Inhaltsverzeichnis
1. Einführung 3
2. Hauptstädte im Überblick 4
2.1. Frühgeschichtliche Ausgangslage 4
2.2. Memphis 4
2.3. Herakleopolis Magna 8
2.4. Theben 10
2.5. Itj-taui 13
2.6. Auaris 14
2.7. Amarna 15
2.8. Piramesse 16
2.9. Tanis 17
2.10. Leontopolis 19
2.11. Bubastis 19
2.12. Sais 21
2.13. Napata (und Meroe) 22
2.14. Mendes 23
2.15. Sebennytos 24
3. Schluss 25
4. Literaturverzeichnis 26
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1. Einführung
Bevor man sich mit einer bestimmten Thematik auseinandersetzt, sollte man für sich zunächst die Begrifflichkeiten klären. Dabei kann es zu Problemen kommen, da beispielsweise ein Historiker mit einem ganz anderen Hintergrund an eine Fragestellung herantritt als ein Archäologe oder Soziologe.
Wenn man sich nun fragt, was eine Stadt ist, dann lässt sich schnell feststellen, dass sich unsere heutige Stadtdefinition nicht ohne weiteres auf die Stadt im Alten Ägypten übertragen lässt. Wenn man nun jedoch einen Schritt weiter geht, dann lässt sich dasselbe Dilemma bei der Definition von ägyptischen Hauptstädten erkennen. Dabei wird man mit verschiedenen Fragen konfrontiert: Ab wann war eine Stadt eine Hauptstadt? Befand sich die Hauptstadt dort, wo sich der Herrscher hauptsächlich aufhielt? Kann man von einer Hauptstadt sprechen, wenn wichtige Teile des Regierungsapparates ausgelagert waren?
Diese Hausarbeit wird nun auf den folgenden Seiten versuchen, einen Überblick über die ägyptischen Hauptstädte zu geben. Auf die oben genannten Fragen wird explizit nicht eingegangen, dennoch sollten sie im Hinterkopf behalten werden und unter Umständen zur weiteren Thematisierung anregen.
Der zeitliche Rahmen dieser Arbeit umfasst in etwa 2600 Jahre. Beginnen wird sie mit einer knappen Beschreibung der hauptstädtischen Ausgangslage, aus der schließlich Memphis als erste Hauptstadt des Alten Reiches hervorging, und in der Spätzeit enden. Leider kann im Rahmen dieser Arbeit nicht auf jede Einzelheit eingegangen werden. Außerdem soll versucht werden, die Städte gleichwertig zu behandeln.
Um zuletzt noch auf die Reihenfolge zu sprechen zu kommen; diese wurde nicht zufällig gewählt, sondern vielmehr nach chronologischen Gesichtspunkten erstellt. 1 . Hierbei kam es allerdings auch zu zeitlichen Überschneidungen, die, um das vorwegzunehmen, mit der jeweiligen politischen Situation in Ägypten zu erklären sind.
1 D.h. sie sind zeitlich, nach ihrer erstmaligen Ernennung zur Hauptstadt, geordnet.
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2. Hauptstädte im Überblick
2.1. Frühgeschichtliche Ausgangslage
Bevor man auf die geschichtliche Entwicklung der Hauptstädte eingehen kann, sollte man zunächst einen Blick auf die frühgeschichtliche Ausgangslage werfen. So sind heute die Herrschaftsgebiete der meist lokal begrenzten Könige der 0. Dynastie schwer zu fassen und erst der letzte König dieser Gruppe, Narmer, ist landesweit bezeugt. Aufgrund dieser Feststellung lässt sich vermuten, dass wohl spätestens durch ihn die so genannte Reichseinigung vollzogen worden war. 2 Doch wie kam es zur Herausbildung hauptstädtischer Strukturen? Ein Ansatzpunkt zur Erklärung dieser Entwicklung wäre, dass sich vielleicht gerade zu dieser Zeit die Bevölkerung auf neu gegründete stadtartige Anlagen konzentriert hatte. Wie die Ausgrabung eines Palastes der 1. Dynastie im Zentrum von Hierakonpolis zeigt, dienten wahrscheinlich die wichtigsten dieser Anlagen als eine Art „Königspfalz“, in der der König kurzzeitig, zum Zwecke des so genannten „Horusgeleites“, sprich zur Steuererhebung, verweilte. 3 Es setzte zu dieser Zeit jedoch noch eine weitere Entwicklung ein: eine Bedeutungsverschiebung der verschiedenen Residenzen zu Gunsten der ersten Reichshauptstadt unter König Aha, Memphis. 4
2.2. Memphis
Memphis, das zur gleichen Zeit die Metropole des ersten unterägyptischen Gaues gewesen war, war während eines Großteils der Pharaonenzeit die Reichshauptstadt Ägyptens. Ihr Name hatte vermutlich ihren Ursprung in der Bezeichnung für die Pyramidenstadt Pepis I., namens niwut men-nfer-pepj. Ein älterer, aber durchaus gebräuchlicher Name der Stadt war zudem jnb-hč; wahrscheinlich eine Anspielung auf den weißen Festungspalast einer der ersten Könige. 5 2 Schulz, R. / M. Seidl (Hrsg.), Ägypten, die Welt der Pharaonen, Königswinter 2004, S. 27. 3 Bietak, M., Stadtanlage, LÄ V (1984), 1233 – 1249, hier 1234.
4 Schulz, R. / M. Seidl (Hrsg.), Ägypten, S. 32f.
5 Zivie, C.M., Memphis, LÄ IV (1982), 24 – 41, hier 25.
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Memphis selbst hatte eine günstige Lage. Die Stadt lag zentral zwischen den großen Anbaugebieten Mittelägyptens und des Deltas, etwa 24km südlich des heutigen Kairo, mit einem guten Zugang zum vorderasiatischen Raum. 6
Gegründet wurde sie, wenn man antiken als auch archäologischen Zeugnissen glauben mag, von Aha, dem ersten König der 1. Dynastie. Herodot schrieb später, dass jener König es gewesen sei, der einen Damm errichtete, um die Stadt vor der Nilschwemme zu schützen. Dessen Nachfolger Atoti erbaute anschließend, Manetho zufolge, die ersten Paläste. 7 In den nachfolgenden Generationen näherten sich die Residenzstädte, die im Laufe der Zeit entstanden und zu Gunsten einer neuen wieder aufgegeben wurden, stetig der Festung, bis wohl schließlich die Pyramidenstadt Pepis I., in der 6.Dynastie, ihren Namen langsam auf das ganze Stadtgebiet übertragen hatte. 8
Während der Ersten Zwischenzeit gelang es den nur kurz regierenden Königen in Memphis nur mühsam, Oberägypten, das in Kleinfürstentümer zerfallen war, als Verwaltungseinheit wiederherzustellen. Schließlich wurden die unterägyptischen Herrscher durch Fürsten aus Herakleopolis Magna gestürzt und die Hauptstadt Ägyptens dementsprechend weiter in den Süden verlegt. 9 Ähnlichen Situationen war Memphis in den darauf folgenden Jahrhunderten mehrmals ausgesetzt. So wurde die Metropole unter Amenemhet I. von Memphis nach Itj-taui verlegt. Und auch in der Zweiten Zwischenzeit wurde unter den Hyksos die Stadt Memphis, nach anfänglicher Benutzung als Landesverwaltung, zu Gunsten von Auaris aufgegeben. 10
Zu einer stabilen politischen Bedeutung gelangte Memphis erst wieder mit dem Beginn des Neuen Reiches. Vor allem aber ihr militärischer, wirtschaftlicher und religiöser Einfluss machte sie schließlich neben Theben zur zweiten Reichshauptstadt. Thutmosis I. hielt sich häufiger in der alten Reichshauptstadt auf; und sowohl er als auch andere Pharaonen der 18. Dynastie besaßen dort ihre 6 Shaw, I. / P. Nicholson (Hrsg.), Reclams Lexikon des Alten Ägypten, Stuttgart 1998, S. 182f; vgl hierzu auch Schulz, R. / M. Seidl (Hrsg.), Ägypten, S. 33.
7 Baines, J. / J. Málek, Atlas of ancient Egypt, Oxford 1980, S.143.
8 Kees, H., Memphis, RE XV (1932), 660- 688, hier 660f.
9 Schulz, R. / M. Seidl (Hrsg.), Ägypten, S. 43.
10 Auf Itj-taui und Auaris wird in dieser Hausarbeit noch ausführlich eingegangen. Hinweise zur Literatur können aus den jeweiligen Kapiteln entnommen werden.
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Domänen. 11 Ferner waren die Stadt und ihre Umgebung für die militärische Ausbildung der Prinzen und des Thronfolgers lange Zeit geschätzt. 12
Diese besondere Stellung änderte sich auch während den nachfolgenden zwei Generationen nicht. Selbst als unter Echnaton die Regierungsgeschäfte nach Achetaton verlegt wurden, wurde Memphis nicht außer Acht gelassen. Dies zeigte sich beispielsweise einerseits durch den Bau eines Atonheiligtums 13 , andererseits auch dadurch, dass Tutanchamun die neu gebaute königliche Residenz wieder zu Gunsten der alten Reichshauptstadt verließ. 14
Während der 19. Dynastie erlebte Memphis einen ernormen Aufschwung. Ramses II. hielt sich dort auf, bevor er in seine neue Hauptstadt Piramesse zog; und auch seine königlichen Jubiläumsfeiern wurden in der Stadt sowohl ausgerichtet als auch der städtischen Gottheit geweiht. Doch selbst die nachfolgenden Generationen, wie Merenptah und Ramses III., ließen ihre Spuren in der Stadt zurück. 15
In der ganzen Zeit blieb Memphis der Kopf der Verwaltung, und ihre Stellung veränderte sich in der Dritten Zwischenzeit nur geringfügig. Zu diesem Zeitpunkt schien Memphis aus militärischer Sicht, eine sowohl durch dicke Mauern als auch eine durch den Nil geschützte sowie abschreckende Festung gewesen zu sein. 16 Diese wurde in der Übergangsphase von der Dritter Zwischenzeit zur Spätzeit, sehr zum Ärgernis des Pije, Angehöriger der 25. kuschitischen Dynastie, von dem aus Sais stammenden Tefnachte kurzzeitig gehalten. Auch die Nachfolger des Pije, Schabako und Taharqo, residierten in Memphis. Letzterer ließ sich dort vermutlich zum Herrscher krönen. 17 11 Zivie, C.M., Memphis, hier 27f.
12 Schulz, R. / M. Seidl (Hrsg.), Ägypten, S. 144.
13 Kees, H., Memphis, hier 661.
14 Schulz, R. / M. Seidl (Hrsg.), Ägypten, S. 149.
15 Zivie, C.M., Memphis, hier 28.
16 Kees, H., Memphis, hier 662f.
17 Zivie, C.M., Memphis, hier 29.
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Gegen Ende seiner Regierungszeit wurde die Stadt wiederholt durch die Assyrer eingenommen und letzten Endes von Necho, aus der saitischen Dynastie stammend und Vasall des Assurbanipal, annektiert. Als schließlich unter Psammetich, Sohn des Necho, Ägypten von der Assyreroberhoheit befreit wurde, regierte jener über Sais, Memphis sowie Athribis. 18 Die Stadt stieg zu einer Weltstadt auf – vor allem als sie unter Amasis zum Hauptstandort der Söldnertruppe und zur Residenz gemacht wurde. 19
Doch wie sah die Stadtbevölkerung zum damaligen Zeitpunkt aus? Man hatte schon früh damit begonnen, ausländische Gruppen in die Stadt zu integrieren. Unter der Herrschaft des Amasis, in der 26. saitischen Dynastie, wurden beispielsweise gezielt karische Söldner aus Siedlungen bei Bubastis nach Memphis verlegt und in den nach ihnen benannten Quartieren sesshaft gemacht. Die Stadt erhielt durch diese und andere bereits dort wohnenden Gruppen, wie Syrer, Phönizier und Juden, ihren kosmopolitischen Charakter. Üblicherweise heirateten diese ausländischen Bevölkerungsgruppen langsam in die ansässigen Familien ein, wodurch sich ihre Spuren mit fortschreitender Zeit verliefen. 20
525 vor Christus endete durch die Schlacht von Pelusium die Herrschaft Psammetichs III. und damit die Herrschaft der Saiten über Memphis. Der Perser Kambyses bemächtigte sich der Stadt. Diese konnte ihre Bedeutung als Mittelpunkt der Verwaltung behaupten und wurde zum Sitz des Statthalters. Selbst die städtischen Kulte fanden mit Dareios I., dem Nachfolger des Kambyses, einen Förderer.
Aufgrund der unsteten politischen Lage kam es in der Folgezeit zu raschen Dynastienwechsel, die auch an Memphis nicht spurlos vorübergingen. So kam während der zweiten Perserherrschaft der Gegenkönig Chababasch an die Macht und setzte sich als Pharao von Memphis ein. 21 18 Ebd. Hier 29f.
19 Kees, H., Memphis, hier 663.
20 Zivie, C.M., Memphis, hier 30.
21 Ebd. hier 30.
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Ines Roman, 2006, Hauptstädte des Alten Ägypten im Überblick, Munich, GRIN Publishing GmbH
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