Daniel Rieck Ruhestandsentscheidungen
Executive Summary
As a matter of fact the german retirement system will face serious financial problems in the near future. The reason is beside others the growing number of old and very old people who receive money while a shrinking number of young working people has to pay for them. The demografic development will strengthen this trend in the future. Therefor the retirement decision that marks the beginning of the retirement is one aspect that gains more importance. Because the early retirement supports this trend an so the financial crisis of the retirement system, government and other interest groups try to influence the retirement decision.
This essay shows the different influences on retirement decisions, the institutional frame and the interests of the individual, who finally makes the decision. In this way an overview is given, to better understand the retirement trends of the future.
Inhaltsverzeichnis
Seite
1. Einleitung 3
2. Alterssicherung 3
2.1 Bestimmungsfelder und Interessengruppen der Alterssicherung 4
3. Grundproblem des Umlageverfahrens 5 3.1 Demografie 6
3.2 Trend zur Frühverrentung 6
4. Die Ruhestandsentscheidung 7 4.1 Renteneintritt 8 4.2 Renteneintrittsalter 9
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5. Bestimmungsfelder des Trends zur Frühverrentung 9
5.1 Arbeitsmarkt und Altersteilzeit 10
5.2 Optionswert 11
5.3 Abschläge 12
5.4 Schlussfolgerungen 14
6. Weitergedacht 14
6.1 Mehr Zuwanderung und höhere Geburtenraten 14
6.2 Mehrsäulenmodell 15
7. Fazit 16
Anlagen 18
Literaturverzeichnis 23
Daniel Rieck Ruhestandsentscheidungen
1. Einleitung
Ich weiß noch wie mein Opa an seinem letzten Arbeitstag nach Hause kam und mir sagte: „Jetzt bin ich Rentner, ich muss nie mehr auf die Arbeit!“ Vor diesem Tag hatte er seine individuelle Ruhestandsentscheidung gefällt.
Aus volkswirtschaftlicher Sichtweise rückt diese Ruhestandsentscheidung mit der sich schon lange abzeichnenden und immer aktueller werdenden Finanzkrise in der Gesetzlichen Rentenversicherung in den Blickpunkt des Interesses. Die Ruhestandsentscheidung markiert den Zeitpunkt und die Form des Renteneintritts, welcher vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung zentrale Bedeutung erlangt. So werden aktuell zahlreiche Reformoptionen diskutiert, um durch Beeinflussung der Ruhestandsentscheidung ein Abfedern der demografischen Entwicklung zu gewährleisten. Das heißt mögliche Veränderungen am bestehenden Rentensystem.
Mit meiner Arbeit möchte ich als Grundlage das derzeitige System der Alterssicherung und die demografische Grundproblematik darstellen. Dies sind die Grundlagen um die Ruhestandsentscheidung als Individualentscheidung zu verstehen. Dabei möchte ich die Einflussfaktoren auf die Ruhestandsentscheidung, die involvierten Interessen und die Möglichkeiten vor allem hinsichtlich des Zeitpunktes und der daraus resultierenden finanziellen Auswirkungen beleuchten. Dies immer vor dem Hintergrund der durch die Demografie verursachten Finanzkrise der Gesetzlichen Rentenversicherung mit einer stetig wachsenden Anzahl an Rentnern.
Abschließend möchte ich noch die Bedeutung der Ruhestandsentscheidung anhand einigen anderen diskutierten Reformmöglichkeiten mit Augenmerk demografische Entwicklung darstellen und meine Arbeit mit einem Fazit schließen.
2. Alterssicherung
Die Alterssicherung orientiert sich nach Naber an den zwei normativen Kriterien der Armutsvermeidung und Lebensstandardsicherung (vgl. Naber 2001, 44). Erreicht wird dies größtenteils durch die Rentenversorgung aus der Gesetzlichen Rentenversicherung für
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Arbeiter und Angestellte, über die nach Berkel/Börsch-Supan ca. 85 Prozent der Erwerbsbevölkerung abgesichert sind (vgl. Berkel/Börsch-Supan 2003, 3).
Laut Naber lassen sich noch 5 weitere Systeme der Alterssicherung ableiten (vgl. Naber 2001, 1 f.). Die Versorgung der Selbstständigen, die Zusatzversorgung Beschäftigter des öffentlichen Dienstes und die Beamtenversorgung beziehen sich auf verschiedene Personenkreise. Ihnen soll in dieser Arbeit keine Beachtung geschenkt werden, da wie zum Beispiel die Beamtenversicherung mit einem Versichertenanteil von sieben Prozent an der Erwerbsbevölkerung (vgl. Berkel/Börsch-Supan 2003, 4) nicht die gesellschaftliche Bedeutung besitzt wie die Gesetzliche Rentenversicherung. Somit ginge eine Differenzierung hinsichtlich dieser Systeme für das Niveau und den Umfang dieser Arbeit zu weit, weshalb ich bei meinen Ausführungen im wesentlichen die Gesetzliche Rentenversicherung im Auge habe.
Zwei weitere Systeme sind nach Naber die betriebliche und die private Altersvorsorge. Sie spielen in Deutschland noch eine untergeordnete Rolle, sind aber für diese Arbeit von Belang, da sie den Versicherten in der Gesetzlichen Rentenversicherung zugänglich sind. Sie beinhalten Wahlmöglichkeiten hinsichtlich ihrer Nutzung und fallen so ins Betrachtungsfeld Ruhestandsentscheidung. Die Funktionsweise der Gesetzlichen Rentenversicherung ist das Umlageverfahren, nach dem die jetzigen Erwerbstätigen die Renten der jetzigen Rentenempfänger bezahlen (vgl. Noll 1998, 10). Diese Funktionsweise verursacht auch das Finanzierungsproblem aufgrund der demografischen Entwicklung. Somit bestehen als Korrekturmöglichkeiten im bestehenden System nur die höhere Belastung der Erwerbstätigen oder die Kürzung der Leistungen.
2.1 Bestimmungsfelder und Interessengruppen der Alterssicherung
Die Ruhestandsentscheidung als solches markiert den Eintritt in den Ruhestand. Wie sich dieser dann gestaltet hängt wiederum vom Alterssicherungssystem ab. Wie oben angesprochen bestehen hier verschiedene Systeme. Zusätzlich zur Gesetzlichen Rentenversicherung als erste Schicht nennt Naber (vgl. Naber 2001, 49) die betriebliche Altersversorgung und die private Vorsorge als zweite und dritte Schicht der Altersvorsorge. Diese Vorsorgemöglichkeiten werden wohl in Zukunft an Bedeutung gewinnen und werden in Kapitel sechs nochmals mit einbezogen.
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Voraussetzung für das Erhalten einer Rente ist im „Normalfall“ das Erreichen der Regelaltersgrenze von 65 Jahren. Es gibt jedoch auch Möglichkeiten unter gewissen Vorraussetzungen früher in den Ruhestand gehen zu können (vgl. Arnds/Bonin 2002, 18 ff.). Diese Altersgrenzen sind von besonderer rentenpolitischer Bedeutung, gerade wegen ihrer finanziellen Auswirkungen und somit ihrer Auswirkungen direkt auf die Ruhestandsentscheidung. Denn unmittelbar mit den Altersgrenzen verknüpft ist auch die Rentenhöhe. Die Rente kürzt sich bei Renteneintritt vor der gesetzlichen Altersgrenze in Form von Abschlägen und erhöht sich um Zuschläge bei späterem Eintritt (vgl. Berkel/Börsch-Supan 2003, 6). Die Möglichkeiten eines früheren Renteneintritts werden in Kapitel vier und fünf eingehend betrachtet.
Zu beachten sind auch andere Wege zur Rente als die normale Altersrente. Erwerbsunfähigkeits- und Berufsunfähigkeitsrenten sind zwar nicht mehr aktuell, werden dennoch noch praktiziert (vgl. Berkel/Börsch-Supan 2003, 7). Auch der Übergang von Arbeitslosigkeit in die Rente ist ein viel beschrittener Weg (Schmähl 2001, 147), wie nach Berkel/Börsch-Supan auch die Hinterbliebenenrenten nicht außer Acht gelassen werden dürfen (vgl. Berkel/Börsch-Supan 2003, 7).
An dem Weg aus Arbeitslosigkeit in die Rente wird ein weiterer Zusammenhang deutlich. Der Arbeitsmarkt beeinflusst das Alterssicherungssystem wohl wie kein zweiter Faktor. Problematisch ist hier nach Arndt/Bonin vor allem die Problemverschiebung von Arbeitsmarkt zu Gesetzlicher Rentenversicherung, indem der Arbeitsmarkt durch den früheren Rentenzugang entlastet wird (vgl. Arndt/Bonin 2002, 12) Auch ist der Arbeitsmarkt die „Einnahmequelle“ der Gesetzlichen Rentenversicherung in Form von Beiträgen. In diesem Zusammenhang nehmen zudem viele Unternehmen Einfluß.
3. Grundproblem des Umlageverfahrens
Wie oben bereits dargelegt stellt das Umlageverfahren mit der Prämisse, dass die Erwerbstätigen die aktuellen Renten erwirtschaften, den Nährboden für die Finanzkrise dar. Aufgrund geringerer Geburtenraten und längerer Lebenserwartung ergibt sich die Problematik, dass immer mehr Rentner von immer weniger Jungen versorgt werden müssen. Nach Schmähl lag der Altenquotient 1995 bei 36 Prozent und könnte bis 2030 auf 70 – 73
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Prozent steigen (vgl. Schmähl 2001, 13). Hinzu kommt ein Trend zu immer früherem Renteneintritt (vgl. OECD 1998, 46). Dies verstärkt diesen Effekt und belastet zusätzlich zur Demografie die Finanzen. Und somit rückt die Ruhestandsentscheidung, die den Zeitpunkt des Renteneintritts markiert, in den Fokus der Krisendiskussion. Daher wird nun die demografische Problemstellung und der Trend zum frühen Ruhestand nochmals ausführlich und in Zahlen dargestellt. Denn aufgrund dieser Problematik sind die angestrebten Beitragsgrenzen der Bundesregierung im Jahr 2020 (2030) von maximal 20 (22) Prozent und ein Rentenniveau von 67 Prozent nicht zu halten.
3.1 Demografie
Der Effekt des „double aging“ beschreibt das Demografieproblem (vgl. Ulrich 2001, 23). Zum einen altert die Gesellschaft von unten. Das heißt, dass nicht einmal die zur Bestandserhaltung theoretisch nötige Rate von zwei Kindern pro Familie erreicht wird (vgl. Ulrich 2001, 24). So kommen immer weniger junge Menschen nach. Zum Beispiel sinkt der Anteil der bis sechs jährigen von 15,1 Prozent (1871) auf nach Ulrich ca. 3,5 Prozent (2040). Dies führt natürlich zu einer Verschiebung der Bevölkerungsstruktur in Richtung des Alters. Nun wirkt jedoch auch der zweite Effekt des double aging mit.
Zu den niedrigen Geburtenraten steigt die Lebenserwartung ständig an und wird auch in Zukunft wachsen (vgl. Noll 1998, 11). Gerade im hohen und höchsten Alter hat sich die Lebenserwartung deutlich verbessert. So hat sich nach Naber die Lebenserwartung der 65jährigen in den letzten 35 Jahren bei Männern um 2,4 Jahre und bei Frauen sogar um 4,2 Jahre gesteigert (vgl. Naber 2001, 103). Dieser Trend wird sich fortsetzen. Verstärkt nimmt die Anzahl der Alten in Zukunft auch durch den Effekt der Babyboomgeneration in den Siebzigern zu (vgl. Ulrich 2001, 26 ff.) So wird nach Ulrich der Anteil der über 64-jährigen von 7,8 Prozent (1950) auf 30,6 Prozent (2050) steigen! Diese drastische Verschiebung tut heute schon und wird in Zukunft noch stärker die Krise der Gesetzlichen Rentenversicherung prägen.
3.2 Trend zur Frühverrentung
Verstärkt wird diese Entwicklung durch einen zunehmenden Trend zur Frühverrentung, die den Druck auf den Altenquotienten weiter verstärkt (vgl. Berkel/Börsch-Supan 2003, 2).
Arbeit zitieren:
Daniel Rieck, 2005, Ruhestandsentscheidungen, München, GRIN Verlag GmbH
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