Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 1
2. Erster Hauptteil 1
2.1 Übersicht über die Hexenverfolgungen in der Frühen Neuzeit 1
2.2 Claudia Honeggers Forschungsansätze und Erkenntnisse 2
2.3 Der Hexenhammer und sein Einfluss 6
2.4 Weitere Dämonologien und Gegenstimmen 8
2.5 Unterwerfung der Frau als Unterwerfung der Natur 9
3. Zweiter Hauptteil 11
3.1 Einordnung und Kritik 8
3.2 Ausblicke in die aktuelle Forschung 16
4. Fazit 18
5. Bibliographie 19
2 NA
1. Einleitung
In der vorliegenden Hausarbeit beschäftige ich mich mit dem Sammelband „Die Hexen der Neuzeit – Studien zur Sozialgeschichte eines kulturellen Deutungsmusters“, herausgegeben von Claudia Honegger.
Der Sammelband beinhaltet mehrere Aufsätze, die sowohl aus soziologischer als auch aus historischer sowie anthropologischer Sicht versuchen, das Entstehen und den Zerfall des europäischen Hexenwahns in der Frühen Neuzeit zu erklären. Der Sammelband enthält auch einen Aufsatz von Claudia Honegger selbst, auf den das Hauptaugenmerk in dieser Arbeit gelegt werden wird.
Beginnen möchte ich mit einer knappen Übersicht über den Verlauf der Hexenverfolgungen. Danach werde ich herausarbeiten, welche Erklärungen und welche Ansätze Claudia Honegger für die Entstehung des Hexenwahns gibt und benutzt und werde sie näher beleuchten und ihren Standpunk herausarbeiten.
Im Anschluss daran werde ich versuchen, den Aufsatz in die Forschung einzuordnen. Da der Aufsatz bereits 1978 erschienen ist, ist davon auszugehen, dass sich seitdem in dem Feld der Hexenforschung einige neue Erkenntnisse haben gewinnen lassen. Dabei werde ich vorwiegend darauf achten, inwieweit die Erkenntnisse von Claudia Honegger die Forschung beeinflussten und wie ihr Werk dabei von der Forschung rezipiert worden ist. Abschließend gebe ich noch einen kurzen Einblick in die neuere Hexenforschung.
2. Erster Hauptteil
2.1 Übersicht über die Hexenverfolgungen in der Frühen Neuzeit
Die Zeit der größten Hexenverfolgungen lag etwa zwischen 1450 und 1750. Während dieser Zeit wurden in großen Teilen Europas Hexen gejagt und hingerichtet. Dabei war die Intensität, mit welcher diese Hexenjagd betrieben wurde, recht unterschiedlich. Während des 15. Jahrhunderts wurden verhältnismäßig viele Verfolgungen und gerichtliche Verfahren
durchgeführt, während am Anfang des 16. Jahrhunderts die Zahl der Verfolgungen abnahm, um im späten 16. und frühen 17. Jahrhundert dann wieder stark anzusteigen. Die Hexenverfolgungen waren ein nahezu gesamteuropäisches Phänomen, welches sich aber je nach Region mitunter durchaus verschieden darstellte. So war die geografische Verteilung der Hexenverfolgungen sehr unterschiedlich. In einigen Regionen und Gegenden gab es so
3
gut wie keine Verfahren, während sie in anderen Regionen ungleich stärker auftraten. 1 In der neueren Forschung schätzt man zudem eine Opferzahl von etwa 80 000 2 Eine bemerkenswerte Sache an der Hexenverfolgung war auch, dass der Glaube an Hexen zwar nahezu so alt wie die Menschheit selbst ist, sich aber plötzlich das Bild der Hexen in der Gesellschaft der damaligen Zeit geändert haben musste, was wiederum eben jene Jagd auf sie auslöste. Ebenso bleibt natürlich die Frage bestehen, warum dies gerade in Mitteleuropa in diesem Ausmaß möglich war und nicht irgendwo anders in der Welt vorher oder nachher. Besonders auffällig ist bei der Hexenverfolgung in Europa zudem, dass der Großteil der verurteilten Hexen weiblichen Geschlechts war.
2.2 Claudia Honeggers Forschungsansätze und Erkenntnisse
An diesem Punkt setzt der Aufsatz von Claudia Honegger an. Wie sie erläutert, wurde bis zum Erscheinen ihres Aufsatzes die Hexe nicht als Frau gesehen, sie spricht in diesem Zusammenhang sogar von einer „[…] obstinate[n] Weigerung, die Hexen zuallererst als Frauen wahrzunehmen“. 3 Eben diese Wahrnehmung der Hexen als Frauen macht sich der Aufsatz von Claudia Honegger zur Aufgabe, ohne jedoch die bis zur damaligen Zeit gewonnenen oben erwähnten Akzente und Aspekte in der Hexenforschung abzuwerten, da sie keineswegs falsch seien, sondern nur andere Bereiche beleuchteten; Honegger bringt also einen neuen Blickwinkel in die Hexenforschung ein. 4 Dabei nähert sie sich in ihrem Aufsatz der Frage, warum gerade Frauen in den Verdacht der Hexerei gerieten, vorwiegend mit sozialgeschichtlichen Methoden. Sie untersucht dabei die sozioökonomische Stellung der Frau in den Jahrhunderten der Hexenjagd und erläutert zudem die Wandlungen des Wertbildes der Frau in der Gesellschaft sowie die Wandlung der Gesellschaft der damaligen Zeit. 5 Nach Honegger ist die Übertragung des Hexenmusters auf die Frau Ausdruck von mehr als dem „[…] traditionelle[n] Antifeminismus des vorwiegend patriarchalischen Christentums […]“ und müsse zudem in Verbindung betrachtet und untersucht werden mit der Stellung der Frau
1
Levack, Brian P.
Hexenjagd. Die Geschichte der Hexenverfolgung in Deutschland.
3. Auflage (München: C. H. Beck, 2003), 11-13.
2 Irsigler, Franz. „Hexenverfolgungen vom 15. bis 17. Jahrhundert. Eine Einführung“. Trierer Hexenprozesse. Quellen und Darstellungen. Band 4: Methoden und Konzepte der historischen Hexenforschung (Trier: Spee, 1998), 4ff.
3 Honegger, Claudia (Hrsg.). Die Hexen der Neuzeit. Studien zur Sozialgeschichte eines kulturellen Deutungsmusters (Frankfurt: Suhrkamp, 1978), 11.
4 Ebd., 11.
5 Ebd., 10-11.
4
in der Gesellschaft der damaligen Zeit sowie mit ihrer „[…] aktiven Rolle in den sozialreligiösen Bewegungen […]“. 6 So beschreibt Honegger, dass eines der größten Sozialprobleme der mittelalterlichen Gesellschaft gewesen sei, dass es viele „unversorgte“ alleinstehende Frauen gegeben habe. Grund für diesen Überschuss an Frauen mag in den Kreuzzügen gelegen haben, welche die männliche Bevölkerung zahlenmäßig verringerte. Der größte Teil dieser Frauen sei arm gewesen und umhergezogen. Nach Honegger seien es eben solche umherziehenden Frauen gewesen, die sich den Wanderpredigern - eine Gruppe von Männern, die religiöse Laien aufzurütteln versuchten - angeschlossen hätten. Dies sei der „Auftakt zu einer sozialreligiösen Frauenbewegung“ gewesen, an der sich eine „reale
Emanzipationsbestrebung“ ableiten ließe. Diese These begründet sie damit, dass sich viele der damaligen Frauen, die sich den Wanderpredigern anschlossen, dies bewusst getan hätten, um zum Beispiel eine Ehe nicht eingehen zu müssen oder weil sie ihren Feudal- und Ehemännern weggelaufen seien. Dies sei ein „antipatriarchalischer Aufbruch der Frau“ gewesen, ohne den die Entstehung des Hexenwahns nicht möglich sei zu erklären.
7
Zudem gab es nach Honegger auch viele, wiederum alleinstehende Frauen, die sich zu jener Zeit auch den Waldensern und den orthodoxen Ausläufern der Armutsbewegung angeschlossen hätten. Diese orthodoxe Frauenbewegung sei dabei aber nicht nur aus einer „Versorgungskrise“ der Frauen zu erklären, sondern vielmehr ein „[…] Ausdruck einer Emanzipationsbestrebung der Frau von der […] patriarchalen Instrumentalisierung zu immer fragwürdiger werdenden Zwecken“.
8
Allgemein bleibe hervorzuheben, dass es gegen Ende des Mittelalters eine hohe antifeministische Tendenz gegeben habe, die mit der Zuschreibung des Hexenmusters auf die Frau ihren Höhepunkt gefunden habe.
9
Diese Zuschreibung habe ihren Abschluss in dem Buch
Hexenhammer
gefunden, oder auch
Malleus Maleficarum,
geschrieben von Heinrich Kramer (latinisiert Institoris) und Jakob Sprenger
10
, der im Jahre 1486, also bereits zu Beginn der Frühen Neuzeit, erschien.
11
6
Honegger, Claudia. „Die Hexen der Neuzeit. Analysen zur Anderen Seite der okzidentalen Rationalisierung“.
Die Hexen der Neuzeit. Studien zur Sozialgeschichte eines kulturellen Deutungsmusters.
Hrsg. Claudia Honegger (Frankfurt: Suhrkamp, 1978), 45.
7
Ebd., 50f.
8 Ebd., 52f.
9 Ebd., 54f.
10 Die Autorenfrage ist jedoch noch nicht gänzlich geklärt. So wird in der deutschsprachigen Forschung Kramer als alleiniger Autor des Hexenhammers angesehen, während vor allem der internationalen Forschung Sprenger als zweiter Autor betrachtet wird. Vgl. hierzu: Behringer Wolfgang, Günther Jerouschek (Hrsg.). Heinrich Kramer (Institutoris): Der Hexenhammer. Malleus Maleficarum (München: dtv, 2000), 33-37.
11 Honegger, Claudia. „Die Hexen der Neuzeit. Analysen zur Anderen Seite der okzidentalen Rationalisierung“, 62.
5
2.3 Der Hexenhammer und sein Einfluss
Da Claudia Honegger den Hexenhammer für einen der wichtigsten Gründe zur Erklärung der jahrhundertelang andauernden Hexenverfolgung hält und in ihm die „Signale einer Todfeindschaft“ sieht, die Ausdruck einer „latent bedrohte[n] patriarchale[n] Herrschaft“ seien, lohnt sich ein genauerer Blick auf das Werk. 12 So war es Aufgabe des Hexenhammers, die Menschenjagd zu legitimieren und dabei vorhandene rechtliche Hinderungsgründe aus dem Weg zu räumen. Er erschien in etwa 30 Auflagen zwischen 1486 und 1669 und hatte dadurch eine lange und intensive Wirkungsgeschichte. Er gehört zu den ersten Dämonologien, die damals unmittelbar nach Erfindung des Buchdrucks gedruckt wurden, das die Verbreitung des Buches und vor allem auch seine Verfügbarmachung in vielen Bibliotheken erleichterte. Wolfgang Behringer spricht ihm auch gerade dadurch eine erstaunliche Langzweitwirkung aus. 13 Das Buch teilt sich dabei in drei Teile. In den ersten beiden Teilen des Buches soll die reale Existenz des Hexenverbrechens glaubhaft gemacht werden. Dabei werden viele historische und zeitgenössische Beispiele zur Hilfe genommen. Mittelpunkt bildet dabei der Schadenszauber, das maleficium. Im 2. Teil des Buches wird dann dargestellt, wie man sich gegen Hexerei schützen kann. Zudem gibt es in diesem Teil auch einen Abschnitt, wie man Verhexungen wieder heilen und rückgängig machen kann. In diesem 2. Teil erfolgt auch die Zuspitzung des Hexenmusters auf die Frau. Im 3. Teil schließlich erfolgt dann der Hinweis auf die rechtspraktische Umsetzung des Hexenwahns. Dabei wird genau beschrieben, wie ein Gericht bei Verdacht von Hexerei in einem Prozess vorzugehen hat. 14 Die extreme Frauenfeindlichkeit des Buches, die Honegger anspricht, lässt sich bereits im Titel finden: so wird im Titel alleine die weibliche Form (maleficarum) benutzt, obwohl zumindest zu Beginn des Buches auch durchaus noch Beispiele für männlichen Schadenszauber aufgeführt werden. 15 Die Frauen seien aufgrund ihrer Physis und Psyche besonders anfällig für die Verführungen des Teufels. 16 Die Begründungen, weshalb vor allem die Frau im besonderen Maße anfällig für den Teufel sei, sind dabei an Feindlichkeit kaum zu überbieten. Besonders ins Auge fiele dabei nach Behringer auch die Ernsthaftigkeit, mit der im Hexenhammer über Schadenszauber, Hexenflug, Tierverwandlung und die Boshaftigkeit der Frau diskutiert werde. Dabei werden nicht selten Zitate aus der Bibel oder der antiken Philosophie angeführt. 17
13 Behringer Wolfgang, Günther Jerouschek (Hrsg.). Heinrich Kramer (Institutoris): Der Hexenhammer. Malleus Maleficarum (München: dtv, 2000), 13.
14 Ebd., 9-98.
15 Ebd., 20.
16 Ebd., 71.
17 Ebd., 10.
6
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Andreas Kirchmann, 2006, Claudia Honegger und "Die Hexen der Neuzeit" - eine kritische Betrachtung ihres Werkes, Munich, GRIN Publishing GmbH
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