Inhalt
1 Einleitung 1
2 Die Begriffskonstellation agathon - eudaimonia areté 2
2.1 Der Begriff des Guten (agathon) 2
2.2 Der Begriff der Glückseligkeit (eudaimonia) 4
2.3 Der Begriff der Tüchtigkeit (areté) 9
3 Grundgedanken zu dem Verhältnis von areté und eudaimonia 10
4 Fazit 12
5 Literaturverzeichnis 14
5.1 Primärliteratur 14
5.2 Sekundärliteratur 14
I
1 Einleitung
Die Nikomachische Ethik zählt zu den Moralphilosophien des Altertums. Sie unterscheidet sich jedoch von den anderen aus der Antike überlieferten Abhandlungen dadurch, dass sie keine „Gebrauchsanweisung“ zum vollkommenen Leben gibt und nicht den perfekten Menschen fordert. Sie ist das erste Werk überhaupt, das sich mit dem Thema befasst, was auch die Philosophie der Gegenwart als eine ihrer wichtigsten Aufgaben ansieht: „die phänomenologische Bestandsaufnahme der gegebenen ethischen Tatsachen.“ 1
Die Nikomachische Ethik behandelt die Lehre von der Sittlichkeit oder Tugend. Durch die Tugend erfüllt der Mensch seine Bestimmung, die darin besteht, dass er seine natürliche Vollendung erlangt und dadurch glücklich wird. Wie alles Lebendige nach einem Gut, dem höchsten Ziel strebt, so strebt auch der Mensch nach diesem höchsten Gut, der Glückseligkeit. Aristoteles schenkt der jenseitigen Glückseligkeit kaum Beachtung und beschäftigt sich mit der diesseitigen und irdischen Glückseligkeit.
Die folgende Hausarbeit soll sich mit der in dem ersten Buch der Nikomachischen Ethik eingeführten Begriffskonstellation agathon, eudaimonia, und areté beschäftigen. Hierbei werden zunächst die einzelnen Begriffe entsprechend ihrer Herleitung und Bedeutung definiert, und anschließend der Zusammenhang zwischen den Begriffen ausführlich herausgearbeitet und kurz diskutiert.
Die Frage nach dem letzten Ziel des Handelns, dem höchsten Gut für den Menschen, bildet den Ausgangspunkt der Nikomachischen Ethik und die Basis der zu erläuternden Begriffskonstellation.
1 Gigon, Olof: Aristoteles. Die Nikomachische Ethik, München. 2002. Vorwort
1
2 Die Begriffskonstellation agathon - eudaimonia – areté
2.1 Der Begriff des Guten (agathon)
Aristoteles stellt zu Anfang seiner Nikomachische Ethik folgendes fest:
„Jede Kunst und jede Lehre, ebenso jede Handlung und jeder Entschluß scheint
irgendein Gut zu erstreben. Darum hat man mit Recht das Gute als dasjenige
bezeichnet, wonach alles strebt.“ (NE 1094 a 1) Nach Aristoteles strebt demnach jedes menschliche Handeln nach irgendeinem Gut, besser gesagt, alles strebt nach einem gewissen Ziel. Zunächst gilt es allerdings zu untersuchen, was dieses Gut, vielmehr dieses Ziel beinhaltet. Ein Streben benötigt einen Gegenstand, ein Ziel (telos) des Strebens. Das Ziel oder der Zweck kann ein Werk sein, so z.B. die Schusterei. Diese gehört zur Kunst oder Kunstfertigkeit (techné). Bei einer techné wie dem Schusterhandwerk ist folglich das telos das ergon (Werk, Ergebnis, Produkt). In jeder Hinsicht beinhaltet also jedes Ziel etwas Gutes, welches angestrebt wird. Somit ist das Gute das, wonach alles strebt. (NE 1091 a 2) Die Tätigkeit kann aber auch selbst das Ziel sein, wie das z.B. beim „Leben“ der Fall ist, welches Aristoteles als Selbsttätigkeit, Selbstbewegung bestimmt. Das telos ist also die energea (Tätigkeit, Aktivität) selbst. 2
Somit geht Aristoteles von zwei verschiedene Arten von Zielen aus: entweder liegt das Ziel in der Tätigkeit selbst, oder eben außerhalb dieser Aktivität. Das Produkt einer Handlung kann also konkret oder abstrakt sein. Aristoteles stellt sich alle Tätigkeit als zielgerichtet vor, er geht immer vom Resultat, dem (erreichten) Ziel aus.
Ein Gut stellt demnach das Ziel dar, wonach sich alles Streben und Handeln richtet. Der Begriff des höchsten Gutes darf hier jedoch nicht als ein bestimmtes, einziges Gut aufgefasst werden, nach dem alles strebt. Aristoteles betont daher die Vielfältigkeit der Ziele. (NE 1094 a 6) Um den Begriff des Guten im aristotelischen Sinne richtig zu verstehen und in Zusammenhang zu bringen, sollte man die Behauptung „Ein Gut ist das Ziel, wonach alles strebt“ wie folgt umformulieren: „Jedes strebt jeweils auf ein Gut hin, welches das Ziel der jeweiligen Handlung darstellt.“ 3 Das agathon ist also jeweils das Ziel einer einzelnen Handlung bzw. techné und stellt nicht, wie man annehmen könnte, ein allumfassendes Ziel allen Strebens dar.
2 Vgl. Wolf, Ursula: Aristoteles` >Nikomachische Ethik<. Darmstadt. 2002, Seite 25.
3 ebd, Seite 26-27.
2
Aristoteles geht bei dem Begriff „Handlungen“ nicht von bestimmten individuellen Einzelhandlungen aus. Demnach soll nicht von den Einzelzielen konkreter Handlungssituationen und Handlungsträgern die Rede sein, sondern von dem eigentlichen Wesen des einzelnen Handlungstyps und seinem Ziel insgesamt im Dasein. Das Gute (agathon) ist nicht zu verstehen als das ethisch-moralisch gute Strebeziel einer bestimmten Person, welche die Handlung ausübt, sondern bezieht sich auf das durch Handeln erstrebte und erwünschte Gute. Der Anteil am höchsten Gut (agathon) verhilft dem Menschen zum einen zu einer umfassenden Weisheit, die jeder erwerben muss, um ein gottgefälliges und gemeinschaftsförderndes Leben führen zu können. Zum anderen bestimmt der Anteil am höchsten Gut die Qualität der eigenen Tüchtigkeit, des Könnens auf verschiedenen Gebieten menschlichen Wissens.
Die Ziele werden oftmals nicht ihrer selbst willen, sondern wegen anderer Ziele angestrebt, daher unterscheidet Aristoteles diese verschiedenen Ziele. Er bestimmt abermals das höchste Gut als dasjenige, das um seiner selbst willen angestrebt wird. Es ist also reiner Zweck und niemals nur ein Mittel. Daneben ist es auch vollkommener Zweck, was bedeutet, dass es keine Steigerung mehr geben kann, wenn man es erreicht hat. Dieses höchste Gut ist nach Aristoteles die Glückseligkeit (eudaimonia). (NE 1094 a 3)
Bis zu diesem Punkt lässt sich der Begriff des Guten inhaltlich und formal allerdings nur schwer fassen. Es erscheint ersichtlich, dass ein Gut das Ziel des Strebens darstellt, da jede Handlung von ihrem Wesen her zielgerichtet ist. Jedoch wird der Begriff „Gut“ durch die genannte Vielzahl von Handlungen, deren Zielen und somit einer Vielzahl von erstrebten Gütern bisher nicht ausreichend deutlich gemacht.
Da nicht alle Ziele gleichwertig sind, legt Aristoteles im weiteren Verlauf des ersten Buches der Nikomachischen Ethik eine Rangordnung der Ziele fest. Durch diese hierarchische Gliederung einzelner zu einem Handlungsbereich gehörenden technai gelangt man Schritt für Schritt zu einer leitenden techné, deren Ziel nicht das Mittel zum nächst höheren Zweck darstellt, sondern nur um seiner selbst willen erstrebt wird. 4
Aristoteles verdeutlicht dies am folgenden Beispiel: Die Sattlerei dient der Reitkunst, welche wiederum den Zweck der Kriegsführung verfolgt. Die techné der Kriegskunst zielt auf das Gute für die Polis ab. (NE 1094 a 9)
4 Vgl. Wolf, Ursula: Aristoteles` >Nikomachische Ethik<. Darmstadt. 2002, Seite 28.
3
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Daniela Schmitt, 2004, Der Zusammenhang zwischen dem Begriff des Guten (agathon), des Glücks (eudaimonia) und der spezifisch menschlichen Tüchtigkeit (areté) im 1. Buch der Nikomachischen Ethik, Munich, GRIN Publishing GmbH
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