Verschiedene Modelle des Zweitspracherwerbs und damit
zusammenhängende Möglichkeiten und Probleme
von: Britta Zilgens
8. Semester
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 2
2. Erst- und Zweitspracherwerb 2
3. Die wichtigsten Theorien des Zweitspracherwerbs
3.1 Die Kontrastivhypothese 3
3.2 Die Identitätshypothese 5
3.3 Die Interlanguagehypothese 7
3.4 Das Monitormodell 11
4. Gegenüberstellung der Modelle 14
5. Ungesteuerter und gesteuerter Zweitspracherwerb 16
6. Fazit 18
7. Literaturverzeichnis 20
1. Einleitung
Im Bereich der Spracherwerbsforschung gab es zunächst hauptsächlich Untersuchungen über den Erwerb der Erstsprache. Erst in den letzten Jahrzehnten ist der Zweitspracherwerb zunehmend in den Blickpunkt des Interesses geraten. Insbesondere in den letzten dreißig Jahren erschien eine unüberschaubare Fülle an Aufsätzen und Monographien, in denen Theorien, Modelle und Hypothesen zum Zweitspracherwerb entwickelt worden sind. Die Heterogenität dieser Ansätze hatte aber zur Folge, dass bis heute keine der Theorien so umfassend und empirisch abgesichert ist, dass sie allgemein anerkannt wird (vgl. Vogel, 1990:10). Vielmehr versuchen Forscher immer wieder mit ihrer eigenen Theorie universale Aussagen über den Erwerb einer zweiten Sprache zu tätigen. Dabei werden aber nicht selten entscheidende individuelle und gruppenspezifische Unterschiede übersehen, so dass aus dem verstrickten Phänomen des Spracherwerbs ein unkompliziertes und einseitiges Modell wird (vgl. Klein, 1992:35).
Oftmals wurde auch schon die Meinung vertreten, dass eine gute, allgemeingültige Theorie für den Zweitspracherwerb erst durch das Verschmelzen der bereits bestehenden, konkurrierenden Hypothesen entstehen kann. Diese Zusammenfügung gibt es jedoch bis heute nicht, da die Gültigkeit und Vergleichbarkeit der Daten jeder einzelnen Theorie enorme Schwierigkeiten bereitet. Zudem ist es problematisch die Ergebnisse und Resultate anderer Autoren, ohne Prüfung der Zuverlässigkeit , einfach zu übernehmen. Andererseits gibt es aber auch oft nicht die Möglichkeit der Überprüfung, da der Zugang zu den Daten oder Kriterien der Überprüfbarkeit fehlen (vgl. Oksaar, 2003:89-92). In dieser Hausarbeit sollen nun, nachdem zu Beginn kurz der Zweitspracherwerb vom Erstspracherwerb abgegrenzt wird, die wichtigsten Theorien und Hypothesen, die zurzeit im Bereich der Zweitspracherwerbsforschung gelten, vorgestellt werden. Dabei sollen Chancen und Probleme beleuchtet und Vergleiche zu anderen Modellen gezogen werden. Darüber hinaus werden auch der gesteuerte und ungesteuerte Zweitspracherwerb zu betrachten sein, um feststellen zu können, welche Theorien sich für welche Form des Zweitspracherwerbs besonders eignen. Zum Ende werden dann die wichtigsten Ergebnisse noch einmal zusammengefasst und eine abschließende Stellungnahme formuliert.
2. Erst- und Zweitspracherwerb
In der Spracherwerbsforschung wird zwischen Erstsprache, Muttersprache , Zweitsprache und Fremdsprache unterschieden, dabei werden sowohl Erst- und Muttersprache als auch Zweit- und Fremdsprache meist synonym verwendet. Jeder dieser Begriffe hat aber streng genommen seine eigene spezielle Bedeutung, Diese wird aber im weiteren Verlauf der Arbeit vernachlässigt, da sie nicht weiter relevant ist. Unter Erstsprache wird allgemein die Sprache verstanden, die der Mensch zuerst erwirbt (vgl. Okssar, 2003: 13). Zweitspracherwerb bezeichnet dagegen jede Art des Erwerbs einer Sprache, die konsekutiv zum Erwerb der Erstsprache erfolgt (vgl. Oksaar, 2003: 15). Im Folgenden werden nun die allgemein anerkannten und wichtigen Aspekte bezüglich der Vergleichbarkeit von Erst- und Zweitspracherwerb dargestellt Dass beide Erwerbsformen identisch ablaufen, wie einige Wissenschaftler behaupten, darf dabei bezweifelt werden, denn es bestehen einige gravierende Unterschiede. Während man beim Erstspracherwerb aus dem Nichts anfängt und die Sprache als komplexes Phänomen, einschließlich Sprechfähigkeit lernen muss, ist dies beim Zweitspracherwerb nicht mehr notwendig. Hierbei muss der Lerner nur noch neue sprachliche Ausdrucksmöglichkeiten für gedanklich vertraute Bereiche lernen. Das Sprachhandeln und die Sprechfähigkeit sind ihm dagegen schon bekannt (vgl. Wienold, 1973: 29). Somit sind bereits die Ausgangssituationen vor dem Sprachlernen ganz verschiedene. Des Weiteren kann beim Zweitspracherwerb stets auf die Muttersprache zurückgegriffen werden, d.h. wenn dem Lerner in der neuen Sprache ein Begriff nicht bekannt ist, kann er diesen in seiner Erstsprache äußern (vgl. ebd. 1973: 30). Dabei ist die Wahrscheinlichkeit relativ groß, dass der Zuhörer den Sinn des Satzes trotzdem irgendwie versteht. Oksaar (2003: 109) hat zudem erkannt, dass Erstspracherwerb notwendig ist, um die grundlegenden Bedürfnisse des Lebens zu meistern. Dabei spielen besonders Bezugspersonen und soziale Kontakte eine entscheidende Rolle, denn ohne diese kann die Erstsprache nicht erworben werden. Konträr dazu kann der Lerner einer Fremdsprache viele verschiedene Gründe für den Erwerb einer zweiten Sprache haben. Diese kann er sich im Gegensatz zur Erstsprache auch selber aneignen.
Nachdem jetzt einige wenige, aber doch entscheidende Unterschiede zwischen Erst- und Zweitspracherwerb erläutert wurden, muss man davon ausgehen, dass beide Sprachen wahrscheinlich nicht auf die gleiche Weise erworben werden können. Welche Rolle aber die Erstsprache beim Erwerb einer Fremdsprache spielt, soll im Folgenden erläutert werden, wenn die wichtigsten Hypothesen des Zweitspracherwerbs vorgestellt werden.
3. Die wichtigsten Theorien des Zweitspracherwerbs
3.1 Kontrastivhypothese
[...]
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Britta Zilgens, 2005, Verschiedene Modelle des Zweitspracherwerbs und damit zusammenhängende Möglichkeiten und Probleme, Munich, GRIN Publishing GmbH
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