Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Zum Verhältnis Medienkompetenz Lesekompetenz 4
3. Fernseher und Buch: Konkurrenten 5
4. Lesesozialisation als fundamentale Grundlage 6
5. Wechselwirkungen zwischen Fernsehen und Lesen 8
6. Empirisches Beispiel: Die Rolle des Fernsehkonsums bei der Entwicklung von
Lesekompetenzen 9
7. Zusammenfassung und Ausblick 14
I Literaturverzeichnis 16
2
1. Einleitung
Die vorliegende Arbeit soll der Frage nachgehen, inwiefern ein zunehmend elektronisches Medienangebot, primär der Fernseher eine Medienkonkurrenz für das Lesen darstellt. Wird doch in der Forschung die traditionelle Dichotomie von „Information“ und „Unterhaltung“ als zwei zentralen Funktionen der Mediennutzung bemüht, die sich jedoch aus der Sicht der psychologisch orientierten Rezeptionsforschung nicht ausschließen müssen. Vielmehr bilden sie ein Zusammenspiel, das zudem einen wesentlichen Bestandteil von Lesekompetenz darstellt. 1 Zur Erläuterung dieser These werde ich nun in meiner Arbeit diesbezüglich vorneweg auf das Verhältnis zwischen Medienkompetenz und Lesekompetenz eingehen. Beide Konzepte sind nämlich statt in einem Oppositonsverhältnis in engem Zusammenhang zu sehen. Im darauffolgenden Kapitel geht es um die beiden Medien Fernseher und Buch und um die Frage, ob sie wirklich Konkurrenten darstellen, wie immer wieder von Leseforschern befürchtet wird, oder nicht doch Koexistenten sind, die unter Umständen in friedlichem Nebeneinander gemeinsam den Alltag eines Kindes mitgestalten können.
Voraussetzung dafür ist jedoch eine gelungene Lesesozialisation, die schon sehr früh im Leben eines Kindes beginnen muss. Neben dem Kindergarten und der Schule spielt die familiäre Umgebung dabei eine wichtige Rolle, nicht nur eine technische Grundlage, sondern vor allem eine motivationale Grundlage zu schaffen. Darum geht es in Kapitel 4. Desweiteren behandle ich schließlich bestimmte Wechselwirkungen zwischen Fernsehen und Lesen und führe hierzu eine Reihe von, vorwiegend pessimistischen, Hypothesen an, die in der Kommunikations- und Medienwissenschaft entwickelt worden sind.
Darauf folgt schließlich ein empirisches Beispiel, das die Rolle des Fernsehkonsums bei der Entwicklung von Lesekompetenzen untersucht.
Eine Zusammenfassung und ein Ausblick sollen meine Arbeit in Kapitel 7 abschließen.
1 Vgl. Vorderer P. & Klimmt C. Lesekompetenz im medialen Spannungsfeld von Informations- und
Unterhaltungsangeboten. In N. Groeben & B.Hurrelmann (Hg.): Lesekompetenz. Weinheim, 2001, 216
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2. Zum Verhältnis Medienkompetenz – Lesekompetenz
Lesekompetenz ist als Vorläuferkonzept der Medienkompetenz zu verstehen. 2 Somit stehen die beiden Begriffe anstatt in Oppositon in enger Verbindung.
Denn Medienkompetenz hat folgende Eigenschaften: Grundlegend ist die instrumentelle bzw. technische Ebene. Bei virtuellen Medien existiert diese in der angemessenen Bedienung der Hardware und der Beherrschung der basalen Programme. Beim Lesen meint man hingegen die Dechiffrierungsfähigkeit und die fundamentalen Automatisierungsfähigkeiten bei der Entzifferung der Schrift.
Neben dieser instrumentell-technischen Ebene geht man von einer inhaltlich bestimmten Verstehensfähigkeit aus, d.h. Verarbeitung und Einordnung der transportierten Inhalte in Wissens- und Erfahrungskontexte. Für das Konstrukt Lesekompetenz subsummierten Groeben & Hurrelmann, 2002 diesen Aspekt unter „kognitive Fähigkeiten“. 3 Weiterhin wird eine sozial-kommunikative Kompetenzebene angenommen. Gemeint ist hiermit das Verhältnis von realem und imaginärem Austausch und die Einbettung der virtuellen Erlebnisse in den weltlichen Zusammenhang. Im Konzept der Lesekompetenz spricht man hier von „Anschlusskommunikation“.
Des weiteren spielt sowohl im Bereich der Medien- als auch der Lesekompetenz die Motivation und damit die Entwicklung des individuellen Bezugs zum Medium innerhalb der Lebenswelt eine wichtige Rolle.
Ferner existiert ein emotionaler Aspekt, wobei hier in beiden Konzepten die Kompetenzbegriffe die Fähigkeit umfassen, emotionale Erfahrungen im Medium zu machen. Und schließlich gibt es bei beiden die Komponente, die die Fähigkeit zu Reflexion und auch zur Kritik umschließt.
Abschließend ist noch die anwendungsorientierte Komponente zu erwähnen, die oftmals in Zusammenhang mit Medienkompetenz erwähnt wird. Hier muss eine Trennung zur Lesekompetenz gezogen werden, wenn auch in der Schule oder in der Wissenschaft das Lesen eng mit dem Schreiben zusammenhängt.
2 vgl. Groeben, N. Anforderungen an die theoretische Konzeptualisierung von Medienkompetenz. In N. Groeben & B. Hurrelmann, (Hg.): Medienkompetenz. Voraussetzungen, Dimensionen, Funktionen. Weinheim, 2002, 17 3 vgl. Rosebrock, C. & Zitselsberger, O. Der Begriff Medienkompetenz als Zielperspektive im Diskurs der Pädagogik und Didaktik. In N. Groeben & B. Hurrelmann, (Hg.): Medienkompetenz. Voraussetzungen, Dimensionen, Funktionen. Weinheim, 2002, 157
4
Letzlich ist insbesondere für die digitalen Medien, für das Fernsehen wiederum in anderer Intensität, die Fähigkeit des Dechiffrierens von Buchstaben wichtige Voraussetzung, und somit kann der Begriff der Medienkompetenz letztlich als übergeordnete Kategorie der spezifischeren Lesekompetenz gedacht werden. 4
3. Fernseher und Buch: Konkurrenten?
Noch nie existierten so viele Geräte und Inhalte in unseren Haushalten, seitdem neben dem „Klassiker“ Buch, dem Fernseher und dem Radio auch die so genannten „Neuen Medien“ wie das Internet Einzug hielten. Mit diesen verschiedenen, vor allem bildbasierten Medienangeboten waren schließlich auch neue Rezeptionsweisen verbunden, die das Publikum auf andere Weise und stärker einzubinden versuchen. Das Fernsehen mit seiner Eigenschaft, schnelle, leicht zugängliche Bilder zu liefern, hat zumeist die Rolle des Bösewichts inne, der angeblich Kindern die Fähigkeit nimmt, sich in ihrer Phantasie eigene Bilder zu machen. Eine Hypothese behauptet, dass das Maß an Aufmerksamkeit, das Kinder dem Fernsehen entgegenbringen, diese hindert, Zeit und Geduld aufzubringen, ein Buch zu lesen und dessen Inhalt zu enkodieren. 5 Weitere Hypothesen werde ich noch an einer späteren Stelle anführen. Diese Entwicklung bereitet nun insbesondere der Leseforschung große Sorgen, da befürchtet wird, dass das Lesen als kulturelle Instanz vor allem bei jungen Rezipienten den neuen Angeboten zu Lasten fallen könnte. Heranwachsende befinden sich nun einmal ununterbrochen in einem Prozess der Meinungsbildung, und im Gegensatz zu Erwachsenen reicht ihre Lebenserfahrung, ihre Bildung und ihr Wissen noch nicht so weit, dass sie bestimmte Sachverhalte in einen ausreichenden intellektuellen Rahmen einordnen können. 6 Aber ist diese Angst begründet, auch wenn 1999 im Westen Deutschlands jedes vierte Kind im Alter von 6-13 Jahren, in Ostdeutschland sogar jedes zweite Kind einen eigenen Fernseher besaß und damit verbunden, das Fernsehen die Freizeitbeschäftigung Nummer eins in Deutschland ist? 7 Ich meine nicht, denn die Fähigkeit zu lesen ist ein
4 vgl.Rosebrock, C. & Zitselsberger, O., 157f.
5 vgl. Löhr, P. Literatur im Kinderfernsehen. In H. Schaller (Hg.): Buch und Bildschirm – eine Herausforderung. Würzburg, 1986, 48 6 vgl. Kinskofer, L. & Bagehorn, S.: Lesen, Zappen, Surfen: der Mensch und seine Medien. München, 183 7 vgl. ebd.,183.
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Catherine Kimmle, 2003, Buch und Fernseher - mediale Konkurrenten?, Munich, GRIN Publishing GmbH
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