Die sozialwissenschaftliche Forschung setzte sich in den letzten 20 Jahren zunehmend mit dem Phänomen der Armut junger Menschen auseinander. Der Anfang der 1990er-Jahre geprägte Begriff (vgl. Wenzig 2005: 58) der „Infantilisierung von Armut“ brachte dabei zum Ausdruck, dass Armut in Deutschland wie auch in anderen modernen westlichen Gesellschaften nicht länger in erster Linie ältere Menschen, vor allem Frauen, betraf. Stattdessen konnte spätestens seit den 1980er-Jahren eine starke Zunahme der Armutsbetroffenheit von Kindern und Jugendlichen festgestellt werden. Ziel dieser Arbeit ist es, einen Überblick über das Problem der Armut von Kindern und Jugendlichen zu geben. Ihr liegen drei Fragestellungen zu Grunde: Zunächst soll der Frage nachgegangen werden, was Armut überhaupt ist und wie Armut, speziell die Armut von Kindern und Jugendlichen, gemessen werden kann (Kapitel 2). Zweitens stellt sich die Frage nach dem tatsächlichen Ausmaß und der Struktur von Kinder- und Jugendarmut in Deutsch-land (Kapitel 3). Abschließend widmet sich die Arbeit der Frage, welche Auswirkungen Armut auf Kinder und Jugendliche hat. Hierzu sollen beispielhaft einige zentrale Folgeprobleme von Armut thematisiert werden (Kapitel 4). [...]
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Armut – Begriff und Operationalisierung
2.1 Definitionen des Armutsbegriff
2.2 Unterschiedliche Konzepte zur Messung von Armut
3. Ausmaß und Struktur der Armut von Kindern und Jugendlichen
3.1 Sozialhilfebezug von Kindern und Jugendlichen
3.2 Relative Einkommensarmut bei Kindern und Jugendlichen
3.3 Abhängigkeit der Armutsbetroffenheit vom Familientyp
3.4 Anwendung des Lebenslangenansatzes
3.5 Dauer von Armut
4. Auswirkungen von Kinder- und Jugendarmut
4.1 Armut als Gesundheitsrisiko
4.2 Soziale Ungleichheit und Bildung
4.3 Psychosoziale Folgen
4.4 Unterschiedliche Armutsbelastungen und Bewältigungsstrategien
5. Fazit
6. Literatur
6.1 Dokumente
6.2 Fachliteratur
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Hausarbeit analysiert das Phänomen der Kinder- und Jugendarmut in Deutschland, beleuchtet deren Messbarkeit sowie die damit verbundenen strukturellen Ausprägungen und Folgen für die betroffenen Heranwachsenden.
- Definition und Operationalisierung von Armut
- Empirische Analyse des Ausmaßes und der Struktur von Kinderarmut
- Zusammenhang zwischen Familienform und Armutsrisiko
- Auswirkungen von Armut auf Gesundheit, Bildung und psychosoziales Befinden
- Rolle familiärer Ressourcen bei der Armutsbewältigung
Auszug aus dem Buch
2.1 Definitionen des Armutsbegriff
Ein zentrales Problem der Armutsforschung besteht darin, dass es keine allgemein anerkannte und verbindliche Definition von Armut gibt. Dies mag zum Teil daran liegen, dass das Thema Armut nicht nur von akademischen Interesse ist. Stattdessen ist die Diskussion um Armut auch stark politisch geprägt. Die Definition von Armut beeinflusst entscheidend, welches Ausmaß an Armut in einer Gesellschaft existiert. So enthält jeder Ansatz, Armut zu definieren, implizit eine Wertentscheidung und eine politische Ausrichtung, da mit ihr konkrete politische Handlungen oder Konzepte, vor allem in der Sozialpolitik, legitimiert werden können (vgl. Zimmermann 2001: 56f.).
Zentral ist zunächst die Unterscheidung von absoluter und relativer Armut: Absolut arm sind Menschen, die nicht über die Mittel verfügen, die sie zur Befriedigung ihrer Grundbedürfnisse benötigen. Zumeist zielen Definitionen absoluter Armut lediglich auf das physische, teilweise aber auch auf ein soziokulturelles Existenzminimum (vgl. Zimmermann 2000: 62f.). Absolute Armut kann es in Deutschland allerdings theoretisch gar nicht geben: Artikel 1 des Grundgesetzes sowie das Sozialstaatsgebot garantieren in Deutschland allen Menschen Anspruch auf soziale Unterstützungsleistungen, die ein menschenwürdiges Leben sichern und damit absolute Armut verhindern sollen. Jedoch fallen einige Personengruppen durch das soziale Netz hindurch, da sie ihren Anspruch auf staatliche Unterstützung aus verschiedenen Gründen nicht einlösen, so etwa Obdachlose, Straßenkinder und illegal sich in Deutschland aufhaltende Ausländer.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in das Phänomen der "Infantilisierung von Armut" ein und definiert das Ziel, einen Überblick über Ausmaß, Struktur und Folgen der Kinder- und Jugendarmut in Deutschland zu geben.
2. Armut – Begriff und Operationalisierung: Dieses Kapitel erläutert die Schwierigkeiten bei der Definition von Armut und stellt verschiedene Messkonzepte, wie das Subsistenzkonzept und den Ressourcenansatz, vor.
3. Ausmaß und Struktur der Armut von Kindern und Jugendlichen: Hier werden Daten zum Sozialhilfebezug und zur relativen Einkommensarmut analysiert, wobei besonders der Einfluss von Familienstrukturen und die Dauer von Armut beleuchtet werden.
4. Auswirkungen von Kinder- und Jugendarmut: Das Kapitel untersucht die negativen Folgen von Armut, insbesondere in den Bereichen Gesundheit, Bildung sowie psychosoziale Entwicklung.
5. Fazit: Das Fazit resümiert die Ergebnisse und betont, dass die bloße Betrachtung des Haushaltseinkommens nicht ausreicht, um die komplexen, armutsbedingten Belastungen für Kinder zu verstehen.
6. Literatur: Das Verzeichnis listet die verwendeten Dokumente und Fachliteratur auf, die als Grundlage für die Hausarbeit dienten.
Schlüsselwörter
Kinderarmut, Jugendarmut, relative Einkommensarmut, Sozialhilfebezug, Armutsrisiko, Lebenslagenansatz, soziale Ungleichheit, Bildungsbenachteiligung, Armutsfolgen, Familienstruktur, Alleinerziehende, Armutsdefinition, Kinder- und Jugendbericht, Armutsforschung, Deprivation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Hausarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Situation von Kindern und Jugendlichen, die in Deutschland von Armut betroffen sind, und untersucht die theoretischen sowie empirischen Aspekte dieser Problematik.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder umfassen die Definition von Armut, die statistische Messung von Armut, den Zusammenhang zwischen familiärer Lebenssituation und Armutsrisiko sowie die gesundheitlichen, bildungsbezogenen und psychosozialen Auswirkungen auf Kinder.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, einen fundierten Überblick über das Ausmaß und die Struktur von Kinder- und Jugendarmut zu geben und aufzuzeigen, warum eine eindimensionale Armutsmessung zur Erfassung der kindlichen Lebensrealität oft nicht ausreicht.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin stützt sich auf eine Literatur- und Sekundärdatenanalyse, bei der amtliche Sozialhilfestatistiken und Erkenntnisse aus Kinder- und Jugendberichten sowie soziologischen Studien ausgewertet werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Auseinandersetzung mit dem Armutsbegriff, eine Analyse statistischer Armutsdaten unter Berücksichtigung verschiedener Haushaltstypen und eine Untersuchung der Folgen von Armut für die kindliche Entwicklung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Kinderarmut, soziale Ungleichheit, relative Einkommensarmut, Bildungsbenachteiligung und den Lebenslagenansatz charakterisieren.
Warum ist die Messung von Armut bei Kindern besonders problematisch?
Da Kinder meist kein eigenes Einkommen haben, ist ihre wirtschaftliche Lage stark von den Eltern abhängig, wobei die statistische Erfassung oft die tatsächliche innerfamiliäre Verteilung von Ressourcen ignoriert.
Welche Rolle spielt die Familienform beim Armutsrisiko?
Die Arbeit zeigt, dass insbesondere Kinder in Ein-Eltern-Familien ein überdurchschnittlich hohes Armutsrisiko tragen, während bei Paarfamilien die Kinderanzahl einen signifikanten Einfluss auf die Wahrscheinlichkeit des Sozialhilfebezugs hat.
Welche Bedeutung hat der Lebenslagenansatz in diesem Kontext?
Der Lebenslagenansatz wird als notwendige Ergänzung zur reinen Einkommensbetrachtung gesehen, da er auch Faktoren wie Wohnumfeld, Bildungschancen und gesundheitliche Aspekte mit einbezieht, um ein realistischeres Bild der kindlichen Deprivation zu zeichnen.
- Quote paper
- Christine Tausch (Author), 2006, Kinder und Jugendliche in Armut, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/53105