Inhaltsverzeichnis
Abbildungsverzeichnis III
1 Einleitung 1
2 Konkurrenz 3
2.1 Definition und Historie des Begriffs Konkurrenz 3
2.2 Konkurrenz und Soziobiologie 5
2.3 Konkurrenz und Wirtschaft 5
2.4 Konkurrenz und Soziologie 7
3 Solidarität 9
3.1 Definition und Historie des Begriffs Solidarität 9
3.2 Altruismus als Form der Solidarität 11
3.3 Kooperation als Form der Solidarität 13
4 Spieltheorie 15
4.1 Historie und Gegenstand der Spieltheorie 15
4.2 Nicht-kooperative Spiele 16
4.3 Kooperative Spiele 21
5 Koordinationsmechanismus Markt 25
6 Fazit 28
Literaturverzeichnis 29
Internetquellen 31
II
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1: Auszahlungsmatrix des Gefangenendilemmas 17
Abbildung 2: Free-Rider Verhalten 21
Abbildung 3: Kartellabsprachen im Duopol 23
Abbildung 4: Nutzengrenze 24
III
1 Einleitung
Die Begriffe Konkurrenz und Solidarität sind aus der modernen wirtschaftswissen- schaftlichen Diskussion nicht mehr wegzudenken. Manche Autoren sprechen gar von einer inflationären Verwendung der Begriffe, insbesondere in den Medien. Darüber hinaus sind diese Begriffe stark ideologisch geprägt. Während Solidarität oft im Zu- sammenhang mit einer linksgerichteten Politik gesehen wird, ist der Begriff der Kon- kurrenz eher im liberalen politischen Kontext im Gebrauch. Dies erzeugt auf den ers- ten Blick den Eindruck zwei sich ausschließender Prinzipien. Ziel dieser Arbeit ist es, sich diesem Begriffspaar zu nähern und die Gegensätzlichkeit an sich darzustellen. Auch das System der Marktwirtschaft als ein soziokulturelles System existiert durch dieses Spiel zweier sich scheinbar widersprechender Prinzipien. Die Menschen sind als Teile der Gesellschaft voneinander abhängig und miteinander verbunden. Die Anliegen der Allgemeinheit spielen zwar eine große Rolle, die Individuen versuchen jedoch ihre Eigeninteressen zu verfolgen.
Im Zusammenhang mit den beiden Prinzipien Konkurrenz und Solidarität geht es un- ter anderem um das rationale Verhalten der Individuen. Die Individuen handeln ratio- nal, wenn sie ihr Eigeninteresse verfolgen und somit ihren Nutzen maximieren. In der Spieltheorie ist das rationale Verhalten eine Bedingung, die besagt, dass jeder Spieler sich einen individuellen Nutzen sichert, der mindestens so hoch ist wie der Nutzen, den er aus eigener Kraft erreichen kann. Sie besagt also, dass keiner der Spieler einem Verhandlungsergebnis zustimmen würde, das ihn schlechter stellt, als in einer Situation, in der er nicht kooperiert. Die spieltheoretische Tradition zeigt ver- mutlich die stärkste theoretische Basis für die Darstellung der „Spiele um Wettbe- werb, Konflikt und Kooperation“ auf.
Durch Modelle, wie beispielsweise dem Marktmodell, kann der Koordinationskonflikt durchaus gelöst werden. Hierbei darf nicht nur rationales Verhalten berücksichtigt werden, sondern auch die moralischen Werte dürfen nicht außen vor gelassen wer- den.
Die Darstellung, dass das menschliche Handeln in der Gesellschaft durch Konkur- renz und Solidarität bestimmt wird, steht im Mittelpunkt dieser Arbeit. Dazu werden in den Kapiteln zwei und drei zunächst die einzelnen Begriffe definiert und ihre Bedeu- tungen in verschiedenen wissenschaftlichen Disziplinen dargestellt. Im vierten Kapitel
1
werden die Auswirkungen von konkurrierendem und solidarischem Verhalten im öko- nomischen Kontext theoretisch am Beispiel der Spieltheorie verdeutlicht. Anschlie- ßend geht im fünften Kapitel um die Lösung des Koordinationsproblems mit Hilfe des Etatistischen Ansatzes und des Marktmodells. Die aus diesen Theorien gewonnen Einsichten werden abschließend im letzten Kapitel dargestellt.
2
2 Konkurrenz
2.1 Definition und Historie des Begriffs Konkurrenz
Der Begriff Konkurrenz leitet sich aus dem lateinischen concurrere ab, was zusam- menlaufen oder zusammenstoßen bedeutet. Dieses Zusammenstoßen ist ein Wett- streit, um eine Ressource, die von allen benötigt wird, aber nur begrenzt vorhanden ist. 1 Die begrenzte Existenz von Gütern wird Knappheit genannt, dass heißt die Nachfrage übersteigt das Angebot. Die Individuen sind gegenüber alternativen Res- sourcen nicht indifferent, sie haben Wünsche, Interessen und Präferenzen, durch die sie die Güter unterschiedlich bewerten. Menschen versuchen sich bei der Wahl von verschiedenen Handlungsmöglichkeiten rational zu entscheiden, sie wollen demzu- folge die für sie effizienteste Möglichkeit auswählen. Knappheit charakterisiert somit eine soziale Situation, da mehrere Individuen die gering vorhandenen Ressourcen untereinander aufteilen müssen. Die Menschen konkurrieren in dieser Situation um die Verteilung von Gütern. 2 Der einzelne Wettstreiter setzt seine Kräfte dafür ein, dass er im Kampf um die knappe Ressource seine Interessen durchsetzen kann, wobei es sich um einen Kampf „aller gegen alle“ handelt. Der Verhaltensantrieb für Konkurrenz ist somit die Verfolgung des Eigeninteresses, „sich nicht um den anderen kümmern“ und „besser sein wollen als der andere“ stehen bei Konkurrenz im Mittel- punkt. Da jeweils die eigenen Wünsche durchgesetzt werden, steht Konkurrenz dem Individualismus sehr nahe. Um Konkurrenz handelt es sich, wenn die Erreichung ei- nes Ziels von einem Individuum, einem anderen es unmöglich macht, eben dieses Ziel durchzusetzen. Die beiden stehen im Wettstreit um ein und dasselbe Ziel und sind somit Konkurrenten. 3
Wenn die Konkurrenten gleicher Art sind, spricht man von intraspezifischer Konkur- renz, sind sie unterschiedlicher Art so nennt man sie interspezifisch. 4 Die Interspezi- fische Konkurrenz ist neben der dynamischen Umwelt der wichtigste Aspekt der Evo- lution. 5 Charles Darwin erläuterte diesen Zusammenhang als erster, in dem er ihn auf drei Systemeigenschaften gründet. Zum einen geht er von einer grundlegenden Be-
1 Vgl. Hofmann (o. J.).
2 Vgl. Lohmann (1998), S. 22 ff.
3 Vgl. Simmel (1983), S. 180.
4 Vgl. www.wissen.de (o. J.).
5 Vgl. www.wikipedia.org (2005).
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grenztheit von Fortpflanzungsmöglichkeiten aus, zum anderen von der Vielfalt der Individuen und zuletzt beruft er sich auf die genetische Vererbung.
Generell ist die Fortpflanzung nicht beschränkt, da aber die Ressourcen, die für die Vermehrung benötigt werden, lediglich begrenzt vorhanden sind, werden der Fort- pflanzung Grenzen gesetzt. Da infolgedessen kein unbegrenztes Populationswachs- tum möglich ist, kommt es zum Wettstreit um den Zugang und die Nutzung der knap- pen Reproduktionsmittel. 6 Zum einen führt somit die Knappheit dazu, dass ökologi- sche Nischen besetzt werden und zum anderen werden die Strategien des Nah- rungswettbewerbes verbessert. 7 Daraus resultiert, dass die Lebensformen durch die Konkurrenz wesentlich vielfältiger sind, da sie variieren müssen. Diese Variation kann durch die Verschiebung von Genfrequenzen erfolgen, es findet ein evolutiver Wandel statt. Hinter dieser Verschiebung steht die genetische Anpassung, diese be- wirkt, dass in den folgenden Generationen zunehmend Erbinformationen vertreten sind, die über bessere Selektionskriterien verfügen. Die biologische Evolution stellt sich als ein genzentriertes Prinzip dar, bei dem durch Selektion und letztlich durch genetische Anpassung erfolgreiche Strategien überleben. Der Erfolg der natürlichen Selektion berechnet sich nach der Gesamtfitness, sie ergibt sich aus der Replikation von Einzelindividuen (direkte Fitness) und zum anderen aus der Unterstützung von Verwandten (indirekte Fitness). Die Verwandten werden unterstützt, indem sie über Gene verfügen, die ihnen zu höherem Reproduktionserfolg verhelfen, man spricht auch von Nepotismus. Das Lebensprinzip, auf das sich alle Organismen berufen und aus dem sich die Interessen der Individuen ergeben, ist die Maximierung der Ge- samtfitness. Es geht folglich um den Eigennutz, wobei es sich um den Eigennutz der genetischen Programme handelt. 8 Individuen maximieren also ihre Gesamtfitness, wenn sie sozial konkurrieren, aber auch Kooperation in Form von Schwarmbildung, auf die später eingegangen wird, fördert die Gesamtfitnessmaximierung. 9
Die Konkurrenz ist folglich ein Antrieb für die biologische Evolution beziehungsweise der Wettstreit ist ein Produkt der Evolution. 10
7 Vgl. www.wikipedia.org (2005).
8 Vgl. Voland (2000), S. 132 f.
9 ebenda, S. 139 f.
10 ebenda, S. 130.
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2.2 Konkurrenz und Soziobiologie
Die Soziobiologie untersucht die biologischen Grundlagen des Sozialverhaltens von Organismen. Diese Wissenschaft bestätigt ein gen-egoistisches spezifiziertes Eigen- interesse von Individuen, es geht den Organismen, wie bereits erwähnt, um die Ma- ximierung ihrer Gesamtfitness. 11 Die Soziobiologie beschäftigt sich mit dem Zusam- menhang zwischen Konkurrenz in der sozialen Welt und der Konkurrenz in der Evo- lution sowie den daraus resultierenden Erkenntnissen für die Gestaltung moderner Gesellschaften. 12 Aus soziobiologischer Sicht müssen sich Konkurrenz und Solidari- tät nicht widersprechen, da die Gesamtfitnessmaximierung eines genetischen Pro- gramms im Mittelpunkt eines Individuums steht. Die Organismen nehmen individuelle Nachteile in Kauf, wenn sie dadurch der Art zu höherem Reproduktionserfolg verhel- fen. Die Wahrscheinlichkeit der hier vorliegenden Kooperation hängt vom Verwandt- schaftsgrad des Nutznießers ab. 13 Die Soziobiologie kann nicht alleine Argumente für die Entwicklung moderner Gesellschaften liefern, denn das Verhalten wird heute nicht nur von den Genen bestimmt. Zwar sind evoluierte Mechanismen nach wie vor verhaltensbestimmend, aber es hat eine Anpassung auf die Lebenssituation der Indi- viduen stattgefunden. Ein hoher Reproduktionserfolg ist in modernen Gesellschaften kein brauchbarer Indikator für gesteigerte Fitness. Die Gesamtfitnessmaximierung ist also nicht mehr das Lebensprinzip der Individuen und verliert zunehmend an Bedeu- tung. Moderne Gesellschaften werden nicht durch Werte, sondern durch Regelsteue- rung zusammengehalten, was den einzelnen Mitgliedern die Verfolgung ihrer eige- nen Ziele ermöglicht. 14
2.3 Konkurrenz und Wirtschaft
Konkurrenz in der Ökonomie stellt sich in Form des Wettbewerbs zwischen Unter- nehmen, die gleichartige beziehungsweise dem gleichen Zeck dienende Waren oder Dienstleistungen anbieten. 15 Der Begriff Konkurrenz, auf die Wirtschaft bezogen, ist ein dynamischer Marktprozess, in dem sich Aktion und Reaktion abwechseln. Jeder Anbieter ist versucht die Nachfrager an sich zu binden, was eine Reaktion von Seiten der Konkurrenten bewirkt. Durch dieses Wechselspiel findet eine Leistungssteige- rung statt, die den Nachfragern zugute kommt. Wettbewerbsfreiheit und wettbe-
11 Vgl. Engel (2000), S. 177.
12 ebenda, S. 178.
13 Vgl. Voland (2000), S. 139 ff.
14 Vgl. Engel (2000), S. 186.
15 Vgl. ohne Verfasser (1967), S. 1023.
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werbliches Streben sind die Vorraussetzungen für Konkurrenz. 16 Der freie Wettbe- werb begünstigt demzufolge die kreativen Kräfte des Unternehmers und die Produk- tivität der Wirtschaft. 17 Konkurrenz als Verbesserung ökonomischer Leistung ist das Ordnungsprinzip einer Marktwirtschaft, die dadurch wettbewerbsgerechte Preise er- halten will. Der Wettbewerb soll durch Gesetzte vor Wettbewerbsbeschränkungen geschützt werden. 18 Die Akteure am Markt müssen sich nicht als Konkurrenten gegenüberstehen und Verdrängungskämpfe führen, sie können sich auch kooperativ verhalten. Von Koope- ration spricht man, wenn Absprachen stattfinden, dieser Zusammenhalt von Anbie- tern verursacht Kartellsituationen. Kartelle bergen jedoch die Gefahr, dass der Markt nicht mehr als Koordinationsmechanismus dienen kann, weswegen sie grundsätzlich nicht wirksam sind. 19 In der Bundesrepublik Deutschland können Kartelle jedoch zu- gelassen werden. Es gibt auch staatlich vorgeschriebene Kartelle, die einen Mono- polcharakter haben. Im Folgenden wird auf das gesamtwirtschaftliche Konkurrenz- modell mit optimalen Ergebnissen für die Bewältigung von Knappheit eingegangen, welche ausschlaggebend für Konkurrenz ist. In dem Modell liegt zum einen vollstän- dige Konkurrenz vor, zum anderen verhalten sich die Unternehmer als Mengenan- passer, da die Preise auf dem vollkommenen Markt gebildet werden. 20 Vollkommene Konkurrenz liegt vor, wenn es für ein Produkt viele Anbieter gibt, die im Wettstreit um die Nachfrager stehen. 21 Bei vollkommener Konkurrenz, bemüht sich jeder einzelne darum, sein Kapital so einzusetzen, dass es den größten Ertrag erzielt. Er kümmert sich nur um seinen eigenen Gewinn und seine eigene Sicherheit. 22 Vollkommen ist ein Markt, wenn sowohl vollständige Markttransparenz existiert als auch die Güter homogen sind. Der Vollkommene Markt ist ein idealisiertes Modell. Bei vollständiger Markttransparenz muss jeder Marktteilnehmer über alle am Markt vorherrschenden Bedingungen informiert sein, es dürfen infolgedessen keine Informationsasymmetrien vorliegen. Homogenität von Gütern beinhaltet, dass für die Nachfrager kein sachli- cher, zeitlicher, räumlicher oder persönlicher Unterschied bei den Gütern besteht. Aufgrund dieser Annahmen kann auf einem vollkommenen Markt immer nur ein Preis
16 Vgl. www.wissen.de (o. J.).
17 Vgl. ohne Verfasser (1967), S. 1023.
18 Vgl. Woll (2000), S. 790.
19 ebenda, S. 405.
20 Vgl. Böventer/Illing (1995), S. 22.
21 ebenda, S. 23 f.
22 Vgl. Samuelson (1975), S. 65.
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Melanie Hörstmann-Jungemann, Kim Jeude, 2006, Konkurrenz und Solidarität, München, GRIN Verlag GmbH
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