1 Einführung 2
2 Entstehung und Entwicklung des bürgerschaftlichen Engagements 2
2.1 Ehrenamt und bürgerschaftliches Engagement im europäischen Kontext 2
2.2 Bedeutung des bürgerschaftlichen Engagements im gesellschaftlichen Wandel 3
2.3 Engagierte gestern und heute 3
3 Ordnungsmodelle 4
3.1 Das etatistische Ordnungsmodell 5
3.2 Das sozialdemokratische Ordnungsmodell 5
3.3 Das korporatistische Ordnungsmodell 6
3.4 Das liberale Ordnungsmodell 6
4 Großbritannien 7
4.1 Staatliche Voraussetzungen 7
4.1.1 Bürgerschaftliches Engagement als mitgestaltendes Element des Sozialstaats 7
4.1.2 Staatliche Oberhand in Fragen der Engagementförderung 7
4.2 Aktuelle Projekte 9
4.2.1 Make a difference auf vielen Ebenen 9
4.2.2 Der Warner Report 10
4.2.3 Millennium Volunteers 10
5 Niederlande 10
5.1 Staatliche Voraussetzungen 10
5.1.1 Traditionslinien des bürgerschaftlichen Engagements 10
5.1.2 Ride the trend auf allen Ebenen 11
5.2 Aktuelle Projekte 12
5.2.1 Das Programm der sozialen Aktivierung 12
5.2.2 Spezialisierte Maßnahmen in der Freiwilligenarbeit 13
5.2.3 Veränderte Strukturen 13
6 Deutschland 14
6.1 Staatliche Voraussetzungen 14
6.1.1 Mehr als Ehrenamt 14
6.1.2 Förderung durch den Staat 15
6.2 Aktuelle Projekte 16
6.2.1 Enquete-Kommission 16
6.2.2 Aktion Tagewerk 16
6.2.3 Förderung von Engagement 17
7 Europäische Perspektiven 18
1 NA
1 Einführung
Im Folgenden werde ich nach einem allgemeinen Blick auf die Geschichte des bürge r- schaftlichen Engagements und dir Ordnungsmodelle nach Anheier/Toepler die Freiwilli- genarbeit in drei europäischen Ländern – nämlich in Großbritannien, den Niederlanden und Deutschland – genauer betrachten. Am Ende arbeite die erfolgreichen Ansätze heraus und welche davon in Europa weiter entwickelt werden.
Um Missverständnissen vorzubeugen, sei hier gleich gesagt, dass ich im fo lgenden Text den Begriff des Bürgers – wie den des Menschen – immer auch in der weibliche n Form denke und meine, aber nicht schreibe.
2 Entstehung und Entwicklung des bürgerschaftlichen Engagements
2.1 Ehrenamt und bürgerschaftliches Engagement im europäischen Kontext
Bei dem deutschen Begriff des Ehrenamtes, der in den anderen Ländern völlig unbekannt ist und auch schlecht zu übersetzen, handelt es sich um einen geschichtlich geprägten Be g- riff. Schon zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurde in Preußen „die Entstehung von Kom- munen als selbstverwaltete lokale Gemeinwesen“ (EK 2002: 32) gefördert und im Rahmen dieser Selbstverwaltung wurden die Bürger ehrenamtlich für ihre Gemeinde tätig. Diese Tätigkeiten gereichten den Ehrenamtlichen zur Ehre, sie waren gesellschaftlich anerkannt und aufgrund ihrer festgelegten Verantwortlichkeit auch amtlich.
Im Laufe der Zeit bürgerte sich der Begriff des Ehrenamts für viele unentgeltliche Tätig- keiten im Gemeinwesen, in Vereinen und Organisationen ein, auch wenn nicht alle diese Tätigkeiten den Merkmalen der Ehre und des Amtes entsprachen – wie etwa die Trainertä- tigkeit im Verein.
Um aber auch eine internationale Vergleichbarkeit zu erreichen und alle Formen der Mit- wirkung am Gemeinwesen, auch etwa Spenden, Mitwirkung in Selbsthilfegruppen, in Umweltorganisationen und ähnliches, zu erfassen, wurde der Begriff des Engagements eingeführt.
2
Bürgerschaftliches Engagement im Speziellen beinhaltet auch noch die gesellschaftstheo- retische Ebene. Im Zentrum steht der Bürger, also das Mitglied eines Gemeinwesens. „Bürgergesellschaft ist die Vision einer politischen Gemeinschaft, i n der nicht al- lein oder vorrangig der Staat und seine Institutionen für die Zukunft der politischen Gemeinschaft Verantwortung tragen. Bürgergesellschaft heißt, sich von der Vor- stellung der Allzuständigkeit des Staates zu verabschieden, zuzulassen und zu for- dern, dass (...) Bürger in größerem Maße für die Geschicke des Gemeinwesens Sor- ge tragen. Bürgergesellschaft ist eine Gesellschaft selbstbewusster und selbstver- antwortliche Bürger, eine Gesellschaft der Selbstermächtigung und Selbstorganisa- tion“ (EK 2002: 33).
Der Begriff Bürgerschaftliches Engagement ist also ein Kunstbegriff, bei dem schwer- punktmäßig herausgestellt werden soll, dass es sich um freiwillige, unentgeltliche und ge- meinschaftsbezogene Tätigkeiten handelt, also nicht um Arbeit oder auch nicht um rein individuelle Freizeitaktivitäten.
2.2 Bedeutung des bürgerschaftlichen Engagements im gesellschaftlichen Wandel
Das Engagement der Bürger hat auch immer etwas mit den gesellschaftlichen Rahmenbe- dingungen zu tun. Das Ehrenamt als solches war im 19. Jahrhundert noch politisch besetzt, später wurde dies auch auf Vereine, Kirchen und soziale Dienste ausgeweitet. Heute ist es jede Form der unentgeltlichen Tätigkeit für da Gemeinwesen, die vom einzelnen freiwillig geleistet wird.
Neben den Einsparungen für den Staatshaushalt verfolgt jede Regierung und jede Zeit auch ihre eigenen Ideologien im Zusammenhang mit dem bürgerschaftlichen Engagement. So ist es etwa in Zeiten hoher Arbeitslosigkeit wichtig, den Menschen sinnvolle Beschäft i- gungen anbieten zu können und damit auch den Verbleib in der Gesellschaft zu sichern. Dazu können bürgerschaftliche Engagements beitragen, wenn sie auf die individuellen Bedürfnisse passen. So kann das Bürgerengagement in seiner heutigen Form verstanden werden als „der soziale Kitt, der unsere Gesellschaft zusammenhält“ (EK 2002: 59).
2.3 Engagierte gestern und heute
Gerade im Bereich des bürgerschaftlichen Engagements finden sich die verschiedensten Aktivitäten, wie die Bestandsaufnahme der Enquete Kommission des Bundestages zeigt. Neben politischem und sozialem Engagement findet sich Engagement in Vereinen, Ver- bänden, Kirchen, Selbsthilfe und bürgerschaftliches Engagement in und von Unternehmen.
3
Es gibt nicht nur die Möglichkeit der eben aufgezeigten Zeitspenden, sondern auch Formen der monetären Unterstützung, die zum bürgerschaftlichen Engagement gezählt werden. Diese unterschiedlichen Formen von Engagement zeigen, dass es die unterschiedlichsten Motive für Bürgerengagement gibt.
Selbsthilfegruppen sind getragen von einem gemeins amen Problem, während Engagement von Unternehmen auch im Sinne der Unternehmenskultur gesehen werden muss. (Vgl. ebd.: 26 ff.).
Im Vorwort zum Bericht der Enquete Kommission spricht Dr. Michael Bürsch im Rahmen des bürgerschaftlichen Engagements von einem „Strukturwandel in den Motiven der enga- gierten (...) Bürger“ (ebd.: 2). Im Gegensatz zu langfristigen Engagements der Vergange n- heit, die aus einer Verbundenheit zur Organisation (wie etwa der Kirche) oder der Liebe zu diesem Verein bestehen blieben, „engagieren sich heute immer mehr Menschen eher spon- tan und projektförmig“ (ebd..: 2).
3 Ordnungsmodelle
In Anlehnung an die drei Wohlfahrtsstaatmodelle von Gösta Esping-Andersen 1 haben Les- ter Salamon und Helmut K. Anheier in ihrem Social Origins Ansatz vier Regimetypen im Hinblick auf den Nonprofit-Sektor vorgeschlagen. Unterschieden werden diese Ord- nungsmodelle „mit Hilfe von zwei zentralen Variablen: einerseits die Höhe der staatlichen Sozialausgaben am Bruttosozialprodukt als Indikator für die Rolle des Staates in der Ge- sellschaft; und anderseits die wirtschaftlich- monetäre Größe des Nonprofit-Sektors“ (An- heier/Toepler 2003: 33).
1
Gösta Esping-Andersen unterteilte die Staaten in drei Wohlfahrtsmodelle, deren Unterscheidung im Grad ihrer Dekommodifizierung liegt. Dekommodifizierung bedeutet, wie wenig notwendig es für den einzelnen Bürger zum Überleben ist, seine Arbeitskraft am Markt zu verkaufen.
In Großbritannien – wie in den USA – herrscht das angelsächsische Modell, das sich durch einen niedrigen Grad an Dekommodifizierung auszeichnet, denn dort gibt es nur geringe soziale Ansprüche an den Staat. Deutschland, die Niederlande und Frankreich entsprechen dem konservativen Wohlfahrtsstaat nach Esping- Andersen, der Dekommodifizierungsgrad ist mittel, die sozialen Ansprüche an den Arbeitsmarkt gekoppelt. In den skandinavischen Ländern schließlich finden wir das sozialdemokratische Modell, welches durch einen hohen Grad der Dekommodifizierung gekennzeichnet ist. Die sozialen Bürgerrechte sind besonders ausge- prägt und eine Gleichheit der Bürger auf höchstem Niveau wird angestrebt (Vgl. Hiss/Jahn 2003).
4
3.1 Das etatistische Ordnungsmodell
Das etatistische Ordnungsmodell finden wir in Europa nicht, obwohl Italien tendenziell etatistische Strukturen zeigt. Es handelt sich bei diesem Modell um eine staatlich dominier- te Sozialpolitik, wie sie zum Beispiel in Japan oder in einigen Entwicklungsländern prakti- ziert wird (vgl. Anheier/Toepler 2002: 36). Kennzeichnend sind neben niedrigen Sozia l- leistungen des Staates ein geringes Spendenaufkommen und die Tatsache, dass bürge r- schaftliches Engagement kaum vorkommt.
Der Staat übt in etatistischen Lä ndern „die Macht im eigenen Namen oder für bestimmte gesellschaftliche Gruppen aus, typischerweise für Wirtschaftseliten“ (ebd..: 36). Arbeiter und Intellektuelle organisieren sich kaum in Gruppen, religiöse Gemeinschaften und ande- re zivilgesellschaftliche Institutionen sind machtlos und die Menschen sehr autoritätshörig. Da man in Zusammenhang mit dem etatistischen Ordnungsmodell nicht von einem Wohl- fahrtsstaat sprechen kann, findet sich hier kein Bezug zu Gösta Esping-Andersens Modell.
Es bleibt festzuhalten, dass es in Ländern mit etatistischem Ordnungsmodell keine gleich- mäßige Entwicklung gibt, auch wenn ein leichter Aufwärtstrend zu verzeichnen ist. In Ja- pan helfen zum Beispiel neue Gesetze, die Einstellung zum Dritten Sektor zu verändern. Es wird etwas mehr Geld für diesen verwendet, die japanische Regierung „übt aber weiter- hin eine relativ starke Kontrolle über die Zielsetzung und das Finanzgebaren von gemein- nützigen Organisationen aus“ (ebd.: 51), was sich auch wieder negativ auswirken kann.
3.2 Das sozialdemokratische Ordnungsmodell
Im Social Origins Ansatz versteht man unter dem sozialdemokratischen Modell ein staat- lich finanziertes Wohlfahrtssystem, das sich durch starkes bürgerschaftliches Engagement auszeichnet. Es steht also genau im Gegensatz zum etatistischen System. Sowohl der Staat als auch die Bürger selbst engagieren sich für die sozialen Belange. Während soziale Dienstleistungen vorrangig staatlich finanziert und organisiert sind, sind Non-Profit Unter- nehmen Mittel, um „politische, soziale und kulturelle Interessen zum Ausdruck zu brin- gen“ (Anheier/Toepler.: 34).
Zu diesem sozialdemokratischen Modell – der Begriff entspricht dem von Gösta Esping- Andersen in seinem Modell der drei Wohlfahrtsstaatwelten – gehören die skandinavischen Länder, nämlich Schweden, Norwegen und Finnland.
5
Quote paper:
Ulrike Tremmel, 2005, Bürgerschaftliches Engagement im europäischen Vergleich, Munich, GRIN Publishing GmbH
This text can be quoted and accessed from this url:
Embed
DOI
Sociology - Political Sociology, Majorities, Minorities
Scholary Paper (Seminar), 16 Pages
Der klientenzentrierte Ansatz in der sozialpädagogischen Beratung - Ch...
Diploma Thesis, 150 Pages
Ökonomisierung der Jugendhilfe - Die Finanzierunginstrumente der Jugen...
Termpaper, 29 Pages
Einwanderungsland Deutschland - Probleme und Perspektiven?
Politics - Political Systems - Germany
Termpaper, 20 Pages
Wozu Erziehung? Über die Theorie der Erziehung bei Kant und Rousseau
Pedagogy - Science, Theory, Anthropology
Intermediate Examination Paper, 16 Pages
Bürgerschaftliches Engagement in der Zivilgesellschaft
Politics - Political Theory and the History of Ideas Journal
Scholary Paper (Seminar), 32 Pages
Die Ungerechten Verfassungen in Platons Politeia
Philosophy - Philosophy of the Ancient World
Scholarly Paper (Advanced Seminar), 25 Pages
Kostenlos aber nicht umsonst! Ehrenamtliches Engagement in Deutschland
Nursing / Foster Care Management / Social Services
Scholarly Research Paper, 26 Pages
Wandel der Familie im Kontext gesellschaftlicher Modernisierungstenden...
Pedagogy - Pedagogic Sociology
Intermediate Diploma Thesis, 33 Pages
Suizidforen im Internet - Gefährdung oder professionelles Hilfeangebot
Scholarly Research Paper, 22 Pages
Die Phasen der Einzelfallhilfe am Beispiel des Falls Mirko
Scholarly Paper (Advanced Seminar), 31 Pages
Managementstrategien und Controlling im Sozialwesen. Ursachen, Begründ...
Sociology - Work, Profession, Education, Organisation
Scholarly Paper (Advanced Seminar), 29 Pages
Wohlfahrtsregime nach Esping-Andersen - Deutschland und Dänemark
Politics - Political Systems - General and Comparisons
Scholarly Research Paper, 41 Pages
Ulrike Tremmel's text Bürgerschaftliches Engagement im europäischen Vergleich is now available as a printed book
Ulrike Tremmel has published the text Bürgerschaftliches Engagement im europäischen Vergleich
Ulrike Tremmel has uploaded a new text
Kombipack: Geschichte der Sozialen Arbeit 1 +2
Die Profession im Wandel ihrer...
Wolf Rainer Wendt
Quellen Bürgerschaftlichen Engagements
Die biographische Entwicklung ...
Michael Corsten, Michael Kauppert, Hartmut Rosa
Bürgerschaftliches Engagement unter Druck?
Analysen und Befunde aus den B...
Thomas Rauschenbach, Annette Zimmer
Bürgerschaftliches Engagement von Türkinnen und Türken in Deutschland
Dirk Halm, Martina Sauer
0 comments