Vorwort
Diese Arbeit soll auf einfache Weise die Grundprinzipien der Montessoripädagogik aufzeige n. Sie soll dazu dienen, sich ein Bild über Montessoripädagogik machen zu können. Eventuelle Vorurteile auf Grund von Unwissenheit oder mangelhafter Information mögen dadurch beseitigt werden und bestenfalls sollte das Interesse geweckt werden, sich mit der Thematik weiter auseinander setzen zu wollen.
Die Punkte 1 - 4 sind theoretische Grundpfeiler Montessoris, die in einer geordneten Übersicht auf schnelle und einfache Weise nachgeschlagen werden können. Punkt 5 ist ein Auszug meines Montessoritagebuches, womit ich aufzeigen will, dass auch im Alltag zuhause mit den eigenen Kindern Grundgedanken Montessoris umgesetzt werden können.
Punkt 6 enthält das Literaturverzeichnis, in dem ich die Bücher nummeriert habe. Bei Zitaten verwende ich zur Angabe des verwendeten Buches ausschließlich die dem Buch zugeordnete Ziffer des Literaturverzeichnisses.
INHALTSVERZEICHNIS
1. Grundprinzipien - Die Polarisation der Aufmerksamkeit 4
2. Entwicklungsstufen 8
2.1. Sensible Perioden 9
2.1.1. Die Phase von 0-6 Jahre 10
2.1.2. Die Phase von 6-12 Jahre 14
2.1.3. Die Phase von 12-18 Jahre 15
2.2. Absorbierender Geist 16
3. Vorbereitete Umgebung 17
3.1. Regeln. 17
3.2. Entwicklungsmaterialien. 20
3.2.1. Materialien zu den Übungen des täglichen Lebens 20
3.2.2. Materialien zur Sinnesschulung 21
3.2.3. Didaktische Materialien. 23
3.3. Die Rolle des Erwachsenen. 24
4. Freiarbeit. 27
4.1. Voraussetzungen. 27
4.2. Merkmale. 28
4.3. Ziele 29
4.4. Eventuelle Schwierigkeiten. 30
4.5. Möglichkeiten. 30
5. Eigene Praxis 33
6. Literaturverzeichnis 39
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1. Grundprinzipien
„Wir nennen einen Menschen diszipliniert, wenn er Herr seiner selbst ist und folglich über sich selbst gebieten kann, wo es gilt, eine Lebensregel zu beachten.“ [6, S.57]
„Hilf mir, es selbst zu tun“ ist eines der bekanntesten Zitate Maria Montessoris. Wenn man dieses genauer betrachtet und darüber nachdenkt, befindet man sich schon inmitten der Prinzipien und der Pädagogik dieser Frau, welche die erste Ärztin Italiens war. Ein Grundgedanke der Montessori - Pädagogik ist, dem Kind zu helfen selbständig zu werden. Dies soll dadurch geschehen, dass der Le hrer 1 eine gut vorbereitete Umgebung anbietet, orientiert an den sensiblen Phasen des Kindes. Das Kind hat dann die Möglichkeit frei zu wählen, womit es sich beschäftigen will. Maria Montessori schreibt: „Die Vorbereitung der Umgebung und die Vorbereitung des Lehrers sind das praktische Fundament unserer Erziehung“ [5, S. 24]. Weiters stehen nicht nur die Freiheiten bezüglich der Frage „wann“ und „mit wem“ im Vordergrund, sondern die Freiheit ist dann erlangt, wenn das Kind sich den Bedürfnissen seiner Entwicklung entsprechend entfalten kann, so Frau Montessori. Ein weiteres Zitat über den Gedanken der Freiheit in dieser Pädagogik ist folgendes:
Die Freiheit des Kindes muss als Grenze das Gemeinwohl haben, als Form das, was wir als Wohlerzogenheit bei seine n Manieren und seinem Auftreten bezeichnen. Wir müssen also dem Kind all das verbieten, was die anderen kränkt oder ihnen schaden kann oder was als unschickliche oder unfreundliche Handlung gilt. Doch alles andere - jede Äußerung, die einen nützlichen Zweck, ganz gleich in welcher Art und Form verfolgt - soll ihm nicht nur erlaubt, sondern soll auch vom Lehrer beobachtet werden [6, S. 57].
Die Entwicklungsmaterialien, die Maria Montessori durch genaues Beobachten von Kindern entwickelt hat, sind ein Kernpunkt dieser Thematik Die Materialien dienen dem Erwerb von Tätigkeiten, die zur Selbstständigkeit führen. Außerdem unterstützen und fördern sie die kindliche Entwicklung. Das Kind, das sich ein Material frei gewählt hat, hat die Möglichkeit, sich solange damit zu beschäftigen, wie es möchte. Dies beinhaltet die Tatsache, dass es seine Übungen sooft wiederho len darf, wie es will. Anschließend wird das Material wieder genau an den Ort zurückgestellt, wo es vorher gestanden ist - zumeist in einem offenen Regals ystem.
1 Wenn ich vom Lehrer, dem Erzieher, dem Erwachsenen spreche, ist damit in der gesamten Arbeit immer der männliche und weibliche Lehrer, Erzieher, Erwachsene gemeint.
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Eine Aufgabe des Lehrers ist es, einem Kind ein Material anzubieten und es ihm darzubieten, wenn er davon überzeugt ist, dass es für dieses Kind gerade das Passende und Richtige ist. Maria Montessori schreibt dazu folgendes:
Worte sind nicht immer nötig, häufig genügt es, zu zeigen, wie der Gegenstand gebraucht wird. Ist es jedoch erforderlich, zu reden und dem Kind eine Einführung in die Verwendung des Entwicklungs- und Bildungsmaterials zu geben, muss Kürze das charakteristische Merkmal der Lektion sein; die Vollkommenheit besteht darin, das notwenige und ausreichende Minimum zu suchen [6, S. 120/121].
Bei einer Darbietung soll man als Lehrer mit so wenig Worten wie möglich auskommen. Es gehört zu den Aufgaben des Lehrers, diese Darbietungen gut vorzubereiten und dabei auch, wenn nötig, die Wortwahl gut zu durchdenken. Kennzeichnend für eine gute Darbietung ist die Reduktion des Tempos. Wir Erwachsene müssen die Darbietung möglichst langsam geben, um dem Kind damit zu ermöglichen, alles zu sehen, zu verstehen und aufzunehmen. Ein weiteres Merkmal der Darbietung in der Montessoripädagogik ist, dass man sie nur einem Kind gibt, welches so positioniert zuschauen kann, dass ihm während der Darbietung immer gutes Zusehen gesichert ist.
Ein mir sehr wichtig erscheinender Punkt ist in folgendem Zitat beschrieben: „Wir verlangen nicht, dass ein Kind dauernd aufnahmebereit sei, und legen eine vorübergehende Unaufmerksamkeit nicht als Mangel an gutem Willen aus. Wir wissen, wie stark die Fähigkeit im Kind ist, durch genaues Beobachten aufzunehmen“ [5, S. 26]. Auch als ein Grundprinzip der Montessoripädagogik möchte ich die Stilleübungen nennen, die Maria Montessori unter anderem zur Verfeinerung von Handlungen einführte. Diese Übungen machen den Kindern sehr viel Spaß und haben eine Wirkung, die durch kein anderes Lernen erzielt werden könnten.
Ferner stellte Maria Montessori durch ihr Beobachten fest, dass Lob und Tadel keinerlei positive Wirkung auf die Entwicklung und Erziehung des Kindes zeigen und machte somit zum Prinzip, die s aus der Montessoripädagogik fern zu halten. Die Polarisation der Aufmerksamkeit (1.1) sowie die Freiarbeit (4.) sind zentrale Grundlagen der Montessoripädagogik und werden im Folgenden genauer dargelegt.
Die Polarisation der Aufmerksamkeit
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Ein Schlüsselphänomen der Montesorri - Pädagogik ist die Polarisation der Aufmerksamkeit. Es ist das vorrangige Ziel, das es in der Erziehung der Kinder einzubringen gilt. Maria Montessori entdeckte dieses Phänomen erstmals bei einem ca. 3 jährigen Mädchen im Kinderhaus „Casa dei Bambini“. Dieses Mädchen war damit beschäftigt, Holzzylinder in die dafür vorgesehen Öffnungen zu stecken. Als Maria Montessori sah, wie sehr das Kind davon angetan war, beobachtete sie das Mädchen. Sie begann mitzuzähle n, wie oft das Kind die Zylinder bereits vollständig hinein getan hatte um sie schließlich alle wieder herauszustellen. Nach einiger Zeit bat Frau Montessori die Lehrerin, dass sie die übrigen Kinder dazu auffordern sollte laut zu singen und umher zu tanzen. Diese befolgten die Anweisung, allerdings ließ sich das kleine Mädchen davon nicht beirren und setzte ihr Tun fort. Schließlich nahm Maria Montessori den Stuhl, auf dem das Mädchen saß um ihn auf den Tisch zu stellen. Das Mädchen sammelte schnell alle Zylinder, die sich auf dem Tisch befanden ein und legte sich diese auf ihren Schoß, um ihre Beschäftigung fortsetzten zu können. Sie ließ sich also auch dadurch nicht stören und wiederholte ihre Arbeit trotzdem immer wieder. Als sie jedoch ihr Tun plötzlich beendete, scheinbar ohne jeden Grund, hatte Maria Montessori um die 40ig Wiederholungen gezählt. Das Kind wirkte anschließend sehr zufrieden und erholt und zeigte keinerlei Ermüdungserscheinungen. Diese Beobachtung hatte weitgehende Folgen. Maria Montessori war von nun an bestrebt herauszufinden, womit und wodurch dieser Zustand bei einem Kind hervorgerufen werden konnte und war darum bemüht, geeignete Bedingungen dafür zu schaffen. Um die Polarisation der Aufmerksamkeit hervorzurufen bedarf es, fand sie heraus :
- einer vorbereiteten und entspannten Umgebung (Kapitel 3)
- der Beachtung der sensiblen Phasen (Kapitel 2)
- des achtungsvollen und liebevollen Umgangs des Erziehers mit dem Kind (Kapitel 3.3)
- der Freiheit des Kindes in Bezug auf Initiative, Bewegung und Wahl (Kapitel 4) Weiters fand Maria Montessori heraus, dass die Polarisation der Aufmerksamkeit eine bestimmte Verlaufsform aufweist. Diese verläuft in drei Phasen.
1. die vorbereitende Phase
Diese Phase wird auch als Anlauf zur Arbeit bezeichnet. Sie ist gekennzeichnet durch Unruhe und Suchen. In ihr findet die Vorbereitung auf die eigentliche Arbeit statt, bei der dann die tiefe Konzentration zustande kommen wird. In dieser Zeit ist das Kind auf der Suche nach dem Richtigen, wählt unter verschiedenen Dingen aus, allerdings ohne dass es sich mit dem
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einzelnen intensiver auseinandersetzt. Diese Phase ist von viel kürzerer Dauer als die „Phase der großen Arbeit.“
2. die Phase der großen Arbeit
In dieser Phase darf der Erwachsene nicht eingreifen und durch sein Handeln stören. Charakteristisch für diese Phase ist die Wiederholung bestimmter Tätigkeiten bis zum Sättigungsgrad, der Wunsch Schwierigkeiten zu überwinden und Probleme selbst zu lösen. [vgl. 7, S.199] Diese Phase der großen Arbeit ist von relativ langer Dauer und gekennzeichnet durch das Aufgehen in der Arbeit wie auch in einer inneren Versenkung und äußeren Isolation [vgl. 2, S. 185].
3. die Phase, die sich nur im Inneren abspielt
Diese Zeit lässt sich als eine Phase der inneren Verarbeitung beschreiben. Es handelt sich um eine dritte Konzentrationsphase, in der neu gewonnene Eindrücke verarbeitet werden, wodurch sich das Kind Klarheit und Ordnung verschafft. Sie bildet den Schluss und wirkt für einen Außenstehenden wie ein gedankenvolles Ausruhen. Das Kind arbeitet nicht mehr, sondern betrachtet entweder seine eigene Arbeit oder die Arbeit der anderen Kinder recht lange und ausgiebig. Maria Montessori nennt diese Schlussphase „innere Sammlungsarbeit“ [2, S. 185].
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2. Entwicklungsstufen
„Von ganz besonderem Interesse ist für uns die vor kurzem gemachte Entdeckung der Biologie, wonach es in Bezug auf die Entwicklung ganz bestimmte Empfänglichkeitsperioden (sensible Perioden) gibt“ [7, S .247].
Von vielen Pädagogen und Eltern wird die Kindheit als ein Durchgangsstadium zum Erwachsensein betrachtet, und in diesem Sinne werden alle Bedürfnisse des kindlichen Lebens vom Erwachsenen her bestimmt. Aber die Kindheit ist nach Montessori ein Stadium der Menschheit, das sich vollkommen von dem des Erwachsenseins unterscheidet. Das Kind trägt nicht die verkleinerten Merkmale des Erwachsenen in sich, sondern in ihm wächst sein eigenes Leben, das seinen Sinn in sich selber hat. Nach Maria Montessori ist im Kind eine schöpferische Energie vorhanden, die es in die Lage versetzt, auf Grund von Umwelteinflüssen eine eigene seelische Welt aufzubauen. Diese Erkenntnis hat allerdings eine Vorgeschichte, denn sie stützt sich auf eine Entdeckung des Holländers Hugo de Vries (16.2.1848 - 20.5.1935). Dieser nämlich hatte bei Schmetterlingsraupen entdeckt, dass sie eine bestimmt Zeit lang hohe Sensibilität für Licht zeigten. Von dieser Feststellung ausgehend, machte Frau Montessori ihre eigenen Beobachtungen bei Kindern und konnte feststellen, dass es bestimmte Empfänglichkeitsperioden auch bei ihnen gab. Maria Montessori schreibt:
Sie sind von vorübergehender Dauer und dienen nur dazu, dem Wesen die Erwerbung einer bestimmten Fähigkeit zu ermöglichen. Sobald dies geschehen ist, klingt die betreffende Empfänglichkeit wieder ab. So entwickelt sich jeder Charakterzug auf Grund eines Impulses und während einer eng begrenzten Zeitspanne [7, S. 47].
Diese besonderen Empfänglichkeitsperioden nennt sie „Sensible Phasen“ bzw. „Sensible Perioden“. Dass diese s ensiblen Phasen auftreten, in welcher Reihenfolge und wie sie verlaufen, darauf hat der Erwachsene keinerlei Einfluss und kann somit von außen nichts bewirken bzw. nicht auf sie einwirken. Hat das Kind allerdings nicht die Möglichkeit, gemäß seinem inneren Verlangen zu handeln, weil ihm beispielsweise das nötige Angebot oder die Umgebung dazu fehlt, so kann es die Gelegenheit nicht nutzen, sich auf natürlich vorgegebene Weise diese Fähigkeit anzueignen. Allerdings, diese Gelegenheit ist für immer vorbei, sie wird sich nicht wiederholen: „Wir bemühen uns, die sensitiven Perioden, die Intervalle der inneren Entwicklung des Kindes, zu erkennen und i hnen in allem gerecht zu
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Arbeit zitieren:
Nicole Hochschwarzer, 2006, Grundlagen der Montessoripädagogik im Spiegel der eigenen Praxis, München, GRIN Verlag GmbH
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