Inhalt
Einleitung 1
1. Geschichte und Begriff des Planspiels 2
2. Kennzeichen und Formen des Planspiels 3
3. Ziele des Planspiels 5
4. Die Phasen des Planspiels 6
5. Planspiele und ihre Bedeutung für die politische Bildung 9
6. Vorteile und Nachteile des Planspiels 10
8. Fazit 11
9. Literaturverzeichnis 12
II
Einleitung
In der vorliegenden Arbeit soll sich mit dem Planspiel als Methode der politischen Bildung beschäftigt werden. Dabei werden als erstes die Blicke auf die theoretischen Aspekte dieser Methode gelenkt, um darzustellen, welche tiefgreifende Bedeutung für den Unterricht und somit für den Schüler im Planspiel liegen.
Es soll der Frage nachgegangen werden, auf welche Traditionen das Planspiel in der politischen Bildung zurückgreifen kann und was man unter dieser Methode versteht. Da das Planspiel, soviel sei bereits gesagt, seine traditionellen Wurzeln nicht in der politischen Bildung hat, wird zu zeigen sein, welchen Anpassungsprozess und somit spezifischen Charakteristiken es enthält.
Weiterhin soll geklärt werden, welche verschiedenen Formen sich unterscheiden lassen und wo deren jeweiliger Schwerpunkt und somit Vorteil liegt.
Wenn man sich mit der Literatur über das Planspiel beschäftigt, fällt auf, dass es oftmals ein großes Durcheinander in der Verwendung der Bezeichnungen für diese Methode gibt. Planspiele, Entscheidungsspiele, Simulationsspiele werden gelegentlich ohne eine verständliche Abgrenzung verwendet. Deshalb soll es ebenfalls Anliegen dieser Arbeit sein, eine klare Definition mit nachvollziehbaren Kennzeichen für Planspiele herauszuarbeiten. In einem weiteren Schritt sollen die einzelnen Phasen dieser Methode vorgestellt und beschrieben werden. In diesem Zusammenhang werden auch die Regeln deutlich, die Grundvoraussetzung für jedes Spiel sind. Ziel ist es, die einzelnen Phasen theoretisch zu charakterisieren und zu reflektieren.
Um eine Methode sinnvoll und ergiebig im Sozialkundeunterricht einzusetzen, ist es wichtig, dass man sich der Vorteile, aber auch Gefahren, die in einer solchen liegen, bewusst wird.
1
1. Geschichte und Begriff des Planspiels
Das Planspiel als ein strategisches Spiel entstammt dem militärischen Bereich. Die Ursprünge reichen bis in das Jahr 3000 v. Chr. wo sie in der Folge meist für militärische Zwecke verwendet wurden. 1811 simulierte von Reisewitz das Kriegsspiel nicht mehr auf Karten, sondern in einem Sandkasten, welcher das Gelände des Kriegsschauplatzes abbildete. Die preußische Armee verdankte unter anderem dieser Trainingsmethode ihre gute Ausbildung. 1 Nach dem Ersten, aber besonders nach dem Zweiten Weltkrieg, erfuhr das Planspiel einen raschen Aufschwung, besonders im „Business – Management – Training“. Nachdem in den 60er- und den 70er-Jahren auch in Deutschland die Auseinandersetzung mit der Planspielmethode stetig voranschritt, entstanden eine Mehrzahl an Literatur und wichtige theoretische Fortschritte wurden erreicht. 2 Nachdem das Planspiel besonders in der Wirtschaft Anwendung fanden, bediente sich seit Mitte der 70er Jahre zunehmend die Sozialwissenschaft und hier besonders die Politikwissenschaft dieser Methode. Englischsprachige Schulpädagogen versuchten schon vereinzelt seit 1950 unter dem Oberbegriff „Simulationsspiele“ diese Methoden in verschiedenen Unterrichtsfächern zu nutzen. In Deutschland hat die Planspielmethode bis heute so gut wie keine Tradition im schulischen Alltag. Lediglich die politische Bildung versucht seit einigen Jahren verstärkter diese Methode in den schulischen Raum hinein zu transportieren. „Im Gegensatz zum Rollenspiel werden Planspiele im Politikunterricht nur selten durchgeführt.“ 3 Der Grund für die geringe Stellung des Planspiels in der Schule mag vor allem die mangelnde Erfahrung der LerhrerInnen sein.
Als hinderlich beim Umgang mit Planspielen stellen sich die verschiedenen Definitionen für diese Methode dar. Für Friedrich – Joachim Kaiser ist das Planspiel „ein Spielmodell, in dem Entscheidungsprozesse simuliert werden.“ 4 Wolfgang Mickel fasst das Planspiel ebenfalls als eine Simulation auf, wo „ein(e) vorgegebene(r) Lage/Fall auf eine Lösung hin (über mehrere Stunden / Tage) anhand komplexer (dennoch meist reduzierter) (Original)Materialien durchgespielt wird. So entsteht ein vereinfachtes Modell von Wirklichkeit, dessen pädagogischer Sinn für die Spieler/innen in der erfahrbaren Transparenz von Entscheidungsprozessen und –strukturen liegt“ 5 Als drittes soll die Definition von Hilbert Meyer genannt sein. Demnach sind „Planspiele (...) komplex gemachte Rollenspiele mit klaren Interessengegensätzen und hohem Entscheidungsdruck. 6
1 Vgl. Hinz, Alfred (1981): Planspiel, in: Kolb, Gerhard (Hrsg.): Methoden der Arbeits-, Wirtschafts- und Gesellschaftslehre, 2. Aufl., Bad Salzdetfurth, S. 36.
2 Vgl. Massing, Peter (1998): Handlungsorientierter Politikunterricht, Wochenschau Verlag, Schwalbach/Ts., S. 26. 3 Massing, Peter (2004): Planspiele und Entscheidungsspiele, in: Bundeszentrale für politische Bildung (Hrsg.): Methodentraining für den Politikunterricht, Bonn, S. 163.
4 Kaiser, Friedrich – Joachim (1973): Entscheidungstraining, Bad Heilbrunn, S. 76.
5 Mickel, Wolfgang W. (1996): Methoden – Leitfaden durch die politische Bildung: eine strukturierte Einführung, Wochenschau Verlag, Schwalbach/Ts., S. 52.
6 Meyer, Hilbert (1987): Unterrichtsmethoden II: Praxisband, Cornelsen-Scriptor Verlag, Frankfurt/M., S. 366.
2
Für die weiteren Betrachtungen in dieser Arbeit soll diese Charakterisierung von Mickel leitend sein, da diese am besten die Merkmale benennt, welche elementar für politische Planspiele sind.
Als problematisch in der Literatur stellt sich zudem eine Abgrenzung zwischen Planspielen und Simulationsspielen dar. Während ein Teil der Autoren beide Methoden strickt trennt, findet sich bei anderen die Vermischung beider Bezeichnungen. Klar ist, dass in Planspielen aber auch in Rollenspielen ein Teil der Wirklichkeit simuliert wird, wie im übrigen doch in jedem Spiel (z.B. Brettspiel, Kinderspiel) eine Simulation stattfindet.
Wolfgang Mickel spricht davon, dass das Simulationsspiel „eine Variante des Planspiels“ ist und das „im Simulationsspiel ein Ziel bekannt gegeben wird“. Mit Ziel meint er allerdings nicht die Entscheidung, die wird wie im Planspiel mit Hilfe des bearbeiteten Material in der Gruppe getroffen. Es muss also in Frage gestellt werden, ob es in der politischen Bildung noch nötig ist, Planspiele und Simulationsspiele zu trennen. Wie gesagt ist die Verwirrung in der Begrifflichkeit ursächlich für die Unsicherheit vieler LerhrerInnen im Umgang mit Planspielen im Unterricht.
2. Kennzeichen und Formen des Planspiels
Wie beim Rollenspiel lebt das Planspiel davon, dass die SchülerInnen Rollen übernehmen. Allerdings gibt es dennoch erhebliche Unterschiede. Während sich im Rollenspiel die SchülerInnen in der Regel mit einer bestimmten Person identifizieren, z.B. Rolle der Mutter, Rolle des Angeklagten, repräsentiert die Rolle im Planspiel bestimmte Positionen (politische Ziele) oder sie steht für politische Institutionen, für Organisationen oder Interessengruppen. 7 Selbstverständlich sind die Rollen immer an Personen gebunden, aber im Planspiel kommt es darauf an, dass durch die Rolle die Positionen bzw. Interessen einer politischen oder gesellschaftlichen Gruppe zum Ausdruck kommen. Damit wird deutlich, dass das Rollenverhalten weitgehend vorgegeben ist, was aber nicht weiter schlimm ist, da die Methode des Planspiels „eher auf der Ebene des politischen Lernens und weniger auf der Ebene des sozialen Lernens“ 8 angelegt ist. An dieser Stelle widersprechen sich die Aussagen von Peter Massing, denn im weiteren Verlauf des Textes schreibt er: „Das Planspiel [...] ist im Unterricht in erster Linie ein Prozess sozialen Lernens.“ 9 Wahrscheinlich treffen beide Aussagen zu, wobei es immer darauf ankommt, auf was in der Auswertung und Reflexion Wert gelegt wird. Sicherlich stehen die politischen Prozesse im Mittelpunkt, aber das soziale Lernen findet z.B. durch die Interaktionen in und unter den Gruppen ebenfalls statt.
Im Planspiel wird die Realität konstruiert bzw. ein mögliches Modell einer zukünftigen Situation dargestellt. Modell haben zwei zentrale Eigenschaften – die Repräsentation und die Reduktion. Es werden „die komplexen politisch-gesellschaftlichen Relevanzbezüge, die Hintergründe, die Rahmen und Gegenstand des Planspiels sind, auf einzelne typische Daten ,
7 Vgl. Mickel, Wolfgang W. (1980): Methodik des politischen Unterrichts, Cornelsen Verlag, Frankfurt/M., S, 195.
8 Massing, Peter (2004): Planspiele und Entscheidungsspiele, a.a.O., S. 164.
9 Ebd. S. 166.
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Christian Tischner, 2004, Planspiel als Methode der politischen Bildung, Munich, GRIN Publishing GmbH
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