Gliederung
I. Die neuen Kriege als überregionales Problem 1
II. Geschichtlicher Überblick und Ursprung des Konflikts in Angola 3
1. Der Befreiungskrieg bis 1974 3
2. Bürgerkrieg und ausländische Intervention 4
3. Stellvertreterkrieg 1976 - 1989 4
4. Der „neue Krieg“ bis 2002 5
4. 1. Das Abkommen von Bicesse, freie Wahlen und erneuter Bürgerkrieg
4. 2. Das Protokoll von Lusaka
4. 3. Bürgerkrieg von 1997 - 2002
4. 4. Das Waffenstillstandsabkommen am 04.04.2002
III. failed state Angola und der „neue Krieg“ 8
1. Die innere Konfliktdynamik 8
1. 1. Die zweigeteilte Gesellschaft
1. 1. 1. Die imperiale Ost- West- Logik
1. 1. 2. solide Allianzen der Nord- Süd- Logik
1. 2. Die wirtschaftliche Situation des Landes
2 Die Finanzierung des Krieges 12
2. 1. Die Rolle der Diamanten
2. 1. 1. Die UNITA
2. 1. 2. Die angolanischen Streitkräfte (FAA)
2. 1. 3. Exportwege
2. 2. Die Macht des Erdöls
3. Die Regierung und die Rebellen als Warlords 15
3. 1. Zugang zu den Ressourcen
3. 2. Kein Interesse an Frieden
3. 3. Folter und Zwangsrekrutierung
3. 4. Fragmentierung
3. 5. Instrumentalisierung ethnischer Stereotype
IV. Der failed state als „Nährboden“ für den neuen Krieg? 19
V. Literaturverzeichnis S 20
1
I: Die neuen Kriege als überregionales Problem
Die jüngsten Terroranschläge und die Diskussion um die Bekämpfung des internationalen Terrorismus haben die Sensibilität für das Problem zerfallender oder gescheiterter Staaten bestärkt. Die Annahme des failed state Afghanistan als Brutstätte potentieller Terroristen und als temporärer Hauptsitz des transnationalen Terrornetzwerks Al Quaida rechtfertigte dabei nach den Anschlägen vom 11. September 2001 sogar einen Krieg.
Galten zerfallende oder zerfallene Staaten in der Vergangenheit eher als ein regionales Problem tritt das Phänomen in der westlichen Welt seit 9/11 verstärkt als unmittelbare Gefährdung der eigenen Sicherheit in den Blickpunkt. 1 Ein Grund für das verstärkte Interesse an dieser Problematik ist mitunter der Zusammenhang von failed states und den „neuen Kriegen“. Bei diesen handelt e um Konflikte, bei denen sich die Unterscheidung von Öffentlichem und Privatem sukzessive auflöst und der Krieg sich „seiner Fesselungen an die Staatlichkeit, die ihm völkerrechtlich mit dem Westfälischen Frieden angelegt worden sind, entledigt“ 2 . Die Privatisierung des Krieges kommt dabei am deutlichsten in dem vermehrten Auftreten parastaatlicher und privater Kriegsakteure zum Ausdruck, was in enger Verbindung zu einem nicht bestehendem Gewaltmonopol des Staates steht. 3 Eine zentrale Rolle spielen in diesen Konflikten auch „manifeste Bürgerkriegsökonomien“ 4 von denen die kriegführenden Warlords profitieren, die über die Kanäle der Schattenglobalisierung auf vielfältige Weise mit der Weltwirtschaft verbunden sind und darüber sowohl die zur Weiterführung des Krieges nötigen Ressourcen beziehen als auch sich selbst ihre Pfründe sichern. 5 Das erklärt auch die ungewöhnlich lange Dauer dieser neuen Kriege - liegt dieser an sich doch im finanziellen Interesse seiner Akteure.
Diese Arbeit beschäftigt sich mit dem Zusammenhang zwischen einem failed state und einem neuen Krieg für den speziellen Fall Angola. Dabei bleibt es nicht aus zuerst auf die Kolonialgeschichte des Landes und den Ursprung der Differenzen zwischen den Konfliktparteien einzugehen. Im zweiten Teil werde ich nach einer eventuell vorhandenen inneren Konfliktdynamik als Bedingung oder als Folge der verfehlten Staatenbildung fragen, und zuletzt den tatsächlichen Charakter der kriegführenden Parteien anhand der Kriegsfinanzierung sowie weiterer Kriterien hinterfragen. Die letzte Frage wird sein, ob der failed state Angola einen guten „Nährboden“ für den neuen Krieg lieferte.
1 vgl. Schneckener, Ulrich (2004): States at Risk, S. 4.
2 Münkler, Herfried (2002): Das Ende des „klassischen“ Krieges, 13.07.2004,
http://www.nzz.ch/dossiers/2002/irak/2002.09.14-li-article8DEA9.html
3 vgl. Münkler, Herfried (2002): Die neuen Kriege, S. 33.
4 Schneckener, U. (2004), a. a. O., S. 5
5 vgl. Münkler, H. (2002), a. a. O., S. 21
2
Aufgrund der umfassenden Literaturauswahl über Angola war zumindest das Auftreiben der relevanten geschichtlichen Hintergrundinformationen unproblematisch, doch wie sich im Laufe der Literaturrecherche herausstellte waren manche, noch aus der Zeit des kalten Krieges stammende, Bücher sehr politisch gefärbt. So z. B. das 1980 erschienene Buch von Kivouvou, das jedoch trotz der deutlichen Sympathie für die MPLA eine sehr detaillierte Beschreibung der Kolonialgeschichte und des Befreiungskampfes liefert. Für aktuellere und rationale Daten und Fakten fand ich das Kapitel über Angola im „Handbuch Afrika 1“, verfasst von dem Afrikanistikprofessor Schicho, sehr hilfreich. Für die nötigen Informationen zur Bearbeitung der Fragestellung stützte ich mich dann vorwiegend auf aktuellere Artikel. Hierbei haben sich besonders die Aufsätze von Dominic Johnson, dem Afrikakorrespondenten der Taz, und Silja Teege, einem Mitglied des AKUF, hervorgetan. Der Aufsatz „Warlords ausser Kontrolle“ von Johnson gab mir auch die Idee für die Gliederung der Arbeitbesonders für das Kapitel über die innere Konfliktdynamik. Ich schließe mich seiner Meinung an, dass eben diese Konfliktdynamik für das Verstehen und die Einordnung des Konfliktes sehr wichtig ist. Für aktuelle Informationen über die Kriegsökonomie und ihren internationalen Bezug verweise ich auf die etlichen Nichtregierungsorganisationen, die sich mit diesem Thema auseinandergesetzt haben. Dabei besonders auf die Reportage „a rough trade“ der Organisation global witness. Wie die meisten Nichtregierungsorganisationen wird zwar auch diese dem linken Spektrum zugeordnet, jedoch orientieren sich sehr viele der später erschienenen Artikel an den von den in diesem Aufsatz publizierten Informationen.
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II: Geschichtlicher Überblick und Ursprung des Konflikts
1. Der Befreiungskrieg bis 1974
Als Teil des portugiesischen Kolonialimperiums wurden Angola und seine Entwicklung weithin von den Besonderheiten der portugiesischen Kolonialideologie geprägt. Die Praxis der Erziehung von sog. Assimilados, einer von der Kolonialmacht lenkbaren Elite, erreichte dabei jedoch lediglich einen Bruchteil der Bevölkerung. Von den 4 300 000 Einwohnern, die das Land im Jahr 1956 zählte, hatten lediglich 56.424 den Status eines Assimilado. Die Übrigen galten als Eingeborene und konnten daher zu allerlei Zwangsarbeit verpflichtet werden. 6 Bewaffnete Befreiungsbewegungen waren bereits seit Mitte der 50er Jahre die Folge dieser repressiven und rassistischen Kolonialpolitik. Zu Beginn der offenen Kampfhandlungen im Jahr 1961waren an diesen zwei Gruppen beteiligt, die jedoch anders als in den meisten anderen Unabhängigkeitskriegen nicht durch einen gemeinsamen Feind zusammengeschweißt wurden, sondern von Beginn an praktisch gegeneinander arbeiteten.
Das Ziel der 1956 entstandenen MPLA, die ihren Ursprung in den intellektuellen Kreisen des angolanischen Kleinbürgertums hatte, war eine Befreiung des gesamten Landes von den portugiesischen Kolonialherren. Von Beginn an unterhielt sie internationale Verbindungen zu anderen antikolonialen, panafrikanischen und sozialistischen Bewegungen. 7 Im städtischen Milieu in Luanda gegründet, verfolgte sie einen anti- imperialistischen und später marxistischen Kurs.
Auf der anderen Seit befanden sich die „bürgerlich- anarchistischen Guerillas“ 8 der 1962 gegründete FNLA (Frente Nacional de Libertacao de Angola), die sich, gestützt auf das Volk der Bakongo, mehr über einen ethnischen Nationalismus definierte. 9 Der Hauptunterschied unter ihnen war jedoch kein ethnischer. Während die Führungsspitze der MPLA hauptsächlich aus Intellektuellen, stark durch Mischlinge geprägten Assimilados hervorging, war die Elite der FNLA, wie auch ihr Führer Holden Roberto (der bereits seit den 50Jahren gute Kontakte zu den USA unterhielt), vornehmlich aus dem Stamm der Bakongo rekrutiert. Diese hielten die MPLA als Assimilados für nicht afrikanisch. 10 Eine dritte Gruppe bildete die aus der FNLA 1966 hervorgegangene UNITA um ihren Führer Jonas Savimbi, der von Beginn an einen radikal- populistischen Führungsstil entwickelte und
6 vgl. Kivouvou, Prosper (1980): Angola. Vom Königreich Kongo zur Volksrepublik, S. 126.
7 vgl. Schicho, Walter (1999): Handbuch Afrika, Bd.1: Zentralafrika, südliches Afrika und die Staaten im
indischen Ozean, S. 195.
8 Drekonja - Kornat, Gerhard (2002): Kuba in Afrika, S. 1439
9 vgl. Sommerville, Keith (1986): Angola - politics, economics and society, S. 91.
10 vgl. Meyns, Peter (1997): Angola: Der dritte Anlauf zum Frieden, S. 115.
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bis zu seinem Tod eine extrem personenbezogene Politik betrieb. 11 Seine Organisation wurde hauptsächlich von der Ovimbundu- Bevölkerung aus dem Hochland Angolas unterstützt. Anfangs eine maoistische Bewegung, nahm sie im Zuge der späteren Unterstützung der USA eine prowestliche und anti- kommunistische Orientierung an. 12 Keine der drei Gruppen konnte jedoch der Kolonialarmee wirklich gefährlich werden, was nicht zuletzt an fehlender Organisation und ausländischer Unterstützung lag. Zwar genoss die MPLA weitreichende Solidarität im Volk, doch profitierte die FNLA von umfassender internationaler Unterstützung und Anerkennung. Verschwägert mit Zaires Präsidenten Mobutu, der als enger Verbündeter der USA 1965 an die Macht kam, repräsentierte Holden Roberto den Befreiungskampf auf der internationalen Bühne. 13
2. Bürgerkrieg und ausländische Intervention
Nach der portugiesischen Nelkenrevolution im Jahr 1974 und dem darauffolgenden Abzug der Kolonialmacht Portugal verschärfte sich der Konflikt zwischen den Gruppierungen zum einen wegen dem entstandenen Machtvakuum, zum anderen durch die Intervention ausländischer Mächte. Die UNITA bildete dabei ab Oktober 1975 die angolanische „Säule des Krieges“ den das Apartheitsregime Südafrikas gegen schwarze Befreiungsbewegungen auf dem Kontinent führte 14 , während Kuba als Antwort auf diese Einmischung im November des Jahres 1975 mit der Entsendung von Hilfstruppen für die MPLA begann. In diese Bürgerkriegssituation fiel der Tag der Unabhängigkeit am 11.11.1975. 15 Mithilfe der kubanischen Truppen gelang es der MPLA Anfang 1976 den Machtkampf für sich entscheiden. 16
3. Stellvetreterkrieg 1976 - 1989
Von 1976 bis 1989 war Angola dann ein heißes Schlachtfeld des kalten Krieges. Die MPLA und die UNITA agierten als Vertreter zweier antagonistischer Länder, Kuba und Südafrika 17 , die ihrerseits Stellvertreterkriege zweier antagonistischer Supermächte USA und Sowjetunion führten. 18 Spätestens ab 1985, nachdem das Clark- Amendment 19 aufgehoben worden war,
11 vgl. Ebd..
12 vgl. Reiber, Tatjana (2002): Angola: endlich auf dem Weg zum Frieden, S. 314.
13 vgl. Schicho, W. (1999), a. a. O., S. 196.
14 vgl. Johnson, Dominic (1999): Warlords außer Kontrolle. Angolas andauernde Tragödie und der Krieg in der
Region, S. 337
15 vgl. Meyns, P. (1997), a. a. O., S. 117.
16 vgl. Reiber, T. (2002), a. a. O., S. 315.
17 Südafrika wurde sogar von den USA zu dem Einsatz in Angola ermutigt, vgl. Drekonja - Kornat, G. (2002), a.
a. O., S. 1439
18 vgl. Johnson, D. (1999), a. a. O., S. 337
Arbeit zitieren:
Magister Artium Henning Grobe, 2004, Failed State Angola und der "Neue Krieg", München, GRIN Verlag GmbH
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Das Britische Empire im „Brit...
Politik - Politische Systeme - Historisches
Hausarbeit (Hauptseminar), 29 Seiten
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