Welche Rolle spielen die Massenmedien im Prozess der politischen Sozialisation von Jugendlichen
Inhaltsverzeichnis
I Einleitung 3
II Hauptteil 4
A: Theoretische Grundlagen 4
1. Soziologische Herangehensweise 5
1.2. Was sind Sozialisationsinstanzen 6
1.3. Sozialisationsinstanz Massenmedien 6
2. Politikwissenschaftliche Herangehensweise 7
2.2 Was ist der politisch mündige Bürger 8
2.3 Die drei Dimensionen der politischen Sozialisation 8
3. Kommunikationswissenschaftliche Herangehensweise 9
3.2. Funktionen von Massenmedien in Demokratien 9
3.3. Wie wirken Massenmedien 10
3.4. Die drei Phasen der Medienwirkungsforschung 11
B: Mediennutzung von Jugendlichen in der Praxis 14
1. Freizeitbeschäftigungen von Jugendlichen 14
2. Mediennutzung von Jugendlichen 15
3. Einfluss der verschiedenen Sozialisationsinstanzen 16
III Fazit und Ausblick 19
IV Anhang 21
V Literaturverzeichnis 24
I. Einleitung
„Die notwendigen Veränderungsprozesse in Deutschland [...] benötigen eine klare Unterstützung durch die Bürger“ (Berliner Zeitung 2005). „Der Kanzler bewirkt mit seiner Entscheidung etwas Positives für das Land – [...] eine Entscheidung des Volkes“ (Berliner Morgenpost 2005). Sätze wie diese waren nach der Wahlniederlage der SPD bei den Landtagswahlen in Nordrhein-Westfalen am 22. Mai 2005 und der darauf folgenden Ankündigung des Bundeskanzlers Gerhard Schröder zu vorgezogenen Neuwahlen des Bundestages in vielen Zeitungen zu lesen. In den Kommentaren der Presse wurde damit die Grundfunktion von Demokratien hervorgehoben: Die Legitimation und Unterstützung durch das Volk. „Alle Staatsgewalt geht vom Volke aus“. So steht es auch im Grundgesetz (Kirchhof 2001: 15). Woher aber nimmt das Volk seine Kompetenz, sich selbst zu regieren? Wie wird aus einem apolitischen Baby ein politisch mündiger Bürger? Wer kann dazu beitragen, dass die Staatsbürger sich auch zu guten Staatsbürgern entwickeln und notwendige Veränderungsprozesse in ihrem Land unterstützen? Mit Fragen wie dieser beschäftigt sich innerhalb der Politikwissenschaft die Forschungsrichtung der politischen Sozialisation.
Wie die einleitenden Zitate gezeigt haben, ist ein Weg, politische Informationen und Meinungen zu vermitteln, der über die Medien. Politik wird heute zum großen Teil über Massenmedien erfahren (vgl. Kuhn 2000: 17). Wir leben in einer „Mediendemokratie“. Medien sind eine Instanz politischer Sozialisation. Politische Sozialisation ist ein Lernprozess und auch wenn oft von „lebenslangem Lernen“ gesprochen wird, so findet ein Großteil davon dennoch in der Kinder- und Jugendzeit statt. Ein Blick auf die Freizeitbeschäftigungen Jugendlicher zeigt, dass auch hier die Mediennutzung ganz oben steht. Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich darum mit den Medien als einer Instanz der politischen Sozialisation von Jugendlichen. Um den Platz der Medien im Prozess der politischen Sozialisation von Jugendlichen zu bestimmen, wird folgende Arbeitshypothese H aufgestellt:
H: Wenn Jugendliche Medien konsumieren, dann hat dieser Konsum auch Einfluss auf ihre politische Sozialisation.
Um diese Hypothese untersuchen zu können, werden zunächst die zentralen Begriffe politische Sozialisation und Medien definiert. Des Weiteren wird untersucht, inwiefern Medien überhaupt eine Wirkung auf die Rezipienten ausüben können (Medienwirkungsforschung). Dieser erste Teil soll eine theoretische Antwort auf die
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Frage geben, ob und inwieweit Medien eine Instanz politsicher Sozialisation sein können. In einem zweiten, anwendungsorientierten Abschnitt, wird die konkrete Mediennutzung Jugendlicher dargestellt. Welche Medien und Medieninhalte nutzen Jugendliche? Welche Rolle spielen politische Beiträge? Hat diese Mediennutzung positive oder negative Auswirkungen auf die politische Sozialisation? Der Schlussteil befasst sich kritisch mit dem Medienkonsum der Jugendlichen und diskutiert die Wichtigkeit von Medienpädagogik und politischer Bildung. Etwa drei Millionen Erstwähler werden an den vorgezogenen Neuwahlen im Herbst 2005 teilnehmen (vgl. infratest dimap 2005) – was dürfen wir von Ihnen erwarten?
II. Hauptteil
A: Theoretische Grundlagen
Das Forschungsgebiet der politischen Sozialisation liegt im Schnittpunkt verschiedener sozialwissenschaftlicher Disziplinen. Die Politikwissenschaft, die Soziologie, die Psychologie oder die Kommunikationswissenschaft – sie alle beschäftigen sich aus ihrer wissenschaftlichen Sicht heraus mit diesem Thema. Verschiedene Perspektiven sind gut und hilfreich, um einen Gegenstand umfassend zu beleuchten. In der vorliegenden Arbeit soll deswegen versucht werden, diese Vielfalt zu nutzen und die verschiedenen Forschungsperspektiven mit einzubeziehen. Die Sozialisationsforschung und die Psychologie sind an der Frage nach den Entwicklungsbedingungen politischer Orientierung im Kindes- und Jungendalter interessiert. Die Politikwissenschaft stellt Konzepte zur Erfassung politischer Orientierung und der Rolle des politischen Bürgers zur Verfügung. Die Kommunikationswissenschaft wiederum erforscht die Funktionen von Medien in Demokratien und die Medienwirkungen (vgl. Kuhn 2000: 18). Durch eine interdisziplinäre Herangehensweise wird es möglich, die politische Sozialisation von Jugendlichen durch Massenmedien genauer zu untersuchen und damit eine theoretische Grundlage für den zweiten, anwendungsorientierten Teil dieser Arbeit zu legen.
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1. Soziologische Herangehensweise
Nach Max Weber ist die Soziologie „eine Wissenschaft, welche soziales Handeln deutend verstehen und dadurch in seinem Ablauf und seinen Wirkungen ursächlich erklären will“ (ebd. nach Burkart 2002: 145). Die Ursachen von sozialem Handeln sind in der menschlichen Persönlichkeit angelegt. Diese ist den Menschen aber nicht von Geburt an gegeben, sondern entwickelt sich erst allmählich – im Prozess der Sozialisation.
1.1. Was ist Sozialisation?
Sozialisation allgemein beschreibt nach Hurrlemann den „[...]Prozess der Entstehung und Entwicklung der Persönlichkeit in wechselseitiger Abhängigkeit von der gesellschaftlich vermittelten [...] Umwelt“ (ebd. nach Schmid 2004: 3). Diese Definition enthält alle zentralen Elemente der Sozialisation. Sie hebt zum einen ihren Prozesscharakter hervor. Sozialisation ist nie abgeschlossen, sondern dauert das ganze Leben lang, da der Mensch lernt bis er stirbt. Deswegen kann man eigentlich auch immer nur vom jeweiligen Stand der Sozialisierung, der Sozialisation, sprechen (vgl. Burghardt nach Burkart 2002: 145). [Streng genommen ist die obige Definition deswegen auch eine für „Sozialisierung“. Die wissenschaftliche Literatur unterscheidet hier jedoch nicht trennscharf. Der besseren Verständlichkeit halber soll hier im Weiteren nur noch von „Sozialisation“ gesprochen werden.] Der größte Teil dieses Prozesses vollzieht sich jedoch während der Kindheit und Jugend. Dementsprechend konzentriert sich diese Arbeit nur auf diese Gruppe.
Sozialisation dient dazu, die menschliche Persönlichkeit zu entwickeln. Indem aus der Gesellschaft Normen, Werte, soziale Rollen, Einstellungen und Handlungskompetenzen übernommen werden, gliedert sich das Individuum in die Gesellschaft ein (vgl. Schorb et al. 2002: 495). Anders als Tiere, sind Menschen mit einer Instinktarmut ausgestattet und müssen erst einmal lernen, sich in der Welt zurecht zu finden (vgl. Claußen 1990: 120). Da Menschen nicht allein, sondern nur in der Gemeinschaft überlebensfähig sind, müssen sie sich in diese eingliedern. Diese Integration erfolgt jedoch nicht einseitig. Sozialisation ist kein einseitigdeterministischer Prozess („die Gesellschaft sozialisiert mich“), sondern die Individuen beteiligen sich aktiv daran, wählen bestimmte Inhalte aus und verweigern andere. Diese interaktive Sichtweise wird heute von der Mehrzahl der Forscher vertreten (vgl. Ingrisch 1997: 18).
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Die Werte und Normen, welche im Sozialisierungsprozess vermittelt werden, kommen aus der Umwelt. Da nicht alle Umwelteinflüsse erfassbar sind, beziehungsweise es unmöglich ist, sie alle zu erforschen und herauszufiltern, beschränkt sich die Sozialisationsforschung auf bestimmte, abgrenzbare Umwelteinflüsse: die so genannten Sozialisationsinstanzen (vgl. ebd.: 18).
1.2. Was sind Sozialisationsinstanzen?
Die Sozialisationsforschung Sozialisationsinstanzen zurück. Zu den Instanzen, die eine primäre Wirkung auf die Sozialisation haben, da die Menschen ihnen unausweichlich oder über längere Dauer ausgesetzt sind, zählen Familie, Schule, Gleichaltrige (peer groups) und Massenmedien (vgl. ebd.: 18). Diese Sozialisationsinstanzen existieren meist parallel nebeneinander. Auch wenn im Folgenden nur noch die Sozialisationsinstanz „Massenmedien“ untersucht werden soll, so darf nicht vergessen werden, dass der Einfluss der Medien nie getrennt von anderen Sozialisationsinstanzen gesehen werden kann, beziehungsweise ein derartiges Vorgehen einer gewissen Künstlichkeit und Realitätsferne unterliegt. Dies wird aber in Kauf genommen, um detailliert auf die Massenmedien eingehen und ihre besondere Bedeutung herausstellen zu können.
1.3. Sozialisationsinstanz Massenmedien
Bereits in der Einleitung wurde der Begriff „Mediendemokratie“ erwähnt. Wir leben heute in einer Welt, die zum großen Teil durch die Massenmedien vermittelt erlebt wird. Wir verbringen einen Großteil unserer Freizeit mit Medienkonsum. Es kann folglich nicht ausbleiben, dass die Massenmedien einen großen Einfluss als Sozialisationsinstanz haben. Sie gelten sogar als wichtigste Sozialisationsinstanz – vor Familie, Schule und Gleichaltrigen. Der Einfluss, der den Massenmedien im Sozialisationsgeschehen zugesprochen wird, leitet sich in erster Linie von der Tatsache her, „dass Medien eine bedeutsame Quelle politischer Information sind“ (ebd.: 29). Bevor deswegen näher auf die Massenmedien als einer Instanz von Sozialisation eingegangen wird, soll der Sozialisationsbegriff weiter spezifiziert und das Konzept der politischen Sozialisation dargelegt werden.
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2. Politikwissenschaftliche Herangehensweise
Die Politikwissenschaft beschäftigt das Thema der Sozialisation dergestalt, dass auch demokratische Werte und Normen erst erlernt werden müssen. Bevor Jugendliche mit 18 zum ersten Mal ihr Kreuzchen auf den Wahlzettel machen dürfen, muss ihnen bewusst sein, welche verantwortungsvolle Aufgabe sie damit als politisch mündige Bürger übernehmen.
2.1. Was ist politische Sozialisation?
Der Begriff der politischen Sozialisation wurde 1959 von Herbert Hyman in die amerikanische Literatur eingeführt. Er bezeichnete damit den „Teilprozess der allgemeinen Sozialisation, in dem politische Kenntnisse,
Einstellungen, Werte und Handlungsmuster erworben werden, die die Grundlage
konkreten politischen Verhaltens bilden“ (ebd. nach Ingrisch 1997: 11).
Im Rahmen der politischen Sozialisation soll das Individuum ins politische System hineinwachsen, Mitglied der politischen Gemeinschaft werden und als politisch mündiger Bürger zur Stabilität und Erhaltung des politischen Systems beitragen. Denn Demokratien funktionieren nur, wenn die Bürger die politische Ordnung einerseits unterstützen, andererseits in der Lage sind, die politische Macht zu kontrollieren (vgl. Schmid 2004: 5). Was mit diesem Konzept des politisch mündigen Bürgers als Ziel der politischen Sozialisation gemeint ist, wird deutlicher, wenn man die einzelnen Lernziele der politischen Bildung an deutschen Schulen genauer betrachtet (vgl. Kuhn 2000: 20).
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In den Rahmenrichtlinien des hessischen Kultusministeriums werden die Lernziele politischer Bildung wie folgt zusammengefasst (vgl. ebd.: 20):
Kenntnis der demokratischen Werte und Normen;
Akzeptanz der Grundwerte unserer Verfassung; Wissen über die politische Wirklichkeit in der Bundesrepublik; Entwicklung von Analysefähigkeit;
Erwerb von Wissen, um politisch handlungsfähig zu sein.
Die ersten drei Punkte sorgen für eine grundlegende Loyalität gegenüber der politischen Ordnung. Die Entwicklung von Analysefähigkeit ist notwendig, um sich eine eigene politische Meinung bilden und Politik kritisch bewerten zu können. Ohne diese Fähigkeiten können die Bürger ihre Responsivitätsfunktion nicht ausüben. Der letzte Punkt schließlich befähigt die Bürger zur Partizipation am politischen Leben. Dieses Idealbild des politisch mündigen Bürgers soll durch die politische Sozialisation entstehen. Es zeigt sich hier, wie auch bereits in der Definition von Hyman, dass politische Sozialisation nicht nur auf einer Ebene stattfindet. Kenntnisse, Einstellungen und Handlungen sind auf drei unterschiedlichen Dimensionen menschlichen Lernens angesiedelt.
2.3. Die drei Dimensionen der politischen Sozialisation
Claußen unterscheidet drei Dimensionen der politischen Sozialisation (vgl. nach Schmid 2004: 8): Die kognitive, die affektive und die Verhaltensdimension. Diese Unterscheidung ist wichtig, da die drei Dimensionen verschiedene „Ergebnisse“ der politische Sozialisation beinhalten.
Unter die kognitive Dimension fällt das Wissen über politische Institutionen und Prozesse. Die affektive Dimension umfasst die Bewertung politischer Inhalte, das Interesse an Politik und die emotionale Bindungen an Personen und Parteien. Die Verhaltensdimension schließlich betrifft den Aufbau von Handlungsbereitschaft im Sinne von politischer Partizipation.
Die verschiedenen Sozialisationsinstanzen wirken unterschiedlich stark auf diese drei Dimensionen ein. Wo die Massenmedien ihren besonderen Beitrag leisten, wird später noch erörtert. Zuvor soll mit Hilfe der dritten Forschungsrichtung, der Kommunikationswissenschaft, der Zusammenhang zwischen Politik, politischer Sozialisation und Massenmedien hergestellt werden.
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Sandra Markert, 2005, Welche Rolle spielen die Massenmedien im Prozess der politische Sozialisation von Jugendlichen?, Munich, GRIN Publishing GmbH
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