
Abkürzungsverzeichnis V
1. Einleitung 1
2. Gegenstand und Wesen des Chief Information Officer 3
3. Begriffsverständnis von Wissenschaft und Praxis 7
4. Die Herausforderung durch den Wandel
der Informationstechnologie (IT) 9
4.1 Der Produktionsfaktor Information in Unternehmen 9
4.2 Der Rollenwandel der IT zum strategischen Erfolgsfaktor 10
4.3 Informationsmanagement als Reaktion auf die neue Rolle
von Information und Informationstechnik 14
4.3.1 Der Begriff des Informationsmanagements 14
4.3.2 Ziele und Aufgaben des Informationsmanagements 15
4.3.3 Führungsaufgaben des Informationsmanagements 16
5. Grundlegende Kennzeichnung des CIO 18
5.1 Die Entstehung der CIO-Managementposition 18
5.1.1 Der Wandel des CIO: Vom Technikverwalter zum Geschäftstreiber 18
5.1.2 Der CIO in der US-amerikanischen Unternehmenspraxis 21
5.1.3 Der CIO in der deutschen Unternehmenspraxis 22
5.2 Aufgaben und Rollen des CIO 24
5.3 Merkmale der CIO-Managementposition 28
5.3.1 Kenntnisse und Fähigkeiten des CIO 28
5.3.2 Der CIO als Mitglied der Unternehmensführung 32
5.4 Das Konfliktpotenzial des CIO und seine Ursachen 34
5.4.1 Der Konflikt mit der Unternehmensführung 34
5.4.2 Der Zuständigkeitskonflikt um die Informationstechnologie 35
6. Aufgaben und Methoden des CIO 38
6.1 Lieferung von neuen IT-Produkten 38
6.1.1 Identifikation von neuen IT-Produkten durch Screening 38
6.1.2 Bewertung von Potenzialen neuer IT-Produkte 39
6.2 Bestimmung der IT-Strategie 40
6.2.1 Entwicklung einer IT-Strategie 41
6.2.2 Realisierung der IT-Strategie mit Hilfe der Balanced-IT Scorecard 42
6.3 Management der IT-Leistungserbringung 44
6.3.1 Aufbau einer IT-Organisation 45
6.3.2 Implementierung eines IT-Sourcing 46
6.3.3 Sicherstellung von Kundenzufriedenheit 46
6.4 Leitung der Organisationseinheit IT 47
6.4.1 Management der IT-Kosten mit Hilfe eines IT-Controlling 47
6.4.2 Weiterbildung und Motivation des IT-Personals 48
7. Schlussbetrachtung und Ausblick 50
ANHANG I: Einteilung betrieblicher Anwendungssysteme VI
ANHANG II: Die gewandelte Rolle des CIO VII
ANHANG III: Kennzahlensystem zum IT-Controlling VIII
Literaturverzeichnis IX
IV
Abbildungsverzeichnis
Abb. 1 : Dreifachqualifikation des CIO
Abb. 2 : Dimensionen der CIO-Rolle
Abb. 3 : Von der Technik- zur Geschäftsorientierung
Abb. 4 : Herausforderungen an eine optimale IT-Nutzung
Abb. 5 : Herausforderungen an das heutige Informationsmanagement
Abb. 6 : I-MModell mit Ebenen und Aufgaben
Abb. 7 : Einflussfaktoren der CIO-Rolle
Abb. 8 : Evolution der CIO-Managementrolle
Abb. 9 : Vergleich der alten und der neuen CIO-Rolle
Abb. 10 : Die wichtigsten Aufgaben deutscher CIOs heute und in der Zukunft
Abb. 11 : Aufgaben und Rollen des CIO
Abb. 12 : Geforderte Eigenschaften eines CIO
Abb. 13 : Kommunikation als zentrale CIO-Kompetenz
Abb. 14 : Das Zusammenspiel von Marketing-Controller und CIO
Abb. 15 : Wirkungsrichtungen der IT-Strategie
Abb. 16 : IT-Scorecard mit ausgewählten KPIs
V
Abkürzungsverzeichnis
BI = Business Intelligence BPR = Business Process Reengineering BSC = Balanced Scorecard CEO = Chief Executive Officer CFO = Chief Financial Officer CIO = Chief Information Officer CKO = Chief Knowledge Officer COO = Chief Operating Officer CPO = Chief Process Officer CTO = Chief Technical Officer CRM = Customer Relationship Management DBW = Die Betriebswirtschaft E-Business = Electonic-Business EDV = Elektronische Datenverarbeitung ERP = Enterprise-Resource-Planning FES = Früherkennungssystem HBR = Havard Business Review Hrsg. = Herausgeber IM = Informationsmanagement IS = Informationssysteme IT = Informationstechnik IT-BSC = Balanced-IT-Scorecard IT-PM = IT-Performance Management IV = Informationsverarbeitung KIS = Kundenorientierte Informationssysteme KPI = Key Performance Indikatoren SLA = Service Level Agreement TK = Telekommunikation VoIP = Voice over IP Zfbf = Zeitschrift für betriebswirtschaftliche Forschung
1
1. Einleitung
Gravierende Veränderungen bei den Wettbewerbsbedingungen und die zunehmende Komplexität von Informationen haben in den letzten Jahren dazu geführt, dass die betrieblichen Informationssysteme und damit einhergehend die Informationstechnologien (IT) stetig an Bedeutung zugenommen haben. Hinzu kommt, dass im Zeitalter des Digital Business die IT zunehmend Teil des Produkts und der Kundenbeziehung ist. Somit wird der Geschäftserfolg eines Unternehmens heute wesentlich von der Leistungsfähigkeit der Informationstechnologie bestimmt. Es gilt daher für die Unternehmen, das große Nutzungspotenzial der IT richtig auszuschöpfen. Vor diesem Hintergrund gewinnt die Art und Weise, wie der IT-Bereich geführt wird, immer mehr an Bedeutung.
Nötig ist deshalb ein IT-Verantwortlicher, der den Vorstand hinsichtlich wettbewerbsbestimmender IT-Fragen entlastet und damit die Lücke zwischen dem technischen und betriebswirtschaftlichen Know-how im Top-Management schließt. Die isolierte Fachkompetenz in Form eines hoch spezialisierten Rechenzentrumsleiter ist an dieser Stelle nur wenig geeignet, der Herausforderung bezüglich des Einsatzes der IT als erfolgskritische Ressource entgegenzutreten. In der betrieblichen Praxis hat sich daher seit Beginn der 1980er Jahre in den USA das Konzept des Chief Information Officer (CIO) entwickelt, dass als eine Lösung dieser Herausforderung diskutiert und praktiziert wird und seit durchschnittlich zwei Jahren auch in Europa in vielfältiger Form realisiert wird. 1 Der CIO als Mitglied der Unternehmensführung subsumiert dabei ganzheitlich den Aufgabenbereich des Informationsmanagements. Er zeichnet sich hinsichtlich der Erfüllung IT-spezifischer Herausforderungen durch eine ganze Reihe von Management- und Führungsaufgaben aus und hat vor diesem Hintergrund viele Fähigkeiten und Kompetenzen in sich zu vereinen.
Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, das Konzept des CIO darzulegen. Dabei soll neben der wissenschaftlichen Bedeutung des Konzeptes auch dessen Relevanz in der Praxis durchleuchtet werden. Folgende Fragestellungen sind von Bedeutung: Welche Aufgaben und Rollen zeichnen den CIO aus? Welche Merkmale gehen mit dem Konzept des CIO einher? Und welches Konfliktpotenzial entsteht durch die Position des CIO? Im Speziellen sollen die wesentlichen Aufgabeninhalte und Methoden des CIO deutlich werden. Eine Trennung der wissenschaftlichen und der praxisorientierten Bedeutung des CIO-Konzeptes scheint aufgrund der Literatursituation und der
1 Vgl. Alter (2005); o.V. (2003)
2
Gefahr von Überschneidungen schwierig. Es wird daher - parallel zu der wissenschaftlichen Abhandlung - immer wieder auf die Bedeutung des Konzeptes in der Praxis eingegangen.
Neben einer anfänglichen Begriffsbestimmung sollen zunächst die Herausforderungen und Konsequenzen durch die IT für die Unternehmen aufgezeigt werden, um die Voraussetzung für die konzeptionelle Darstellung des CIO zu legen. Danach folgt ausführlich die grundlegende Kennzeichnung des CIO, innerhalb derer insbesondere seine Aufgabenbereiche abgegrenzt werden sollen. Zusätzlich soll sein Merkmalsprofil dargestellt werden. Dieser grundlegenden Übersicht folgt eine umfassende inhaltliche Darstellung der einzelnen Aufgabenbereiche des CIO sowie einiger seiner wesentlichen methodischen Hilfsmittel. Abschließend soll eine kritische Betrachtung des Konzeptes erfolgen und darüber hinaus ein Ausblick auf mögliche zukünftige Entwicklungen gegeben werden.
3
2. Gegenstand und Wesen des Chief Information Officer
Der Ausdruck „Chief Information Officer“ hat seinen Ursprung in den USA und wurde hier zu Beginn der 1980er Jahre von Synnott erstmals erwähnt. 2 In seinem 1987 erschienenen Buch „The Information Weapon“ definiert Synnott den CIO als “the highest ranking executive with primary responsibility for information management.” 3 Der CIO steht demgemäß für ein Berufsbild mit Instanz auf höchster Management-Ebene. Anlehnend an diese Definition, die im Kern die Hierarchie-Stufe des CIO im Unternehmen betont, gehen Boyle und Burbridge 1991 bezüglich seines Aufgabenfeldes noch etwas weiter: “We define CIO as an executive with broad responsibility for information technology (e.g. data processing, telecommunications, and office automation) who reports to a high-level corporate officer (e.g. president or CEO).” 4
Die Definitionen zeigen, dass Wesen und Gegenstand des CIO sehr unscharf definiert sind, was eine eindeutige Begriffsabgrenzung nahezu unmöglich macht. 5 Die Unklarheit, welche mit dem Begriff des Chief Information Officer einhergeht, begründet sich dabei insbesondere durch unterschiedliche Verantwortungsbereiche und Aufgabengebiete. 6 Den Ursprung hat dies sowohl in den verschiedenen Rollen des CIO in unterschiedlichen Ländern als auch in der starken Dynamik seiner Kernkompetenz, der Informations- und Kommunikationstechnologie. 7
Die Rolle des CIO hat sich dabei aufgrund seiner gestiegenen Bedeutung und seiner Aufgaben und Ziele drastisch gewandelt. 8 Das stereotypische Berufsbild, welches den CIO als eine Art IT-Manager ansieht, der vorwiegend operative und administrative Tätigkeiten erfüllt, ist hierbei allerdings gänzlich obsolet. 9 Kennzeichnend für den CIO ist gegenwärtig vielmehr seine strategische Ausrichtung. Ein Minimalkonsens hat sich daher dergestalt gebildet, dass der CIO im Zentrum seiner Tätigkeiten eine IT-Strategie zu entwickeln hat, die sich aus den strategischen Geschäftszielen des Unternehmens ergibt. 10 Jenseits dieses Minimalkonsenses gibt es Auffassungsunterschiede bezüglich der Verantwortung für das Management der IT-Ressourcen und
2 Vgl. Alter (2005)
3 Synnott (1987), S. 19
4 Boyle/Burbridge (1991), S. 13
5 Vgl. Krcmar (2005), S. 303f
6 Vgl. Daum/Häberle/Lischka/Krcmar (2004)
7 Vgl. Krcmar (2005), S. 303f; Dettling (2005)
8 Vgl. Ravarini/Moro/Tagliavini/Guimaraes (2003), S. 2
9 Vgl. hierzu und im Folgenden: Hartert (2000), S. 649
10 Vgl. Krcmar (2005), S. 304; Heinrich (2002), S. 43; Hartert (2000), S. 649; Friedrich (2000), S.
463; Mertens/Knolmayer (1998), S. 63
4
bezüglich der Bedeutung der Beziehung zu dem Top-Management als kritischer Er-folgsfaktor für den CIO. 11
Der CIO befindet sich dabei in einem Spannungsfeld zwischen Technologie und Geschäftswelt und hat die Aufgabe als eine Art Mediator zwischen der technischen, fachspezifischen Informationstechnologie und seinen Kunden im Unternehmensver-bund die Anforderungen und Möglichkeiten beider Seiten in Einklang zu bringen. 12
Hierzu benötigt er neben fundiertem Wissen über die Informations- und Kommunikationstechnologie insbesondere betriebliche Fähigkeiten, d.h. die Fähigkeit in Systemen und Analogien geschäftsprozessorientiert zu denken. 13 Gleichzeitig ist der
CIO breit über viele Fachgebiete angelegt. Denn mit seiner Aufgabe nimmt er eine Querschnittsfunktion wahr, von der sämtliche Bereiche des Unternehmens betroffen sind. Der CIO ist damit im Gesamtunternehmen und nicht nur in seinem IT-Bereich proaktiv. Im Kern benötigt er deshalb neben Kenntnissen der Wirtschaftsinformatik insbesondere Marketing- und Controllingqualifikationen, um seinen betrieblichen Fähigkeiten gerecht zu werden. 14 Abbildung 1 zeigt das eben skizzierte An-
forderungsprofil des CIO.
11 Vgl. Ravarini/Moro/Tagliavini/Guimaraes (2003), S. 5
12 Vgl. Werner (2001), S. 410
13 Vgl. hierzu und im Folgenden: Krcmar (2005), S. 305f; Werner (2001), S. 410
14 Vgl. Link (2002), S. 43
5
Krcmar definiert den CIO wie folgt: “Chief Information Officer (CIO) ist die Berufsbezeichnung für eine Person/Führungskraft, die verantwortlich ist für die Informationstechnik und Computersysteme, die die Unternehmensziele unterstützen.” 15 Dieser Definition soll in der vorliegenden Arbeit gefolgt werden, da hier insbesondere auf das Ziel des CIO abgestellt wird, die IT zur Unterstützung der Unternehmensstrategie einzusetzen. Im Weiteren vergleicht Krcmar den CIO mit einem Dirigenten und die IT mit einem Orchester, innerhalb dessen die Musiker die einzelnen Einheiten des Unternehmens darstellen. 16 Der CIO in Form des Dirigenten ist dabei für die Komposition durch die Ausgabe der generellen Ausrichtung verantwortlich. Er ist durch Vorgaben und Standards dafür zuständig, dass die Musiker gut zusammenspielen. Außerdem korrigiert er Fehler und hat die Federführung für das ganzheitliche Klangbild. Aufgrund der Tatsache, dass die IT das zentrale Management-Objekt des CIO bildet, ist die Bedeutung des CIO dort am größten, wo die IT notwendiger Pro-duktionsfaktor ist. 17 Dies ist insbesondere bei Banken, Versicherungen, Telkos, Internet Service Providern und Dotcoms der Fall. Hier, wo die Ressource Information neben Mensch und Finanzkapital mit vergleichbarer Bedeutung hinzugetreten ist, ist der CIO auf Vorstandsebene anzutreffen, da er genauso wie der Chief Financial Officer (CFO) oder der Chief Operating Officer (COO) in seinem Bereich als ein Architekt, ein Portfolio-Manager und als eine Eskalationsinstanz gilt. 18
In der Praxis wird der Chief Information Officer auch teilweise Corporate Information Officer genannt. 19 Kennzeichnend ist, dass man hier oft auf sehr divergierende Erscheinungsformen des CIO trifft und damit verbunden auf verschiedene Facetten von Aufgaben. 20 Die Spannweite reicht von der ausschließlichen Umsetzung bereits getroffener Managemententscheidungen in IT-Systemen über die Optimierung vor-handener Geschäftsprozesse durch IT bis hin zur Gestaltung von technologiebasierten Geschäftsstrategien. 21 Earl und Vivian haben beispielsweise zwölf verschiedene Erscheinungen der CIO-Rolle identifiziert, welche einer Technologie-Dimension, einer Business-Dimension und einer Organisations-Dimension zugeordnet werden können (siehe Abb. 2). 22
15 Krcmar (2005), S. 304
16 Vgl. hierzu und im Folgenden: Krcmar (2005), S. 306f
17 Vgl. Heinzl (2001), S. 411
18 Vgl. Penzel (2001), S. 409
19 Vgl. Schulz-Wolfgramm (2003), S. 243ff
20 Vgl. Müller/Schmalholz (2005)
21 Vgl. Krcmar/Leimeister (2001), S. 24
22 Vgl. Earl/Vivian (1999) bzw. Daum/Häberle/Lischka/Krcmar (2004)
Abzugrenzen vom Konzept des CIO sind die Berufsbilder des Chief Technical Officer (CTO), des Chief Knowledge Officer (CKO) und des Chief Process Officer (CPO). Der CTO ist verantwortlich für Bereitstellung und Fortschreibung einer ganzheitlichen Infrastruktur und dort im Vorstand, wo die IT zentraler Produktions-faktor ist. 23 Die technische Rolle des CTO ist damit klar gegen die Management-Rolle des CIO abzugrenzen. 24 Aufgabe des CKO ist es, eine Kultur des Wissensaus-
tauschs im Sinne des Wissensmanagements einzurichten, indem er analysiert, wer welche Informationen braucht und wo er sie innerhalb der Organisation bekommt. 25
Der CPO wiederum ist ein Prozessmanager, dessen Aufgabe darin besteht, die abteilungsübergreifenden Wertschöpfungsketten mit Hilfe seines IT-Know-hows zu organisieren. 26 Es wird deutlich, dass die letzten Ausführungen noch einmal die Unschär-
fe verstärken, welche mit dem Begriff des CIO einhergeht.
23 Vgl. Heinzl (2001), S. 411
24 Vgl. Michels/Pölzl (2004)
25 Vgl. Froitzheim (1998), S. 118ff
26 Vgl. Jost (2004), S. 88
7
3. Begriffsverständnis von Wissenschaft und Praxis
Der Wissenschaftsbegriff ist nicht einheitlich definiert und von zahlreichen, sich teils widersprechenden Verständnissen geprägt. 27 Ein Konsens hat sich dergestalt gebildet, dass unter Wissenschaft ein „durch besondere Methoden erreichtes .. systematisch geordnetes Gefüge von .. objektiven Urteilen über .. einen gemeinsamen ‚Ge-genstand’“ 28 verstanden wird. Jede Wissenschaft stützt sich demzufolge auf einen gemeinsamen Gegenstand und ist gekennzeichnet von einer sachlichen, logischen Ordnung von Urteilen, Annahmen und Problemen. 29 Ziel jeder Wissenschaft ist daher ein „System“, d.h. „ein nach Prinzipien geordnetes Ganzes der Erkenntnis.“ 30 Methoden dienen dabei der Erkenntnisgewinnung. Voraussetzung für das Entstehen von Wissenschaft ist
• die Erfassung der ganzheitlichen Wirklichkeit durch den Menschen und die Vergegenwärtigung dieser Wirklichkeit im Bewusstsein sowie
• der Bedarf die Dinge zu erkennen, um richtig handeln zu können.
Wissenschaft ist dabei ein Prozess der Erarbeitung von Wissen, d.h. ein Versuch der systematischen Gewinnung von wahren Erkenntnissen. 31 Erkenntnisziel ist somit die Erforschung der Wahrheit und die Gewinnung eines sachlich geordneten Zusammenhangs von wahren und in ihrer Wahrheit gesicherten Urteilen. 32 Die Erarbeitung neuer Erkenntnisse und die Vergrößerung unseres Wissensstandes schließen dabei schöpferische Aktivitäten Einzelner oder Gruppen von Forschern ein. 33 Wissenschaft ist daher Inbegriff von Forschung und Lehre eines Wissens aufgrund der Erkenntnisse dieser Zeit und umfasst die methodische und institutionalisierte Tätigkeit dieser wissenschaftlichen Forschung und Lehre. 34
Das Ziel, wahre Erkenntnis zu erreichen, wird dabei nicht immer erreicht, denn wahren Urteilen begegnet man nur selten. 35 Oft kommt es nur zu wahrscheinlichen Annahmen oder auch nur zu der Stellung von Fragen und Problemen. Daher ist nicht jedes menschliche Erkennen mit wissenschaftlicher Erkenntnis gleichzusetzen.
27 Vgl. Hahn (1990), S. 3
28 Hahn (1990), S. 3
29 Vgl. hierzu und im Folgenden: Holzamer (1963), S. 874
30 Kant (1913), S. 369
31 Vgl. Fischer-Winkelmann (1990), S. 1299f
32 Vgl. Wöhe/Döring (2002), S. 22 und die dort aufgeführte Literatur
33 Vgl. Fischer-Winkelmann (1990), 1300
34 Vgl. Schneck (1994), S. 731
35 Vgl. hierzu und im Folgenden: Wöhe/Döring (2002), S. 22
8
Wissenschaft kann in Universal- und Einzelwissenschaften gegliedert werden. 36 Ge-genstand der Universalwissenschaften ist die Logik, die Ethik und die Metaphysik (Philosophie). Universalwissenschaften sind daher allgemein ausgelegt. Demgegenüber sind die Einzelwissenschaften dadurch geprägt, dass sie einzelne Beobachtungsbereiche formaler und realer Natur herausgreifen. Die Realwissenschaften teilen sich in Natur- und Geisteswissenschaften. Die Naturwissenschaften untersuchen die Natur des Menschen; die Geisteswissenschaften den Kulturbereich des Menschen; hierzu zählt auch die Wirtschaftswissenschaft. Letztere beschäftigt sich dabei mit dem ökonomischen Verhalten von Menschen in Abhängigkeit davon, was unter dem ökonomischen Prinzip im Zeitablauf zu verstehen ist. Hier zeigt sich, dass Wissenschaft einen dynamischen Erkenntnisprozess darstellt. Dieser dynamische Prozess im Wege vieler kleiner Schritte ist insbesondere für die Betriebswirtschaftslehre typisch, die zu den Wirtschaftswissenschaften zählt. 37
Aus der Sicht der Wissenschaft steht - wie durch die vorangegangenen Ausführungen erarbeitet - die Entwicklung allgemeingültiger und umfassender Aussagesysteme im Zentrum der Betriebswirtschaft. 38 Hingegen ist der Mittelpunkt der Betriebswirtschaftslehre aus der Sicht der Praxis ein anderer. Der Begriff Praxis kommt aus dem Griechischen (prattein) und bedeutet soviel wie „handeln“. 39 Praxis bedeutet folglich „die tatsächliche Durchführung einer Tätigkeit“ 40 . Damit kann man Praxis als Wirklichkeit sozio-technischer Systeme bezeichnen, z.B. in der Form von Vereinigungen, Unternehmen und Staaten. 41 Im Gegensatz zur wissenschaftlichen Sicht der Betriebswirtschaft steht bezüglich der praxisorientierten Sicht die Lösung konkreter betriebswirtschaftlicher Probleme in einer bestimmten Markt- und Unternehmenssituation im Vordergrund. 42 Hier bestimmen die angestrebten Unternehmensziele und der situative Rahmen die Lösung der Entscheidungsprobleme. Dieser Gegensatz zwischen Wissenschaft und Praxis manifestiert sich in einem Spannungsfeld, dass insbesondere die Kommunikation zwischen Wissenschaftler und Praktiker erschwert.
36 Vgl. hierzu und im Folgenden: Schneck (1994), S. 731
37 Vgl. Wöhe/Döring (2002), S. 22
38 Vgl. Meffert/Bruhn (1982), S. 93
39 Vgl. hierzu und im Folgenden: o.V. (2005h)
40 o.V. (2005h)
41 Vgl. Weber (2003), S. 3
42 Vgl. hierzu und im Folgenden: Meffert/Bruhn (1982), S. 93
9
4. Die Herausforderung durch den Wandel der Informationstechnologie (IT)
4.1 Der Produktionsfaktor Information in Unternehmen
Der Begriff „Information“ ist aufgrund seiner zahlreichen Verwendung in verschiedenen Wissenschaftsdisziplinen sehr vielschichtig. 43 Im Folgenden soll unter dem Begriff „Information“ zweckbezogenes Wissen verstanden werden. 44 Zweckorientierung bedeutet in diesem Kontext, dass nur solches Wissen als Information zu bezeichnen ist, das dazu dient, Entscheidungen oder Handeln vorzubereiten. 45 Die Bedeutung von Informationen in Unternehmen wird u.a. dadurch deutlich, dass Ziele über Informationen vorgegeben werden, die Zielerreichung über Informationen evaluiert werden kann, Interaktion und Kommunikation über Information stattfinden und Prozesse in Systemen über Informationen gesteuert werden. 46 Es zeigt sich, dass neben Information auch Kommunikation in Unternehmungen eine zentrale Rolle spielt, da ohne Kommunikation keine Information stattfinden kann. 47
Informationen als Grundlage betrieblicher Entscheidungen anzusehen, die von jedem Aufgabenträger für zielgerichtete Handlungen im Rahmen der betrieblichen Aufgabenerfüllung benötigt werden, bildet die Grundlage, Information als Produktionsfak-tor einzuordnen. 48 Während einige Autoren der Meinung sind, der Produktionsfaktor Information spiele keine oder nur eine untergeordnete Rolle, ist die Betrachtung der Information als Produktionsfaktor deshalb erforderlich, weil die Analyse des betrieblichen Herstellungs- und Verwertungsprozesses von Produkten zeigt, dass Informationen und Wissen zur Kombination der klassischen Produktionsfaktoren unumgänglich sind. 49 Die Ansicht, Information als Produktionsfaktor einzuschätzen, stellt In-formation daher gleichberechtigt neben die drei betriebswirtschaftlichen Produkti-onsfaktoren menschliche Arbeit, Werkstoffe sowie Arbeits- und Betriebsmittel. 50 Damit kennzeichnet das Schlagwort „Produktionsfaktor Information“ Informationen dahingehend, dass sie unter den heutigen Wettbewerbsbedingungen die gleiche fundamentale Bedeutung für Leistungserstellung und Unternehmenserfolg haben wie
43 Vgl. Buxmann (2001), S. 5
44 Vgl. Krcmar/Leimeister (2001), S. 29 und die dort aufgeführte Literatur
45 Vgl. Krcmar (2005), S. 17
46 Vgl. Schwarze (1998), S. 25
47 Vgl. Heinrich (2002), S. 7
48 Vgl. Krcmar (2005), S. 17
49 Vgl. Pietsch/Martiny/Klotz (2004), S. 40; Schwinn/Schnider (2002), S. 4
50 Vgl. Hübner (1996), 3
Quote paper:
Christian Bauer, 2005, Das Konzept des Chief Information Officer (CIO) - Bedeutung aus der Sicht von Wissenschaft und Praxis, Munich, GRIN Publishing GmbH
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