Narrenliteratur
1
Gliederung
1. Einleitung und Vorstellung des Themas 2
2. städtische Gesellschaftsstrukturen im Mittelalter 2-3
3. Die Zünfte: 3-5
Zweck , Restriktionen und Zunftvorschriften
4. „Eyn gesellen schiff“ 5-8
5. Brants Kritik an Handwerk, Zünften und Gesellschaft 9-10
6. Resümee 10-11
7. Literaturnachweis S 12
Narrenliteratur 2
1. Einleitung und Vorstellung des Themas
Das Mittelalter steht für einen fundamentalen Umbruch innerhalb der bis dahin bestehenden gesellschaftlichen Strukturen. Der Wechsel von der autonomen, agrar-und viehwirtschaftlich orientierten Gesellschaft auf dem Lande, hin zur Handwerks-, Handel- und Gewerbetreibenden Gesellschaft in den großen Städten. Handwerker und Händler organisieren sich in Zünften und Gilden. Mit den Jahren gewinnen diese immer mehr an Macht und dominieren fast das gesamte Leben in den mittelalterlichen Städten.
Diese Hausarbeit befasst sich mit dem Aufbau der Zünfte, deren Restriktionen und Vorschriften, sowie ihrer Markt-Dominanz im Mittelalter und soll, ausgehend von Sebastian Brants „ein Gesellenschiff“ 1 , die Folgen dieser Strukturen beleuchten. Des Weiteren wird Brants Kritik an der Handwerker-Moral des ausgehenden 15. Jahrhunderts aufgezeigt werden. Ein Versuch der Interpretation von Brants Kritik soll das Resümee dieser Arbeit bilden.
2. städtische Gesellschaftsstrukturen im Mittelalter
In der Zeit vom 10. bis 15 Jahrhundert vollzieht sich ein elementarer Wandel in der gesellschaftlichen Struktur. Die selbstgenügsame Abgeschlossenheit der
Naturalwirtschaft, in der jedes Dorf, jeder Fronhof fast alles, was zum Leben notwendig war, selbst herstellt, wird durch den Warenverkehr überwunden. Allmählich trennt sich die gewerbliche- und handwerkliche- von der landwirtschaftlichen Arbeit. Schmiede, Schneider, Bäcker und andere Handwerker beginnen, die bäuerlichen Tätigkeiten weitgehend aufzugeben. So entstehen neben den größeren Herrensitzen Handwerkersiedlungen. Dort, wo Absatzmöglichkeiten, Rohstoffe und günstige Verkehrslage die Warenproduktion fördern, in Anlehnung an Bischofssitze, Pfalzen, Burgen und Klöster, entwickeln sich allmählich aus Märkten die mittelalterlichen Städte. Das Bürgertum, eine Klasse freier Menschen, Kaufleute und Handwerker entsteht, wodurch das System der feudalen Abhängigkeiten durchbrochen wird.
„Um das Jahr 1500 gab es rund dreitausend städtische Siedlungen im Reich (…) fünfzehn lagen bei über zehntausend (Einwohnern) und waren Großstädte im
1 Samtliche Primärtextzitate aus:
Sebastian Brant: Das Narrenschiff. Stuttgart 1998
Narrenliteratur 3
damaligen Sinn“ 2 . Oft mehr als die Hälfte der Stadtbewohner stellt die Unterschichten, etwa Tagelöhner, Gesellen und Mägde. Sie sind meist ohne Vermögen und können daher kein Bürgerrecht erwerben. Folglich besitzen sie keinerlei politische und gesellschaftliche Mitspracherechte. Sie sind nur Einwohner, keine Bürger.
Die große Masse der städtischen Bewohner sind Handwerker und Kaufleute. Die Handwerker organisieren sich in den so genannten Zünften, während die Kaufleute äquivalente Gilden gründen. Da Brant in „ein Gesellenschiff“ hauptsächlich von Handwerkern ausgeht, soll auch der Schwerpunkt meiner weiteren Ausführungen auf den Zünften liegen.
3. Die Zünfte: Zweck, Restriktionen und Zunftvorschriften
„Die Zünfte waren wichtige Institutionen im Leben der mittelalterlichen Stadt, denn sie sorgten für das wirtschaftliche Wohlergehen sowohl ihrer Mitglieder als auch der Verbraucher“ 3 . Bedingt durch den technischen Fortschritt, die Herausbildung neuer Handwerksbereiche und die Spezialisierungen in verschiedenen Handwerksberufen, spaltet sich das ursprünglich einheitliche Handwerk in 30-40 verschiedene Zünfte 4 . „Der Zunftzwang band die Berechtigung zum Gewerbebetrieb an die Mitgliedschaft in der Zunft“ 5 . Innerhalb der jeweiligen Zunft werden unter anderem die Arbeitszeiten, die Qualität der Erzeugnisse, die Menge des Absatzes, der Preis der Waren, die Anzahl der zugelassenen Gesellen und Meister sowie Richtlinien für die Ausbildung strikt geregelt. Die steigende Warenproduktion bewirkt ein wirtschaftliches und politisches Erstarken der Zünfte, die ab dem 13. bzw. 14. Jahrhundert dann auch Zugang zum Rat erhalten und somit ihre Machtposition innerhalb der Stadt weiter ausbauen können. „Jeder Bürger gehörte einer Zunft (…) an, doch bei weitem nicht alle Einwohner besaßen das Bürgerrecht“ 6 . Auch die Aufnahme in eine Zunft wird durch die strengen Zunft-Vorschriften strikt reglementiert. Grundvoraussetzungen für eine Mitgliedschaft verlangen: „so soll keiner in das Handwerk auf- und angenommen
2 Gudrun Aker: Narrenschiff. Literatur und Kultur in Deutschland an der Wende der Neuzeit, Stuttgart 1980, S.
169.
3 Microsoft Encarta 99 Enzyklopädie.
4 Der Terminus „Zunft“ soll in dieser Arbeit nicht ausgiebig vom Wortursprung- und Bedeutung her definiert
werden, da dies wohl den Rahmen dieser Arbeit sprengen- und auch zu weit vom eigentlichen Thema
abschweifen würde.
5 Helga Schultz: Das ehrbare Handwerk, Weimar 1993, S.38.
6 Aker, S. 178.
Arbeit zitieren:
B.A. Dominik Burger, 2004, Der Niedergang des 'zünftigen' Handwerks, München, GRIN Verlag GmbH
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