Einleitung
„Mittelständler im Würgegriff der Banken“1, "Mit anderen Worten: Die kämpfen ums Überleben"2 oder „Basel II wird Finanzierungsbedingungen nicht verschlechtern“3. Angesichts solcher Schlagzeilen und Meinungen lässt sich erkennen, dass in der deutschen Öffentlichkeit eine hitzige Debatte über den „Segen oder Fluch?“ von Basel II4 geführt wird. Mit diesen Neuen Eigenkapitalvereinbarungen steht die Regulierung der Kreditwirtschaft, und damit das Bankenaufsichtsrecht, vor den bedeutendsten Änderungen seit Ende der achtziger Jahre.5 Nach rund sechsjährigen Verhandlungen haben die Notenbankgouverneure und Aufsichtsbehörden der zehn führenden Industrienationen (G10) die Neuen Eigenkapitalregeln für Banken6 im Juni 2004 verabschiedet. Ein bedeutender Meilenstein in der internationalen Harmonisierung der bankenaufsichtlichen Vorschriften ist damit erreicht worden.7
Offiziell wird die Neue Baseler Eigenkapitalvereinbarung zwar erst Ende 2006 in Kraft treten, faktisch ist sie aber schon jetzt mehr als nur Theorie. Längst ist die Umstellung der Kreditwürdigkeitsprüfung auf „Rating“ weit fortgeschritten und Auswirkungen bei den umsetzenden Banken wie auch bei den kreditsuchenden Unternehmen lassen sich bereits heute erkennen.8
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1 Kröger, M. (2002), elektronisch veröffentlicht unter URL: http://www.spiegel.de/wirtschaft/ 0,1518,220433,00.html (23.04.2005).
2 Peter Schommer, Handelsexperte bei Ernst & Young
3 Edgar Meister, Bundesbank-Direktoriumsmitglied
4 Basel Il, die Neue (Baseler) Eigenkapitalvereinbarung, der Basel-II-Akkord, die Basel-IIVereinbarung, das Basel-II-Abkommen werden im Folgenden synonym verwendet.
5 Vgl. Paul, S./ Stein, S./ Kaltofen, D. (2002), S. 533.
6 Banken, Bankensektor, Kreditinstitute und Institute werden im Folgenden synonym verwendet.
7 Vgl. Nacken, H.-P. (2003), elektronisch veröffentlicht unter URL: http://www.manager-magazin.de /unternehmen/mittelstand/0,2828,306160,00.html (09.05.2005).
8 Vgl. Herke, M.-D. (2002), S. 11, 17.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Gründe für die Reform von Basel I
3 Die drei tragenden Säulen von Basel II
3.1 Säule 1 - Mindesteigenkapitalanforderungen
3.1.1 Kreditrisiko
3.1.2 Operationelles Risiko
3.2 Säule 2 - Bankaufsichtlicher Überprüfungsprozess
3.3 Säule 3 - Erweiterte Offenlegungsvorschrift – Marktdisziplin
4 Folgen von Basel II für den Mittelstand und den Bankensektor
4.1 Folgen für den Mittelstand
4.1.1 Vermutete Kreditverknappung und generelle Verteuerung der Mittelstandskredite
4.1.2 Nutzenpotentiale eines Ratings für mittelständische Unternehmen
4.1.3 Auswirkung auf die Kunde-Bank-Beziehung
4.1.4 Möglichkeiten der Ratingverbesserung
4.2 Folgen für den Bankensektor
4.2.1 Auswirkungen auf die Eigenkapitalausstattung deutscher Banken
4.2.2 Vorteile versus hohe Kosten
5 Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Auswirkungen der durch Basel II eingeführten neuen Eigenkapitalvereinbarungen auf den deutschen Mittelstand sowie den Bankensektor, mit dem Ziel, sowohl bestehende Risiken als auch potenzielle Chancen für die Unternehmen aufzuzeigen und das Verständnis für die veränderten Kreditvergabeprozesse zu fördern.
- Grundlagen und Notwendigkeit der Reform von Basel I zu Basel II
- Struktur des Drei-Säulen-Konzepts (Mindestkapital, Aufsicht, Marktdisziplin)
- Auswirkungen der Ratingpflicht auf mittelständische Finanzierungsbedingungen
- Veränderungen in der Kunde-Bank-Beziehung durch internes Rating
- Ökonomische Folgen und Kosten-Nutzen-Analyse für Kreditinstitute
Auszug aus dem Buch
3.1.1 Kreditrisiko
Am Ausmaß der Ausführungen im Basel-II-Abkommen lässt sich erkennen, dass auf das Kreditrisiko das Hauptaugenmerk gerichtet ist, da erfahrungsgemäß von diesem die größte Gefahr ausgeht. Der Baseler Ausschuss schlägt einen Standardansatz, der auf externen Ratings basiert, und zwei auf bankinternen Ratingverfahren basierende Ansätze vor (IRB-Basisansatz und fortgeschrittener IRB-Ansatz). Diese beiden Methoden sollen als gleichberechtigte Methoden zur Messung der Kreditrisiken dienen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die öffentliche Debatte um Basel II und erläutert die Zielsetzung der Arbeit, die Folgen der Ratingpflicht für den Mittelstand zu analysieren.
2 Gründe für die Reform von Basel I: Dieses Kapitel arbeitet die Schwachstellen von Basel I heraus, insbesondere die Fehlsteuerungen durch pauschale Eigenkapitalanforderungen und die daraus resultierende Quersubventionierung.
3 Die drei tragenden Säulen von Basel II: Hier werden die drei Kernsäulen des neuen Abkommens – Mindesteigenkapitalanforderungen, bankaufsichtlicher Überprüfungsprozess und Marktdisziplin – detailliert erläutert.
4 Folgen von Basel II für den Mittelstand und den Bankensektor: Dieses Kapitel analysiert die konkreten Auswirkungen des Ratings auf die Kreditverfügbarkeit für den Mittelstand sowie die operativen und finanziellen Herausforderungen für Banken.
5 Fazit und Ausblick: Die Arbeit schließt mit einer zusammenfassenden Einschätzung, dass Basel II bei richtiger Handhabung durch Unternehmen eine Chance zur Prozessoptimierung bietet und nicht nur als Risiko betrachtet werden sollte.
Schlüsselwörter
Basel II, Eigenkapitalvereinbarung, Rating, Mittelstand, Kreditrisiko, Bankenaufsicht, Marktdisziplin, Finanzierung, Bonität, IRB-Ansatz, Risikomanagement, Unternehmenskredite, Kreditkonditionen, Bankensektor
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit den Auswirkungen der Neuen Baseler Eigenkapitalvereinbarung (Basel II) auf den Mittelstand und das Bankenwesen in Deutschland.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den zentralen Themen gehören das Drei-Säulen-Konzept von Basel II, die methodische Umsetzung von Ratings sowie die Folgen für die Kreditkosten und die Geschäftsbeziehung zwischen Banken und Unternehmen.
Welches Ziel verfolgt die Forschungsarbeit?
Das primäre Ziel ist es, den Lesern die Funktionsweise von Basel II zu erläutern und aufzuzeigen, dass die Ratingpflicht neben finanziellen Belastungen auch Chancen zur strukturellen Unternehmensverbesserung bietet.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturanalyse bestehender bankenaufsichtlicher Vorschriften, Fachpublikationen und Auswirkungsstudien des Baseler Ausschusses.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst die Gründe für die Reform von Basel I dargelegt, gefolgt von einer detaillierten Analyse der drei Säulen von Basel II und den daraus resultierenden Folgen für Mittelstand und Bankensektor.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Basel II, Rating, Mittelstandsfinanzierung, Eigenkapitalunterlegung und Risikomanagement.
Was unterscheidet den IRB-Ansatz vom Standardansatz?
Beim Standardansatz basieren Risikogewichte auf externen Ratings, während der IRB-Ansatz Banken erlaubt, Bonität und Risikoparameter mittels eigener, interner Verfahren zu schätzen.
Welche Rolle spielt das sogenannte „Retailportfolio“?
Das Retailportfolio ermöglicht für Kredite bis zu einer Höhe von 1 Million Euro vereinfachte Ratingverfahren, was zu einer Entlastung für kleine Unternehmen führen kann, sofern die Banken diese Vorteile weitergeben.
- Arbeit zitieren
- Tobias Fröhner (Autor:in), 2005, Welche Folgen hat Basel II?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/51806