Inhalt: Seite
I Einleitung 3
II Buchanalyse 4
1. Inhaltliche Analyse 4
1.1 Inhaltsangabe 4
1.2 Authentizität der Sterbe- und Todesdarstellung 5
1.3 Veranschaulichungsgrad von Stimmungen 8
1.4 Plausibilität von Lösungs- und Bewältigungsstrategien 12
1.5 Kommunikations- und Interaktionsstrukturen 13
1.6 Offenheitsgrad bezüglich religiöser Wertmaßstäbe 14
2. Stilanalyse - Sprache/Form 14
2.1 Äußere Aufmachung 14
2.2 Aufbau/Struktur 15
2.3 Sprachanalyse 17
2.4 Bildanalyse 17
3. Didaktisch-methodische Überlegungen 18
III Literaturverzeichnis 22
2
I Einleitung
Kinder begegnen dem Thema Sterben und Tod auf vielerlei Weise. Beobachtungen im Fernsehen, Gespräche der Erwachsenen über den Tod, Verlust eines Haustieres, der Großeltern oder eines anderen geliebten Menschen, konfrontieren sie frühzeitig mit diesem Thema. Diese schmerzlichen Erfahrungen sind für Kinder meist sehr schwer zu verarbeiten, und auch Erwachsene sind hiermit oft überfordert. Um als Lehrer die Trauer der Kinder nachvollziehen zu können, sollte man sich somit nicht nur mit wissenschaftlicher Literatur über die Themen Sterben und Tod befassen, sondern vor allem auch geeignete Wege finden, mit Kindern das Thema in angemessener Weise zu be- und verarbeiten. Gerade illustrierte Bücher können für Kinder eine Möglichkeit sein, die Angst vor dem eigenen bevorstehenden Tod, die Trauer nach dem Tod eines geliebten Lebewesens, aber auch die allgemeine Angst vor dem Tod aufzufangen. So kann ein sinnvoller Beitrag zur Trauerarbeit und gegen die Angst geleistet, vor allem aber auch den Kindern geholfen werden, ein angstfreies Konzept vom Tod zu bilden.
In dieser Hausarbeit sollen nicht primär die wissenschaftlichen Hintergründe der Trauerverarbeitung und Angstvorstellungen bei Kindern im Vordergrund stehen. An erster Stelle steht hier die Analyse des Buches `Leb wohl lieber Dachs` von Susan Varley, unter dem Aspekt der Eignung als Bilderbuch zum Thema Sterben, Tod und Trauer. Zunächst folgt somit eine inhaltliche Analyse des ausgewählten Buches. Anschließend soll das Augenmerk auf der stilistischen Analyse liegen, um abschließend einige didaktisch-methodische Überlegungen anzustellen.
3
II Buchanalyse
1. Inhaltliche Analyse
Für die inhaltliche Analyse nutze ich größtenteils die Kriterien zur Analyse von Bilderbüchern für Kinder von Martina Plieth. 1 Ich halte die Kriterien für sehr gelungen und denke, dass sie die wichtigsten Punkte zu Analyse von Bilderbüchern beinhalten.
1.1 Inhaltsangabe
Das Bilderbuch `Leb wohl lieber Dachs` beschreibt den Tod eines alten Dachses und den Umgang der zurückgebliebenen Tiere mit ihrer Trauer:
Der Dachs ist bei allen Tieren im Wald sehr beliebt, da er sehr zuverlässig und immer hilfsbereit ist. Doch der Dachs ist sehr alt, und weiß, dass er bald sterben muss. Für ihn ist das in Ordnung, der Dachs hat keine Angst vor dem Tod. Er hat es auch bereits allen seinen Freunden erzählt und hofft, dass sie nicht allzu traurig sein würden, wenn es einmal soweit sei. Eines Abends schreibt der Dachs einen Brief und schläft dann ein. Er träumt von einem Tunnel, durch den er geht und davon, dass er ohne Schmerzen und ohne seinen Stock laufen kann. Am nächsten Morgen wundern sich die Tiere, dass der Dachs nicht wie sonst aus seinem Bau kommt. Schließlich erfahren sie von dem Fuchs von dem Tod des Dachses und dass er einen Abschiedsbrief an seine Freunde geschrieben hat. Die Tiere sind sehr traurig. Es wird Winter und danach Frühling, die Tiere besuchen einander und sprechen oft über den Dachs. Sie erinnern sich gegenseitig an die schöne Zeit und an die Fähigkeiten, die er ihnen allen beigebracht hat. Dem Maulwurf hatte er beigebracht, besonders geschickt mit der Schere umzugehen. Der Frosch war mit der Hilfe des alten Dachses zu einem hervorragenden Schlittschuhläufer geworden, jeder hatte etwas Einzigartiges von dem Dachs gelernt. Einzigartiges, das den Dachs in den Gedanken und Gefühlen seiner Freunde unsterblich macht. Diese Erkenntnis tröstet auch den Maulwurf, der am Ende des Buches über den Hügel schaut, wo er den Dachs das letzte Mal gesehen hatte. Dort verabschiedet er sich mit den Worten „Danke, Dachs“ - und er ist sich sicher, dass der Dachs ihn hört.
1 Plieth: Kind und Tod, S.136 ff.
4
1.2 Authentizität der Sterbe- und Todesdarstellung
Im Folgenden werde ich der Frage nachgehen, wie die Einführung von Sterben und Tod im Werk erfolgt, welche typisch kindlichen Erfahrungsmomente sie widerspiegelt, und inwiefern die im Buch vermittelte Wirklichkeit der physisch-psychischen Wirklichkeit von Kindern entspricht. 2
Jedes Kind schafft sich seine spezifischen Vorstellungen zur Entstehung von Krankheit und dem eventuell daraus resultierendem Tod. Zeitgenössische Autoren haben unterschiedliche Konzepte entwickelt, die in wesentlichen Teilen übereinstimmen. Sie sind meist auf unterschiedliche Altersstufen bezogen. Böcker 3 beschreibt ein vierdimensionales Todeskonzept, dass sich im Laufe der kindlichen Entwicklung (in der angegebenen Reihenfolge) herausbildet. Dazu gehört zum einen die Nonfunktionalität. Sie beschreibt die Erkenntnis, dass alle lebenswichtigen Funktionen mit Eintritt des Todes aufhören. Als zweiter Aspekt wird die Irreversibilität genannt, die Erkenntnis, dass der Tod endgültig und nicht umkehrbar ist. An dritter Stelle steht die Universalität. Dieser Aspekt meint die Erkenntnis, dass alle Lebewesen sterben müssen. Als letztes wird die Kausalität genannt, das Wissen um die Todesursache. In der Geschichte `Leb wohl lieber Dachs` kann man einige dieser Aspekte widerfinden.
Die Geschichte bestätigt die Vorstellung drei- bis sechsjähriger (Vorschul-)Kinder vom Sterben und vom Tod. Die Kausalität des Todes wird von den Kindern an dieser Stelle nicht im medizinisch-naturwissenschaftlichen Sinne aufgefasst, sondern ausschließlich im Zusammenhang mit dem Zeit- oder Lebensaltersfaktor wahrgenommen. Aus kindlicher Sicht sterben alte Menschen nun mal, weil sie ihr Lebensziel erreicht haben: „Er war auch schon sehr alt und er wusste fast alles.“ ( S.5). 4
Das Buch arbeitet mit Vorankündigungen, die den Aspekt der Nonfunktionalität beleuchten. Diese Vorankündigungen werden so intuitiv und sukzessiv von den Kindern als herandrängende Todeswirklichkeit aufgefasst. Der Ausfall von Köperfunktionen wird im Buch wie folgt angeführt: „Und da sein Körper nicht mehr so wollte, wie in früheren Tagen,[…]Während er ihnen nachsah, fühlte Dachs sich ungemein alt und müde.[…] Doch er
2 Plieth: Kind und Tod, S.150
3 Böcker: Sterben und Tod, S.660
4 Anm.: Die Seitenzahlen sind im Buch nicht angegeben. Meine Ausführungen beziehen sich auf die rechte Seite der ersten Doppelseite, von mir als Seite 1 gewählt.
5
wusste, dass seine alten Beine es nicht erlaubten.“ (S.6). Neben textuellen Merkmalen erkennt man schon in der Darstellung des Dachses mit Stock und Brille, dass er alt ist. Neben der Betonung der schwindenden Körperfunktionen kann man noch einige weitere Vorzeichen erkennen, durch die der Tod des Dachses angekündigt wird. Die Wortwahl „ Als er nach Hause kam, war es schon spät.“ betont die Komponente der Lebenszeit, welche sich dem Ende neigt. Eine Verbindung mit der Metapher „Lebensabend“ erklärt diese Wortwahl. Auch die Tatsache, dass der Dachs „dem Mond gute Nacht [sagte] und […] die Vorhänge vor der kalten Welt draußen zu“ zieht, führt mit dem Aspekt des Verabschiedens von der Welt, den bevorstehenden Tod des Dachses ein. Weitere Vorankündigungen finden sich auch auf den ersten Seiten. Der Erzähler berichtet aus der Sicht des Dachses, der sich an dieser Stelle explizit Gedanken über den Tod macht. So erfährt der Leser, dass er sich bereits von seinen Freunden verabschiedet und sie auf seinen Tod vorbereitet hatte: „Er hatte sie schon vorbereitet und ihnen gesagt, irgendeinmal werde er durch den langen Tunnel gehen.“ (S.6). Die letzte Szene im Leben des Dachses verdeutlicht diesen Abschied noch einmal. Er schaut voller Stolz auf den Maulwurf und den Frosch „und freute sich, dass sie so vergnügt waren.“ (S.6). All diese Todesvorankündigungen bereiten die Rezipienten auf den Tod des Dachses vor. Es besteht für den aufmerksamen Leser/Hörer somit kein Zweifel dass der Dachs bald sterben wird. Der Tod ist eine folgerichtige und unvermeidliche Sache. Ältere Kinder im Grundschulalter akzeptieren, dass der Tod für alles Lebendige unvermeidbar ist. Gleichzeitig ist es möglich, an dieser Stelle eine Übertragung zur Wirklichkeit zu leisten. Denn auch die Großeltern der Kinder kommen sichtbar dem Lebensabend immer näher und brauchen eventuell einen Stock oder viele Medikamente.
Neben diesem vierdimensionalen Konzept kann man noch einige Angaben zur Authentizität des Sterbevorgangs und des Todes machen. Zum einen wird das Sterben des Dachses als schmerzfrei und befreiend dargestellt. Er erledigt die letzten Dinge, schreibt einen Abschiedsbrief und kann sich zufrieden „wegträumen“. Der Vorgang des Sterbens wird im Buch gleichgesetzt mit dem Träumen eines „seltsamen, doch wundervollen Traum[es]“. Zum einen wird so die von Kindern oft untersuchte Angst, vor Schmerzen beim Sterben beruhigt, sie bekommen eine erste Antwort auf die Frage, ob Sterben weh tut. Zugleich ist die Sterbedarstellung in Verbindung mit dem Einschlafen oder dem Schlaf aber eine durchaus Kritische. Sie ist sicherlich für jüngere Kinder eine Vorstellung, die ihnen die Angst nimmt, doch kann gerade diese Vorstellung aber auch zu „falschen“ und Angstbeladenen Todeskonzepten führen. Denn Kinder wissen, dass Einschlafen etwas „normales“ ist. Sie tun
6
Quote paper:
Sarah Unthan, 2004, Das Thema Sterben und Tod in Kinderbüchern - 'Leb wohl lieber Dachs' von Susan Varley, Munich, GRIN Publishing GmbH
This text can be quoted and accessed from this url:
Embed
DOI
Buchanalyse: Leb wohl lieber Dachs
German - Pedagogy, Didactics, Literature Studies
Scholarly Paper (Advanced Seminar), 43 Pages
"Leb wohl lieber Dachs" von Susan Varley - eine Analyse und ...
German - Pedagogy, Didactics, Literature Studies
Termpaper, 29 Pages
Probleme und Perspektiven der Wunderdidaktik in der Grundschule
Theology - Didactics, Religion Pedagogy
Examination Thesis, 76 Pages
Unterrichtseinheit: Teilen wie (Sankt) Martin - 1.+ 2. Klasse
Theology - Didactics, Religion Pedagogy
Lesson Plan, 24 Pages
Der Vergleich des spanischen und des deutschen unter phonetischen und ...
Termpaper, 18 Pages
Die Auswirkungen des Malleus Maleficarum auf das Spätmittelalter
History Europe - Other Countries - Middle Ages, Early Modern Age
Scholary Paper (Seminar), 20 Pages
Unterrichtsstunde Wahrscheinlichkeit: Würfeln mit zwei Würfeln
Unterrichtsentwurf Mathematik ...
Lesson Plan, 11 Pages
Analyse und Vergleich zweier Kinderbücher zum Thema "Tod und Trau...
German - Pedagogy, Didactics, Literature Studies
Examination Thesis, 190 Pages
Der Beginn der Hexenverfolgung durch die Inquisition im 15. Jahrhunder...
History Europe - Other Countries - Middle Ages, Early Modern Age
Examination Thesis, 89 Pages
Thematik und Motivik von "Reinhart Fuchs" und Nibelungenlied...
German Studies - Older German Literature, Mediaevistik
Scholarly Paper (Advanced Seminar), 29 Pages
Emotionale und soziale Kompetenzen und deren Einübung mit Grundschüler...
Scholarly Paper (Advanced Seminar), 16 Pages
Tod und Sterben in der Grundschule
Theology - Didactics, Religion Pedagogy
Scholarly Paper (Advanced Seminar), 19 Pages
Soziale Kompetenz - Ein Überblick über verschiedene Definitionen
Termpaper, 15 Pages
Sterben und Tod als Thema im Unterricht der Grundschule anhand zweier ...
Theology - Didactics, Religion Pedagogy
Scholarly Paper (Advanced Seminar), 17 Pages
Kommunikation in einer Talkshow - am Fallbeispiel der Sendung: "S...
German - Pedagogy, Didactics, Literature Studies
Termpaper, 21 Pages
Die biblische Geschichte vom verlorenen Sohn in der europäischen Liter...
German Studies - Modern German Literature
Thesis (M.A.), 84 Pages
Anredeformen im Spanischen Lateinamerikas: Eine vergleichende Betracht...
Romance Languages - Spanish Studies
Termpaper, 23 Pages
Sarah Unthan's text Das Thema Sterben und Tod in Kinderbüchern - 'Leb wohl lieber Dachs' von Susan Varley is now available as a printed book
Sarah Unthan has published the text Das Thema Sterben und Tod in Kinderbüchern - 'Leb wohl lieber Dachs' von Susan Varley
Sarah Unthan has uploaded a new text
Was haben Leben und Sterben gemeinsam?
Fragen - Antworten
Ingeborg Bauer, Tyll Bauer, Hubert Bauer, Julia Bauer
Das Rätsel des Lebens und das Geheimnis des Todes
Eine umfassende Schau über den...
Erhard Bäzner
Das Vermächtnis des Medialen F...
Martin Fieber, Hans H. Reinmöller, Thomas Richter
0 comments