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Inhaltsverzeichnis
0. Einleitung 2
1. Klassische Symbolhermeneutiken und semiotische Theorien 4
1.1. Symbol und Zeichen in der theologisch-phänomenologischen Sym-
bolhermeneutik 4 NA
1.2. Symbol und Zeichen in semiotischen Theorien 5
1.2.1. Die Polemik gegen jegliche Symbol-Zeichen-Dichotomie 6
1.2.2. Systematische Ergänzungen 6
1.2.3. Semiotik in der Rezeption Michael Meyer-Blancks 7
1.2.3.1. Charles Sanders Peirce 7
1.2.3.2. Charles William Morris 8
1.2.3.3. Umberto Eco 10
1.2.4. Bewertung der semiotischen Perspektive Michael Meyer-Blancks
unter religionsdidaktischem Aspekt 11
2. Ein Anwendungsversuch der semiotischen Perspektive auf den Religionsun-
terricht am Beispiel Baum in Der Herr der Ringe 14
2. 1 Religionsunterricht als kritische Semiose 14
2. 2 Der Baum im Signifikationsprozess des Religionsunterricht 16
2. 2 1 Der Baum in der Tolkienschen Sekundärwelt 16
2. 2 2 Der Baum in der Primärwelt 18
3. Schluss 20
4. Verwendete Literatur 21
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0. Einleitung
Gegenstand dieser Arbeit ist der Versuch des praktischen Theologen Michael Meyer-Blancks, in der (praktisch-) theologischen Diskussion um die sog. Symboldidaktik einen „zweiten Anlauf” (S. 7-9) 1 zu wagen. In Vom Symbol zum Zeichen expliziert er diesen Versuch. Zwar liegt inzwischen eine um ein Kapitel erweiterte Neuauflage dieser Schrift vor - da sich jedoch am theoretischen Ansatz nichts wesentliches geändert hat, werde ich die Erstauflage (1995) für meine Untersuchung zugrunde legen.
Da Meyer-Blanck sich für seinen symboldidaktischen Neuansatz einer der Didaktik im enge- ren Sinn eher fremden Wissenschaft – welche zudem ihr eigenes „Sprachspiel” (Wittgenstein) entwickelt hat – zugewandt hat, sind einige Bemerkungen über den eigentlichen Untersu- chungsgegenstand hinaus notwendig. Fragliche Bezugswissenschaft ist die „Semiotik”. 1969 hat das Gründungskomitee der „International Association of Semiotic Studies” beschlossen, diesen Terminus als allgemeinen Begriff für ein Gebiet, welches zuvor von diversen Autoren unterschiedlich bezeichnet wurde, zu verwenden. 2 Das bedeutet, dass die Semiotik sich mit allen Phänomenen, die Zeichen sind resp. Zeichen sein können, beschäftigt. Dabei ist ihr Grundbegriff (Zeichen) selbst Gegenstand der Reflexion. M. a. W.: Semiotiker sind Wissen- schaftler, die unter Zuhilfenahme von Zeichen über Zeichen als ihre Gegenstände – deren Funktionsweisen, Erscheinungsformen, etc. – nachdenken. Um sich bei ihren Zeichenanaly- sen nicht z. B. in semantische Paradoxien aufgrund dieser Selbstbezüglichkeit zu verstricken, hat sich in der Geschichte der Semiotik eine Art „Metasprache” oder besser - eine Notations- konvention, derer sich auch Meyer-Blanck bedient, etabliert. Da dies jedoch keine semio- tische Arbeit ist, sondern der Versuch einer Analyse eines speziellen semiotischen Stand- punktes (dem Meyer-Blancks), werde ich mich dieser Konvention, bis auf wenige ausge- wiesene Ausnahmen, nicht bedienen. Gleichwohl werde ich, über die Standartkonventionen wie „” für Zitate, vage Begriffe, u. s. w. hinaus, die Gepflogenheiten der Sprachanalytik über- nehmen und Anführungszeichen verwenden, um über sprachliche Ausdrücke zu sprechen. Meyer-Blancks erklärtes Ziel seiner Rezeption der semiotischen Theorien C. S. Peirces, C. W. Morris` und U. Ecos mit Bezug zu den „klassischen Symbolhermeneutiken- und didaktiken” ist die Reformulierung der “Aufgaben für eine künftige semiotische Revision der Symboldi- daktik” (S. 9). Diese Zielsetzung zerfällt in drei wesentliche Aspekte: (i) Die Revision beginnt bei den Grundbegriffen der Symboldidaktik – sie ist zunächst eine „terminologische 1 Die Seitenverweise nach den Zitaten aus: Michael Meyer-Blanck, Vom Symbol zum Zeichen; finden sich im laufende Text in runden Klammern. Alle weiteren Schriften werden mit Kurztiteln in Fußnoten zitiert. Vollstän- dige Literaturangaben sind unter 4. angeführt.
2 Siehe U. Eco, Entwurf, S. 30.
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Revision” (S. 100) (ii) Unter der semiotischen Perspektive müssen die Aufgaben der Reli- gionsdidaktik neu formuliert resp. neu gestellt werden. (iii) Die Revision ist eine vorläufige – eine „Vorlage”, die noch „kein Treffer” (S. 9) ist.
Zu (i): „Symbol” qua Grundbegriff z. B. der Symboldidaktik hat in der praktischen Theologie v. a. nach der Rezeption der hermeneutischen Symboltheorien P. Tillichs und P. Ricoeurs Einzug gehalten. Inzwischen wurden diese Modelle von z. B. psychologischer oder auch kulturphilosophischer Seite ergänzt, erweitert oder revidiert. 1 Da Meyer-Blancks Kritik bei den klassischen Symbolhermeneutiken, deren Symbolverständnis weitestgehend in die Sym- boldidaktiken z. B. H. Halbfas` oder P. Biehls eingingen, ansetzt, soll in einem ersten Schritt diese Kritik dargestellt und untersucht werden (1.1.). Im folgenden wird Meyer-Blancks posi- tiver Entwurf, welcher die Rezeption dreier semiotischer Theorien umfasst und die „termino- logische Revision” rechtfertigen soll , verfolgt und befragt (1.2.).
Zu (ii): Dieser Aspekt betrifft die Formulierung neuer oder veränderter Aufgaben, an denen sich zukünftige Symboldidaktiken (d. h. solche mit einer semiotischen Grundlegung) Meyer- Blanck zufolge orientieren sollten. Die Darstellung und Kritik diese neuen Aufgaben ist Inhalt von 2.1.
Zu (iii): Ob eine „Vorlage trefferfähig” ist oder nicht, sollte in der praktischen Theologie m. E. die jeweilige Praxis zeigen, d. h. in der Religionsdidaktik der Religionsunterricht (RU). Trotzdem möchte ich versuchen, am Beispiel des Symbols oder Zeichens Baum den neuen Ansatz Meyer-Blancks „praktisch“ zu prüfen. Dabei wird das Baumsymbol/-zeichen im Kon- text der literarischen „Sekundärwelt” Der Herr der Ringe (DHdR) dem der “Primärwelt” und der Bibel gegenübergestellt (2.2.).
Die grundlegende, allen Aspekten immanente, Frage ist: Was legitimiert den Schritt „Vom Symbol zum Zeichen”?
Obwohl ich bei dieser Untersuchung versuche so weit wie möglich am Text zu bleiben, ist es in diesem Rahmen unabdingbar, dass einige Themen, die der Autor anspricht, nicht einge- hender untersucht werden können. So z. B. die Bestandsaufnahme der Rezeptionen von se- miotischen Theorien in Homiletik (S. 39-43) und Liturgik (S. 43-48). Auch auf die, von Peirce entwickelte und von Meyer-Blanck als „wichtig” für den Schulunterricht befundene (S. 61), Schlussmethode der „Abduktion” kann ich nicht näher eingehen, da die Behandlung dieser Problematik (i) beim Autor sehr undetailliert und unkritisch stattfindet und (ii) m. E. eher in eine Diskussion der Wissenschaftstheorie oder Logik als in eine spezielle Semiotik ge- hört.
1 Für eine psychologische Grundlegung der Symboldidaktik siehe v. a.: Heribert Wahl, Glaube und symbolische Erfahrung; Basel – Wien 1994.
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1. Klassische Symbolhermeneutiken und semiotische
Theorien
1.1. „Symbol” und „Zeichen” in der theologisch-phänomenologis-
chen Symbolhermeneutik
Bei seinem knappen Durchgang durch die symboltheoretischen Ansätze, welche auf die Theo- logie im Allgemeinen und die Religionsdidaktik im Besonderen Einfluss nahmen, versucht Meyer-Blanck gemeinsame Merkmale v. a. der Entwürfe P. Ricoeurs und P. Tillichs heraus zu arbeiten. Dem Autor zufolge sind es insbesondere zwei Thesen, welche für die semiotische Kritik an den Symbolhermeneutiken Ricoeurs und Tillichs ausschlaggebend sind. (i) Die „Teilhabemetapher”, die eine Differenzierung zwischen Symbol und Zeichen rechtfertigen soll und (ii) die sprachliche Setzung von „Symbol” qua singulären Terminus resp. logisches Subjekt von dem prädiziert werden kann (S. 14 f.).
Zu (i): Bei der Rezeption dieser zwei Charakteristika der ”phänomenologischen Symboltheo- rie” – die Rede von der „Anteilhabe” oder „Teilhabe” und die Zeichen-Symbol-Dichotomie – ist Meyer-Blanck R. Roosen verpflichtet, der sie bereits 1990 in seiner Arbeit zum Taufsakrament in Frage stellte. Was aber besagt „Teilhabe” hier? P. Tillich meint dazu: „Dies ist der fundamentale Unterschied [zwischen Symbol und Zeichen]: Zeichen haben keinen An- teil an der Wirklichkeit und Mächtigkeit dessen, was sie bezeichnen. Symbole – obwohl sie selbst nicht dasselbe sind, was sie symbolisieren – partizipieren an Sinn und Macht dessen, was sie symbolisieren.” 1 ,während es P. Ricoeur um eine „Angleichung meines Seins an das Sein" 2 geht.
Meyer-Blanck betont zurecht, dass „Teilhabe” zwar ein konstitutives Moment beider Theori- en beschreibt – die Intentionen Ricoeurs und Tillichs jedoch nicht unbedingt identisch sind (S. 19), denn das, woran das Symbol teilhaben lässt, ist bei Ricoeur das sog. Sein, bei Tillich sind es „tiefere Schichten der Wirklichkeit und der Seele” 3 , die an diversen Stellen seines Werkes auch „Unbedingt-Transzendentes” oder „Sein selbst” genannt werden. Wichtig für den Gang der Untersuchung ist, dass die klassischen Symbolhermeneutiken einen letzten Bezugspunkt 4 des Symbols kennen – sei es die Partizipation des Symbols an einer immanenten Entität (am „Sein”) oder seine Teilhabe an einer transzendenten Wirklichkeit („Sein selbst”, etc.). Sie ver- 1 P. Tillich, GW V, S. 214.
2 P. Ricoeur, Die Interpretation, S. 45.
3 P. Tillich, GW V, S. 216. [Hervorhebung von mir] 4 Vgl. z. B. Tillichs symbolhermeneutische Analyse des Gottesbegriffs als einerseits „Letztgemeintes” (Bezeich- netes/Denotat) und „irgendwie gedachtes Objekt mit Eigenschaften und Handlungen” (Bedeutung/Konnotation), P. Tillich, GW V, S. 207. Allerdings scheint Tillich aufgrund seines theologischen Symbolbegriffs das Denotat nicht gegenständlich zu verstehen.
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suchten je nach Intention (ontologisch/theologisch) zu klären, was ein Symbol „ist” und fanden eine Antwort in der Idee der repräsentierenden Teilhabe des Symbols am Symbo- lisierten.
Zu (ii): Das zweite Merkmal stellt sich bei genauer Analyse als ein rein sprachlogisches Pro- blem heraus. Nach der Betrachtung eines Ricoeurzitats zeigt sich für Meyer-Blanck, „daß die Sprache des Symbols gewissermaßen Subjektcharakter hat” (S. 14). Symbole werden nach der Abhebung vom Zeichen quasi substanziell gedacht und zu „geheimnisvollen Wesen” (S. 15), welche „zu denken geben” (Ricoeur), „Selbstmächtigkeit” (Tillich) besitzen oder „zu lernen geben” (Biehl). Wenn man solche Prädikate, die in der symbolhermeneutischen und symbol- didaktischen Tradition vom Symbol ausgesagt wurden, buchstäblich ernst nimmt, muss ein entsprechender Symbolbegriff unter logischem Aspekt opak erscheinen. Ein menschliches Subjekt kann etwas geben, Macht besitzen, etc. – vom Symbol als irgendwie tätiges Wesen zu sprechen, scheint nur metaphorisch sinnvoll zu sein. Mögliche Folgen dieses unscheinbaren Prozesses sind die Dezentrierung des eigentlich handelnden Subjekts - dem Symbolinterpre- ten –, sowie die Setzung eines „ontologisch aufgeladenen Symbolbegriffs” (S. 15) ohne fak- tische Grundlage, welcher schwer intersubjektiv kommunizierbar ist und somit gerade in di- daktischer Hinsicht fatale Konsequenzen haben kann.
Fazit: M. E. hat Meyer-Blanck, natürlich selektiv und bereits aus einer ihrerseits noch zu prü- fenden semiotischen Perspektive, mit seiner kurzen Analyse des Symbol- und Zeichenbegriffs in den Symbolhermeneutiken einige der wichtigsten Kennzeichen dieser Theorien angeführt. Zeichen werden als konnotationsarme, formalisierbare Operatoren den wirkmächtigen, asso- ziationsreichen Symbolen gegenübergestellt, welche dann auf ihren substantiellen Gehalt hin „hermeneutisch” beleuchtet werden können.
Aus der „Fülle der Sprache” 1 schöpfend wird der Frage nach dem „ontologischen Status” und dem „Wirklichkeitsbezug” des Symbols begegnet und dabei jene umfassendere nach den all- gemeinen Symbolfunktionen, z. B. dem interpretierenden Symbolbenutzer, vernachlässigt. Diesen Mangel versucht Meyer-Blanck mit seiner Lesart der semiotischen Theorien zu kom- pensieren.
1.2. „Symbol” und „Zeichen” in semiotischen Theorien
Bevor ich anhand Meyer-Blancks „Skizze semiotischer Ansätze” (S. 49-84) einige semio- tische Grundbegriffe und Inhalte referiere (1.2.3.), möchte ich, dies vorbereitend, auf einen re- levanten Punkt in seiner Argumentationsstruktur hinweisen (1.2.1.) sowie diese ergänzen 1 P. Ricoeur, Symbolik des Bösen, S. 397.
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Sebastian Wengler, 2003, Symbol oder Zeichen - Eine Untersuchung zu Michael Meyer-Blancks Entwurf einer Symboldidaktik aus semiotischer Perspektive und der Versuch einer Anwendung auf das 'Symbol'/'Zeichen' Baum, Munich, GRIN Publishing GmbH
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