Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis I
Tabellenverzeichnis III
Abbildungsverzeichnis IV
Abk ürzungsverzeichnis V
1 Einleitung Seite 1
1.1 Überblick über die weltweite Katastrophensituation Seite 1
1.2 Allgemeine Darstellung einer Katastrophenanleihe Seite 4
1.3 Ziel der Arbeit Seite 10
2 Die Rückversicherung als traditionelle Form der Absicherung von Seite 12
Versicherungsrisiken
2.1 Funktion der Rückversicherung Seite 12
2.2 Probleme der Rückversicherung Seite 15
2.2.1 Prämienanstieg Seite 15
2.2.2 Engpässe der Rückversicherungskapazität Seite 16
2.2.3 Moralisches Risiko bei der Rückversicherung Seite 17
2.2.4 Kreditrisiko bei der Rückversicherung Seite 20
2.2.5 Katastrophenreservenbildung bei Seite 21
R ückversicherungsunternehmen
2.3 Vorteile und Nachteile von Katastrophenbonds Seite 22
gegen über der Rückversicherung
3 Gestaltungsformen von Katastrophenbonds Seite 24
3.1 Allgemeine Erläuterung zu den Gestaltungsformen von Seite 24
Katastrophenbonds
3.2 Rückzahlungsmodus Seite 24
3.3 Zinszahlungsmodus Seite 26
3.4 Bezugsgröße Seite 28
3.4.1 Allgemeine Erläuterungen zur Bezugsgröße Seite 28
3.4.2 Bezug auf den individuellen Schaden der aus- Seite 28
gebenden Versicherung
3.4.3 Bezug auf einen Branchenindex Seite 29
3.4.4 Bezug auf einen Modellschadenswert Seite 31
I
4 Der Markt für Katastrophenbonds Seite 37 4.1 Teilnehmer am Markt für Katastrophenbonds Seite 37 4.2 Mengen- und wertmäßige Entwicklung von Seite 40 Katastrophenbonds 4.3 Der Primärmarkt für Katastrophenbonds Seite 44
4.4 Der Sekundärmarkt für Katastrophenbonds Seite 50 4.5 Rating von Katastrophenbonds Seite 51 4.6 Vergleich zwischen emittierten Katastrophenbonds Seite 53
und dem Auftreten von Naturkatastrophen 5 Fazit Seite 55 Anhang Seite 59 Literaturverzeichnis Seite 62
II
Tabellenverzeichnis
Tabelle1: Rückzahlungsbetrag einer Katastrophenanleihe in Seite 25
Abhängigkeit von der Erdbebenstärke
Tabelle 2: prozentuale Zinszahlung in Abhängigkeit von der Seite 27 Erdbebenstärke
Tabelle 3: Existenz verschiedener Probleme bei verschiedenen Seite 34 Rückversicherungsmöglichkeiten
Tabelle 4: Die 30 teuersten Versicherungsschäden von 1970-2004 Seite 59
Tabelle 5: Die 30 todesopferreichsten Katastrophen von 1970-2004 Seite 60
III
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1: Inflationsbereinigte Schäden aus Naturkatastrophen Seite 3
und davon versicherte Schäden von 1960-1997
Abbildung 2: Zahlungsströme eines Katastrophenbonds bei Seite 8 Nichteintritt einer Katastrophe
Abbildung 3: Zahlungsströme eines Katastrophenbonds bei Seite 9 Katastropheneintritt
Abbildung 4: Zeitliche Abfolge der Zahlungen eines einjährigen Seite 10 Katastrophenbonds
Abbildung 5: Darstellung des Risikotransfers bei der nichtpropor-Seite 14 tionalen Rückversicherung
Abbildung 6: Entwicklung von Gesamtemissionsvolumen, -anzahl Seite 41
Abbildung 7: Verbriefte Katastrophenrisiken nach Region und Seite 46
Abbildung 8: Im Umlauf befindliche Insurance-Linked Securities Seite 61
Abkürzungsverzeichnis
ca. := circa CH := Schweiz D.h. := Das heißt EURIBOR := Euro Interbank Offered Rate EDF := Electricité de France FIFA := Weltfußballverband f. := folgende Seite Hrsg. := Herausgeber ILS := Insurance-Linked Securities ind. := indischen IPO := Initial Public Offering LIBOR := London Interbanking Offered Rate o.V. := ohne Verfasserangabe OTC := Over the counter PCS := Property Claims Service petrochem. := petrochemischen S. := Seite SPV := Special Purpose Vehicle S&P := Standard & Poors Tab. := Tabelle UK := Vereinigtes Königreich US-$ := Währung der Vereinigten Staaten von Amerika Vgl. := Vergleiche Vol. := Volume (Band) z.B. := Zum Beispiel
V
1 Einleitung
1.1 Überblick über die weltweite Katastrophensituation
Katastrophen, insbesondere Naturkatastrophen, lösen weltweit immer höhere Schadenssummen aus. So war das Jahr 2004 das teuerste Katastrophenjahr aller Zeiten. Die versicherten Schäden betrugen im Jahr 2004 über 40 Milliarden US-$. Das bisherige Rekordschadensjahr, das Jahr 1992, in dem der gesamte versicherte Schaden 26 Milliarden US-$ betrug, wurde deutlich übertroffen. 1 Um die weltweite Katastrophensituation darstellen zu können, ist es zuerst einmal notwendig den Begriff Katastrophe zu definieren. Unter einer Katastrophe wird ein Schadensereignis verstanden, „das örtlich konzentriert oder weit verteilt Zerstörungen oder schwere Beschädigungen an Sachen, oder zahlreiche Todesopfer und/oder Verletzte, oder gravierende Umweltschäden zur Folge hat.“ 2 Katastrophen lassen sich im Folgenden in Naturkatastrophen und Man-made-Katastrophen unterscheiden. Eine Naturkatastrophe ist hierbei eine nicht von Menschenhand ausgelöste Katastrophe. Als prägende Eigenschaft der Risiken einer Naturkatastrophe gilt die Tatsache, dass sie zwar relativ selten auftritt, dafür aber so große Schäden auslöst, dass sie ein Versicherungsunternehmen aufgrund der resultierenden Schadensforderungen in die Insolvenz treiben kann. So handelt es sich bei Katastrophenrisiken also um Risiken, bei denen aufgrund der seltenen Auftrittshäufigkeit von Katastrophen eine sehr geringe Wahrscheinlichkeit besteht, dass die Versicherer Schadenszahlungen leisten müssen. Allerdings kann es im Fall eines Katastropheneintritts aufgrund der extrem hohen, resultierenden Schadenssummen dazu kommen, dass existenzbedrohliche Schadensansprüche auf die Versicherungen zukommen. 3 Bei einer Man-Made-Katastrophe handelt es sich um eine wie oben beschriebene Katastrophe, die unmittelbar durch Einfluss von Menschen ausgelöst wurde. Zu den Man-Made-Katastrophen zählen zum Beispiel Katastrophen, die durch Terroranschläge ausgelöst werden, oder Katastrophen, die auf menschliches Versagen zurückgehen.
Obwohl die Definition des Begriffs Katastrophe Verletzungen und Tod von Personen beinhaltet, sind diese Schäden für die Betrachtung von Katastrophenbonds
1 Vgl. o.V.(Handelsblatt, 29.12.2004), S.17.
2 Green (2003), S.42.
3 Vgl. Zweifel/ Eisen (2003), S.452.
eher unwichtig. Entscheidend ist hier, welcher Schaden an versicherten Werten entsteht, bzw. in welchem Umfang eine Versicherung für den entstandenen Schaden aufkommen muss. Dass Katastrophen, die viele Menschenopfer fordern häufig kaum Versicherungsschaden auslösen und umgekehrt Katastrophen die hohe Schadensforderungen der Versicherten an die Versicherungsunternehmen verursachen, kaum Todesopfer hervorrufen, kann aus den Tabellen 3 und 4 im Anhang entnommen werden. Ähnliches ist auch nach dem Seebeben in Südostasien vom 26. 12. 2004 zu beobachten. So nimmt die Ratingagentur Standard & Poors an, dass sich der Schaden aus dieser Naturkatastrophe lediglich auf ca. 10 Milliarden US-$ belaufen wird. Dabei handelt es sich um die Naturkatastrophe mit den zweitmeisten Todesopfern seit 1970. Der entstandene finanzielle Schaden ist somit geringer, als der Schaden, den andere Katastrophen im Jahr 2004 mit weniger Todesopfern ausgelöst haben. 4 Diese Tatsache hängt damit zusammen, dass nur ein sehr geringer Anteil der durch die Tsunamiwelle geschädigten Personen versichert war. Außerdem ist die gesamte Wertekonzentration in den betroffenen Regionen relativ gering. 5 Finanziell weitaus größere Gefahren bestehen für Regionen, die dicht besiedelt sind und in denen eine enorme Wertekonzentration existiert. Besonders sind hier Mega-Städte wie Tokio oder San Francisco zu nennen, die viele Einwohner haben und gleichzeitig in einem Risikogebiet für Naturkatastrophen liegen. 6 Da Katastrophenbonds versicherungstechnischen finanziellen Schaden absichern, bezieht sich im weiteren Verlauf der Arbeit der Begriff Katastrophe, auf ein Ereignis, das entweder durch ein Naturereignis oder ein Man-Made-Ereignis hohe finanzielle Schäden an versicherten Gütern auslöst. Der entstandene Schaden für die Versicherung steht also im Vordergrund. Katastrophenbonds deckten hierbei bisher in erster Linie Schäden ab, die aus Naturkatastrophen entstanden sind. Inzwischen werden aber manchmal auch Katastrophenbonds emittiert, die Man-made-Katastrophen abdecken.
Im Jahr 2004 entstanden durch Katastrophen nach einer Studie der Schweizer Rückversicherung finanziell direkt zurechenbare Gesamtschäden in Höhe von mehr als 123 Milliarden US-$. Die enorme Höhe der Schäden resultierte dabei in erster Linie aus der hohen Konzentration von Sachwerten in den Industrieländern.
4 Vgl. o.V. (Welt, 4.1.2005), S.22.
5 Vgl. o.V. (Handelsblatt, 3.1.2005), S.17.
6 Vgl. o.V. (Handelsblatt, 12.1.2005), S.14.
2
Von den entstandenen Schäden waren jedoch nur 40% durch eine Versicherung abgedeckt. Insgesamt 49 Milliarden US-$ mussten Versicherungsunternehmen weltweit als Schadensausgleich für Schaden, der aus Katastrophen entstanden ist, an ihre Versicherten bezahlen. 7
Abbildung 1: Inflationsbereinigte Schäden aus Naturkatastrophen und davon versicherte Schäden von 1960-1997 8
200
150
100
50
0
Es besteht also eine erhebliche Divergenz zwischen den entstandenen Schäden und den hiervon versicherten Schäden. Diese Divergenz ist unter anderem dadurch bedingt, dass Kapazitätsengpässe in der Versicherungs- und Rückversicherungsbranche im Hinblick auf Katastrophenrisiken vorherrschen. Diese Kapazitätsengpässe führen zu einem Preisanstieg bei Katastrophen abdeckenden Versicherungskontrakten. Dieser Preisanstieg wiederum führt dazu, dass sich für manchen Versicherungsschutzsuchende eine Versicherung, gegen aus Katastrophen entstehende Schäden, nicht mehr lohnt. Dies hängt auch damit zusammen, dass Katastrophen vergleichsweise selten auftreten und derartige Kosten von Unternehmen oder auch Privatleuten gerne eingespart werden. Solche Engpässe können teilweise durch Katastrophenbonds beseitigt werden und so das
7 Vgl. Zanetti/ Schwarz (2005), S.3.
8 Eigene Darstellung in Anlehnung an INRIVER (2.3.2005).
3
Ausmaß an nicht versicherten Schäden eingedämmt werden. Dass es sich bei Katastrophenbonds um ein sehr aktuelles Thema handelt, wird auch dadurch deutlich, dass die Versicherung AXA dieses Jahr erstmals plant, die Struktur von Katastrophenanleihen zu verwenden, um Autopolicen zu verbriefen und an den Kapitalmarkt zu transferieren. 9
1.2 Allgemeine Darstellung einer Katastrophenanleihe
Katastrophenanleihen werden in der Literatur häufig auch als Katastrophenbonds, Catbonds oder Catastrophe Bonds bezeichnet. Die Begriffe sind jeweils als Synonym zu betrachten. Bei Katastrophenbonds handelt es sich um Instrumente des alternativen Risikotransfers. Der alternative Risikotransfer stellt hierbei eine Vielzahl von Instrumenten und Techniken dar, Risiko an oder über die Kapitalmärkte zu transferieren. 10 Katastrophenanleihen sind der Klasse der Insurance-Linked Securities zuzuordnen 11 und sind deren bedeutendste Art. 12 Insurance-Linked Securities sind Wertpapiere, die es ermöglichen, das Risiko, dass aus dem Eintritt von Versicherungsereignissen hohe Verpflichtungen resultieren, an den Kapitalmarkt weiterzugeben. Katastrophenbonds bieten somit die Möglichkeit Versicherungsrisiken zu verbriefen (Securitization) 13 und durch die Emission einer Anleihe an den Kapitalmarkt zu transferieren. 14 Bei einer derartigen Verbriefung handelt es sich um eine Aufspaltung und Neugestaltung von Schadensrisiken eines Versicherers, um sie am Kapitalmarkt verkaufen zu können. Sie wird, wenn sie genutzt wird, häufig als Substitut für eine Rückversicherung verwendet. 15 Katastrophenbonds können so strukturiert sein, dass sie die Risiken einer lokalen Versicherung, oder eines global tätigen Unternehmens abdecken. 16 Insurance-Linked Securities gibt es an den Kapitalmärkten seit Mitte der 90er Jahre. 17 Die Idee für einen derartigen Risikotransfer geht zurück bis ins Mittelalter. Damals wurden in Italien Darlehen die ähnlich wie Katastrophenbonds strukturiert waren, an Kaufleute vergeben. Vom als Darlehen einbezahlten Betrag wurde ein Schiff
9 Vgl. o.V. (Handelsblatt 28.4.2005), S.23.
10 Vgl. Albrecht/ Schradin (1998), S-2-8.
11 Vgl. Zimmermann/ Schöchlin (2002), S.1.
12 Vgl. Thorpe (2001), S.1.
13 Vgl. Brühwiler/ Stahlmann/ Gottschling (1999), S.19.
14 Vgl. Dufey (2003), S.14.
15 Vgl. Doherty/ Schlesinger (2001), S.3.
16 Vgl. Belonsky (1999), S.5.
17 Vgl. Zimmermann/ Schöchlin (2002), S.1.
4
erworben. Das Schiff führte anschließend eine Expedition durch. War die Expedition erfolgreich und kehrte mit wertvollen Sachgütern zurück, erhielten die Darlehensgeber aus dem Erlös des Verkaufes der Sachgüter eine überdurchschnittlich hohe Verzinsung. Misslang jedoch die Expedition, zum Beispiel weil das Schiff in einem Sturm sank, erhielten die Darlehensgeber nichts von ihrem einbezahlten Kapital zurück. Der Kredit fiel also aus. Das Versicherungsrisiko, also das Risiko des Eintritts eines Sturms oder einer sonstigen Katastrophe, die zum Untergang des Schiffs führte, wurde auf die Darlehensgeber übertragen.
18
Katastrophenbonds funktionieren auf eine ähnliche Weise. Auch sie werden wie eine Versicherung eingesetzt. Hierfür wird zuerst von einem Unternehmen, welches sich versichern möchte eine Anleihe ausgegeben, in die Investoren bei der Zeichnung einen bestimmten Nominalbetrag einbezahlen.
19
Wie im mittelalterlichen Italien hängt die Höhe der Verzinsung, bzw. die Höhe des Rückzahlungsbetrages den die Investoren am Ende der Laufzeit erhalten, vom Eintritt eines Ereignisses ab.
20
Allerdings wird der eingezahlte Betrag nicht in Schiffe, sondern in Anleihen höchster Bonität investiert.
21
Tritt während der Laufzeit des Katastrophenbonds eine Katastrophe mit einer bestimmten Schadenshöhe ein, wird der Katastrophenbond zur Zahlung eines Teils der entstandenen Schäden des Versicherungsschutzsuchenden Unternehmens herangezogen. Dies kann entweder durch eine reduzierte Rückzahlung des einbezahlten Betrages, oder durch verringerte Zinszahlungen erfolgen. Kommt es jedoch während der Laufzeit der Anleihe nicht zum Eintritt einer Katastrophe, erhält der Investor eines Katastrophenbonds den einbezahlten Betrag vollständig zurück. Zusätzlich erhält er eine vergleichsweise hohe Verzinsung seiner Anlage.
22
Diese Zinszahlung setzt sich aus zwei Teilen zusammen: zum einen aus den Zinsen die durch Anlage des einbezahlten Nominalbetrags in risikolose Anlagen erzielt werden und zum anderen aus einer Prämie für das übernommene Versicherungsrisiko.
23
Katastrophenbonds sind meist als Floating Rate Notes ausgestaltet. Das heißt, der eine Teil der Zinszahlung, der aus der Anlage in risikolose Anleihen resultiert, ist variabel verzinst und wird während der Laufzeit der Anleihe an die jeweils aktuell am Markt herr-
18 Vgl.Doherty (1997), S.90.
19 Vgl. Croson/ Kunreuther (1999), S.8.
20 Vgl. Pfister (2003), S.36.
21 Vgl. o.V. Credit Suisse Anlagestiftung (2003), S.3.
22 Vgl. Croson/ Kunreuther (1999), S.3.
23 Vgl. o.V. Credit Suisse Anlagestiftung (2003), S.3.
5
schenden Konditionen angepasst. 24 Die Höhe dieses Zinssatzes, orientiert sich an einem Vergleichszinssatz. Als Vergleichszinssätze werden häufig der Euribor oder der Libor verwendet. Bei Euribor und Libor handelt es sich um Referenzzinssätze für Geldmarktprodukte. 25 Die Höhe des zweiten Teils der Zinszahlung hängt davon ab, wie groß das Risiko ist, dass es zu einem Katastropheneintritt kommt und Schäden beim dem sich versichernden Unternehmen durch Zahlungen des Katastrophenbonds abgedeckt werden. Wie groß dieses Risiko ist, hängt von der genauen Ausgestaltung der Anleihe ab. So sind unterschiedliche Ausgestaltungen in Bezug auf die Rückzahlung des einbezahlten Nominalwertes, auf die Höhe der Zinszahlungen und auf die Bedingungen, welche erfüllt sein müssen, damit ein Katastrophenbond zur Zahlung herangezogen werden kann, denkbar. 26
Ein Katastrophenbond kann sehr unterschiedliche Formen annehmen. Die genaue Ausgestaltung ist von den genauen Zielvorgaben abhängig, die das Unternehmen, das sich durch ihn versichern möchte mit der Emission verfolgt. Einen Überblick über die möglichen Ausgestaltungsvarianten und die Folgen, die hierbei für den Zedenten und die Investoren eines Katastrophenbonds resultieren, gibt das Kapitel drei. So handelt es sich bei Katastrophenbonds nicht um ein standardisiertes Produkt, welches immer in der gleichen Form auftritt. Viele verschiedene Variationen, die durch Kombination der verschiedenen Bezugsgrößen, Zins- und Auszahlungsmodalitäten, versicherten Gebiete und Laufzeitdauer entstehen, sind denkbar. Aus bestimmten im weiteren Verlauf der Arbeit noch näher erläuterten Gründen, ist der direkte Emittent der Anleihe aber meist ein Special Purpose Vehicle (SPV). 27 Dies ist ein Zweckunternehmen, welches nur für die Bondemission von dem Unternehmen gegründet wurde das sich versichern möchte, bzw. welches sein Versicherungsrisiko an den Kapitalmarkt übertragen möchte. 28 Der Sitz derartiger Special Purpose Vehicles liegt dabei aus steuerlichen und regulatorischen Gründen meist in einer offshore-Region wie den Cayman Islands oder den Bermudas. 29 Das Unternehmen, welches diese Special Purpose Vehicle gründet, wird auch als Zedent bezeichnet, da es (Rück-)
24 Vgl. Spremann/ Gantenbein (2005), S.231.
25 Vgl. Spremann/ Gantenbein (2005), S.230.
26 Vgl. König (1997), S.3-6.
27 Vgl. Loubergé/ Kellezi/ Gilli (1999), S.130f.
28 Vgl. Deistler/ Ehrlicher/ Heidorn (1999), S.10.
29 Vgl. Belonsky (1999), S.5.
6
Versicherungsschutz sucht und Risiko abgibt.
30
Bei einem Katastrophenbond handelt es sich rechtlich gesehen um einen Vertrag zwischen einem Versicherungsnehmer und Investoren. Diesem direkten Vertrag ist aber ein Special Purpose Vehicle zwischengeschaltet, das den Katastrophenbond emittiert.
31
Die Zwischenschaltung des Special Purpose Vehicle ist notwendig, um sicherzustellen, dass der Investor im Falle eines Konkurses des Versicherungsnehmers keinerlei Einschränkung bei der Rückzahlung des von ihm einbezahlten Nominalbetrags hinnehmen muss. Somit liegt keinerlei Kreditrisiko für den Investor vor. Der Investor verpflichtet sich einen bestimmten Betrag, nämlich den Nominalbetrag, vor Laufzeitbeginn an das Special Purpose Vehicle zu bezahlen.
32
Die in den Bond eingezahlten Anlagegelder werden kurzfristig, liquide und möglichst risikofrei angelegt, um deren Sicherung zu gewährleisten. Dazu werden meist staatliche Schuldpapiere mit kurzer Laufzeit von erstrangiger Bonität oder eine Anlage am Geldmarkt genutzt.
33
Als Folge hieraus kann festgehalten werden, dass für den Fall eines Katastropheneintritts das Geld bereits zur Verfügung gestellt und in dem Special Purpose Vehicle gesichert ist. Es besteht also nicht die Gefahr, dass der Investor als Folge der Katastrophe nicht mehr in der Lage ist, das dem Zedenten zustehende Geld zu bezahlen. Bei Katastrophenbonds ist also weder der Versicherungsnehmer noch der Investor einem Kreditrisiko ausgesetzt.
34
Der Versicherungsnehmer verpflichtet sich, die jährlich zu zahlende Versicherungsprämie oder einen anderen festgelegten Betrag ebenfalls an das Special Purpose Vehicle zu bezahlen. Dieser Betrag ist die Entschädigung für den Investor, dass er das Risiko eines (Teil-)Ausfalls seiner Einzahlung trägt.
35
Der Betrag spiegelt sich in der Zinsspanne wieder, die der Investor vom Zedenten als Zinszuschlag auf die risikolosen Zinsen aus Anlagen erstrangiger Bonität erhält. Diese Zinsspanne erhält der Investor als Entschädigung für das von ihm übernommene Risiko. Das übernommene Risiko, spiegelt sich in der Deckung der Katastrophenrisiken des Zedenten durch das Special Purpose Vehicle wider. Wann das Special Purpose Vehicle hier Katastrophenschäden abdecken muss, ist abhängig von einer festzulegenden Bezugsgröße. Die Ausgestaltungs-
30 Vgl.Pfeiffer(1994), S.13 und Lukarsch (1996), S.62.
31 Vgl. Deistler/ Ehrlicher/ Heidorn (1999), S.11.
32 Vgl. Nell/ Richter (2001), S.2.
33 Vgl. Brühwiler/ Stahlmann/ Gottschling (1999), S.82.
34 Vgl. Pfister (2003), S.37.
35 Vgl. Thorpe (2001), S.1.
7
möglichkeiten derartiger Bezugsgrößen werden in Kapitel drei genau beschrieben. Wenn keine Katastrophe eintritt, bekommt der Investor den gesamten Zinszahlungsbetrag als Couponzahlung am Ende jeder Periode ausbezahlt. Die folgende Abbildung stellt die Zahlungsströme für den Fall dar, dass kein Katastrophenereigniss während der Laufzeit des Bonds eintritt.
Abbildung 2: Zahlungsströme eines Katastrophenbonds bei Nichteintritt einer Katastrophe 36
Kommt es allerdings zu einem Katastropheneintritt, dann verändern sich die Zahlungsströme des Katastrophenbonds. Wie in Abbildung drei dargestellt, wird anhand der festgelegten Bezugsgröße für den Eintritt der Zahlungspflicht festgestellt, dass ein Teil des Nominalbetrags zur Deckung der Katastrophenschäden herangezogen wird, werden die kurzfristigen Anleihen aufgelöst. Ein Teil davon fließt zur Schadensdeckung an den Versicherungsnehmer. Der Betrag, der hierbei an den Versicherungsnehmer gezahlt wird, ist von der Stärke der Katastrophe, bzw. dem durch sie entstandenen Schaden abhängig. 37
36 Eigene Darstellung in Anlehnung an Zimmermann/ Schöchlin (2002), S.4.
37 Vgl. Loubergé/ Kellezi/ Gilli (1999), S. 130.
8
Abbildung 3: Zahlungsströme eines Katastrophenbonds bei Katastropheneintritt 38
Der mögliche Restbetrag, der nach Auszahlung an den Versicherungsnehmer übrig bleibt, fließt wieder zurück an die Investoren. Allerdings muss nicht immer ein Restbetrag an die Investoren fließen. Der Bond kann auch so ausgestaltet sein, dass der Investor keine Teilrückzahlung mehr erhält, sondern der Nominalbetrag vollständig an den Zedenten fließt. Inwieweit die Zinszahlungen des Katastrophenbonds von einem Katastropheneintritt beeinflusst werden, hängt von den Vereinbarungen bei der Bondemission ab. Entweder werden diese ebenfalls zur Schadensdeckung herangezogen, oder aber die Zinsen werden trotz des Katastropheneintritts vollständig gezahlt.
Die folgende Grafik zeigt die zeitlich Abfolge aller Zahlungen die bei einem Katastrophenbond ablaufen, wenn folgende Ausgestaltung einer Katastrophenanleihe angenommen werden: die Laufzeit des Bonds beträgt ein Jahr. Für den Fall eines Katastropheneintritts haftet das Special Purpose Vehicle nur mit dem Nominalwert und nicht mit der Zinszahlung. Für den Fall des Eintritts einer Katastrophe wird die Laufzeit des Katastrophenbonds so lange weiter verlängert, bis der genaue Betrag, den das Special Purpose Vehicle an den Zedenten zu bezahlen hat, ermittelt ist (im Beispiel 6 Monate). Erst dann wird der Restbetrag des Nominalwertes an die Investoren zurückgezahlt. Eine derartige Verlängerung der Laufzeit ist dann notwendig, wenn als Bezugsgröße für die Feststellung des
38 Eigene Darstellung in Anlehnung an Zimmermann/ Schöchlin (2002), S.4.
9
Katastropheneintritts direkte Schadenssummen entweder einer bestimmten Versicherung oder einer Gruppe von Versicherungsunternehmen verwendet werden. Aufgrund der Zeit, die benötigt wird, um die genauen Schadensbeträge zu ermittelt, muss die Laufzeit des Bonds verlängert werden. Außerdem wird ein sechsmonatiger Zinszahlungsrhythmus angenommen.
Abbildung 4: Zeitliche Abfolge der Zahlungen eines einjährigen Katastrophenbonds 39
0 6 12 18 Zeit in Monaten
1.3 Ziel der Arbeit
Die vorliegende Arbeit stellt den weltweiten Markt für Katastrophenbonds und dessen Merkmale dar. Hierbei wird bewusst nur der weltweite Markt betrachtet und nicht näher auf die Einzelmärkte eingegangen, da sich diese, abgesehen vom amerikanischen Markt, noch in der Entwicklungsphase befinden und deshalb für Einzelmarktbetrachtungen nicht ausreichend Datenmaterial liefern. Um näher auf Katastrophenbonds eingehen zu können und deren Vor- und Nachteile im Vergleich zur bisherigen Absicherungsform, der Rückversicherung, darstellen zu können, werden im zweiten Kapitel die Gründe dargestellt, die zur Entwicklung
39 Eigene Darstellung in Anlehnung an Belonsky (1999), S.6.
10
Arbeit zitieren:
Thomas Bachmann, 2005, Der Markt für Katastrophenbonds, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Der Einsatz von Cat-Bonds im Versicherungsunternehmen
BWL - Bank, Börse, Versicherung
Diplomarbeit, 68 Seiten
Die Schuldthematik in Ödön von Horváths Drama "Der jüngste Tag&qu...
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Hausarbeit (Hauptseminar), 26 Seiten
Das Frauenbild in Ödön von Horváths "Kasimir und Karoline"
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Hausarbeit (Hauptseminar), 22 Seiten
Wohlfahrtsstaaten im 21. Jahrhundert oder "Warum Esping-Andersen ...
Soziologie - Soziales System, Sozialstruktur, Klasse, Schichtung
Referat (Ausarbeitung), 22 Seiten
Ist die Typologie der drei Welten des Wohlfahrtskapitalismus von GØsta...
Politik - Politische Systeme - Allgemeines und Vergleiche
Seminararbeit, 15 Seiten
Sexing the Prairie - Male domination over female instincts in Martha O...
Hausarbeit (Hauptseminar), 23 Seiten
Formatvorlage (Microsoft Word) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Ha...
Für MS Word 2003 - Update 2010
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Der deutsche Nichtwähler - Krise oder Normalisierung
Politik - Politische Systeme - Politisches System Deutschlands
Seminararbeit, 24 Seiten
Bewertung verschiedener Deutun...
Politik - Internationale Politik - Allgemeines und Theorien
Hausarbeit, 27 Seiten
Die österreichische Printmedienlandschaft und das Kartellrecht
Jura - Medienrecht, Multimediarecht, Urheberrecht
Diplomarbeit, 121 Seiten
Thomas Bachmann hat den Text Der Markt für Katastrophenbonds veröffentlicht
Thomas Bachmann hat einen neuen Text hochgeladen
0 Kommentare