3. Die blaue Banane
Als „blaue Banane“ wird das Gebiet um die Achse London - Frankfurt - Mailand bezeichnet.
Es gilt als das wirtschaftliche Hauptgebiet der europäischen Union, da es eine überdurchschnittliche Bedeutung im ökonomischen, kulturellen sowie im politischadministrativen Bereich besitzt. Darüber hinaus sind dort die objektiven Zugangsmöglichkeiten und -wahrscheinlichkeiten sowie die subjektiven Aufnahmebereitschaften der Akteure hinsichtlich Innovationen und neuen Investitionen besonders hoch.
Das Zusammenfassen dieser Gebiete zu einer Einheit auf überstaatlicher Ebene basiert auf den vergleichsweise einheitlichen Entwicklungsstandards und relativ ähnlichen Strukturen in demographischer, ökonomischer, kultureller und politisch - administrativer Hinsicht. In den anderen beiden Triade-Mitgliedern, Japan und den USA, gibt es ebenfalls solche Kerngebiete mit überragender Bedeutung für den Gesamtraum. Einerseits den Raum Washington-Norfolk, andererseits den Raum Tokio-Nagasaki.
Die blaue Banane ist allerdings kein homogenes Gebilde, es gibt dünn besiedelte Regionen (z.B. das Rheinische Bergland oder die Alpen) genauso wie Regionen mit Strukturproblemen (z.B. das Saarland), bzw. mit hoher Entwicklungsdynamik (z.B. der Raum München). In der letzten Zeit gab es jedoch eine Tendenz zu einer Südverlagerung des Schwerpunktes hin zum sogenannten „Sunbelt“, der sich etwa von der Toskana über das französische Mittelmeergebiet bis nach Katalonien erstreckt.
Gründe hierfür sind:
- die billigere Verfügbarkeit von Arbeitskosten und Grundstückspreisen
- die Strukturkrise der traditionellen Industrien
(v.a. im Saargebiet, Rhein/Ruhr, Nordost-Frankreich und den englischen Midlands)
- sowie Agglomerationsprobleme in den Ballungszentren der „blauen Banane“ (z.B. Verkehrsüberlastung, schlechte Wohn-/Umweltqualität, Überalterung der Bevölkerung)
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Der Sunbelt ist jedoch zu heterogen mit seinen starken räumlichen Disparitäten (z.B. Toskana-Nordostspanien), als dass er die blaue Banane wirklich ablösen könnte; das Gravitationszentrum der Bedeutung hat sich nur weiter nach Süden verschoben.
4. regionale Disparitäten
Definition (nach Diercke Wörterbuch der Allgemeinen Geographie,1993): „Unausgeglichenheit der Raumstrukturen in einer bzw. in verschiedenen Regionen. Regionale Disparitäten äußern sich in unterschiedlichen Lebensbedingungen sowie in ungleichen wirtschaftlichen Entwicklungsmöglichkeiten. Der Stadt-Land-Gegensatz kann als eine Form der räumlichen Disparität aufgefasst werden.“ (LESER 1993, S.114) Hieraus ergibt sich allerdings wieder das Problem: Was sind Regionen ? Über diese Thematik gibt es diverse Artikel und Meinungen, das statistische Amt der Europäischen Union, Eurostat, teilt in 4 Ebenen ein:
„Nomenclature des unités territoriales statistiques“ (NUTS)
- Mitgliedsstaat
- NUTS-1-Ebene (über 3 Mio. Einw.) : in Deutschland etwa größere Bundesländer
- NUTS-2-Ebene (800.000 bis 3 Mio. Einw.) : in Deutschland Regierungsbezirke und kleinere Bundesländer
- NUTS-3-Ebene (unter 800.000 Einw.) : in Deutschland Landkreise und kreisfreie Städte
Obwohl man sagen kann, dass die generellen ökonomischen Disparitäten abnehmen, nehmen die regionalen Disparitäten zu. Räumliche Polarisierungsprozesse sind die Folge.
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KKS bedeutet Kaufkraftstandards , mit denen Wechselkursunterschiede und allgemeine Unterschiede im Preisniveau zwischen den einzelnen Ländern ausgeglichen werden.
„Die absehbaren, künftigen finanziellen Ressourcen in Deutschland und Europa (EU) lassen nur die Verhinderung einer unerwünschten passiven Sanierung von Regionen zu.“ (H.P. Gatzweiler, 1998, S.33)
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Arbeit zitieren:
Lars Schieber, 2002, Wirtschaftliche Entwicklung der EU - räumliche Disparitäten, München, GRIN Verlag GmbH
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