Durch sinkende Transport- und Kommunikationskosten und den Abbau wirtschaftspolitischer Handelshemmnisse schreitet die Globalisierung der internationalen Produktion rasch voran. Das Wirtschaftswachstum der Industrieländer und eine raumwirtschaftliche Spezialisierung ist dabei nicht mehr alleine durch die Verfügbarkeit, die Akkumulation und die unterschiedlichen Preise der traditionellen Produktionsfaktoren Boden, Arbeit und Kapital zu erklären. Im Welthandel ist ein kontinuierlich wachsender Anteil von Gütern mit hoher Forschungs- und Entwicklungsintensität und hoher technologischer Komplexität zu erkennen. Der Produktionsfaktor Wissen bzw. die Fähigkeit, Innovationen hervorzubringen, sind daher entscheidend für die Wettbewerbsfähigkeit eines Standortes.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Innovation und Interaktion
2.1 Definition des Begriffs Innovation
2.2 Merkmale des Innovationsprozesses
2.3 Raumwirksamkeit von Innovationen
2.4 Die Bedeutung wissensbasierter Wettbewerbsvorteile
3. Lernprozesse als Chance einer wissensbasierten Weiterentwicklung von Standorten in Entwicklungsländern?
3.1 Optionen für einen möglichen technologischen Anschluss von Entwicklungsländern
3.1.1 Outsourcing und Verlagerung von Fertigungsstätten
3.1.2 Graduelle Übergänge zwischen faktorkostenbasierten und wissensbasierten Wettbewerbsvorteilen
3.1.3 Verschiedene Pfade technologischer Aufwertung
3.1.4 Know-how Transfer durch Investitionen
3.2 Ausländische Direktinvestitionen und ihre Bedeutung für technologische Lernprozesse
4. Anforderungen an die Wirtschaftspolitik für eine technologische Aufwertung
4.1 Fokussierung technologiepolitischer Ziele
4.2 Ausbau spezieller Standortvorteile
4.3 Anwerbung international tätiger Großunternehmen
4.4 Förderung des Wissens- und Technologietransfers
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, ob faktorkostenbasierte Standorte in Entwicklungsländern durch Lernprozesse eine wissensbasierte Spezialisierung erreichen können, um einen technologischen Anschluss an die Weltwirtschaft zu finden.
- Innovationsmodelle und deren raumwirksame Bedeutung
- Möglichkeiten der technologischen Aufwertung durch Outsourcing und Investitionen
- Die Rolle von ausländischen Direktinvestitionen als Motor für Lernprozesse
- Wirtschaftspolitische Strategien zur gezielten Standortentwicklung
- Pfadabhängigkeit und technologische Lernpfade
Auszug aus dem Buch
3.1.3 Verschiedene Pfade technologischer Aufwertung
In Kapitel 2.2 wurde erläutert, dass Innovationsprozesse pfadabhängig sind, da sie auf vorhandenen Wissensbeständen, Interaktionsmustern oder komplementären Systemkomponenten aufbauen. Durch den Ausbau bestimmter Standortfaktoren werden also technologische Pfade für eine zukünftige Spezialisierung angelegt, die eine gewisse Bandbreite an Wahlmöglichkeiten bieten.
Der wissensbasierte Charakter der Spezialisierung ist von besonderer Bedeutung, da dadurch Markteintrittsbarrieren für Konkurrenten entstehen (siehe Kap. 2.4). (vgl. ALTENBURG 2003, S. 74)
Fünf Aufwertungsstrategien, die alle zu einer wissensbasierten Spezialisierung führen, werden unterschieden:
Eine Strategie ist die Produktaufwertung. Dazu gehört z.B. die Einführung neuer Produkte, die Produktdifferenzierung oder die Produktverbesserung (schneller als die Konkurrenz). (vgl. KAPLINSKY/ MORRIS 2001, S. 38)
Eine weitere Strategie ist die Prozessaufwertung mit dem Ziel, die Effizienz interner Prozesse so zu erhöhen, dass sie besser ist als die der Konkurrenz. Beispiele dafür sind die Straffung, Standardisierung und Zertifizierung von Verfahren.
Zudem gibt es die Strategie der Übernahme zusätzlicher Stufen im gleichen Wertschöpfungsprozess. In der Bekleidungsindustrie bedeutet das beispielsweise die Ergänzung des lohnkostenintensiven Nähens um Beschaffung, Zuschnitt, Nachbehandlung, Verpackung und Auslieferung (full-package-supply). (vgl. ALTENBURG 2003, S. 74)
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Globalisierung der Produktion ein und stellt die Forschungsfrage, ob Entwicklungsländer durch Lernprozesse technologische Aufholprozesse realisieren können.
2. Innovation und Interaktion: Hier werden theoretische Grundlagen zu Innovationen und deren räumlichen Auswirkungen sowie die Bedeutung von Wissen als Wettbewerbsvorteil erläutert.
3. Lernprozesse als Chance einer wissensbasierten Weiterentwicklung von Standorten in Entwicklungsländern?: Das Kapitel analysiert Optionen für technologische Fortschritte, wie Outsourcing und Direktinvestitionen, sowie verschiedene Strategien der Aufwertung.
4. Anforderungen an die Wirtschaftspolitik für eine technologische Aufwertung: Es werden vier Handlungsfelder für die Wirtschaftspolitik definiert, um technologische Lernprozesse zielgerichtet zu fördern.
5. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass technologische Aufholprozesse zwar möglich sind, jedoch stark von lokalen Rahmenbedingungen und gezielter politischer Unterstützung abhängen.
Schlüsselwörter
Innovation, Globalisierung, Entwicklungsländer, Lernprozesse, wissensbasierte Wettbewerbsvorteile, technologische Aufwertung, ausländische Direktinvestitionen, Wertschöpfungskette, Wirtschaftspolitik, Standortvorteile, Innovationsmodell, Spill-over-Effekte, Technologietransfer, Standortmarketing, industrielle Spezialisierung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der Frage, wie Entwicklungsländer trotz begrenzter Ausgangsbedingungen durch Lernprozesse und technologische Innovationen ihre wirtschaftliche Position verbessern können.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die zentralen Themen umfassen Innovationsmodelle, die Dynamik globaler Wertschöpfungsketten, Wissensströme durch ausländische Investitionen und die Rolle staatlicher Wirtschaftspolitik.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es zu analysieren, ob sich faktorkostenbasierte Standorte durch gezielte Lernprozesse zu wissensbasierten Clustern weiterentwickeln lassen.
Welche wissenschaftliche Methodik wird angewandt?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Literaturanalyse zu Innovationsprozessen sowie der Auswertung von Fallbeispielen zur technologischen Aufwertung in Schwellenländern.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Definition von Innovationen, die Analyse der Chancen durch Outsourcing und Direktinvestitionen sowie die Diskussion notwendiger wirtschaftspolitischer Rahmenbedingungen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie technologische Aufwertung, Lernprozesse, globale Wertschöpfungsketten und wissensbasierte Wettbewerbsvorteile geprägt.
Wie unterscheidet sich das interaktive Innovationsmodell vom linearen Modell?
Im Gegensatz zum linearen Modell betont das interaktive Modell die Bedeutung von Rückkopplungsprozessen (Feedbacks) und die Einbindung von Akteuren wie Kunden oder Zulieferern in allen Phasen der Innovation.
Warum spielt die Pfadabhängigkeit eine Rolle bei der Standortentwicklung?
Innovationen bauen auf vorhandenem Wissen und bestehenden Interaktionsmustern auf, was bedeutet, dass frühe Investitionsentscheidungen die technologische Richtung eines Standortes langfristig festlegen.
- Quote paper
- Janine Wittfeld (Author), 2006, Lernen durch technologische Innovationen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/51140