Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 2
2 Allgemeines zur Apraxie 2
2.1 - Definition 2
2.2 - Klassifikation der Apraxie n 3
2.3 - Sonderformen
2.4 - Entdeckungsgeschichte
3 Neuroanatomische Grundlagen 5
4 Symptomatik der Apraxie 6
4.1 - Störungen im Umgang mit Objekten 6
4.2 - Fehlerhaftes Imitieren von Bewegungen 7
4.3 - Fehlende und entdifferenzierte kommunikative Gesten 8
5 Die Behandlung von Apraxie 9
6 Imitating Gestures and Manipulating a
Mannikin - Die Goldenbergstudie 10
6.1 - Die Liepmann-Studie 10
6.2 - Methodisches Vorgehen der Goldenbergstudie 11
6.3 - Ergebnisse 13
6.4 - Diskussion 14
6.5 - Die Hypothese des „Multi-Part Mechanical Object“ 15
Literaturverzeichnis 17
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1 Einleitung
Schädigungen des Gehirns wie sie z.B. bei einem Schlaganfall auftreten können, sind die Ursache vielerlei höchst unterschiedlicher Krankheitsbilder, in denen die Geschädigten nicht selten seltsame Verhaltensweisen an den Tag legen oder sich in bestimmten Bereichen des täglichen Lebens als vollkommen unfähig erweisen. In weniger drastischen Fällen hingegen sind die Beeinträchtigungen für die Umwelt vielleicht kaum wahrnehmbar. Wenn ein Patient nicht mehr weiß, wozu Objekte des normalen Umgangs dienen, so kann man dies sicherlich als schwere Beeinträchtigung werten. Wenn ein Patient eine Säge ratlos abtastet, sich mit Stempel und Stempelkissen ein „Sandwich“ bastelt, um es dann zum Mund zu führen und schließlich in einen Telefonhörer bläst, um daraufhin an beiden Muscheln zu lauschen, so ist dies die Folge einer spezifischen Schädigung neuronaler Strukturen. Einen Keks dagegen nimmt er mit routinierter Geschicklichkeit zu sich, ein erstaunliches Merkmal des Krankheitsbildes Apraxie. Der hier beschriebene Patient ist ein extremer Fall, bei dem weitere Störungen zusätzlich festgestellt wurden. Häufig sind die Fehlhandlungen nicht derart massiv, aber auch nicht weniger behindernd für den Patienten. Ein typischer Fall ist jener Versuch, in dem der Patient eine alltägliche Handlung wie das Zähneputzen ausführen soll. Er benutzt einen Becher ohne das Wasser aufzudrehen, versucht aus einer geschlossenen Tube Zahnpasta zu drücken und putzt die Zähne schließlich umständlich atypisch und in nicht effektiver Art und Weise. Nur das Aufdrehen des Verschlusses gelingt zügig und geschickt, ein Widerspruch, der für apraktische Störungen kennzeichnend ist. Die folgenden Ausführungen basieren auf dem Referat „Ideomotorische Apraxie und Imitation“ und der darin zugrunde gelegten Literatur und sollen dieses Krankheitsbild näher bele uchten.
2 Allgemeines zur Apraxie
2.1 Definition
Apraxie ist die Störung von Handlungen oder Bewegungsabläufen und die Unfähigkeit, Gegenstände bei erhaltener Bewegungsfähigkeit, Motilität und Wahrnehmung sinnvoll zu verwenden; Ursache: Erkrankungen oder Schädigungen des Gehirns oder der
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Kommissurenbahnen; Hauptformen: 1. ideomotorische Apraxie: Bewegungen werden fragmentarisch ausgeführt oder durch fehlerhafte ersetzt, eventuell besteht zusätzliche Aphasie; vor allem bei Läsionen des Parietallappens und der Kommissurenbahnen; 2. ideatorische Apraxie: komplexe und differenzierte Handlungen können infolge einer Störung des Bewegungsentwurfs (Ideation) nicht richtig aneinandergereiht werden; vor allem bei Läsion der temporoparietalen Region der dominanten Hemisphäre. 1
2.2 Klassifikation der Apraxien
Bei der oben genannten Unterscheidung der Apraxie in zwei Hauptformen, nämlich in die ideomotoris che und die ideatorische, handelt es sich zwar um die gängige, nicht aber um die einzig mögliche Klassifizierung. In der Tat gehen die Meinungen darüber, wie und in welchen Symptomen sich diese Formen äußern teilweise erheblich auseinander. Ideomotorische Apraxie zeigt sich demnach in der Ausführung zusätzlicher Bewegung bzw. durch Ersatz derselben, sowie in einer zunehmenden Annäherung an die vorher geforderte Bewegung. Außerdem stellt man das Auftauchen früherer, zum Beobachtungszeitpunkt jedoch kontextfremder Bewegungen fest. Symptome der ideatorischen Apraxie entsprechen dem Vertauschen bzw. Wiederholen von Hand lungen, dem Auslassen von Teilhandlungen bis zum „ratlosen Abbruch“, bei dem der Patient mit der gegebenen Aufgabe offenbar völlig überfordert ist. Wie schwierig es jedoch ist, einem Patienten genau eine dieser Formen zuzuschreiben wird am Beispiel einer Fischzerlegerin (Critchley 1965) deutlich: die Frau (mit biparietaler Läsion) hatte jahrelang problemlos in ihrem Beruf gearbeitet, bis die auftretenden Symptome der Apraxie ihr die weitere Ausübung unmöglich machten. Sie konnte die ihr lange vertrauten Vorgehensweisen zum Zerlegen eines Fisches nicht mehr durchführen. Mit ihrem Messer wusste sich nichts anzufangen, weshalb sie zunächst in den Kopf des Fisches stach, um dann beim ersten Schnitt inne zu halten. Im Geiste schien ihr klar zu sein, wie man einen Fisch ausnimmt und verarbeitet, aber sie konnte die Absicht nicht in die Tat umsetzen. Zusätzlich konnte sie einmal begonnene Arbeiten nicht vollenden, stattdessen sammelten sich die unerledigten Aufgaben über die Zeit an. Konnte die Fischzerlegerin nicht planen, wie man einen Fisch filetiert? Tatsächlich hat sie es irgendwie wahllos versucht, weswegen man eine ideatorische Apraxie diagnostizieren würde. Hat sie sich das Ziel gesetzt, den Fisch zu filetieren, konnte es aber aufgrund einer Unfähigkeit einzelne Teilschritte richtig durchzuführen nicht erreichen? Auch dies wäre denkbar und würde auf die Diagnose einer ideomotorischen Apraxie hinauslaufen. Wenn
1 Vgl. Pschyrembel - Klinisches Wörterbuch
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Zielvorstellung und Bewegungsfolgen vorhanden wären, die notwendigen Bewegungen aber trotzdem für die Patientin nicht umsetzbar wären, würde man eine motorische Apraxie annehmen. Man erkennt hier die offenkundige Unterscheidung zwischen dem Wissen, was zu tun ist und der Fähigkeit, es auch umzusetzen. Welche Art von Apraxie im genannten Fall aber tatsächlich vorliegt, lässt sich mit der klassischen Definition jedoch nicht mit Sicherheit sagen. Die im folgenden zu behandelnden Sonderformen dieser Störung sowie die mehr oder weniger willkürlichen Klassifikationen der Apraxie in klinischen Beschreibungen verbessern nicht gerade die Trennschärfe der Begrifflichkeiten, insbesondere da neue Typen nicht unbedingt auf die Entdeckung tatsächlich neuer Symptome zurückgehen, sondern nicht selten das Ergebnis anderer Untersuchungsmethoden sind.
2.3 Sonderformen der Apraxie
Wie erwähnt finden sich in Internet und Literatur immer wieder (vermeintlich) neue Klassifikationen und Typen der Apraxie, wobei einige Sonderformen als gemeinhin anerkannt gelten können. Hierzu zählen: 1) die gliedkinetische Apraxie, die eine zentrale Bewegungsstörung bezeichnet, welche auf eine zentralen motorischen Lähmung (kontralaterale Schädigung des Gyrus precentralis) zurückzuführen ist; 2) die okulomotorische Apraxie, bei der willkürlich oder visuell ausgelö ste rasche Augenbewegungen mit ruckartigen Kopfbewegungen kompensiert werden (bilaterale frontoparietale Läsion); 3) die konstruktive Apraxie, die gestaltende Handlungen unter visueller Kontrolle, z.B. bei der räumlichen Formgebung (Zeichnen) oder bei Puzzlespielen, misslingen lässt, ohne dass eine Beeinträchtigung elementarer Bewegungsabläufe vorliegt; 4) die „Ankleideapraxie“, eine Störung der Fähigkeit, räumliche Beziehungen zwischen Objekt und Körper herzustellen 2 ; 5) die bukkofaziale Apraxie, deren Symptom das Versagen bei der Durchführung von Bewegungen des Mundes und des Gesichts auf verbale Aufforderung oder bei Imitation ist. Patienten, die zusätzlich zur apraktischen Störung unter einer Halbseitenlähmung leiden, sind in höchstem Maße eingeschränkt, da die nicht gelähmte Seite apraktisch ist und daher Handlungen insgesamt kaum noch ausführbar sind.
2.4 Zur Entdeckungsgeschichte der Apraxie
Die Symptome der Apraxie wurden bereits im Jahre 1867 von Hughlings Jackson beschrieben, den Begriff prägte Stendhal fünf Jahre später. Apha sische Patienten konnten Willkürbewegungen nicht mehr ausführen, obwohl ihnen offenbar nicht eine
2 vgl. Pschyrembel: Klinisches Wörterbuch
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Arbeit zitieren:
Christof Niemann, 2005, Ideomotorische Apraxie und Imitation, München, GRIN Verlag GmbH
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