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Großstadtmotiv im Expressionismus

Titel: Großstadtmotiv im Expressionismus

Seminararbeit , 2005 , 24 Seiten , Note: 2,0

Autor:in: Philipp Gaier (Autor:in)

Didaktik für das Fach Deutsch - Pädagogik, Sprachwissenschaft
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Die Epoche des literarischen Expressionismus lag ungefähr im Zeitraum 1910 – 1920. Besonderes Interesse gilt traditionsgemäß den lyrischen, weniger den dramatischen Werken oder der Prosa. dieser Zeit. Betrachtet man die bevorzugten Themenkomplexe der expressionistischen Literatur, so fallen neben Motiven wie Krieg oder Liebe zahlreiche Gedichte namhafter Expressionisten, wie z.B. Heym, Wolfenstein oder Lichtenstein, auf, die das Phänomen der Großstadt thematisieren.
Die Stadt als literarischer Gegenstand erfreute sich schon seit dem Spätmittelalter großer Beliebtheit, jedoch lässt sich um 1900 ein Umbruch in der Darstellung der Stadt feststellen, hervorgerufen durch veränderte Wahrnehmungen und Empfindungen der Lyriker. Es entstanden nun Gedichte, die sich von naturalistischer Stadtlyrik deutlich abheben. Ausgelöst wurde dieser Umbruch durch wissenschaftliche, technische, ökonomische Veränderungen, vor allem wahrnehmbar in Form der zunehmenden Industrialisierung und der damit einhergehenden Urbanisierung ab Mitte des 19. Jahrhunderts.
Die vorliegende Arbeit gibt zunächst einen knappen Überblick über den historischen Kontext des Expressionismus von der Reichsgründung 1871 bis etwa 1900. Schwerpunktmäßig sollen aber weniger die politischen Geschehnisse, als vielmehr wichtige Stationen der Entwicklung von Wissenschaft, Technik und Wirtschaft, und der Urbanisierung auf dem Weg zur Großstadt behandelt werden, da deren Kenntnis unumgänglich erscheint für das Verständnis der expressionistischen Literatur. Des Weiteren soll die Entwicklung des Stadtmotivs vom Mittelalter bis zum Expressionismus knapp skizziert werden sowie die wichtigsten Aspekte des Großstadtmotivs in Texten expressionistischer Dichter: Kritik an Technik und Zivilisation, die Großstadt als bedrohliche Masse, die individuelle Bestrebungen erschwert, und zuletzt die durch Überreizung der Sinnesorgane beeinflusste Wahrnehmung des Städters.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Historischer Kontext

2.1 Industrielle Revolution

2.2 Urbanisierung

3. Entwicklung des Großstadt-Motivs

4. Aspekte des Großstadtmotivs

4.1 Technikfeindlichkeit

4.2 Großstadt als Masse

4.3 Reizüberflutung

5. Gestaltung des Großstadtmotivs

6. Expressionistische Großstadtlyrik im Unterricht

6.1 Unterrichtsziele

6.2 Unterrichtsvoraussetzungen

6.3 Sachanalyse

6.4 Methodische Möglichkeiten

6.4.1 Produktiver Umgang: Lückentext

6.4.2 Textanalyse/ Interpretation

6.4.3 Erschließen in Gruppenarbeit

6.5 Durchführung

7. Textanhang

8. Literaturverzeichnis

8.1 Primärliteratur

8.2 Sekundärliteratur

Zielsetzung & Themen

Diese Arbeit untersucht die Darstellung und Entwicklung des Großstadtmotivs in der expressionistischen Lyrik und leitet daraus didaktische Konzepte für den Deutschunterricht ab. Die zentrale Forschungsfrage fokussiert dabei, wie die historischen Veränderungen durch Industrialisierung und Urbanisierung das literarische Bild der Stadt prägten und wie diese komplexe Thematik Schülern vermittelt werden kann.

  • Historischer Kontext der Industrialisierung und Urbanisierung
  • Entwicklung des Stadtmotivs vom Mittelalter bis zur Moderne
  • Kritische Aspekte wie Technikfeindlichkeit, Massenphänomene und Reizüberflutung
  • Literarische Analyse expressionistischer Großstadtgedichte
  • Fachdidaktische Ansätze zur Interpretation anspruchsvoller Lyrik

Auszug aus dem Buch

4.1. Technikfeindlichkeit

Viele Gedichte der expressionistischen Lyrik stehen der modernen Großstadt ihrer Zeit, im Blick ist vor allem Berlin, mit deutlicher Skepsis gegenüber, man denke nur an die Gedichte Der Gott der Stadt oder Die Dämonen der Städte von Georg Heym sowie Städter von Alfred Wolfenstein. Vor allem in den genannten Gedichten Heyms werden geradezu apokalyptische Szenarien beschrieben, die von Dämonen beherrscht und bestimmt werden. Elemente wie „Der Schlote Rauch, die Wolken der Fabrik“ oder „Wie Korybanten - Tanz dröhnt die Musik/ Der Millionen durch die Straßen laut“ lassen Kritik an der Industrialisierung und am Einzug der modernen Technik in die Städte erkennen.

Kritik an der Technik war in der Epoche des Expressionismus durchaus populär, vor allem als die ersten Schilderungen von Fronterlebnissen in den Städten kursierten. Zahlreiche Dichter des Expressionismus waren als Frontsoldaten unmittelbar mit Kriegserlebnissen konfrontiert und hatten den Schrecken der neuen Kriegsmaschinerie miterlebt. Aber nicht nur auf den Schlachtfeldern Europas, sondern auch im Alltagsleben der Großstädte wurde die immer dominantere Rolle der Technik misstrauisch beäugt. So wurde beispielsweise die zunehmende Rationalisierung, d. h. Ersetzung des Menschen durch Maschinen, als beängstigend empfunden: „Der Autonomiegewinn durch neuzeitliche Rationalität generiert neue Abhängigkeiten. Die von der zivilisierten Vernunft erfolgreich entzauberten Gespenster, Dämonen und mythische Urgewalten kehren in verwandelter Form zurück.“

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung umreißt die Epoche des Expressionismus und die Bedeutung des Großstadtmotivs als zentrales literarisches Thema der Zeit.

2. Historischer Kontext: Dieses Kapitel erläutert die ökonomischen und sozialen Umbrüche durch die Industrielle Revolution und die damit verbundene rapide Urbanisierung.

3. Entwicklung des Großstadt-Motivs: Es wird die literarische Traditionslinie des Stadtbegriffs vom Mittelalter über Naturalismus bis hin zur Moderne nachgezeichnet.

4. Aspekte des Großstadtmotivs: Hier werden die Kernthemen der expressionistischen Stadtwahrnehmung, namentlich Technikfeindlichkeit, Massenphänomene und Reizüberflutung, analysiert.

5. Gestaltung des Großstadtmotivs: Die unterschiedlichen poetischen Strategien und Stile zur Darstellung des Großstadtlebens bei verschiedenen Lyrikern werden beleuchtet.

6. Expressionistische Großstadtlyrik im Unterricht: Dieser Teil widmet sich didaktischen Überlegungen, Unterrichtszielen und methodischen Wegen zur Behandlung von Heyms "Gott der Stadt".

7. Textanhang: Der Anhang enthält die primärliterarischen Quellentexte, die für die Analyse und den Unterricht herangezogen wurden.

8. Literaturverzeichnis: Dies ist eine Zusammenstellung der verwendeten Primär- und Sekundärquellen.

Schlüsselwörter

Expressionismus, Großstadtmotiv, Urbanisierung, Industrialisierung, Georg Heym, Lyrik, Didaktik, Technikfeindlichkeit, Reizüberflutung, Masse, Moderne, Literaturgeschichte, Gedichtinterpretation, Deutschunterricht, Baal.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht das Motiv der Großstadt in der Literatur des Expressionismus und verknüpft diese literaturwissenschaftliche Analyse mit fachdidaktischen Konzepten für den Unterricht.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Im Zentrum stehen der historische Wandel durch Industrialisierung und Verstädterung sowie die daraus resultierenden negativen Wahrnehmungen der Dichter, wie Technikfeindlichkeit und soziale Entfremdung.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist es, das Phänomen der expressionistischen Großstadtlyrik historisch einzuordnen und gleichzeitig praxistaugliche Methoden zu entwickeln, um Schülern den Zugang zu dieser anspruchsvollen Literatur zu erleichtern.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt eine Kombination aus literaturhistorischer Kontextualisierung, werkimmanenter Gedichtanalyse und fachdidaktischer Reflexion.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert die historischen Bedingungen (Kapitel 2-4), die poetische Gestaltung in verschiedenen Textbeispielen (Kapitel 5) und präsentiert einen konkreten Unterrichtsentwurf (Kapitel 6).

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Expressionismus, Großstadtmotiv, Urbanisierung, Moderne, Technikfeindlichkeit und Literaturdidaktik.

Welche Rolle spielt die Gottheit "Baal" bei Georg Heym?

Baal wird als personifizierte, dämonische Macht interpretiert, die für den Werteverfall, den technischen Zerstörungswillen und das Leiden in der industrialisierten Großstadt steht.

Wie unterscheiden sich die Fassungen von Heyms Gedicht "Berlin 1"?

Die Arbeit stellt beide Fassungen gegenüber, wobei die letzte Fassung eine präzisere und distanziertere Beobachtung der "Weltstadt" im Abendlicht zeigt.

Ende der Leseprobe aus 24 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Großstadtmotiv im Expressionismus
Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena  (Fachdidaktik)
Veranstaltung
Proseminar
Note
2,0
Autor
Philipp Gaier (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2005
Seiten
24
Katalognummer
V53390
ISBN (eBook)
9783638488549
ISBN (Buch)
9783638662628
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Großstadtmotiv Expressionismus Proseminar
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Philipp Gaier (Autor:in), 2005, Großstadtmotiv im Expressionismus, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/53390
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Leseprobe aus  24  Seiten
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