Landesinstitut für Schule und Ausbildung
Mecklenburg – Vorpommern
Hansestadt Rostock
Hausarbeit im Rahmen der Zweiten Staatsprüfung
für das Lehramt Sonderpädagogik
Erlebter Frühling – Wahrnehmungsförderung bei Schülern
mit dem Förderschwerpunkt Lernen im Rahmen
projektorientierten Unterrichts in einer 2. Klasse eines
sonderpädagogischen Förderzentrums
vorgelegt von:
Katrin Niemann
06.07.2005
Inhaltsverzeichnis
Abkürzungsverzeichnis ... III
Abbildungsverzeichnis ... IV
Tabellenverzeichnis ... V
1. Ziel- und Problemstellung ... 1
1.1 Einleitung und Konzeption ... 1
1.2 Projektorientierter Unterricht ... 2
1.3 Grundlagen der Wahrnehmung ... 4
1.3.1 Neurophysiologische Grundlagen ... 4
1.4 Bezug zur Lerngruppe ... 13
2 Planungsphase ... 15
2.1 Bezug zum Rahmenplan ... 15
2.2 Ziele der Unterrichtseinheit ... 16
2.3 Lernvoraussetzungen hinsichtlich der Durchführung des Vorhabens ... 17
2.4 Sachanalyse ... 18
2.5 Übergreifende didaktisch – methodische Schwerpunkte ... 19
2.6 Gliederung des Vorhabens in Unterrichtssequenzen ... 20
2.7 Darstellung ausgewählter Stunden ... 21
2.7.1 Die Einführungsstunde „Hurra, der Frühling ist da!“ ... 21
2.7.1.1 Lehr- und Lernziele ... 21
2.7.1.2 Didaktisch – methodische Analyse ... 22
2.7.1.3 Verlaufsplanung ... 24
2.7.2 Erarbeitungsstunde „Blumen im Frühling – Die Tulpe“ (Doppelstunde) ... 26
2.7.2.1 Lehr- und Lernziele ... 26
2.7.2.2 Didaktisch – methodische Analyse ... 28
2.7.2.3 Verlaufsplanung ... 31
3 Ergebnisse der Unterrichtseinheit ... 33
3.1 Beurteilung des durchgeführten Vorhabens ... 33
3.2 Darstellung und Beurteilung der maßgeblichen Abschnitte ... 34
3.2.1 Einführungsstunde ... 34
3.2.2 Naturforscher ... 34
3.3 Zusammenfassende Einschätzung ... 36
4 Auswertung und Diskussion ... 37
4.1 Überprüfung der Hypothesen ... 37
4.2 Ausblick ... 38
Quellenverzeichnis ... 40
Verzeichnis der Anlagen ... 42
1 Ziele und Problemstellung
1.1 Einleitung und Konzeption
-Entwicklung beginnt mit Bewegung-
Kinder wollen selbst tätig sein, wollen handeln und die Ergebnisse ihrer Handlung sehen, sie wollen etwas bewirken. Kinder sind neugierig und ständig auf der Suche nach Ursachen und Zusammenhängen. Renate ZIMMER nennt es „Erfahrungen […] aus erster Hand erwerben, im eigenen Tun und nicht durch Belehrung von außen.“1 Aber Kinder sind anders geworden. Durch gesellschaftlichen Wandel und zunehmende Industrialisierung gehen unter anderem traditionelle Spielkulturen mit viel Bewegung zunehmend verloren und verlagern sich in eintönige Umgebungen oder in die Wohnräume. Die unmittelbaren körperlich – sinnlichen Erfahrungsmöglichkeiten verlieren sich in immer mehr eingeschränkten Bewegungsräumen. Kinder stehen vor „fertigen“ Materialien und verlieren die Erfahrung eigener Aktivität. GUDJONS spricht in diesem Zusammenhang von „Erfahrungen aus zweiter Hand“2. Kinder, die kaum noch eine Chance haben, eine gute Beziehung zu ihrem Körper und zur Umwelt aufzubauen, sind in ihrer Selbst- und Wirklichkeitserfahrung gefährdet.3 Die Auswirkungen sind in allen Lebensbereichen erkennbar, ganz besonders jedoch im direkten Umfeld - wie Familie und Schule.
Im Rahmen meiner Arbeit interessiert mich besonders, inwieweit es gelingen kann, während eines Frühlingsprojektes das Wahrnehmungspotential der Kinder zu entfalten bzw. zu fördern. Durch das Verlagern des Lernortes größtenteils in die Natur sollen alle Wahrnehmungsbereiche der Schüler angesprochen werden. Sie sollen wieder lernen, welche Geräusche die Natur bereithält, wie sich Natur anfühlt, ob man sie riechen oder schmecken, sie sehen kann, usw. In dieser Projektwoche möchte ich bei den Schülern ein Verständnis dafür entwickeln, wie reichhaltig der Frühling für die Menschen sein kann, woran man ihn erkennt, welche Aktivitäten nun stattfinden können. Alle Sinnesorgane brauchen Anregung. Werden sie einseitig gefordert, besteht die Gefahr der Verkümmerung der Funktionsfähigkeit. Die Förderung des auditiven, visuellen, vestibulären, taktilen, olfaktorischen und gustatorischen Wahrnehmungsbereiches liegt mir ebenso am Herzen wie die soziale Wahrnehmung. Durch das Hantieren mit verschiedensten Naturmaterialien (Blumen, Tulpenzwiebel, etc) prägen sich Form und Bezeichnung ein und können besser auf abstraktere Abbildungen in Büchern, etc. übertragen werden. Die Lernbereitschaft und Motivation steigt hinsichtlich der Arbeit als Naturforscher in der Projektwoche. Handlungskompetenzen werden geschult durch das selbständige, kreative Lösen von Problemen, durch das Arbeiten mit Partner oder in Gruppen.
Der Unterricht orientiert sich grundsätzlich an der individuellen Ausgangslage der Schüler mit Lernbeeinträchtigungen4. Misserfolgserlebnisse und Resignation gehörten und gehören leider häufig zu ihren Erfahrungen. Daher sollte in Förderstufe I ein positives Selbstkonzept ausgebildet werden. Wahrnehmungsförderung eignet sich dazu in besonderer Weise, denn sie verfolgt u.a. das Ziel, über freudebetonte Handlungs- und Bewegungserlebnisse zur „Stabilisierung der Persönlichkeit beizutragen – also das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten zu stärken“5.
Daher besteht die Zielstellung der Arbeit besteh darin, folgende Fragen zu klären:
Das Projekt erstreckt sich in einem Raum von 10 Unterrichtsstunden. Als geplantes Ergebnis hält jeder Schüler ein Frühlingsbuch (= Forschermappe). Als Erweiterung entsteht ein Frühlingsmuseum, in dem die Ergebnisse des Forschungstages ausgestellt werden.
Aus den Fragestellungen ergeben sich folgende Hypothesen (Hyp.):
Hypothese 1: Es ist zu vermuten, dass die projektorientierte Arbeit zum Thema „Frühling“ ein kreatives und freudebetontes Erlebnis für die Schülern darstellt und eine Sensibilisierung für die Phänomene der Natur erfolgen wird.
Hypothese 2: Es kann erwartet werden, dass projektorientierte Arbeit neben der Wahrnehmung auch vielfältige Potenzen für die Entwicklung verschiedener Persönlichkeitsbereiche (kognitiv; sozial – emotional; sprachlich) bietet. Hypothese 3: Es ist anzunehmen, dass sich die Wahrnehmung fördern lässt und sich Erfolge besonders im visuellen, auditiven sowie sozialen Bereich einstellen.
Dieser Arbeit liegt folgende Vorgehensweise zugrunde: Weiterführend werden im Kapitel 1 die theoretischen Hintergründe zur projektorientierten Arbeitsform sowie Wahrnehmung beleuchtet und der Bezug zur Lerngruppe hergestellt. Kapitel 2 beschreibt die Planungsphase und befasst sich mit den Zielen, Lernvoraussetzungen und dem Ablauf des Unterrichtsvorhabens. Die zusammenfassende Darstellung der Ergebnisse der Unterrichtseinheit finden sich in Kapitel 3. Das 4. Kapitel dient der Auswertung und Diskussion der Ergebnisse und Überprüfung der Hypothesen.
1.2 Projektorientierte Arbeit
-Projekt – Lebensnahes Lernen in ganzheitlichen Zusammenhängen-
Das Begriff Projekt geht auf das lateinische Wort projicere zurück, welches vorwerfen, entwerfen, planen, sich vornehmen bedeutet. Heute wird der Projektbegriff im Sinne von Plan, Entwurf oder Vorhaben verwendet, wobei die Verwirklichung der Planung beabsichtigt wird. Der Projektunterricht weist eine charakteristische Gestalt auf, die ihn von anderem Unterricht unterscheidet, ihm werden in der Literatur jedoch viele unterschiedliche Bedeutungen und Vorstellungen zugeordnet. Deshalb möchte ich mich an dieser Stelle nicht auf eine Beschreibung des Projektunterrichts beschränken, sondern unterschiedliche Definitionen von verschiedenen Autoren anführen.
[...]
1 vgl. ZIMMER 2004, 32
2 vgl. GUDJONS 2001, 18 - 19
3 vgl. ZIMMER 2004, 17
4 KANTER (2003) definiert: Eine Lernbeeinträchtigung oder „Lernbehinderung ist keine eindeutig umrissene, definierte Behinderungsform. […] Bei lernbehinderten Kindern ist die Lernfähigkeit substantiell betroffen, was sich u.a. in unterdurchschnittlichen Intelligenzergebnissen und einem kognitiven, sprachlichen Rückstand (etwa Gedächtnisschwäche, Sprachschwierigkeiten, mangelnder Wortschatz, mangelndes Instruktionsverständnis) äußert. Eine solche Lernbeeinträchtigung ist in der Regel mehrfach (multifaktoriell) bedingt. Die moderne Forschung geht deshalb kaum noch der Frage nach Ursachen nach; sondern beobachtet vor allem, wie diese Kinder lernen.“ Nach EBERWEIN ist „Lernbehinderung […] also kein feststehendes, defizitäres Persönlichkeitsmerkmal.“ Kinder sind demzufolge als lernbehindert zu bezeichnen, wenn sie langandauernd und umfänglich in ihrem schulischen Lernen beeinträchtigt sind und deutliche Leistungs- und Verhaltensabweichungen bezüglich der Altersnorm aufweisen. (vgl. KANTHER 2003) 5 vgl. Zimmer 1999, 22
Quote paper:
Katrin Niemann, 2005, Erlebter Frühling - Wahrnehmungsförderung bei Schülern mit dem Förderschwerpunkt 'Lernen' im Rahmen projektorientierten Unterrichts in einer 2. Klasse eines sonderpädagogischen Förderzentrums, Munich, GRIN Publishing GmbH
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